Kongregation für die Glaubenslehre

Aus Kathpedia
(Weitergeleitet von Heiliges Offizium)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Glaubenskongregation
Wappen des gegenwärtigen Papstes

Kongregation für die Glaubenslehre (Congregatio pro doctrina fidei, Glaubenskongregation) nennt sich das oberste Organ an der Römischen Kurie. Der ursprüngliche Name lautete Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis. Im öffentlichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung "Inquisition" durch.

Der Präfekt der Glaubenskongregation ist von Amts wegen auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission, deren Sekretariat und Sitz bei dem Dikasterium ist.

Der heilige Papst Pius V. ist der Patron der Glaubenskongregation.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Heilige Inquisition war eine jahrhundertelang eingesetzte Organisation, um die Kirche von Häresien und Irrglauben zu reinigen. Sie wurde 1231 von Papst Gregor IX. offiziell gegründet und, nach wechselvollem Geschick in den unterschiedlichen Ländern Europas, durch Papst Paul III. mit der Konstitution Licet ab initio vom 21. Juli 1542 in der Neuzeit als erste Kongregation neu strukturiert; als solche wurde sie in der Kurienreform Sixtus V. 1588 bestätigt.

Papst Pius X. hat mit der zwecks Kurienreform veröffentlichten Apostolischen Konstitution Sapienti consilio vom 29. Juni 1908 Kongregation in "Sacra Congregatio Sancti Officii" (Heiliges Offizium) umbenannt; Papst Benedikt XV. übertrug ihr die Befugnisse der von ihm aufgelösten Indexkongregation. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio Integrae servandae vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation wiederum neu geordnet und dabei den Index verbotener Bücher als rechtlich wirksames Instrument abgeschafft. Seit diesem Zeitpunkt hat sie auch den gegenwärtigen Namen. Erster Präfekt wurde der vorherige Sekretär des Hl. Offiziums, der überaus kompetente Kirchenrechtler, aus der Schule von Pietro Gasparri, Kardinal Alfredo Ottaviani (Präfekt des Hl. Offiziums war zuvor der Papst selber), der bis 1969 im Amt blieb. Sein Nachfolger war der kroatische Kurienkardinal Franjo Seper, diesem folgte 1982 Kardinal Joseph Ratzinger (bis 2005).

Zur Geschichte der Heiligen Inquisition

In der Darstellung ihrer Geschichte überwogen in den letzten 200 Jahren die negativen Aspekte, die heute die allgemeine Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch bestimmen. Die wildromantische Vorstellung, als hätten das ganze Mittelalter hindurch fast in jedem Landstrich permanent nur Scheiterhaufen gebrannt und als sei es die Hauptbetätigung der Inquisition gewesen, möglichst viele Ketzer hinzurichten, ist aber eine grobe Verzerrung. Die Gesamtzahl der Opfer entspricht seit Gründung der Römischen Inquisition 1542 ungefähr der Zahl, die allein Mao tse-Tung während seiner Diktatur in China in 40 Minuten (!) vernichtete (so: Manfred Lütz) und diese wurde selbst vom Terrorjahr 1793 der frz. Revolution massiv übertroffen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer aus heutiger Sicht unentschuldbar und nicht "aufrechenbar", da das Evangelium von der Liebe Gottes nur ohne Gewalt (und ohne "helfende" Inanspruchnahme der Staatsgewalt) glaubhaft zu verkündigen ist.

Ein Beispiel: die Opfer der Inquisition beziffert Arnold Angenendt mit 97 (1542-1761; nur römische Inquisition!) und um 6.000, sofern es um die gefürchtete spanische Inquisition geht. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zuviel; aber es verblüfft doch schon, wenn man bedenkt, wie ohne Sinn und Verstand horrende Zahlen in die Welt gesetzt wurden, ohne dass etwas dahinter steckt und wieviele Leute (auch und gerade brave Katholiken) dies dann glauben.

Einschließlich der Opfer des Hexenwahns, der ja kein christliches oder gar katholisches Phänomen war, sondern ein Phänomen des Aberglaubens war, ist zu sagen: Angenendt beziffert die Zahl, wie andere seriöse Forscher auch, auf etwa 50.000, darunter rund ein Viertel Männer. (Die mitunter verbreitete, gewaltige Zahl von 6.- 9. Millionen Toten rührt zum einen von bewußter Hetze gegen die Kirche, als auch von Missverständnissen her. So wurden bereits im 18. Jh. Zahlen von rund 9 Millionen Toten genannt. Dies rührte daher, dass man alle Prozesse mit Todesurteilen gleichsetzte!) .

Jüngere Literatur bemüht sich um eine ausgewogenere Sicht, wenn auch z.B. bei Hans Conrad Zander bisweilen in einer eher ironisierenden Darstellungsweise. Demnach agierte die Inquisition in relativer Hinsicht sogar eher fortschrittlich, in rechtsförmlichen Verfahren, und war keineswegs typischerweise übereifrig. Auch der Neuseeländer Peter Godman hat die Geschichte der modernen Inquisition anhand gravierender Fälle (von Galilei bis Graham Greene) nachgezeichnet. In der Geschichte der spanischen Inquisition vermengen sich jedoch königlich- herrschaftliche und explizit kirchliche Interessen stärker als bei der römischen "Zentrale".

In Deutschland blieb die Inquisition weitgehend unbedeutend, abgesehen von unrühmlichen Exzessen in der Hexenverfolgung, die jedoch ein frühneuzeitliches Phänomen war, an dem sich auch nichtkatholische Kräfte massiv beteiligten.

Literatur

Mitglieder

Die Glaubenskongregation hat 23 Mitglieder: Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aus 14 verschiedenen Nationen. Der Präfekt der Kongregation ist Kardinal William Levada, der frühere Erzbischof von San Francisco. Sekretär war bis 2008 Erzbischof Mgr. Angelo Amato S.D.B., sein Nachfolger ist P. Luis Ladaria Ferrer S.J.; Untersekretär P. Joseph Augustine Di Noia OP und Promotor Iustitiae Mons. Charles Scicluna. Derzeit arbeiten 37 Mitarbeiter an der Glaubenskongregation. Das Dikasterium wird von einem Kollegium von 33 Konsultoren beraten. In der Regel sind diese Professoren an den Päpstlichen Fakultäten in Rom.

Präfekten seit 1965

[zuvor führte der Papst selbst den Vorsitz]

weitere Leitung

Sekretär der Kongregation ist seit 2008 Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, Untersekretär P. Joseph Augustine Di Noia

Aufgaben

Papst Johannes Paul II. hat 1988 in der Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie Pastor bonus festgelegt, dass die Glaubenskongregation die Aufgabe hat, "die Glaubens- und Sittenlehre in der ganze katholischen Kirche zu fördern und schützen."

Die Aufgaben sind in drei Bereiche eingeteilt:

  • Der doktrinelle Bereich
  • Der disziplinäre Bereich
  • Die Ehesektion

Kontakt

Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation

Piazza del S. Uffizio, 11, 00193 Rom, Italien

phone: (011) 39-06-6988-3357

phone: (011) 39-06-6988-3413

Fax: (011) 39-06-6988-3409

E-mail: cdf@cfaith.va

Zitate

"Auch die Beschäftigung mit der Inquisition kann den Glauben an die göttliche Gründung der Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in den eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und dabei nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein." (P. Eberhardt von Gemmingen SJ)

Weblinks

Anmerkungen

  1. Erzbischof Müller: Glaubenskongregation muss Glauben fördern Kath.net am 30. April 2013