Misereor

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Misereor ist ein Hilfswerk der Katholischen Kirche in der Bundesrepublik Deutschland. Es versteht sich als zentrale Einrichtung für die Entwicklungszusammenarbeit und steht unter der Leitung und Verantwortung der Deutschen Bischofskonferenz. Die lateinische Bezeichnung ist dem Markusevangelium (Mk 8,2 EU) entnommen: „Misereor super turbam“, „Ich habe Mitleid mit den Menschen“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits der 76. Deutsche Katholikentag in Fulda 1954 hatte die Bildung einer "deutsche(n) Institution für die Ausbildung und Betreuung qualifizierter Laienkräfte" in Entwicklungsländern empfohlen. Internationale katholische Frauenverbände und die internationale Pax Christi Bewegung riefen zur Bekämpfung des Hungers auf; der deutsche Zweig der Pax Christi Bewegung begann in der Bundesrepublik Deutschland systematisch mit der Sammlung von Spenden für Hungernde, Aussätzige und Überseestudenten. Verbände wie KAB (Erzbistum Paderborn), Kolpingsfamilie und BdkJ starteten Aktionen.

In seiner Weihnachtsansprache 1957 bat der Kölner Kardinal Josef Frings im Erzbistum um Spenden für die Diözese Tokyo und deutete an, dass er Größeres plane. Auf Initiative von Alfons Erb, Vizepräsident von Pax Christi, bat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) 1958 die deutschen Bischöfe, in der Fastenzeit 1959 möge eine Aktion gegen Hunger in der Welt durchgeführt werden. Auf der Vollversammlung der Bischofskonferenz im August 1958 rief dann der Vorsitzende, Kardinal Josef Frings, zur Bekämpfung des Hungers auf und brachte mit dieser Rede die "Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt" auf den Weg; als Namen schlug er Misereor vor. Misereor sammelte bei der ersten Sammlung in der Fastenzeit 1959 34 Millionen Mark, das für die damaligen Verhältnisse ein höchst unerwartetes Ergebnis war. Erster Hauptgeschäftsführer der "Aktion Misereor", deren Geschäftsstelle sich seit 1960 im Aachener Priesterseminar befindet, war bis 1976 Prälat Gottfried Dossing.[1]

Seit 1958 hat Misereor über 103.000 Entwicklungsprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien mit über 6,4 Milliarden Euro gefördert.[2]

Zielsetzung und Aufgaben

Das Bischöfliche Werk Misereor erhält seine Motivation, seine Kraft und Stärke aus dem christlichen Glauben und dem Gebot Jesu, den Nächsten zu lieben. Jeder Mensch hat als Geschöpf und Ebenbild Gottes das Recht auf ein Leben in Würde, Freiheit und Gerechtigkeit. Es versteht sich als zentrale Einrichtung der deutschen katholischen Kirche für Entwicklungszusammenarbeit.

Im Leitbild heißt es:

"Uns leitet die Überzeugung, dass jede Entwicklung von den Menschen selbst ausgeht und alle Lebensbereiche umfasst (z.B. Wirtschaften, Sozialleben, Politik, Kultur, Religion). Deshalb richten wir unsere Hilfe so aus, dass sie die Selbsthilfe der Menschen stärkt und es ihnen ermöglicht, ihr individuelles und gemeinschaftliches Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Sie soll der Befriedung materieller und ideeller Grundbedürfnisse die nen, aber auch der Achtung vor der Schöpfung verpflichtet sein. Die Solidarität mit den Armen macht die Bekämpfung ihrer Armut und Machtlosigkeit zum Hauptziel unserer Arbeit. Wo ungerechte, gesellschaftliche und politische Strukturen die Menschen unterdrücken, bedeutet Entwicklung daher auch Befreiung von solchen Strukturen. Unser Handeln beinhaltet dann nicht nur die Untersützung der Menschen und ihrer Organisationen, die ungerechte Lebensbedingungen ändern wollen, sondern erfordert auch politische Einfl ussnahme überall dort auf der nationalen und internationalen Ebene, wo über das Fortbestehen oder die Beendigung solcher Verhältnisse entschieden wird."[3]

Misereor steht an der Seite der Menschen, die Beistand benötigen. Es unterstützt mit Entwicklungsprojekten Menschen, ihr Leben aus eigener Kraft nachhaltig positiv zu verändern, Mut und Selbstvertrauen zu gewinnen. Alle Projekte von Misereor greifen immer Initiativen der Armen auf, bestärken und ermutigen sie. So vielfältig die Ursachen und Gesichter von Armut und Ungerechtigkeit sind, so vielfältig sind auch die MISEREOR-Projekte. In Afrika, Asien und Lateinamerika berät und fördert das Hilfswerk gemeinsam mit regionalen Partnern Kleinbauern, unterstützt Jugendliche in ihrer Ausbildung, steht beim Wiederaufbau zur Seite und unterstützt Demokratisierungsprozesse. Die Partnerorganisationen in den betroffenen Regionen kennen die Probleme ihrer Heimat am besten. Zusammen mit ihnen diskutiert MISEREOR Probleme und erarbeitet Lösungsansätze. Bei der Finanzierung dieser Arbeit werden Dienstleistungen und Güter aus den Entwicklungsländern bevorzugt.

Die Projekte unterstützt Misereor durch langjährige Erfahrung in der Projektarbeit und mit finanziellen Mitteln, die Spender aus der ganzen Welt zur Verfügung stellen.[4]

Zu den Aufgaben des Hilfswerks gehören:

  • Auslandsarbeit: Förderung von vorrangig armenorientierten Projekten und Programmen zu nachhaltiger Entwicklung in den Schlüsselbereichen ländliche Entwicklung, Gesundheitswesen, Berufs- und Erwachsenenbildung, Kleingewerbeförderung, Selbsthilfewohnbau, Projekte der Sozialarbeit, Frauenförderung und Menschenrechtsarbeit, Schulung örtlicher Führungskräfte und Süd-Süd-Dialog. Dabei wird zunehmend Entscheidungskompetenz und Verantwortung an die Partner in Übersee abgegeben, ohne dass Misereor seine eigene Verantwortung im Rahmen der Prüfung und kritischen Begleitung von Entwicklungsvorhaben aufgibt.
  • Inlandsarbeit: Misereor will in Deutschland auf das Los der betroffenen Menschen aufmerksam machen und ihre Interessen vertreten sowie die ethische und religiöse Herausforderung, die sich aus dem Nord-Süd-Konflikt für Christen in den reichen Ländern ergibt, verdeutlichen. Der Gedanke der Umkehr und des Teilens liegt auch der jährlichen Fastenaktion zugrunde. Misereor will dazu beitragen, dass die Entwicklungszusammenarbeit an politischer Bedeutung und Rückhalt in der Gesellschaft gewinnt. Es beteiligt sich an der entwicklungspolitischen Diskussion in Deutschland und auf internationaler Ebene und wirkt auf politische und gesellschaftliche Willensbildungsprozesse ein. Das Hilfswerk informiert über die weltweiten Abhängigkeitsmechanismen und zeigt Möglichkeiten des interkulturellen Lernens und der praktischen Solidarität auf, z.B. durch Arbeitshilfen für Pfarrgemeinden und Aktionsgruppen, Angebote von Projektpartnerschaften oder Förderung des alternativen Handels. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Spendenaufrufen und sonstigen Wegen zur finanziellen und materiellen Unterstützung.[5]

Fastenaktion der deutschen Katholiken

Neben Spendengeldern und staatlichen Zuschüssen finanziert sich die Arbeit durch die jährliche Fastenaktion der deutschen Katholiken "Misereor – gegen Hunger und Krankheit in der Welt", mit der eine Kollekte in der Fastenzeit verbunden ist. Mit der Fastenaktion trägt MISEREOR die Anliegen der Armen in die katholischen Pfarrgemeinden. Dies geschieht seit 1958 - in über 100.000 Projekten - in Afrika, Asien, Ozeanien und Lateinamerika.

Die Fastenaktion beginnt stets am Aschermittwoch und endet an Ostern. Im Mittelpunkt der Fastenaktion steht jedes Jahr ein Land mit einem bestimmten Schwerpunkt. Elemente der Fastenaktion für die Ebene der Pfarreien und Gruppen sind liturgische Bausteine, Aktionmaterial und ein Fastenkalender. Es gibt didaktische Materialien für Schule und Kita, eine Kinderfastenaktion und eine Jugendaktion. Alle zwei Jahre wird ein von Künstlern geschaffenes Hungertuch zur Fastenaktion herausgebracht.

Die 60. Fastenaktion 2018 hat Indien als Schwerpunkt- und Partnerland und steht unter dem Motto "Heute schon die Welt verändert?" Sie wurde am 18. Februar 2018 mit einem Pontifikalamt im Dom Zu Unserer Lieben Frau in München eröffnet. Die Misereor-Kollekte ist traditionell am 5. Fastensonntag, dem 18. März 2018.

Struktur des Hilfswerks

Ziele, Aufgaben und Struktur des Bischöflichen Werkes MISEREOR regelt ein Statut, das von der Deutschen Bischofskonferenz erlassen wurde. Seit dem 1. April 2012 ist Monsignore Pirmin Spiegel (* 1957 in Großfischlingen/Rheinland-Pfalz) Hauptgeschäftsführer und Vorstandsvorsitzender des Bischöflichen Hilfswerkes MISEREOR. Er wurde am 7. Juni 1986 für das Bistum Speyer zum Priester geweiht und war von 1990 bis 2003 als Pfarrer und Ausbilder von Laienmissionaren in Lima Campos (Bistum Bacabal im brasilianischen Bundesstaat Maranhão) tätig. Sein ständiger Vertreter ist Dr. Martin Bröckelmann-Simon (* 1957), seit 1999 Vorstandsmitglied von MISEREOR und Geschäftsführer Internationale Zusammenarbeit. Thomas Antkowiak (* 1955) ist seit Februar 2006 Vorstandsmitglied bei MISEREOR und in der Geschäftsführung zuständig für die Hauptabteilung Interne Dienstleistungen.

Die für Misereor zuständige Kommission für Entwicklungsfragen der deutschen Bischofskonferenz leitet seit dem 26. September 2014 der Freiburger Erzbischof Stephan Burger.

Zur Unterstützung des Bischöflichen Werkes Misereor und zur Förderung der Fastenaktion der deutschen Katholiken "Misereor – gegen Hunger und Krankheit in der Welt" wurde am 30. Januar 1960 als Rechtsträger ein Verein unter dem Namen "Bischöfliches Hilfswerk e. V." mit Sitz in Köln gegründet. Der Vereinssitz wurde am 12. März 1968 nach Aachen verlegt. Die Geschäftsstelle des Hilfswerks befindet sich in Aachen. Dort arbeiten gegenwärtig etwa 270 Personen.

Siehe auch

Weblinks

Anmerkungen

  1. misereor.de: Geschichte
  2. misereor.de: Selbstdarstellung
  3. misereor.de: Leitbild Misereror
  4. misereor.de: Über uns
  5. misereor.de: Leitbild Misereror
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