Ad sinarum gentem

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Ad sinarum gentem sind die Anfangsworte der Enzyklika des Papstes Pius XII. vom 7. Oktober 1954 – an die Chinesen aus Anlass der schwierigen Lage der Katholiken im kommunistischen China (AAS 47 [1955] 5-14).

Papst Pius XII. hat an die "Ehrwürdigen Brüder und geliebten Söhne, die Erzbischöfe, die Bischöfe, die übrigen Ordinarien, den Klerus und das Volk Chinas" als "väterliche Ermahnung in den gegenwärtigen Schwierigkeiten" gerichtet; sie ist am 23. Dezember im "Osservatore Romano" veröffentlicht und damit der katholischen Welt zur Kenntnis gegeben worden. (Quelle: Herder Korrespondenz, Neunter Jahrgang 1954/55, Fünftes Heft, Februar 1955, S. 217-220).

Einleitend

Es ist schwer, zu sagen, was von der Katholischen Kirche in China heute (1954) noch übrig ist; die Sorge des Papstes gilt jedoch auch diesem Rest. Ob seine Mahnung allerdings die chinesische Christenheit erreichen kann, ist eine andere Frage. Der Papst selber weist darauf hin, dass sein letzter Apostolischer Brief an die chinesische Kirche vor drei Jahren, der mit den Worten Cupimus imprimis begann, nicht bis zu ihren Ohren gelangt ist. Wir haben in früheren Berichten über China wie auch über die Lage der Kirche in anderen östlichen Ländern immer wieder daran erinnert, wie schwer es tatsächlich (nicht nur angeblich und zum Vorwand für eine feindliche Haltung) einem weder katholischen noch abendländischen Denken ist, die Bindung der Gläubigen der Katholischen Kirche auf der ganzen Welt an den Heiligen Vater in Rom nicht als eine politische Organisation zu verstehen. Daher die ganz besondere Feindschaft aller totalitären Regierungsformen gegen die Katholische Kirche, die weit über ihre Gegnerschaft gegen Religion überhaupt und über ihre Verachtung des "Aberglaubens" in anderen christlichen Bekenntnissen hinausgeht. Daher auch ihr Unverständnis gegenüber der Weigerung der Katholiken, sich in den einzelnen Ländern "Unabhängigen katholischen Kirchen" anzuschließen. Sie ermüden darum auch nicht, den Katholiken ihrer Länder immer wieder solche Lösungen vorzuschlagen, während indessen ihre Umerziehung- und wissenschaftlichen Aufklärungsmethoden das übrige zum Verschwinden religiöser Weltbilder überhaupt tun sollen.

In China wurde seit 1951 eine solche häretische Kirche unter, dem Schlagwort der "Drei Unabhängigkeiten" (der verwaltungsmäßigen, der finanziellen und der der Verkündigung) propagiert. Diese Schlagworte sind für ein Volk, das sich mitten in einer nationalen Erhebung befindet, sehr verführerisch. Darum ist es auch wieder das Hauptanliegen des neuen päpstlichen Rundschreibens an die chinesischen Katholiken, ihnen den Widerspruch zwischen den "Drei Unabhängigkeiten" und dem christlichen Glauben deutlich zu machen und so den kleinen Rest der Katholiken, der in China noch erkennbar ist, zum Widerstand gegen diese Verführung zu stärken. Sicher ist es aber auch ein Anliegen der Enzyklika, die Thesen des Gegners überhaupt, auch für die Auslandschinesen wie auch für alle von kommunistischen, marxistischen, totalitären Ideologien bedrohten Menschen der Welt in ihrer grundlegenden Unvereinbarkeit mit dem tiefsten Wesen des christlichen und katholischen Glaubens zu charakterisieren.

Die päpstliche Enzyklika "Ad Sinarum Gentem"

"Unabhängig" soll in China nach der Lehre der Volksrepublik, wie das ganze übrige Leben, so auch die Katholische Kirche hinsichtlich ihrer Leitung, ihrer Wirtschaft und selbst der Verkündigung sein. Gegen diese dreifache Unabhängigkeit, die für eine katholische Christenheit sinnlos ist, wendet sich das päpstliche Schreiben. Der Papst betont und bestätigt zunächst den seit Pius XI. mit Energie vorwärtsgetriebenen Grundsatz der Kirche, die chinesische Christenheit sobald als irgend möglich ausschließlich unter die Leitung eines chinesischen Episkopats und chinesischer Priester zu stellen, so dass sie kein Bedürfnis nach ausländischen Missionaren mehr hätten. Aber, so fährt er fort:

"Die Wahrheit und Unsre Gewissenspflicht fordern, dass Wir euch allen Folgendes zur aufmerksamen Erwägung vorlegen:' .

1. Jene Verkünder des Evangeliums, die ihr eigenes geliebtes Vaterland aufgeben und bei euch das Feld des Herrn mit ihrer Mühe und ihrem Schweiß fruchtbar machen, werden nicht von irdischen Motiven geleitet, sondern suchen nichts anderes und wünschen nichts glühender, als euer Volk mit dem Licht des Christentums zu erleuchten, es zu christlichen Sitten zu erziehen und ihm mit göttlicher Liebe beizustehen.

2. Auch wenn der chinesische Klerus infolge seines Anwachsens keine Hilfe ausländischer Missionare mehr nötig hat, so kann doch die katholische Kirche in eurer Nation, wie bei allen anderen Völkern, nicht nach dem Grundsatz der ,Autonomie der Leitung´, wie man heute zu sagen pflegt, gelenkt werden. In der Tat wird es auch dann, wie ihr wohl wisst, absolut notwendig sein, dass eure christliche Gemeinschaft, wenn sie zu der von unserem Erlöser durch göttliche Einsetzung gegründeten Gesellschaft gehören will, dem Obersten Hirten, dem Stellvertreter Christi auf Erden völlig unterworfen und aufs engste mit ihm verbunden ist, soweit es den religiösen Glauben und die Sittlichkeit angeht. Mit diesen Worten - das sei betont - ist das gesamte Leben und Wirken der Kirche gemeint; daher auch ihre Verfassung, ihre Leitung, ihre Disziplin; denn das alles hängt ganz gewiss vom Willen Jesu Christi, des Gründers der Kirche, ab. Auf Grund dieses göttlichen Willens unterscheiden sich die Gläubigen in zwei Klassen: Klerus und Laien; auf Grund desselben Willens ist die zweifache heilige Hierarchie eingerichtet, nämlich die der Weihe und die der Jurisdiktion. Und auch dies ist auf göttliche Weisung festgesetzt: zur Vollmacht der Weihe (durch die die kirchliche Hierarchie sich aus Bischöfen, Priestern und Diakonen zusammensetzt) gelangt man, indem man das Sakrament der Priesterweihe empfängt; die Vollmacht der Jurisdiktion, die dem Papst unmittelbar auf Grund göttlichen Rechts übertragen ist, kommt den Bischöfen gemäß dem gleichen Recht zu, jedoch nur durch Vermittlung des Nachfolgers Petri, dem nicht nur alle einfachen Gläubigen, sondern auch alle Bischöfe dauernd unterstellt sind und mit dem sie durch die Ehrfurcht des Gehorsams und durch das Band der Einheit verbunden sind. Nach dem gleichen göttlichen Recht darf sich schließlich auch das Volk oder die bürgerliche Autorität keine Übergriffe ins Gebiet der Rechte und der Verwaltung der kirchlichen Hierarchie gestatten."

Hinsichtlich der wirtschaftlichen Autonomie schreibt der Papst: "Wir wünschen lebhaft, dass bald die Zeit kommt, in der für die Bedürfnisse der chinesischen Kirche die finanziellen Mittel genügen, die die chinesischen Gläubigen selber ihr zur Verfügung stellen können; dennoch wisst ihr wohl, dass die Gaben, die hierzu für euch bei anderen Völkern gesammelt worden sind, aus jener christlichen Nächstenliebe heraus gespendet wurden, durch die alle, die durch das heilige Blut Jesu Christi erlöst sind, notwendig einer mit dem andern in brüderlicher Eintracht verbunden und von der göttlichen Liebe gedrängt sind, überallhin nach Maßgabe ihrer Kräfte das Reich unseres Erlösers auszubreiten; nicht aus politischen oder sonst irgendwie profanen Gründen, sondern nur um das Gebot der Liebe, das Christus uns allen gegeben hat und an dem sich seine wahren Jünger gegenseitig erkennen, tatkräftig in die Praxis umzusetzen. So haben die Christen aller Zeiten aus freiem Willen gehandelt, wie schon der Heidenapostel von den mazedonischen und achaischen Gläubigen berichtet ... "

Zu der dritten der drei Unabhängigkeiten, der der Verkündigung, heißt es: "Ganz gewiss leugnen Wir nicht, dass die Art des Predigens und Lehrens je nach dem Ort verschieden und daher auch, soweit möglich, der Natur und dem besonderen Charakter des chinesischen Volkes wie auch seinen alten überlieferten Sitten konform sein muss; im Gegenteil, wenn das in der rechten Weise geschieht, wird man gewiss bei euch reichere Frucht ernten können. Aber - es ist absurd, dergleichen auch nur zu denken _ mit welchem Recht können die Menschen nach eigenem Ermessen das Evangelium Jesu Christi verschieden, je nach den verschiedenen Nationen, interpretieren? Den Bischöfen, die die Nachfolger der Apostel, und den Priestern, die ihrem Amt gemäß die Mitarbeiter der Bischöfe sind, ist der Auftrag gegeben, jenes Evangelium zu verkünden und zu lehren, das zuerst Christus selbst und seine Apostel verkündet und gelehrt haben und das dieser Apostolische Stuhl und alle mit ihm verbundenen Bischöfe durch die Jahrhunderte hin bewahrt und unverändert und unvermischt weitergegeben haben. Die kirchlichen Hirten sind also nicht die Erfinder dieses Evangeliums, sondern nur seine bevollmächtigten Hüter und von Gott eingesetzten Verkünder."

Es ist vielmehr das Wesen der Kirche, allgemein und übernational zu sein: "Wir möchten hier nochmals die Worte wiederholen, die Wir über den gleichen Gegenstand in Unserem früheren Brief geschrieben haben: Die Katholische Kirche ,ruft nicht nur ein einziges Volk, eine einzige Nation zu sich, sondern sie liebt die Völker aller Rassen mit jener übernatürlichen Liebe Christi, die alle wie Brüder miteinander vereinen soll. Darum kann niemand behaupten, sie stehe im Dienste irgendeiner besonderen Macht; ebenso kann man von ihr aber auch nicht verlangen, dass, wenn die Einheit vernichtet ist, durch die ihr göttlicher Stifter sie hat auszeichnen wollen, und sich in jedem Volk Sonderkirchen gründen, diese von dem Apostolischen Stuhl, auf dem Petrus, der Stellvertreter Christi, in seinen Nachfolgern weiterlebt bis ans Ende der Zeiten, jämmerlich abgetrennt werden. Wo immer eine christliche Gemeinschaft das zuließe, würde sie verdorren wie eine vom Weinstock abgetrennte Rebe und könnte keine Heilsfrucht mehr bringen.´ "

Siehe auch: Liste von Lehramtstexten

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