Kloster Werden

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St.-Ludgerus-Basilika in Essen Werden

Das Kloster Werden war eine Abtei der Benediktiner in Werden an der Ruhr, heute Essen-Werden. Etwa seit dem Jahr 800 hatte Kloster Werden den Rang einer Reichsabtei. Seit 1653 war der Abt Direktor des Rheinischen Reichsprälatenkollegiums. 1802 wurde das Kloster aufgehoben, die Stadt fiel an Preußen. Seit 1945 ist im ehemaligen Klostergebäude der Hauptsitz der Folkwang Universität der Künste. Die nach der Säkularisation als Pfarrkirche genutzte Abteikirche wurde 1993 zur päpstlichen Basilica minor erhoben.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung

Die Anfänge Werdens liegen in der Zeit der Wende vom 8. zum 9. Jahrhundert und sind mit der Person des Heiligen und Missionars Liudger († 809) verbunden. Wie seine Vorgänger Winfried Bonifatius und Gregor von Utrecht wirkte der um 742 bei Utrecht geborene Liudger zunächst in Friesland, dann nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen in Westfalen von Münster aus.

Die Pläne zur Gründung eines Klosters verfolgte Liudger möglicherweise seit er 784 Rom und das Kloster Montecassino besucht hatte. Später plante er zunächst eine Klostergründung im heute niederländischen Raum und danach ihm Rheinland. Zu Beginn des Jahres 796, folgt man der urkundlichen Überlieferung, erschien Liudger, der erste Bischof von Münster, an der unteren Ruhr, wo er nach umfangreichen Landerwerbungen durch Schenkung, Kauf oder Tausch auf seinem Erbgut 799 ein Kloster gründen konnte: das Kloster Werden. Es existiert eine Urkunde mit dem Datum 26. April 802. Darin erteilt Karl der Große das Privileg zur Gründung der Abtei. Die Herkunft der Mönche ist nicht genau bekannt. Aus den ältesten Schriftquellen aus Werden selbst geht nur hervor, dass die Schreiber eine angelsächsische Ausbildung erhalten hatten. Liudger behielt die Leitung des Klosters auch bei, als er in Münster Bischof wurde. Erste Mönche des Domklosters kamen höchstwahrscheinlich aus Werden.

Eigenkloster

Liudgerikelch 9. Jh. Schatzkammer Essen Werden

Die Leitung des so begründeten Werdener Eigenklosters stand nach dem Tod des Gründers (809) der Familie Liudgers zu. Erster Nachfolger wurde Bruder Hildegrim I. (809–827) und es folgten die Liudgeriden Gerfried (827–839), Thiatgrim (839–840), Altfried (840–849) und Hildegrim II. (849-886). Durch die Liudgeriden war Werden bis 849 in Personalunion mit den Bischofssitzen von Münster und bis 886 mit Halberstadt verbunden; auch das Zusammengehen von Werden und Helmstedt könnte in diese Zeit fallen. Die bertoldschen Wirren nach der Mitte des 9. Jahrhunderts leiteten das Ende des Eigenklosters ein. Bestrebungen des Bischofs Liudbert von Münster, Werden dem Bistum einzuverleiben, stießen auf den Widerstand der Mönche. Sie setzten auf einer 864 stattfindenden Synode von Bischöfen durch, das mit Hildigrim II. noch einmal ein Liudgeride Abt wurde. Doch in seine Amtszeit fiel das vom ostfränkischen König Ludwig III. (876–882) erbetene Privileg über Königsschutz, Immunität und freie Abtswahl. Zum ersten Mal wählten die Mönche nach dem Tod Hildigrims II. (886). Die Zeit der Werdener Wahläbte und die Zeit als Reichskloster hatte begonnen. Seit dem Wandel zum Reichskloster war der Beziehung zum jeweiligen Erzbischof von Köln eng.

Hochmittelalter

Die anfänglichen Besitzungen wurden durch die Bischöfe aus der Familie Liudgers, den Karolingern und später den sächsischen Herzögen vermehrt. Hinzu kamen Schenkungen der ins Kloster eintretenden Mönche, aber auch von Laien. Zumindest zeitweise führte eine gute Wirtschaftsführung dazu, dass Überschüsse zum Erwerb weiteren Besitzes eingesetzt werden konnten. Den Wert des Besitzes hat das Roden von Wäldern noch vergrößert. Vom 10. bis ins 12. Jahrhundert nahm das Kloster eine günstige Entwicklung. Die Mehrzahl der Mönche stammte zunächst aus den Bistümern Münster und Utrecht. Später dehnte sich der Einflussbereich des Klosters nach Osten und Süden aus. Das Kloster diente auch der Erziehung und der Versorgung von Söhnen aus adeligem Haus. Gleichzeitig waren die nachfolgenden Äbte stärker als je zuvor in der Reichspolitik engagiert, und sie konnten ihre Kontakte zum Papsttum ausbauen.

Dem Ausbau und Erhalt des Territoriums wurden die Belange des Klosters untergeordnet. Die Lebensweise der Mönche begann sich im 13. Jahrhundert zu verweltlichen. Sie verfügten über eigenen Besitz und lebten teilweise in eigenen Häusern. Im Jahr 1234 musste der Abt diese Lebensweise akzeptieren. 1291 wurde dann festgeschrieben, dass die Mönche aus mindestens edelfreiem Haus stammen mussten. Fehlgeschlagene Reformversuche, Ämterkumulation, Vergabe von Verwaltungsaufgaben an Laien, Abhaltung der Gottesdienste durch Weltgeistliche sowie eine wachsende Schuldenlast bei gleichzeitigem Verlust an Gütern und Einkünften führten endlich trotz des Widerstandes des Abtes und der letzten zwei noch verbliebenen Konventualen zur Reform des Klosters durch die Bursfelder Kongregation im Jahre 1474. Als Administrator übernahm es der Kölner Abt Adam Meyer (1474–1477), die Verhältnisse in der Abtei nach einer Zeit des Verfalls wieder zu stabilisieren. Die Äbte stammten fortan aus bürgerlichen Familien, die Zahl der adeligen Mönche wurde begrenzt und die Gemeinschaft musste sich öfter als früher Visitationen stellen. Die Reform hatte Erfolg und es waren im 16. Jahrhundert Mönche und Äbte aus Werden, die andere Klöster reformierten. Eine sparsame Ausgabenpolitik führte zu einer Besserung der ökonomischen Verhältnisse, die auch eine nennenswerte Bautätigkeit erlaubte.

Neuzeit

Im Dreißigjährigen Krieg konnte sich die Mönchsgemeinschaft unter dem Abt und „kaiserlichen General-Kriegs-Kommissarius“ Hugo Preutaeus (1614–1646) behaupten, seit der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts arrangierten sich preußischer Vogt und katholischer Abt miteinander. Barocke Klosterneubauten, Tuchmachereien und Kohlebergbau prägten die wirtschaftliche Entwicklung Werdens im 18. Jahrhundert. 1803 wurde die Abtei auf der Grundlage des Reichsdeputationshauptschlusses säkularisiert.

Abteikirche

Schrein des hl. Liudgers in der Krypta der Ludgerusbasilika in Essen-Werden.

Zusammen mit dem Kloster St. Ludgerus wurde um 799 die Abteikirche erbaut. Nach einigen größeren Bränden wurde sie im romanisch-gotischen Übergangsstil wiederhergestellt und 1275 wieder geweiht. Seit der Säkularisation der Reichsabtei dient sie als Pfarrkirche. 1993 wurde sie von Papst Johannes Paul II. zu einer Basilica minor erhoben. Sie besitzt einen barocken Hochaltar und Gemälde des Werdener Malers Theodor Mintrop. In der karolingischen Ringkrypta liegen die Gebeine des Hl. Liudger, Begründer des Klosters Werden und des Bistums Münster, begraben. In der angeschlossenen Schatzkammer befindet sich mit dem Helmstedter Kreuz ein bedeutendes Kunstwerk des Übergangs von der ottonischen zur romanischen Plastik sowie mit dem Ludgerus-Schrein einer der wenigen barocken Reliquienschreine, der jährlich bei der Ludgerus-Prozession am ersten Septembersonntag benutzt wird.

Doppelabtei Werden-Helmstedt

Die Werdener Äbte waren bis in die frühe Neuzeit gleichzeitig Leiter des Helmstedter Klosters St.Ludgeri. Auch in Helmstedt erwuchs ihnen spätestens seit der Mitte des 12. Jahrhunderts eine Stadt, die nach der Brandkatastrophe von 1200 (im deutschen Thronstreit) um 1230 erstmals ummauert und im Laufe des 13. Jahrhunderts weitgehend selbstständig vom Werdener Abt als Stadtherrn wurde. Die stadtherrlichen Rechte gingen dabei auf den Helmstedter Rat und auf die welfischen Herzöge über. Die besaßen seit 1180 die Kirchenvogtei über das Kloster und 1490 wurde ihnen formell Helmstedt abgetreten.

Aus Furcht vor protestantischen Bilderstürmern brachte der Werdener Abt Hermann von Holten 1547 die bedeutendsten Schätze des Klosters Helmstedt, vor allem das als Karlsreliquie verehrte Helmstedter Kreuz und den Kelch des Heiligen Liudger, nach Werden. Wie zahlreiche Klöster im Reich, so wurde auch das Helmstedter 1802/1803 säkularisiert.[1]

Anmerkungen

  1. Dieser Artikel basiert auf einer überarbeiteten Fassung des gleichnamigen Artikels aus Wikipedia.
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