Karlheinz Stockhausen

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Karlheinz Stockhausen

Karlheinz Stockhausen (* 22. August 1928 in Mödrath; † 5. Dezember 2007 in Kürten) war ein deutscher Dirigent, Pianist und Komponist. Er ist einer der bedeutendsten Musiker und Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Karlheinz Stockhausen wurde in Mödarth im heutigen deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen geboren. Sein Vater Simon Stockhausen war Lehrer und starb im Zweiten Weltkrieg. Seine kranke Mutter Gertrud wurde 1941 Opfer des nationalsozialistischen Euthanasiemordes. Bereits als Kind zeigte Stockhausen seine besondere musikalische Begabung. Im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten eines damaligen Lehrerhaushaltes, oder später als Internatsschüler, wurde seine Begabung gefördert. Später leisteten Engagements im Bereich der Volks- und Unterhaltungsmusik einen wichtigen Beitrag zum Lebensunterhalt des auf sich selbst gestellten Musikstudenten. Aufgewachsen in katholisch geprägten Verhältnissen (Erzbistum Köln), studierte er nach seinem Abitur am städtischen altsprachlichen Gymnasium, dem heutigen Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bergisch Gladbach, von 1947 bis 1951 Klavier und Musikpädagogik an der Musikhochschule in Köln und an der Universität in Köln Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie.

1951 heiratete er Doris Andreae, mit der er vier Kinder hatte, Suja (* 1953), Christel (* 1956), den späteren Musiker Markus (* 1957) und Majella (* 1961). 1967 heiratete er die Künstlerin Mary Bauermeister. Aus dieser Ehe stammen die Kinder Julika (* 1966) und der spätere Musiker Simon (* 1967).

Seine frühen Kompositionen sind noch von einer traditionellen Musiksprache geprägt. Ab 1951 wendet sich Stockhausen mit den Werken Kreuzspiel oder Formel der seriellen Musik zu. Angeregt durch Olivier Messiaens serielles Werk Mode de Valeur et d’intensités (1949) nahm er an dessen Kompositionskursen (Rhythmik und Ästhetik) in Paris teil.

Als Komponist war Stockhausen auf der Suche nach neuen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten in der Musik und setzte im Bereich der musikalischen Notation innovative Zeichen. Von 1971 bis 1977 war er Professor für Komposition an der Musikhochschule Köln. Als Dozent und Verfasser zahlreicher musiktheoretischer Schriften, durch seine mediale Tätigkeit und mit mehr als 360 Kompositionen, hat er die Musik des 20. Jahrhunderts mitgeprägt. Neben der kompositorischen Arbeit war Stockhausen auch als Dirigent tätig. Anfang November 2007, vier Wochen vor seinem Tod, nahm Stockhausen noch einen Kompositionsauftrag anlässlich seines 80. Geburtstags 2008 an, eine Auftragskomposition für ein neues Orchesterwerk für das Orchestra Mozart Bologna. Diesen Auftrag schloss er einen Tag vor seinem Tod ab.

Seit 1991 gab der Stockhausen-Verlag eine preisgekrönte Gesamtausgabe seiner Werke sowohl in Partituren als auch auf Tonträgern heraus. Nach Stockhausens Tod führen die Musikerinnen Suzanne Stephens und Kathinka Pasveer das Vermächtnis Stockhausens, mit der Durchführung von Konzerten weltweit, mit der Verwaltung der Stockhausen-Stiftung und des umfangreichen Archivs und mit der Organisation der alljährlichen Stockhausen-Kurse und Konzerte fort.[1]

Werke (Auswahl)

  • Kreuzspiel für 6 Instrumente, 1951.
  • Kontrapunkte Nr. 1 für 10 Instrumente 1952.
  • Klavierstücke Klavierstücke I–IV: Von der punktuellen Musik zur Gruppenkomposition. Nr. 2, 1952.
  • Zeitmaße Nr. 5 für 5 Holzbläser, 1955–56.
  • Gruppen Nr. 6 für 3 Orchestergruppen, 1955–57.
  • Gesang der Jünglinge Nr. 8, 1955–56, (wahrscheinlich sein bekanntestes Werk).
  • Refrain Nr. 11 für Klavier, Vibraphon und Celesta, 1959/68.
  • Kontakte Nr. 12 Elektronische Komposition oder für Klavier, Schlagzeug und Tonband, 1958–60.
  • Momente Nr. 13 für Sopran, Chor und 13 Instrumente, 1962/69/88.
  • Plus-Minus Nr. 14, 1963.
  • Mikrophonie I Nr. 15 für Tamtam und Live-Elektronik (6 Ausführende), 1964.
  • Hymnen Nr. 22, elektronische Musik mit oder ohne 4 Solisten und/oder Orchester, 1966–67/69.
  • Stimmung Nr. 24 für 6 Sänger, 1968 (Obertonmusik).
  • Aus den Sieben Tagen Nr. 26 für beliebiges Instrumentarium, 1968.
  • Mantra Nr. 32 für zwei Pianisten und Live-Elektronik, 1970.
  • Inori Nr. 38 für zwei Darsteller und Orchester, 1973.
  • Tierkreis 12 Melodien der Sternzeichen, 1974–75.
  • Michaels Reise um die Erde vom Donnerstag aus Licht Nr. 48 für Trompete und Ensemble, 1977–78.
  • Licht, Die sieben Tage der Woche, Oper, komponiert 1977–2003.
  • Hoch-Zeiten vom Sonntag aus Licht Nr. 79 für Chor und Orchester, 2001–02.
  • Klang Nr. 81–101 für Solis oder Ensembles mit/ohne Elektronik, 2004–2007 (unvollendet).

Auszeichnungen

  • 1974 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • 1979 Wahl zum ausländischen Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters
  • 1985 Kommandeur des Ordre des Arts et des Lettres
  • 1986 Ernst von Siemens Musikpreis
  • 1992 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
  • 1995 Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg
  • 1996 Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin
  • 1999 Komponist des Rheingau Musik Festival
  • 2001 inoffizieller Nobelpreis für Musik (Polar Music Prize)

Schüler (Auswahl)

Schüler und Studenten von Karlheinz Stockhausen sind u. a. Helmut Lachenmann, Wolfgang Rihm, Ludger Stühlmeyer (Deutschland); Gilbrt Amy, Paul Méfano (Frankreich); Clarence Barlow (Indien); Makoto Shinohara (Japan); Manuel de Elías (Mexiko); Erich Urbanner (Österreich); Matthias Bamert, Pierre Mariétan, Mani Planzer (Schweiz); Jon Hassell, Eric Salzman (USA).

Literatur

  • Christoph von Blumröder: Die Grundlegung der Musik Karlheinz Stockhausens. In: Hans Heinrich Eggebrecht (Hrsg.): Archiv für Musikwissenschaft. Beiheft 32, Steiner, Stuttgart 1993.
  • Rudolf Frisius: Karlheinz Stockhausen I: Einführung in das Gesamtwerk; Gespräche mit Karlheinz Stockhausen. Schott Musik International, Mainz 1996, ISBN 3-7957-0248-8.
  • Rudolf Frisius: Karlheinz Stockhausen II: Die Werke 1950–1977; Gespräch mit Karlheinz Stockhausen, „Es geht aufwärts“. Schott Musik International, Mainz, London, Berlin, Madrid, New York, Paris, Prague, Tokyo, Toronto 2008, ISBN 978-3-7957-0249-6.
  • Michael Kurtz: Stockhausen – eine Biografie. Bärenreiter, Kassel, Basel 1988, ISBN 3-7618-0895-X.
  • Mary Bauermeister: Ich hänge im Triolengitter. Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen. München 2011, ISBN 978-3-570-58024-0.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Karlheinz Stockhausen, Biografie
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