Missbräuche in der Liturgie

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Missbräuche in der Liturgie meint, den öffentlichen Kult als Ganzes oder in Teilen falsch darstellen (Lehre) und verschiedene liturgischen Normen der Kirche ignorieren (Disziplin). Auf Missbräuche in der Liturgie wurde immer wieder durch den Heiligen Stuhl mit verschiedenen Stellungnahmen reagiert.
siehe: Fehlentwicklungen in der Liturgie‎.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen der Missbräuche

Die Missbräuche haben ihre Wurzel nicht selten in einem falschen Begriff von Freiheit. Gott hat uns in Christus aber nicht jene illusorische Freiheit gewährt, in der wir machen, was wir wollen, sondern die Freiheit, in der wir tun können, was würdig und recht ist.[1] Dies gilt gewiss nicht nur für jene Vorschriften, die unmittelbar von Gott kommen, sondern auch für die Gesetze, die von der Kirche promulgiert worden sind, wenn man das Wesen einer jeden Norm entsprechend berücksichtigt. Daher müssen sich alle nach den Anordnungen der rechtmäßigen kirchlichen Autorität richten.

Sehr oft beruhen die Missbräuche auch auf Unkenntnis, denn meistens werden jene Dinge abgelehnt, deren tieferen Sinn man nicht erfasst und um deren Alter man nicht weiß.

Zuweilen kommt auch ein sehr bedeutungsminderndes Verständnis der Eucharistie zum Vorschein. "Einmal seines Opfercharakters beraubt, wird das eucharistische Geheimnis so vollzogen, als ob es nicht den Sinn und den Wert eines Treffens zum brüderlichen Mahl übersteigen würde. Darüber hinaus ist gelegentlich die Notwendigkeit des Amtspriestertums, das in der apostolischen Sukzession gründet, verdunkelt, und die Sakramentalität der Eucharistie wird allein auf die Wirksamkeit in der Verkündigung reduziert.[2]

Der Gebrauch von nicht approbierten Texten und Riten führt auch "dazu, dass das notwendige Band zwischen der lex orandi und der lex credendi geschwächt wird oder verloren geht.[3]

Folgen der Missbräuche

Missbräuche in der Liturgie tragen «zur Verdunkelung des rechten Glaubens und der katholischen Lehre über dieses wunderbare Sakrament» bei.[4] Es wird erschwert, dass «die Gläubigen in gewisser Weise die Erfahrung der beiden Emmausjünger machen können: “Da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn.”»[5] Durch die Missbräuche werden Elemente der Verunstaltung und Zwietracht in die Feier der Eucharistie hineingetragen, die in hervorragender Weise und aufgrund ihres Wesens darauf ausgerichtet ist, die Gemeinschaft mit dem göttlichen Leben und die Einheit des Gottesvolkes zu bezeichnen und wunderbar zu bewirken.[6] Folgen solcher willkürlicher Handlungen sind Unsicherheit in der Lehre, Zweifel und Ärgernis im Volk Gottes und fast unvermeidlich heftige Gegenreaktionen.[7]

Die Person, welche die Liturgie missbraucht

Wer gegenteilig den Normen der Kirche handelt und eigenen Neigungen folgt, greift die substantielle Einheit des römischen Ritus an, die entschieden bewahrt werden muss. "Deshalb darf durchaus niemand sonst, auch wenn er Priester wäre, nach eigenem Gutdünken in der Liturgie etwas hinzufügen, wegnehmen oder ändern."[8] Er vollzieht Handlungen, die dem Hunger und Durst nach dem lebendigen Gott, den das Volk unserer Zeit verspürt, in keiner Weise entsprechen. Er verrichtet keinen authentischen pastoralen Dienst und trägt nicht zur rechten liturgischen Erneuerung bei, sondern beraubt vielmehr die Christgläubigen ihres Glaubensgutes und ihres geistlichen Erbes. Willkürliche Handlungen dienen nicht der wirksamen Erneuerung,[9] sondern verletzen das den Christgläubigen zustehende Recht auf eine liturgische Handlung, die Ausdruck des Lebens der Kirche gemäß ihrer Tradition und Disziplin ist.

Das Recht der Gläubigen

Alle Christgläubigen haben das Recht auf eine wahre Liturgie und besonders auf eine Feier der heiligen Messe, wie sie die Kirche gewollt und festgesetzt hat, wie es in den liturgischen Büchern und durch andere Gesetze und Normen vorgeschrieben ist. In gleicher Weise hat das katholische Volk das Recht, dass das Opfer der heiligen Messe unversehrt und in voller Übereinstimmung mit den Äußerungen des Lehramtes der Kirche gefeiert wird. Schließlich ist es ein Recht der katholischen Gemeinschaft, dass die Feier der heiligsten Eucharistie so vollzogen wird, dass sie wirklich als Sakrament der Einheit erscheint und jede Art von Mängeln und Gesten gänzlich gemieden werden, die Spaltungen und Parteiungen in der Kirche hervorrufen könnten.[10]

Alle haben entsprechend den Möglichkeiten in ganz besonderer Weise dafür zu sorgen, dass das heiligste Sakrament der Eucharistie vor jeder Art von Ehrfurchtslosigkeit und Missachtung bewahrt wird und alle Missbräuche vollständig korrigiert werden. Dies ist für alle und für jeden einzelnen eine wichtige Aufgabe, und alle sind ungeachtet der Person zur Verwirklichung dieser Aufgabe gehalten.

Abhilfe bei Litugiemissbräuchen[11]

"Die Eucharistie ist ein zu großes Gut, um Zweideutigkeiten und Minimalisierungen zu dulden."[12] Wo Missbräuche bestehen, muss zum Schutz des geistlichen Gutes und der Rechte der Kirche unter Anwendung aller rechtmäßigen Mittel vorgegangen werden (vgl. Redemptionis sacramentum, Kapitel VIII: Die Abhilfen, Nr. 170). Darum hat jeder Katholik, ob Priester, Diakon oder christgläubiger Laie, das Recht, über einen liturgischen Missbrauch beim Diözesanbischof oder beim zuständigen Ordinarius, der ihm rechtlich gleichgestellt ist, oder beim Apostolischen Stuhl aufgrund des Primats des Papstes Klage einzureichen.[13] Es ist jedoch angemessen, dass die Beschwerde oder Klage nach Möglichkeit zuerst dem Diözesanbischof vorgelegt wird. Dies soll immer im Geist der Wahrheit und der Liebe geschehen. Der Diözesanbischof hat darauf zu achten, dass sich kein Missbrauch in die kirchliche Ordnung einschleicht, vor allem in Bezug auf den Dienst am Wort, die Feier der Sakramente und Sakramentalien, die Verehrung Gottes und der Heiligen».[14] Sooft der Ordinarius des Ortes oder eines Ordensinstituts oder einer Gesellschaft des apostolischen Lebens nur von der Wahrscheinlichkeit einer Straftat oder eines Missbrauchs bezüglich der heiligsten Eucharistie erfährt, muss er entweder selbst oder durch einen anderen geeigneten Kleriker behutsam den Tatbestand, die Umstände und die Anrechenbarkeit untersuchen.

Um Missbräuchen abzuhelfen, ist es die "dringendste Aufgabe [...], die biblische und liturgische Bildung des Volkes Gottes, der Hirten und der Gläubigen",[15] so dass der Glaube und die Ordnung der Kirche bezüglich der heiligen Liturgie richtig dargestellt und verstanden werden.

Liturgiemissbräuche im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

Das Provinzialkonzil von Würzburg kritisierte 1284, dass Priester sich bereicherten, indem sie ohne Notwendigkeit, "nur um des Gewinnes wegen zwei Messen am Tage feierten" und dafür zwei Messstipendien entgegennähmen. Erzbischof Walram von Köln warf 1335 mehreren Priestern wegen ähnlicher Praktiken Habsucht vor. Bereits der heilige Petrus Damiani hatte kritisiert, dass "Christus, der doch am Kreuz für das Heil der ganzen Welt gelitten habe, jetzt auf dem Altar zum Nutzen eines einzigen Priesters geopfert werde".[16] In der Abwehr gegen Missbräuche, die mit dem Messstipendium aufgekommen waren, verpflichtete das Konzil von Trient die Seelsorger, das heilige Opfer für die ihnen anvertraute Herde darzubringen.[17]

Ebenfalls im 16. Jahrhundert führten einzelne unberufene Gläubige oder Einzelkirchen Neuerungen in den Gottesdienst ein und gefährdeten damit die Reinheit des Glaubens- und Andachtslebens. Derlei Gewohnheiten und Bräuche nahmen zu sehr überhand, sodass Papst Sixtus V. zum Schutz der rechtmäßigen kirchlichen Riten und zu ihrer Säuberung von jenen ungehörigen Einschlägen im Jahre 1588 die Heilige Ritenkongregation gründete.[18] Deren Aufgabe ist es, in wachsamer Obsorge Anordnungen und Bestimmungen auf dem Gebiet der Liturgie zu treffen[19] und darauf zu achten, "dass die liturgischen Regelungen genau eingehalten werden, dass Missbräuchen zuvorgekommen wird und solche, wo man sie aufdeckt, abgeschafft werden".[20]

Die Feier der Heiligen Messe vor ausgesetztem Allerheiligsten war seit dem 15. Jahrhundert im Deutschland weit verbreitete Sitte. Im 19. Jahrhundert zeigte die Kirche gegen diese jetzt als Missbräuche erkannte Praxis "zunehmende Strenge", "da dieser Brauch sowohl die Teilnahme am Messopfer als auch die Verehrung der wahren Gegenwart Christi beeinträchtigt"; die Kirche habe einen "Widerwillen gegen eine Verdoppelung der eucharistischen Gegenwart am selben Ort", weswegen auch die Eucharistie nur an einer Stelle innerhalb einer Kirche aufbewahrt werden darf.[21] Die Ritenkongregation sah 1927[22] die Messe vor ausgesetztem Allerheiligsten "als einen Brauch an, der nicht geduldet werden kann". Papst Pius XII. kommentiert diese Aussage mit den Worten: "Eine Entscheidung der Heiligen Ritenkongregation vom 27. Juli 1927 schränkt die Ausstellung des allerheiligsten Sakraments während der Messe auf ein Minimum ein; das erklärt sich leicht aus der Sorge, im allgemeinen den Akt des Opfers und den bloßen Kult der Anbetung voneinander getrennt zu erhalten, damit die Gläubigen deren eigentümlichen Charakter deutlich erkennen".[23] Der Codex Iuris Canonici (CIC c. 941 § 2) von 1983 verbietet die Feier der Heiligen Messe vor dem ausgesetzten Allerheiligsten.

Das Zweite Vatikanisches Konzil begründete seine Reformen damit, dass sich etwas in die Liturgie eingeschlichen haben könnte, "was der inneren Wesensart der Liturgie weniger entspricht" oder "sich als weniger geeignet herausgestellt" habe. Daher ist es das Ziel des Konzils, bei der Erneuerung Texte und Riten so zu ordnen, "dass sie das Heilige, dem sie als Zeichen dienen, deutlicher zum Ausdruck bringen" als bisher, damit "das christliche Volk sie möglichst leicht erfassen und in voller, tätiger und gemeinschaftlicher Teilnahme mitfeiern kann".[24]

Liturgiemissbräuche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Bezüglich der Heiligen Messe

Am 29. Dezember 1966 stellte die Ritenkongregation und der " Consilium" fest, dass es "z. B. ,eucharistische Abendmahlfeiern im Familienkreis´, die in Privatwohnungen mit anschließendem Essen gefeiert werden", gab. Außerdem fanden "Messfeiern mit ungewöhnlichen und willkürlichen Riten, Gewändern und Gebetstexten, die mitunter von Musikstücken ganz profanen und weltlichen Charakters begleitet wurden", und der "einer heiligen Handlung" nicht würdig sind, statt.[25]

Bezüglich der Generalabsolution

Die Kongregation für die Glaubenslehre gab am 16. Juni 1972 das Schreiben Sacramentum paenitentiae heraus, indem seelsorgliche Richtlinien für die Erteilung der Generalabsolution gegeben wurden. Die Kongregation für die Sakramente hat auf ihrer Vollversammlung im Frühjahr 1986 festgestellt, dass die Generalabsolution in vielen Fällen zu „leichtfertig“ erteilt werde, und die Regeln des Kirchenrechts und der päpstlichen Botschaft „Poenitentia et reconciliatio“ in verschiedenen Teilen der Erde nicht beachtet würden (Glaube und Leben, Nr. 17, vom 27. April 1986, S. 10.). Papst Benedikt XVI. bittet im Jahre 2007 die Hirten, die Praxis der allgemeinen Absolution ausschließlich auf die eigens vorgesehenen Fälle zu beschränken.[26]

Bezüglich der Sprache der Liturgie

Die Kongregation für das katholische Bildungswesen hebt in der Einführung der Priesteramtskandidaten in das geistliche Leben hervor, dass das II. Vatikanische Konzil "weit davon entfernt" ist, "das Latein aufzugeben oder zu verbieten, im Gegenteil: seine systematische Abschaffung ist ein Missbrauch, der ebenso zu missbilligen ist wie der engherzige Wille einiger Leute, die ausschließlich das Latein gelten lassen wollen. Sein plötzliches Verschwinden hat auch bedenkliche pastorale Folgen; nur allmählich kann das "Wort Gottes", dem allgemeinen Wohl zuliebe, sich in die Sprache des Alltags kleiden und so der Gefahr entgehen, im Bewusstsein der Gläubigen mit "Menschenwort" verwechselt zu werden (vgl. 1 Thess 2, 13). Hier ist eine Erziehung notwendig. Gerade deshalb muss das Seminar dem künftigen Priester die Gefahr die in solchen Einseitigkeiten liegt, einsichtig machen und ihn anleiten, hierin der Kirche willig, ja freudig zu gehorchen. Es gibt genug Spielraum für persönliche Initiativen im Rahmen der anerkannten Richtlinien."[27]

Bezüglich der Kommunionspendung

Bereits 1965 kam P. Annibale Bugnini, der Sekretär des »Consilium«, nach Holland, um sich ein Bild über die dortigen liturgischen Zustände zu machen. Betreffs der im Ungehorsam an manchen Orten praktizierten »Handkommunion« schrieb das Consilium in einem Brief vom 12. Oktober 1965 an Kardinal Bernard Alfrink, dem Vorsitzenden der holländischen Bischofskonferenz: "Die überlieferte Weise der Kommunionausteilung soll bewahrt werden."[28] Obwohl dieser Brief vom Heiligen Vater approbiert war, zeitigte er, wie Bugnini offen zugibt, keine sichtbaren Resultate.[29]

Das Titelbild der Zeitschrift Paris Match vom 17. Dezember 1966 zeigt ein Kind, das in der rechten Hand die heilige Kommunion in Brusthöhe hält. Seine Augen sind nicht auf den Herrn gerichtet, sondern blicken nach oben. Rechts im Bild ist noch die ein Ziborium haltende Hand eines Priesters erkennbar. Darunter steht: "Dieses Kind reicht sich in Holland selbst die Kommunion: ein Bild der Zukunft für uns alle in der Neuen Messe".[30] Da Paris Match im selben Monat auch Fotografien von eucharistischen Zeremonien in Häusern brachte, die jeder Sakralität entbehrten (mit selbst fabrizierten Gewändern, Texten, Riten - dies alles im Zusammenhang mit profanen Mahlzeiten und profaner Musik), sah sich das Consilium veranlaßt, am 29. Dezember 1966 eine Erklärung zu veröffentlichen, die der artige Willkürakte zurückwies. Die Bischöfe werden aufgefordert, gegen Mißbräuche vorzugehen.[31]

Es ist festzuhalten, dass die »Handkommunion« publikumswirksam in andere Mißbräuche integriert wurde, die mit dem Begriff einer zu erwartenden »Neuen Messe« verbunden wurden.

Bischöfe aus Holland, Frankreich, Belgien und Deutschland, denen es zu schwierig vorkam, die Mißbräuche abzustellen, ließen nicht nach, von »Rom« die Erlaubnis der Handkommunion zu erbitten. Papst Paul VI. entschied schließlich, wie aus einem Brief des Staatsekretariates vom 3. Juni 1968 hervorgeht, dass diesen Anfragen unter bestimmten Auflagen eine Zustimmung gewährt werden könne. Der Papst wünscht ausdrücklich keine Ausweitung dieser Praxis, die er als "sehr fragwürdig und gefährlich" bezeichnet.[32]

Als am 6. Juli 1968 seitens der Ritenkongregation diese Erlaubnis für Deutschland gegeben wurde und am 11. Juli für Belgien, erhob sich so heftiger Protest, daß Paul VI. persönlich entschied, diese Indulte in den beiden Ländern weder veröffentlichen noch anwenden zu lassen. Der Papst wollte über diese Frage alle lateinischen Bischöfe konsultieren. Das Consilium führte diese Befragung durch, deren Ergebnisse am 12. März 1969 vorlagen,[33] Durch das Schreiben Memoriale Domini gab dann Papst Paul VI. die Möglichkeit Bischofskonferenzen ein Indult zur Handkommunion vom Heiligen Stuhl zu erbitten. Er beseitigte den liturgischen Missbrauch, in dem er die Verantwortung auf die Bischofskonferenzen verlagerte und ihn damit legitimierte.

Bezüglich der Klerikalisierung der Laien

Die pastoralen Tätigkeiten des Bischofs, der Priester und der Diakone sollen die Laien unterstützen. "Man soll sich jedoch davor hüten, das Profil dieser Aufgabe zu sehr der Gestalt des pastoralen Dienstes der Kleriker anzugleichen." "Nur im Fall einer echten Notlage darf in der Feier der Liturgie auf die Hilfe außerordentlicher Diener zurückgegriffen werden. Diese Hilfe ist nämlich nicht vorgesehen, um eine vollere Teilnahme der Laien zu gewähren, sondern sie ist von ihrem Wesen her eine ergänzende und vorläufige Hilfe.[34]

Bezüglich der Predigt und des Tragens von Gewändern

Es ist Laien innerhalb der Messfeier verboten, zu predigen. Dies "gilt auch für die Alumnen der Seminare, für Studenten der theologischen Disziplinen und für jene, die als sogenannte «Pastoralassistenten» eingesetzt sind, sowie für jedwede Art, Gruppe, Gemeinschaft oder Vereinigung von Laien.[35] Außerdem ist "den Laien nicht erlaubt, Aufgaben oder Gewänder des Diakons oder des Priesters oder andere diesen ähnliche Gewänder zu übernehmen."[36]

Bezüglich der Kommunionspender

Aufgrund der heiligen Weihe sind Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der sakramentalen Kommunion,[37] denen es deshalb zukommt, bei der Feier der heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen. Diese Sitte stammt aus der Überlieferung (Hebr 5,1.3; 7,27) der Apostel und muss beibehalten werden.[38] "Nur dort, wo eine Notlage[39] es erfordert, können außerordentliche Spender dem zelebrierenden Priester helfen."[40]

"Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[41]

"Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, dass sich die Messfeier allzu sehr in die Länge ziehen würde."[42] Dies muss aber so verstanden werden, dass eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.[43]

Ein eigenes Schreiben zu Missbräuchen in der Liturgie

Das bekannteste Schreiben über Missbräuche in der Liturgie ist die Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung: Redemptionis sacramentum vom Jahre 2004. Dieses beklagt, "dass es – vor allem seit den Jahren der Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil – infolge einer falsch verstandenen Auffassung von Kreativität und Anpassung nicht an Missbräuchen gefehlt hat, die Leiden für viele verursacht haben."[44] Die Priester "dürfen dem eigenen Dienst nicht seine tiefgehende Bedeutung nehmen, indem sie die liturgische Feier durch Änderungen, Kürzungen oder Hinzufügungen willkürlich entstellen."[45]

Liturgische Kongresse zur Behebung von Liturgiemissbräuchen

Einige fehlerhafte Interpretationen der Konzilskonstitution „Sacrosanctum Concilium“ haben zu „Formen des Missbrauchs“ oder „falschen Akzenten“ in den katholischen Liturgien geführt. Deshalb veranstaltet die vatikanische Sakramentenkongregation einige ortsbezogene liturgische Kongresse:
I. in Ghana für die afrikanischen Regionen
II. in Sri Lanka für Asien vom 16. bis 21. September 2008 in der Nähe der Hauptstadt Colombo (Vorsitz in Sri Lanka führen Kardinal Francis Arinze und Erzbischof Malcolm Ranjith, Präfekt bzw. Sekretär der Sakramentenkongregation)

Obgleich Liturgiemissbräuchen

Obgleich einiger Liturgiemissbräuche, hat sich die verwirklichte Liturgiereform seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil das Leben der Kirche segensreich ausgeübt. Es war in ihr die Führung des Heiligen Geistes wirksam.[46]

Päpstliche Schreiben

Johannes Paul II.

siehe: Liturgischer Archäologismus, Experimente in der Liturgie.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. Redemptionis sacramentum 7, Papst Johannes Paul II., Enzyklika Veritatis splendor (6. August 1993), Nr. 35: AAS 85 (1993) 1161-1162; Homilie in Camden Yards (9. Oktober 1995), Nr. 7: Insegnamenti di Giovanni Paolo II, XVII, 2 (1995), Libreria Editrice Vaticana 1998, 788.
  2. Papst Johannes Paul II. Enzyklika Ecclesia de eucharistia vom 17. April 2003, Nr. 10.
  3. Vgl. Redemptionis sacramentum 10, Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Inaestimabile donum (3. April 1980): AAS 72 (1980) 333.
  4. vgl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia vom 17. April 2003, Nr. 10: AAS 95 (2003) 439.
  5. Ebd., Nr. 6: AAS 95 (2003), 437; vgl. Lk 24, 31.
  6. Vgl. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 23: AAS 95 (2003) 448-449; Hl. Kongr. für die Riten, Instruktion Eucharisticum mysterium (25. Mai 1967), Nr. 6: AAS 59 (1967) 545.
  7. Vgl. Redemptionis sacramentum Nr. 11, Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Inaestimabile donum: AAS 72 (1980) 332-333.
  8. Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum concilium, Nrn. 4, 38; Nr. 22. § 3; Dekr. über die katholischen Ostkirchen Orientalium ecclesiarum (21. November 1964), Nrn. 1, 2, 6; Papst Paul VI., Apost. Konst. Missale Romanum: AAS 61 (1969) 217-222; Missale Romanum: Institutio Generalis, Nr. 399; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Liturgiam authenticam (28. März 2001), Nr. 4: AAS 93 (2001) 685-726, hier 686.
  9. Vgl. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Ecclesia in europa, Nr. 72: AAS 95 (2003) 692.
  10. Vgl. 1 Kor 11, 17-34; Redemptionis sacramentum 12, Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 52: AAS 95 (2003) 467-468.
  11. vgl. 25. März 2004 Instruktion Redemptionis sacramentum, Kapitel VIII: Die Abhilfen, Nr. 170+177+183+184
  12. Papst Johannes Paul II. Enzyklika Ecclesia de eucharistia vom 17. April 2003, Nr. 10.
  13. Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 1417 § 1.
  14. Ebd., can. 392.
  15. Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, Nr. 15: AAS 81 (1989) 911; vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum concilium, Nrn. 15-19.
  16. Adalbert Mayer: Triebkräfte und Grundlinien der Entstehung des Meßstipendiums. (Münchener Theologische Studien, III.34) Eos Verlag St. Ottilien 1976, S. 253.
  17. aus: LThK 2. Auflage, Band 1, Sp. 770 Konzil von Trient, 23. Sitzung Sacrificium, et sacerdotium c.1 de ref.: praecepto divino mandatum…
  18. Sixtus V., Konstit. Immensa vom 22. Januar 1588.
  19. Vgl. Mediator Dei 1947, Nr. 57.
  20. Redemptionis sacramentum 17; Papst Johannes Paul II., Apost. Konst. Pastor bonus (28. Juni 1988): AAS 80 (1988) 841-924; hier Artt. 62, 63 und 66: 876-877.
  21. Aimé-Georges Martimort (Hrsg.): Handbuch der Liturgiewissenschaft I, Herder Verlag, Freiburg-Basel-Wien 1963, S. 487f. (Imprimatur: GV Dr. Föhr, Freiburg, 30. September 1963.
  22. Vgl. AAS 19 [1927] 289
  23. Ansprache Vous Nous avez vom 23. September 1956)
  24. Sacrosanctum Concilium Nr. 21.
  25. 29. Dezember 1966 Ritenkongregation und Consilium: Erklärung vom 29. Dezember 1966 über unzulässige liturgische Experimente.
  26. Vgl. Nachsynodalen Apostolischen Schreibens Sacramentum caritatis über die Eucharistie vom 22. Februar 2007, Nr. 21 und verweist auf: Johannes Paul II., Motu proprio Misericordia dei (7. April 2002): AAS 94 (2002), 452-459.
  27. 6. Januar 1980 Kongregation für das katholische Bildungswesen Rundschreiben Nr. 33.
  28. Annibale Bugnini, La riforma liturgica, Rom 1983, 623, Anm. 34.
  29. Annibale Bugnini, La riforma liturgica, Rom 1983, 114, Anm. 18.
  30. Eine Fotokopie des Titelbildes findet sich innerhalb des Artikels von Gerard Lukken, New Rites around Communion in Present-Day Western Culture, in: CharIes Caspers u.a. (Hrsg.), Bread of Heaven. Cu.Homs and Practices Surrounding Holy Communion, Kampen 1995, 215-229, hier 216. - aus Martin Lugmayr: Handkommunion, S. 45
  31. Der Wortlaut der Erklärung ist abgdruckt in: EDIL I, nr. 691 f. - aus Martin Lugmayr: Handkommunion, S. 45
  32. "molto discutibile e pericoloso", abgedruckt in: Bugnini, La riforma liturgica, a.a.O., 623. - aus Martin Lugmayr: Handkommunion, S. 46.
  33. Martin Lugmayr: Handkommunion, S. 44-46.
  34. (Redemptionis sacramentum, Nr. 151; Vgl. Kongregation für den Klerus und andere, Instruktion Ecclesiae de mysterio, Praktische Verfügungen, Art. 8 § 2: AAS 89 (1997) 872.
  35. Vgl. Redemptionis sacramentum, Nr. 66, 161; Kongregation für den Klerus und andere, Instruktion Ecclesiae de mysterio, Praktische Verfügungen, Art. 3 § 1: AAS 89 (1997) 864-865.
  36. Redemptionis sacramentum, Nr. 153; Diözese Linz: Ein Laie im Messgewand Kath.net am 3. Oktober 2014
  37. Vgl. ebd., can 910 § 1; vgl. auch Papst Johannes Paul II., Schreiben Dominicae cenae, Nr. 11: AAS 72 (1980) 142; Kongregation für den Klerus und andere, Instruktion Ecclesiae de mysterio, Praktische Verfügungen, Art. 8 § 1: AAS 89 (1997) 870-871.
  38. Konzil von Trient, 13. Sitzung Sacrosancta oecumenica (3) über das Altarsakrament vom 11. Oktober 1551, 8. Kapitel.
  39. Vgl. Codex Iuris Canonici, can. 230 § 3.
  40. Redemptionis sacramentum, Nr. 88; Vgl. Hl. Kongr. für die Riten, Instruktion Eucharisticum mysterium, Nr. 31: AAS 59 (1967) 558; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (1. Juni 1988): AAS 80 (1988) 1373.
  41. Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Inaestimabile donum, Nr. 10: AAS 72 (1980) 336; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (11. Juli 1984): AAS 76 (1984) 746.
  42. Vgl. Hl. Kongr. für die Disziplin der Sakramente, Instruktion Immensae caritatis, Nr. 1: AAS 65 (1973) 264-271, hier 265-266; Päpstl. Kommission für die authentische Auslegung des Codex Iuris Canonici, Responsio ad propositum dubium (1. Juni 1988): AAS 80 (1988) 1373; Kongregation für den Klerus und andere, Instruktion Ecclesiae de mysterio, Praktische Verfügungen, Art. 8 § 2: AAS 89 (1997) 871.
  43. Der Abschnitt der Kommunionausteilung: Redemptionis sacramentum, Nr. 154-160
  44. Redemptionis sacramentum 30. Papst Johannes Paul II., Enzyklika Ecclesia de eucharistia, Nr. 52; vgl. Nr. 29: AAS 95 (2003) 467-468; 452-453.
  45. Vgl. Ökum. Konzil von Trient, Sessio VII (3. März 1547), Dekr. über die Sakramente, can. 13: DS 1613; II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum concilium, Nr. 22; Papst Pius XII., Enzyklika Mediator Dei: AAS 39 (1947) 544, 546-547, 562; Codex Iuris Canonici, can. 846 § 1; Missale Romanum, Institutio Generalis, Nr. 24.
  46. vgl. Benedikt XVI.; Sacramentum caritatis über die Eucharistie - Quelle und Höhepunkt von Leben und Sendung der Kirche vom 22. Februar 2007, Nr. 3.
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