Prope adsunt dies

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schreiben
Prope adsunt dies

unseres Heiligen Vaters
Pius XI.
an den Kardinal Pompilj
zur Anordnung von Gebeten für alle Verstorbenen (Die leidende Kirche im Fegfeuer)
21. Oktober 1923

(Offizieller lateinischer Text: AAS XV [1923] 541-542)

(Quelle: Heilslehre der Kirche, Dokumente von Pius IX. bis Pius XII. Deutsche Ausgabe des französischen Originals von P. Cattin O.P. und H. Th. Conus O.P. besorgt von Anton Rohrbasser, Paulus Verlag Freiburg Schweiz 1953, S. 527-529; Imprimatur Friburgi Helv., die 22. maii 1953 L. Weber V. G.)

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


1 Schon stehen die Tage bevor, deren jährliche Wiederkehr dem religiösen Leben des christlichen Volkes neuen Auftrieb zu geben pflegt. In diesen Festtagen stellt nämlich unsere Mutter die Kirche den gläubigen Erdenpilgern ihre Brüder in der Glückseligkeit des Himmels als Vorbilder vor Augen, sodann ruft sie ihnen durch die Zeremonien ihrer heiligen Liturgie jene in Erinnerung, die "uns mit dem Zeichen des Glaubens vorangegangen und im Frieden entschlafen sind" (Römisches Missale, Canon, Gedächtnis der Toten) die jedoch vor der vollständigen Läuterung im Fegfeuer durch ein Urteil Gottes noch ferngehalten werden von jener Glückseligkeit. Zweifellos handelt die Kirche dabei ganz im Einklang mit dem überaus trostvollen Dogma des katholischen Glaubens von der Gemeinschaft der Heiligen. Die engen Bande nämlich, die uns einerseits mit den Seligen im Himmel und anderseits mit den büßenden Seelen im Fegfeuer verbinden, bringen für uns ganz natürlich folgende zwei Verpflichtungen mit sich: jenen müssen wir außer unseren Glückwünschen zu ihrer Aufnahme in die ewige Glorie auch unsere inständigen Bitten vorbringen, damit sie uns ihren Schutz nicht verweigern, um ein wahrhaft christliches Leben zu führen, und diesen « durch unser Fürbittgebet, vor allem durch das gottgefällige Meßopfer, Erleichterung verschaffen.»(Konzil von Trient, Sess. xxv, Decretum de purgdtorio. Denz Nr. 983.) Gerade dieses Liebeswerk wird den Heiligen sehr angenehm sein, freuen SIe SIch doch In Ihrer vollkommenen LIebe, wenn dank unserer MIthilfe dIe Zahl derer sIch vermehrt, die mit ihnen die immerwährende Seligkeit teilen und die Güte und Barmherzigkeit Gottes lobpreisen.

Zwar ist es fast unmöglich, daß in gesund veranlagten Herzen die menschliche Teilnahme am Schicksa1 der Verstorbenen gänzlich schwinde; und doch können wir ringsum uns beobachten, wie bei den meisten Menschen das Andenken an die Toten allmählich verblaßt, ja sogar ganz erlischt, oder sich in Ehrungen und Liebesbezeugungen erschöpft" die zwar an sich löblich sind, aber doch weniger den leidenden Seelen im Fegfeuer zum Nutzen gereichen, als den Hinterbliebenen zum Trost.

2 Wenn auch Unser Amt als gemeinsamer Vater aller Gläubigen es Uns verbietet, irgendeinen der aus diesem Leben Abgeschiedenen von Unserer fürsorgenden Liebe auszuschließen, so wendet sich doch kurz vor dem Allerseelentag Unser Herz ganz von selbst jener fast unabsehbaren Schar von Söhnen zu, die im letzten Weltkrieg gefallen oder an den Folgen der zugezogenen Krankheiten und Verletzungen gestorben sind oder den Bürgerkriegen und Nachkriegswirren zum Opfer fielen. Ja, der Gedanke an dies Toten erfüllt Uns mit besonders schmerzlicher Wehmut haben Wir doch allen Grund zu befürchten, daß auch sie infolge der Nachlässigkeit jener, die einst ihre teuersten Angehörigen waren, des liebevollen Beistandes und des fürbittenden Gebetes entbehren. Und wie steht es erst um jene zahlreichen Todesopfer dieser gewaltigen Katastrophe, die schon von der Wiege an weder die Liebkosungen noch das Lächeln einer Mutter kannten? Jene unbeachteten und nirgends beheimateten Waisen, die keinen Menschen haben, der sie beweint und sie der Barmherzigkeit des Vaters, der im Himmel ist, empfiehlt.

Die Verstorbenen, die im Herrn entschlafen und in Zukunft jeder Feindseligkeit und Zwietracht enthoben alle freuen sich nun immerdar ihrer engen Vereinigung durch die Gnade und die Liebe Jesu Christi, bis sie einstens einziehen werden in die ewige Glorie, die den Gotteskindern aller Stämme, Sprachen, Nationen lind Völker (Offb. 5, 9) vorbehalten ist. Gleicherweise wollen Wir auch, daß die Fürbitten und Sühneopfer der Gläubigen, über alle Unterschiede der Staatszugehörigkeit, des Standes und der Parteiungen hinweg, allen Seelen ohne Ausnahme zugewandt werden, die den oben erwähnten Ereignissen zum Opfer gefallen sind.

3 Diese allumfassende Gebetsgemeinschaft wird einerseits für diese vielgeliebten Söhne den Anbruch der beseligenden Gottesschau beschleunigen und anderseits vermöge einer tieferen Verwurzelung der Liebe, dieses Bandes der Vollkommenheit (Vgl. Kol 3,14.), im Herzen der Lebenden dazu beitragen, daß bald der Friede Christi durch das Reich Christi verwirklicht werde und überall erstrahle.

Daher ist es Unser dringlichster Wunsch, ehrwürdiger Bruder, daß anläßlich des bevorstehenden Allerheiligenfestes sowie am Allerseelentag und während des ganzen Monates November in der Stadt Rom ein großer Feldzug des Gebetes und des Sühneeifers nach den oben bezeichneten Meinungen durchgeführt werde; und Wir hoffen bestimmt, das Beispiel der Gläubigen von Rom werde den ganzen katholischen Erdkreis zu frommem Wetteifer herausfordern.

In dieser zuversichtlichen Hoffnung, die Unserem Herzen ein großer Trost ist, spenden Wir Dir, ehrwürdiger Bruder, dem Klerus und den Gläubigen von Rom als Unterpfand der göttlichen Gnaden und als Erweis Unseres väterlichen Wohlwollens aus ganzem Herzen den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 21. Oktober 1923,
im zweiten Jahr Unseres Pontifikates
Pius XI. PP.