Zölibat

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Ehelos - um des Himmelreiches willen

Zölibat, der (lat. Coelibatus, von coelebs = unvermählt) – ist die vom katholischen Priester oder Ordensangehörigen, sowie bisweilen auch von Laien freiwillig übernommene Verpflichtung, die Keuschheit in Form der lebenslangen Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, zu bewahren. Die lateinische Kirche hat den Zölibat auch kirchenrechtlich seit Papst Gregor VII. im 11. Jahrhundert zur Bedingung für das Priesteramt gemacht.

Im Zölibat ist das Zeugnis einer besonderen Radikalität in der Nachfolge Christi, denn "jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Frau oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird Hundertfältiges empfangen und ewiges Leben erben" (Mt 19,29 EU).

Der Zölibat schafft Freiheit, denn in diesem Stand können "die geweihten Diener Christus mit ungeteiltem Herzen leichter anhangen und sich freier dem Dienst für Gott und für die Menschen widmen" (DE 58). Für den priesterlichen Dienst ist es von großem Vorteil, durch keine Gatten- oder Vaterpflichten gebunden zu sein und frei von irdischen Sorgen über die Zeit verfügen zu können.

Der Zölibat ist Zeichen einer eschatologischen Realität [vgI. DE 58], denn "bei der Auferstehung wird weder geheiratet noch verheiratet, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel" (Mt 22,30 EU).

Inhaltsverzeichnis

Biblische Grundlagen im Neuen Testament

Im Neuen Testament (Matthäus 19, 12) wird von Christus eine dreifache Ehelosigkeit unterschieden: „Denn es gibt Ehelose, die vom Mutterleib so geboren sind, und es gibt Ehelose, die von Menschen eheunfähig gemacht wurden, und es gibt Ehelose, die um des Himmelreiches willen sich der Ehe enthalten“. Letztere Form der Ehelosigkeit gilt als Merkmal besonderer Christusnachfolge in der katholischen Kirche. Christus empfiehlt einigen die Ehelosigkeit: „Wer es fassen kann, der fasse es!“ (Matthäus 19, 12). Ferner sagt Jesus: "Amen, ich sage euch: Jeder, der um des Reiches Gottes willen Haus oder Frau, Brüder, Eltern oder Kinder verlassen hat, wird dafür schon in dieser Welt das Vielfache erhalten und in der kommenden Welt das ewige Leben." Lk 18,29f EU. Die umfangreichsten Ausführungen zu Ehe und Jungfräulichkeit finden sich im ersten Paulus-Brief an die Korinther (7, 1–40). Paulus stellt seine eigene Ehelosigkeit als Beispiel hin: „Den Unverheirateten und den Verwitweten aber sage ich: Es ist gut für sie, wenn sie so bleiben wie auch ich. Können sie aber nicht enthaltsam sein, so sollen sie heiraten. Denn besser ist es, zu heiraten als zu brennen.“ (7, 8f.) Nur der Unverheiratete sei ganz frei für den Dienst Gottes (7, 32-35). Die Apostel waren, bevor sie Christus folgten und alles verließen, mit Ausnahme des Johannes verheiratet. So heilt Jesus die Schwiegermutter des Petrus (Mk 1, 29-31). Einige Apostel reisten später auch in Begleitung einer Frau. Paulus berichtet im Ersten Brief an die Korinther (9, 4-6): „Haben wir nicht das Recht, eine gläubige Frau mitzunehmen, wie die übrigen Apostel und die Brüder des Herrn und wie Kephas?“ Der Verfasser des ersten Timotheus-Briefes nennt als eine Voraussetzung für einen Bewerber um das Amt des "Bischofs" (des Gemeindevorstehers, gr. episkopos), er solle "nur einmal verheiratet" und "ein guter Familienvater" sein (3, 1-5).

Ehelosigkeit Jesu

Zu der Frage, ob Jesus verheiratet war, schweigt das Neue Testament. Die kirchliche Tradition geht aber stets davon aus, das Jesus unverheiratet geblieben ist. Aus seinen Worten und Taten spricht einerseits eine hohe Wertschätzung der Ehe. So heiligt er die Ehe durch seine Teilnahme an der Hochzeit zu Kana und stellt die Würde der Ehe heraus, indem er das Verbot seine Frau zu entlassen mit der Schöpfungsordnung begründet (Mk 10, 6-9). Andererseits relativiert er die Bedeutung der Ehe angesichts der kommenden Gottesherrschaft (s. o.: Mt 19, 12; Lk 18, 29). In jüngster Zeit wurde die Ehelosigkeit Jesu Christi im Roman „Sakrileg“ (engl. „The Da Vinci Code“) von Dan Brown in Abrede gestellt. Die These einer Heirat Jesu mit Maria Magdalena kann aus den Evangelien nicht belegt werden. Die Thesen in „Sakrileg“ sind reine Erfindung oder Fiktion. Sie sind genährt von Gedanken der Gnosis, die auf nicht-belegten Erleuchtungen einzelner aufbaut.

Der Zölibat: zum "Menschen für die anderen"

Der Priester wird durch seinen Zölibat zum "Menschen für die anderen", und zwar anders als jemand der sich mit einer Frau zu ehelicher Gemeinschaft verbindet und so ebenfalls als Bräutigam und Vater zum Menschen für die anderen wird, vor allem im Bereich der eigenen Familie: für seine Braut und zusammen mit ihr für die Kinder, denen er das Leben schenkt. Indem der Priester auf diese den Verheirateten eigene Vaterschaft verzichtet, sucht er eine andere Vaterschaft, ja fast sogar eine andere Mutterschaft, wenn er an die Worte des Apostels von den Kindern denkt, für die er Geburtswehen leidet?" Sie sind Kinder seines Geistes, Menschen, die der Gute Hirt seiner Sorge anvertraut hat. Es sind viele Menschen, mehr als eine normale menschliche Familie umfassen kann. Die pastorale Berufung der Priester ist groß und nach der Lehre des Konzils sogar universal: sie richtet sich auf die ganze Kirche und ist daher auch missionarisch.[1]

Der Zölibat in der Kirchengeschichte

Die Synode von Elvira (Spanien), die um 306 den verheirateten Priestern und Diakonen die Enthaltsamkeit in der Ehe zur Pflicht gemacht hatte, erließ eine Bestimmung, die im Abendlande allgemein zur Geltung kam (DH 118+119) und von Leo der Großen (440-461) und Gregor der Großen (590-604) auf die Subdiakone ausgedehnt wurde. Schon im 5.-7. Jahrhundert mussten die Weihekandidaten sich vielfach durch ein Keuschheitsgelübde für immer zum Zölibat verpflichten, wie es im Abendland bei der Subdiakonatsweihe der Fall ist. Das Konzil von Nicäa (325) hat die Bestimmungen der Synode von Elvira über den Zölibat für die morgenländische Kirche ausdrücklich abgelehnt. Aber die 2. trullanische Synode von 692, hat nur den Subdiakonen, Diakonen und Priestern die Fortsetzung der vor der Weihe geschlossenen Ehe gestattet, dagegen die Bischöfe zum Zölibat verpflichtet,[2] eine Regelung, die in der morgenländischen Kirche, auch bei den Unierten, gilt. Papst Benedikt VIII. ordnete im Jahre 1022 an, dass alle Geistlichen nicht mehr heiraten dürfen. Das Jahr 1078 gilt als Datum der generellen Einführung des Zölibates. Es wurde jedoch noch nicht überall eingehalten.
Das II. Laterankonzil im Jahr 1139 legte endgültig fest, dass sexuelle Beziehungen oder Ehen dazu führen, dass ein Priester sein Amt verliert. Man will nicht, dass Fürsten und Grafen, Banken und Großgrundbesitzer mitbestimmen was kirchliche Lehre und kirchliches Leben ist. Das Evangelium selber soll die Richtschnur sein (P. Bernd Hagenkord in Radio Vatikan am 30. November 2010).

Papst Pius IX. 1846

Papst Pius IX. schreibt in seiner Antrittsenzyklika Qui pluribus vom 9. November 1846, dass es Irrtümer und Betrügereien gibt. "Hierher gehört jene unlautere Verschwörung gegen den Zölibat der Geistlichen, welche leider auch von einigen Geistlichen begünstigt wird, die, der eigenen Würde in jämmerlicher Weise vergessend, durch die Schmeicheleien und Lockungen der Lüste sich haben besiegen und einfangen lassen."

Papst Johannes XXIII. über den Zölibat

"Vor allem betrübt es Uns, dass ... manche irrtümlich wähnen, die Katholische Kirche habe vor oder halte es für angebracht, das Gesetz des kirchlichen Zölibats abzuschaffen, das Jahrhunderte hindurch der herrliche und strahlende Schmuck des Priestertums war und ist. Das Gesetz des Zölibats und die Sorge um seine treue Beobachtung erinnern immer wieder an die denkwürdigen und berühmten Auseinandersetzungen jener Zeiten, in denen die Kirche Gottes hart zu kämpfen hatte und einen dreifachen Sieg davontrug; denn es ist das Kennzeichen für den Sieg der Kirche Christi, alle Kräfte aufzubieten, um frei, rein und katholisch zu sein." (Ansprache an die Römische Synode, 26. Januar 1960; cfr. AAS (52), 1960, S. 226; Vgl. auch Sacerdotalis coelibatus Nr. 37 (Fn. 76).)

Das II. Vatikanische Konzil über den Zölibat

Dekret über die Ausbildung der Priester “OPTATAM TOTIUS” vom 28.10.1965 Nr. 10. Die Alumnen, die gemäß den heiligen und festen Gesetzen ihres eigenen Ritus die verehrungswürdige Tradition des priesterlichen Zölibats auf sich nehmen, sollen mit großer Sorgfalt auf diesen Stand hin erzogen werden: sie verzichten darin um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) auf die eheliche Gemeinschaft, hangen dem Herrn mit ungeteilter Liebe an (Vgl. Pius XII., Enz. Sacra virginitas, 25. März 1954: AAS 46 (1954), 165 ff.), wie sie dem Neuen Bund in besonderer Weise entspricht; sie geben Zeugnis für die Auferstehung in der künftigen Welt (vgl. Lk 20,36; Cyprian, De habitu virginum) und gewinnen besonders wirksame Hilfe zur ständigen Übung jener vollkommenen Liebe, die sie in ihrer priesterlichen Arbeit allen alles werden lässt (PL 4, 475; Ambrosius, De virginibus l, 8, 52: PL 16, 202f; Vgl. Pius XII., Adhort. Apost. Menti nostræ: AAS 42 (1950), 663). Sie sollen tief davon durchdrungen sein, wie dankbar sie diesen Stand entgegennehmen sollen, nicht etwa bloß als eine Vorschrift kirchlicher Gesetzgebung, sondern als ein kostbares Geschenk Gottes, das sie in Demut erbitten und dem sie mit der erweckenden und helfenden Gnade des Heiligen Geistes frei und großherzig zu entsprechen suchen sollen. Um die Pflichten und die Würde der christlichen Ehe, die ein Bild der Liebe zwischen Christus und seiner Kirche ist (vgl. Eph 5,32 f.), sollen die Alumnen gebührend wissen; sie sollen aber klar den Vorrang der Christus geweihten Jungfräulichkeit erkennen (Vgl. Pius XII., Enz. Sacra virginitas, a.a.O. 170-174), so dass sie nach reiflich überlegter Wahl und mit Hochherzigkeit sich in ganzer Hingabe von Leib und Seele dem Herrn weihen. Auf die Gefahren, die ihrer Keuschheit besonders in der gegenwärtigen Gesellschaft drohen, sollen sie hingewiesen werden (Vgl. Pius XII., Adhort. Apost. Menti nostræ, a.a.O. 664.690 f.). Sie müssen lernen, sich durch geeignete göttliche und menschliche Hilfsmittel zu schützen und den Verzicht auf die Ehe so in ihr Dasein zu integrieren, dass sie in ihrem Leben und in ihrer Wirksamkeit vom Zölibat her nicht nur keinen Schaden nehmen, vielmehr eine vollkommenere Herrschaft über Leib und Seele und eine höhere menschliche Reife gewinnen und die Seligkeit des Evangeliums tiefer erfahren.

Dekret über Dienst und Leben der Priester “PRESBYTERORUM ORDINIS” vom 7.12.1965 Nr. 16: Die Kirche hat die vollkommene und ständige Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen, die von Christus dem Herrn empfohlen (vgl. Mt 19,12), in allen Jahrhunderten bis heute von nicht wenigen Gläubigen gern angenommen und lobenswert geübt worden ist, besonders im Hinblick auf das priesterliche Leben immer hoch eingeschätzt. Ist sie doch ein Zeichen und zugleich ein Antrieb der Hirtenliebe und ein besonderer Quell geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt. (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 42: AAS 57 (1965), 47-49) Zwar ist sie nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche (vgl. 1 Tim 3,2-5; Tit 1,6.) und die Tradition der Ostkirchen zeigt, wo es neben solchen, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt. Wenn diese Heilige Synode dennoch den kirchlichen Zölibat empfiehlt, will sie in keiner Weise jene andere Ordnung ändern, die in den Ostkirchen rechtmäßig Geltung hat; vielmehr ermahnt sie voll Liebe diejenigen, die als Verheiratete das Priestertum empfingen, sie möchten in ihrer heiligen Berufung ausharren und weiterhin mit ganzer Hingabe ihr Leben für die ihnen anvertraute Herde einsetzen (vgl. Pius XI., Enz. Ad catholici sacerdotii, 20. Dez. 1935: AAS 28 (1936), 28). Der Zölibat ist jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen. Die priesterliche Sendung ist nämlich gänzlich dem Dienst an der neuen Menschheit geweiht, die Christus, der Überwinder des Todes, durch seinen Geist in der Welt erweckt, die ihren Ursprung "nicht aus dem Blut, nicht aus dem Wollen des Fleisches noch aus dem Wollen des Mannes, sondern aus Gott" (Joh 1,13) hat. Durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (vgl. Mt 19,12) werden die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht; sie hangen ihm leichter ungeteilten Herzens an (vgl. 1 Kor 7,32-34), schenken sich freier in ihm und durch ihn dem Dienst für Gott und die Menschen, dienen ungehinderter seinem Reich und dem Werk der Wiedergeburt aus Gott und werden so noch mehr befähigt, die Vaterschaft in Christus tiefer zu verstehen. Auf diese Weise bezeugen sie also vor den Menschen, dass sie sich in ungeteilter Hingabe der ihnen anvertrauten Aufgabe widmen wollen, nämlich die Gläubigen einem Mann zu vermählen und sie als keusche Jungfrau Christus zuzuführen (vgl. 2 Kor 11,2); so weisen sie auf jenen geheimnisvollen Ehebund hin, der von Gott begründet ist und im anderen Leben ins volle Licht treten wird, in welchem die Kirche Christus zum einzigen Bräutigam hat (Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 42.44; Dekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens Perfectæ caritatis, Nr. 12). Darüber hinaus sind sie ein lebendiges Zeichen der zukünftigen, schon jetzt in Glaube und Liebe anwesenden Welt, in der die Auferstandenen weder freien noch gefreit werden (vgl. Lk 20,35-36; Pius XI., Enz. Ad catholici sacerdotii, 20. Dez. 1935; Pius XII., Enz. Sacra virginitas, 25. März 1954). Der so im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründete Zölibat wurde zunächst den Priestern empfohlen und schließlich in der lateinischen Kirche allen, die die heilige Weihe empfangen sollten, als Gesetz auferlegt. Diese Heilige Synode billigt und bekräftigt von neuem das Gesetz für jene, die zum Priestertum ausersehen sind, wobei ihr der Geist das Vertrauen gibt, dass der Vater die Berufung zum ehelosen Leben, das ja dem neutestamentlichen Priestertum so angemessen ist, großzügig geben wird, wenn nur diejenigen, die durch das Sakrament der Weihe am Priestertum Christi teilhaben, zusammen mit der ganzen Kirche demütig und inständig darum bitten. Das Konzil mahnt daher alle Priester, die im Vertrauen auf Gottes Gnade in freier Entscheidung nach Christi Vorbild den Zölibat auf sich genommen haben, ihm großmütig und mit ganzem Herzen anzuhangen und treu in diesem Stand auszuhalten in der Erkenntnis der hohen Gnadengabe, die ihnen vom Vater gegeben wurde und die der Herr so offenkundig gepriesen hat (vgl. Mt 19,11.). Sie sollen dabei immer jene Geheimnisse vor Augen haben, die durch sie bezeichnet werden und ihre Erfüllung finden. Und je mehr in der heutigen Welt viele Menschen ein Leben in vollkommener Enthaltsamkeit für unmöglich halten, um so demütiger und beharrlicher werden die Priester und mit ihnen die ganze Kirche die Gabe der Beständigkeit und Treue erflehen, die denen niemals verweigert wird, die um sie bitten. Zugleich werden sie alle übernatürlichen und natürlichen Hilfen anwenden, die jedem zur Verfügung stehen; sie sollen vor allem die durch die Erfahrung der Kirche bewährten aszetischen Verhaltensweisen, die in der modernen Welt nicht weniger notwendig sind, befolgen. So bittet diese Heilige Synode nicht nur die Priester, sondern alle Gläubigen, sie möchten sich die kostbare Gabe des priesterlichen Zölibates ein wirkliches Anliegen sein lassen, und alle mögen Gott bitten, dass er dieses Geschenk seiner Kirche stets in Fülle zukommen lasse.

17. Im freundschaftlichen und brüderlichen Verkehr untereinander und mit den übrigen Menschen haben die Priester Gelegenheit, die menschlichen Werte zu pflegen und die irdischen Güter als Geschenke Gottes zu würdigen. Mitten in der Welt sollen sie dennoch immer wissen, dass sie nach dem Wort unseres Herrn und Meisters nicht von der Welt sind (vgl. Joh 17,14-16.). Wenn sie also die Dinge der Welt so gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht (vgl. 1 Kor 7,31), dann werden sie zu jener Freiheit von aller ungeordneten Anhänglichkeit und Sorge gelangen, durch die sie gelehrig für die Stimme Gottes im täglichen Leben werden. Aus solcher Freiheit und Gelehrigkeit erwächst das geistliche Unterscheidungsvermögen, durch das man die rechte Haltung zur Welt und ihren Gütern findet. Diese Haltung ist deshalb von großer Bedeutung für die Priester, weil sich ja die Sendung der Kirche inmitten der Welt vollzieht und die geschaffenen Güter zum Reifen der menschlichen Persönlichkeit unerläßlich sind. So seien sie also dankbar für alles, was ihnen der himmlische Vater für eine rechte Lebensführung in die Hand gibt. Doch sollen sie alles, was ihnen begegnet, im Licht des Glaubens prüfen, damit sie es richtig gebrauchen lernen, wie es dem Willen Gottes entspricht, und ablehnen, was ihrer Sendung im Weg steht. Denn die Priester, deren "Anteil und Erbe" der Herr ist (Num 18,20), dürfen die zeitlichen Güter nur in dem Rahmen gebrauchen, der ihnen durch die Lehre Christi des Herrn und von der Weisung der Kirche gesteckt ist.

Papst Paul VI. über den Zölibat

Papst Paul VI. nutzte die Enzyklika Sacerdotalis coelibatus (Über den Priester-Zölibat) vom 24. Juni 1967 erneut für ein Festhalten am Zölibats. Er riet den Amtsträgern ferner die ehelose Enthaltsamkeit;

Nr. 77: "Mit ängstlicher Sorgfalt auf die Ganzhingabe an Christus bedacht, soll sich der Priester vor Gefühlserregungen hüten, die einen Zustand auslösen, der vom Geist nicht mehr genügend erleuchtet und geleitet wird; und er soll solche wirklich gefährliche Neigungen des Herzens nicht unter dem Vorwand geistlicher und seelsorglicher Verpflichtungen rechtfertigen." Es folgt ein Abschnitt über mannhafte Aszese (Wortlaut: siehe unten).

Also: Unzucht – verstanden als Geschlechtsverkehr zwischen Personen, die nicht verheiratet sind – ist nicht mit Ehelosigkeit zu vereinbaren, wie bisweilen argumentiert wird. Diese Deutung der Ehelosigkeit, verstanden als „Ehe ohne Trauschein“ widerspricht dem kirchlichen Verständnis der Ehelosigkeit. Vielmehr ist Unzucht als Verstoß gegen die guten Sitten von zölibatär lebenden Menschen ein besonderes Ärgernis in der Kirche.

Zölibat des Priesters im Kirchenrecht

Die Ehelosigkeit oder der Zölibat ist im Kirchenrecht der katholischen Kirche, dem Codex Iuris Canonici von 1983, für Kleriker (Bischöfe, Priester) verpflichtend vorgeschrieben. Personen, die das Weihesakrament erhalten haben, können deshalb nicht heiraten. Die Verletzung des Keuschheitsgebots ist eine Entweihung und gilt als Sakrileg (Gottesraub). Die Vorschriften des Kirchenrechts zum Zölibat könnten theoretisch geändert werden, weil sie nicht göttlichen Rechts sind.

CIC 599: Der um des Himmelreiches willen übernommene evangelische Rat der Keuschheit, der ein Zeichen der künftigen Welt und eine Quelle reicherer Fruchtbarkeit eines ungeteilten Herzens ist, bringt die Verpflichtung zu vollkommener Enthaltsamkeit im Zölibat mit sich.

CIC 244 § 1: Die Kleriker sind gehalten, vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen zu wahren; deshalb sind sie zum Zölibat verpflichtet, der eine besondere Gabe Gottes ist, durch welche die geistlichen Amtsträger leichter mit ungeteiltem Herzen Christus anhangen und sich freier dem Dienst an Gott und den Menschen widmen können.

CIC 247 § 1: Auf die Einhaltung des zölibatären Standes sind sie durch eine entsprechende Erziehung vorzubereiten; sie haben zu lernen, ihn als eine besondere Gabe Gottes in Ehren zu halten.

CIC 1037: Ein unverheirateter Weihebewerber für den ständigen Diakonat und ebenso ein Weihebewerber für den Presbyterat dürfen zur Diakonenweihe erst zugelassen werden, wenn sie nach dem vorgeschriebenen Ritus öffentlich vor Gott und der Kirche die Zölibatsverpflichtung übernommen haben.

CIC 291 § 1: Außer den in can. 290, n. 1 genannten Fällen bringt der Verlust des klerikalen Standes nicht die Dispens von der Zölibatsverpflichtung mit sich; diese wird einzig und allein vom Papst gewährt.

Die Ehelosigkeit ist zum Beispiel in der Ostkirche bei Amtsträgern nicht geboten (außer bei Bischöfen), ist aber hoch angesehen. Im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) ist festgehalten: „In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. ... Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.“ (KKK Nr. 1580) In der lateinischen Kirche gilt Canon 277 Paragraph 1 des neuen Kirchenrechts, das von Papst Johannes Paul II. erlassen worden ist: "Die Kleriker sind verpflichtet, wegen des Himmelreichs eine vollkommene und ewige Enthaltsamkeit zu bewahren, sind also zum Zölibat angehalten, der ein besonderes Geschenk Gottes ist."

Papst Johannes Paul II. über den Zölibat

In Pastores dabo vobis schreibt Papst Johannes Paul II. über die Priesterausbildung. Der Zölibat spielt darin eine wichtige Rolle. Als innere Haltung erfordert die Ehelosigkeit auch Keuschheit, ebenso wie diese Tugend für die christlichen Ehe gilt. Begrifflich ist die Keuschheit von der Jungfräulichkeit zu unterscheiden, die lebenslängliche Enthaltsamkeit bedeutet. Lebenslange Jungfräulichkeit gilt als besonderes Gnadengeschenk Gottes. Sie wurde zum Beispiel Maria, der Mutter Jesu verliehen. Durch ein besonderes Wunder war in ihr immerwährende Jungfräulichkeit und Mutterschaft verbunden.

Der Zölibat im Katechismus der Katholischen Kirche

1579 Mit Ausnahme der ständigen Diakone werden alle geweihten Amtsträger der lateinischen Kirche normalerweise aus den gläubigen Männern gewählt, die zölibatär leben und den Willen haben, den Zölibat „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) beizubehalten. Dazu berufen, sich ungeteilt dem Herrn und seiner „Sache“ zu widmen [Vgl. 1 Kor 7,32], geben sie sich ganz Gott und den Menschen hin. Der Zölibat ist ein Zeichen des neuen Lebens, zu dessen Dienst der Diener der Kirche geweiht wird; mit freudigem Herzen auf sich genommen, kündigt er strahlend das Reich Gottes an [Vgl. PO 16] (Vgl. dazu auch 1618, 2233).

1580 In den Ostkirchen gilt seit Jahrhunderten eine andere Ordnung: Während die Bischöfe ausschließlich unter Unverheirateten ausgewählt werden, können verheiratete Männer zu Diakonen und Priestern geweiht werden. Diese Praxis wird schon seit langem als rechtmäßig erachtet; diese Priester üben im Schoß ihrer Gemeinden ein fruchtbares Dienstamt aus [Vgl. PO 16]. Übrigens steht der Priesterzölibat in den Ostkirchen sehr in Ehren, und zahlreiche Priester haben ihn um des Gottesreiches willen freiwillig gewählt. Im Osten wie im Westen kann, wer das Sakrament der Weihe empfangen hat, nicht mehr heiraten.

1599 In der lateinischen Kirche wird die Weihe zum Presbyterat normalerweise nur solchen Kandidaten gespendet, die bereit sind, freiwillig den Zölibat auf sich zu nehmen, und die öffentlich ihren Willen bekunden, an ihm festzuhalten aus Liebe zum Reich Gottes und um den Menschen zu dienen.

Papst Benedikt XVI. über den Zölibat

Es ist wichtig, dass wir uns immer von neuem von dieser Identifikation des »Ichs« Christi mit uns durchdringen lassen, von diesem »Hinausgezogen werden« in die Welt der Auferstehung. In dieser Hinsicht ist der Zölibat eine Vorwegnahme. Wir übersteigen diese Zeit und gehen weiter, und so »ziehen« wir uns selbst und unsere Zeit auf die Welt der Auferstehung hin, auf die Neuheit Christi, das neue und wahre Leben zu. Das heißt, der Zölibat ist eine Vorwegnahme, die möglich wird durch die Gnade des Herrn, der uns zu sich »zieht«, zur Welt der Auferstehung hin; er lädt uns immer von neuem ein, uns selbst zu übersteigen, diese Gegenwart, hin auf die wahre Gegenwart der Zukunft, die heute Gegenwart wird. Und hier sind wir an einem sehr wichtigen Punkt angelangt. Ein großes Problem des Christentums der heutigen Welt ist, dass man nicht mehr an die Zukunft Gottes denkt: die bloße Gegenwart dieser Welt scheint ausreichend zu sein. Wir wollen nur diese Welt haben, nur in dieser Welt leben. So schließen wir die Tür für die wahre Größe unseres Lebens. Der Sinn des Zölibats als Vorwegnahme der Zukunft ist gerade das Öffnen dieser Türen, die Welt größer werden zu lassen, die Wirklichkeit der Zukunft zu zeigen, die von uns schon jetzt als Gegenwart gelebt werden muß. So leben wir im Zeugnis des Glaubens: Wir glauben wirklich, dass es Gott gibt, dass Gott in meinem Leben eine Rolle spielt, dass ich mein Leben auf Christus bauen kann, auf das zukünftige Leben.

Und jetzt erkennen wir die weltliche Kritik, von der Sie gesprochen haben. Es ist wahr, dass für die agnostische Welt, die Welt, in der Gott keine Rolle spielt, der Zölibat etwas ist, das großen Anstoß erregt, weil gerade er zeigt, dass Gott als Wirklichkeit betrachtet und erlebt wird. Mit dem eschatologischen Leben des Zölibats tritt die zukünftige Welt Gottes in die Wirklichkeiten unserer Zeit. Und das soll beseitigt werden! In gewisser Hinsicht mag diese beständige Kritik am Zölibat überraschen, in einer Zeit, in der es immer mehr Mode wird, nicht zu heiraten. Aber dieses Nicht-Heiraten ist etwas vollständig und grundlegend anderes als der Zölibat, denn das Nicht-Heiraten ist auf den Willen gegründet, nur für sich selbst zu leben, keine endgültige Bindung zu akzeptieren, das Leben zu jedem Zeitpunkt in vollkommener Autonomie zu leben, jeden Augenblick zu entscheiden, was zu tun ist, was man vom Leben nimmt; es ist daher ein »Nein« zur Bindung, ein »Nein« zur Endgültigkeit, es bedeutet, das Leben nur für sich allein zu haben. Der Zölibat dagegen ist genau das Gegenteil: er ist ein endgültiges »Ja«, ein sich von den Händen Gottes Ergreifenlassen, ein sich in die Hände Gottes, in sein »Ich« Hineinlegen, das heißt es ist ein Akt der Treue und des Vertrauens, ein Akt, der auch Voraussetzung ist für die Treue in der Ehe. Es ist genau das Gegenteil dieses »Nein«, dieser Autonomie, die sich nicht verpflichten will, die keine Bindung eingehen will. Es ist das endgültige »Ja«, das das endgültige »Ja« der Ehe voraussetzt und bestätigt. Und diese Ehe ist die biblische Form, die natürliche Form des Mann- und Frau-Seins, die Grundlage der großen christlichen Kultur und großer Kulturen der Welt. Und wenn das verschwindet, wird die Wurzel unserer Kultur zerstört. Deshalb bestätigt der Zölibat das »Ja« der Ehe mit seinem »Ja« zur zukünftigen Welt, und so wollen wir weitergehen und diesen Anstoß eines Glaubens gegenwärtig machen, der sein ganzes Leben auf Gott setzt. Wir wissen, dass es neben diesem großen Ärgernis, das die Welt nicht sehen will, auch die zweitrangigen Skandale unserer Unzulänglichkeiten, unserer Sünden gibt, die das große Ärgernis verdunkeln und denken lassen: »Aber sie gründen ihr Leben nicht wirklich auf Gott!« Aber es gibt sehr viel Treue! Der Zölibat, das zeigt gerade die Kritik, ist ein großes Zeichen des Glaubens, der Gegenwart Gottes in der Welt. Bitten wir den Herrn, dass er uns hilft, uns von den zweitrangigen Skandalen zu befreien, dass er das große »Ärgernis« unseres Glaubens gegenwärtig macht: das Vertrauen, die Kraft unseres Lebens, das auf Gott und Jesus Christus gegründet ist! [3]

Bischofssynoden zum Zölibat

  • 30. September- 6. November 1971 II. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode in Rom. Die Mehrheit der Bischöfe plädiert für die Beibehaltung des Zölibats, auch die Weihe von "bewährten verheirateten Männern" ("viri probati") in Notlagen wird abschlägig beschieden (vgl. Ultimis temporibus Nr. 20).
  • 30. September- 28. Oktober 1990 VIII. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode zum Thema „Die Priesterbildung im Kontext der Gegenwart" vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores dabo vobis vom 25. März 1992.
  • 2.- 23. Oktober 2005 XI. Ordentliche Generalversammlung der Weltbischofssynode in Rom zum Thema „Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche" vgl. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Sacramentum caritatis vom 22. Februar 2007. Ca. 4/5 der Bischöfe sprach sich erneut für den Zölibat der Priester aus.

Ehelosigkeit als Lebensstil

Nicht nur Personen, die das Weihesakrament empfangen haben, auch Ordensleute und bisweilen Laien, etwa in katholischen Vereinigungen, entschließen sich freiwillig zur Ehelosigkeit. Der Sonderfall einer dauernden freiwilligen Enthaltsamkeit beider Ehepartner innerhalb der Ehe wird Josephsehe genannt, weil die Beziehung von Maria und Joseph als Vorbild gilt. Sie wird von der Kirche aber nicht als Lebensform empfohlen, da die dauerhafte Verweigerung der Geschlechtlichkeit in einer Ehe im Normalfall Ausdruck eine schweren Beziehungsstörung ist. Der Mensch ist auch nach kirchlichem Verständnis vom Zustand gelebter Keuschheit "per se" überfordert. „Wer argumentiert, das Jungfräulichkeitsgelübde sei eine unmenschliche Forderung hat im Grunde genommen Recht. Dass dieser Zustand unnatürlich ist, heißt jedoch nicht, dass er auch widernatürlich sein muss. Ich nenne ihn übernatürlich“ (Henri Boulad). Übernatürlich bedeutet, dass nach dem Verständnis der Kirche ein göttliches Wirken in Form von Gnade oder gar eine göttliche Berufung zur Ehelosigkeit vorausgesetzt wird. Eine Aufhebung der Zölibatsverpflichtung für das Priesteramt würde an der freiwilligen Verpflichtung zur Ehelosigkeit der Ordensleute oder Ordenspriester nichts ändern.

Zölibat und Geschichte

Die Ehelosigkeit war im Alten Testament unbekannt. Für einen gläubigen Juden, ist es ein Verpflichtung den Auftrag: "Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde" (Gen 1, 28) zu erfüllen. Außerdem wäre eine freiwillige Ehelosigkeit einer Frau, als Ablehnung der Mutterschaft eines kommenden Messias´ verstanden worden.

In kirchlichen Dokumenten taucht die Verpflichtung erstmals im Jahr 306 nach Christus in Texten der Synode von Elvira (bei Granada/Spanien) auf. Ein Synodentext schrieb den im Dienst stehenden Klerikern vor, „sich von ihren Gattinnen zu enthalten und keine Kinder mehr zu zeugen“. Diese Vorschrift wurde von Papst Siricius im Jahr 385 auf die ganz Kirche ausgedehnt. Die Synode von Neucäsare im Jahre 314 beschloss bereits die Absetzung dessen, der als Priester heiratete.

Im vierten Jahrhundert schreibt der Heilige Hieronymus in der bekannten Stelle gegen Vigilantius: "Was tun die Kirchen des Orients, was die von Ägypten oder was tut der Apostolische Stuhl? Diese akzeptieren nur Jungfräuliche oder Enthaltsame als Priester, oder wenn sie Ehefrauen haben, hören sie doch auf, ein eheliches Leben zu führen." (Vgl. Hieronymus, Contra Vigilantium, PL 23.)

Im Mittelalter war der Zölibat bei der Besetzung von Fürstenämtern durch Bischöfe von großer Bedeutung (Ottonisches Reichskirchensystem). Der König sicherte sich durch Besetzung der Fürstentümer mit Zölibatären weitgehende Einflussmöglichkeiten beim Tod des Amtsinhabers. Das Konzil von Trient verteidigt im 16. Jahrhundert den Zölibat gegen die Reformatoren. Martin Luther, zuvor Mönch und Priester, heiratete 41-jährig am 13. Juni 1525 die 26 Jahre alte frühere Zisterzienser-Nonne Katharina von Bora. Hierdurch wurde die Frage der Ehelosigkeit der Priester zu einem Streitpunkt und Unterscheidungsmerkmal der beiden christlichen Konfessionen.

Viele Kirchenfeinde haben wie Adolf Hitler erkannt, dass der Zölibat der Kirche eine innere Stärke und Widerstandskraft gibt, die sie brechen wollten.

Diskussion über die Zölibatsverpflichtung

Diskutiert wird in der katholischen Kirche, ob nicht durch Zulassung Verheirateter zum Priesteramt und damit durch Abänderung der Zölibatspflicht für Diözesanpriester zumindest der Priestermangel verringert werden kann. Das Beispiel der evangelischen Kirche, in der die Amtsträger heiraten können, zeigt aber, dass sich dadurch keine entscheidende Wende in der Pastoral einstellt. Den vermuteten Problemen mit der Ehelosigkeit von Interessenten am Priesteramt in der katholischen Kirche entsprechen offenbar in Art und Umfang die Ehe-Schwierigkeiten der Amtsträger anderer Konfessionen, weil auch die Ehe nicht vor Abwegen und Entgleisungen schützt. „Daher zögern nichtkatholische Kirchenleitungen, ihre Regelungen als Ideal zu empfehlen, mit dem alle Probleme gelöst wären“ (Heinz-Joachim Fischer). Auch eine Bischofssynode der Kirche von 1971 kam zu dem Schluss, dass der priesterliche Dienst am besten durch Unverheiratete ausgeübt werde. So gen. "Opportunitätsargumente" wie Wahrung von Eigentumsrechten, Freiheit der Kirche bei der Ämtervergabe, Verfügbarkeit für seelsorgliche Zwecke sind ebenfalls von Bedeutung.

Fehlverhalten von zölibatär lebenden Menschen

Der Skandal von Übergriffen auf Minderjährige oder gleichgeschlechtliche Beziehungen von Priestern in den Vereinigten Staaten haben zu der Vermutungen geführt, das Gebot der ehelosen Enthaltsamkeit habe sie auf derartige Abwege gebracht. „In offenen westlichen Gesellschaften, wo Geschlechtlichkeit allgegenwärtig ist, nähren solche Vorkommnisse den Verdacht der unkontrollierbaren Verklemmtheit und den Zweifel über einen Personenkreis, der sich dieser allgemeinen Tendenz des öffentlichen Lebens entziehen, gar verweigern will.“ (Heinz-Joachim Fischer) Dieser Generalverdacht erweist sich aber als ungerechtfertigt angesichts von Zehn- und Hunderttausenden von Männern und Frauen, die trotz oder gerade wegen der Enthaltsamkeit im Pastoraldienst oder der Seelsorge „eine ausgereifte Persönlichkeit entwickelt haben“ (Johannes B. Torello). Zudem steht die öffentliche Diskussion von unzüchtigem Fehlverhalten der Amtsträger der Kirche in einer unguten Tradition, die im Nationalsozialismus als Teil einer Strategie gegen die katholische Kirche in Deutschland geschichtlich bereits einen Höhepunkt gefunden hatte. Angriffe gegen den Zölibat kamen in dieser Zeit auch durch die Überbetonung eugenischer Werte zustande. Dessen ungeachtet sind die Bischöfe aufgefordert, in allen Fällen mit berechtigtem Fehlverhalten die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, einschließlich einer Einschaltung der zivilen Gerichtsbarkeit. Besondere Vorsicht muss in diesen Fragen deshalb walten, weil auch Fälle von ungerechtfertigten Vorwürfen bereits beträchtlichen Schaden angerichtet haben (Kampagne des US-Senders CNN gegen Joseph Kardinal Bernardin, Erzbischof von Chicago, aufgrund einer falschen Zeugenaussage) . Ehe und Ehelosigkeit stehen sich als Lebensstile wegen der dazu erforderlichen Treue zu einer einmal getroffenen Entscheidung im Prinzip näher als unverbindliche oder ausschweifende Lebensformen.

Verhältnis von Priestern zu nichtpriesterlichen Seelsorgern

Um 2005 hatten einige Bistümer Deutschlands genau so viele Pastoralreferenten/Gemeindereferenten wie Priester.

Deutsche Bistümer, die besonders dazu tendieren, (verheiratete) Diakone oder Laien (Gemeindereferentinnen, Pastoralreferentinnen) in der Pastoral einzusetzen - im Vergleich zu Priestern (aus Katholisch.de 2005):
Bistum Rottenburg-Stuttgart: Priester 600, Diakone 137, Pastorale Mitarbeiter 600.
Bistum Würzburg: Priester 144, Diakone 144, GemeinderefentInnen 138, PastoralreferentInnen 141.
Bistum Mainz: Priester 413, Diakone 81, GemeindereferentInnen 269, PastoralreferentInnen 139.
Bistum Speyer: Priester 214, Diakone 48, Pastorale Laienmitarbeiter 241.
Bistum Limburg: Priester 399, Diakone 61, GemeindereferentInnen 178, PastoralreferentInnen 188.
Bistum Osnabrück: Priester 235, Diakone 40, Laien im pastoralen Dienst 227.

Lehramtliche Schreiben

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

Franziskus

  • 14. Juni 2014 Franziskus erlaubt dem verheirateten Klerus der mit Rom verbundenen Ostkirchen weltweit tätig zu sein und nicht nur in historischen Verbreitungsgebieten.[4] Eine Reform des Zölibats steht nach Worten von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin jedoch im Februar 2016 nicht auf der Agenda des Papstes.[5]

Literatur

Publikationen in Zeitungen

  • Henri Boulad SJ: Der Glanz des priesterlichen Zölibats. In: KIRCHE heute, 2006, Nr. 2, S. 8 ff.
  • Thomas Mc Govern: Der priesterliche Zölibat in historischer Perspektive. In: Forum Katholische Theologie 14 (1998), Seiten 18-40 und 99-123
  • Libero Gerosa: Jungfräulichkeit und kanonisches Recht. Zur kirchlichen Bedeutung des Standes der Jungfrauen. In: Internationale katholische Zeitschrift Communio 25 (1996), Seiten 23-33
  • Heinz Kruse: Eheverzicht im Neuen Testament und in der Frühkirche. In: Forum Katholische Theologie 1 (1985), Seiten 94-116

Weblinks

Anmerkungen

  1. Johannes Paul II.: Gründonnerstagsschreiben Novo incipiente an alle Priester der Kirche vom 8. April 1979.
  2. Gregor der Große Brief an den Subdiakon Petrus in Sicilien: "Vor drei Jahren ist es den Subdiakonen der asiatischen Kirche geboten worden, nach der Sitte der römischen Kirche sich des ehelichen Umgangs zu enthalten. Es scheint mir hart und ungebührlich, Jene zur Trennung von ihren Frauen zu zwingen, welche sich in die Enthaltsamkett noch nicht hineingefunden und auch früher die Keuschheit nicht gelobt hatten; sie könnten, was fern bleiben möge, gerade in Folge dieser Strenge noch tiefer fallen. Darum dünkt es mir gut, dass vom heutigen Tage an alle Bischöfe verpflichtet werden, keinen zum Subdiakon zu weihen, der nicht keusch zu leben versprochen hat."
  3. GEBETSWACHE ANLÄSSLICH 
DES INTERNATIONALEN PRIESTERTREFFENS, GESPRÄCH VON PAPST BENEDIKT XVI. MIT DEN PRIESTERN, Petersplatz, Donnerstag 10. Juni 2010
  4. „Deutsch-Brasilianische Achse“ gegen den Zölibat Katholisches.info am 12. Januar 2016
  5. Kardinalstaatssekretär Parolin: Keine Reform des Zölibats geplant Kath.net am 6. Februar 2016
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