Quante cose

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Ansprache
Quante cose

unseres Heiligen Vaters
Pius XII.
an Neuvermählte
über die Wirksamkeit des Gebetes

2. Juli 1941

(Quelle: Ansprachen Pius XII. an Neuvermählte, Josef Habbel Verlag Regensburg 1950, S. 273-280, Übersetzt und eingeleitet von DDr. Friedrich Zimmermann. Imprimatur Regensburg, den 11. Juli 1949 J. Franz, Generalvikar; Download).

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Wie vieles habt ihr, geliebte Neuvermählte, in diesen Tagen von Gott zu erbitten bei eurem frommen Besuch der großen Heiligtümer Roms! Diese Besuche sind ebenso viele heilige Pilgerfahrten, wie auch das Leben hier auf Erden eine Pilgerfahrt zu Gott ist unter dem Wechsel von Freude und Leid. Ihr wandert jetzt in dem Morgenrot der Freude. Vor den heiligen Altären habt ihr gebetet für euch selbst, für euer jüngst gegründetes Heim, für die Kleinen, die es euch mit Freude erfüllen sollen. Die Erde, auf die ihr euren Fuß gesetzt habt, ist ein berühmtes Land, das schon seit Jahrhunderten betreten ist von tausend Völkern, von Millionen Pilgern, von jenen nämlichen Blutzeugen, die ihr in den Katakomben, Basiliken und Kirchen verehrt habt. Sie sind es, die der Apostel Johannes bereits mit lauter Stimme rufen hörte: "Heiliger und wahrhaftiger Herr, wie lange richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an den Erdbewohnern? Aber es wurde ihnen gesagt, sie sollen sich noch kurze Zeit gedulden, bis die Zahl ihrer Mitknechte und Brüder vollzählig würde" (vgl. Off 6, 10 f.). Auch sie beten, aber für den Herrn ist noch nicht die Stunde gekommen, sie zu erhören. Sie haben ein unzerstörbares Vertrauen auf die göttliche Verheißung, sie sind der Erhörung gewiss, wie sie schon Erhörung fanden im Triumph ihres Glaubens vor den Tyrannen. Auch ihr habt gebetet, habt Vertrauen gehabt zu Gott, und nun seht ihr die Gebete erhört, die ihr vielleicht seit langer Zeit zum Himmel geschickt habt, um die Gnade zu erlangen, dass jener heilige von euch ersehnte Bund Wirklichkeit werde, auf den ihr jetzt euer Glück baut.

In der Tat hilft uns nichts so sehr, mit Vertrauen zu beten, als die persönlich gemachte Erfahrung von der Wirksamkeit der Gebete, auf welche die gütige Vorsehung geantwortet hat, indem sie reich und voll das gewährte, um was man sie bat. Aber öfter noch wird auch uns wie den Märtyrern der Altäre von der Vorsehung gesagt, dass wir uns noch gedulden für eine von ihr bestimmte Zeit. Weil sie sehen, dass die Erhörung ihres Gebetes sich verzögert, fühlen nicht wenige ihr Vertrauen merkwürdig erschüttert noch können sie Geduld haben, wenn Gott für all ihre Bitten taub zu sein scheint. Nein, verliert doch nie euer Vertrauen auf jenen Gott, der euch erschaffen, der euch geliebt hat, bevor ihr Ihn lieben konntet, und der euch zu seinen Freunden gemacht hat! Ist es denn nicht der Freundschaft eigen, dass der Liebende den Wunsch des Geliebten erhört zu sehen wünscht, weil er gerade dessen Glück und Vervollkommnung erstrebt? Liebt Gott nicht sein Geschöpf? Und bedeutet nicht die Liebe ein Wohlwollen? Und hängt das Glück des Geschöpfes nicht ganz von der göttlichen Güte ab? (vgl. S. Thomas, Contra Gent. 1, 3, c. 95).

Vertraut auf Gott: "tarde non fur mai grazie divine" "nie kamen göttliche Gnaden zu spät" (Petrarca, Trionfo dell' Eternità, 13). Und doch scheinen vielen, die beten, die göttlichen Gnaden zu lange auf sich warten zu lassen. Das, was sie erbitten, scheint ihnen gut, nützlich, notwendig, und gut nicht nur für den Leib, sondern auch für ihre Seele, für die Seelen jener, die ihnen teuer sind, sie beten inbrünstig, wochen-, monatelang, und haben noch nichts erlangt. Die Gesundheit, die nötig ist für die Arbeit in der Familie, ist dieser Mutter noch nicht gewährt worden. Jener Sohn, jene Tochter, deren Betragen ihr ewiges Heil in Gefahr bringt, sind noch nicht zu besserer Gesinnung zurückgekehrt. Jene materiellen Nöte, mit denen die Eltern zu kämpfen und zu ringen haben, um den Kindern den Bissen Brot zu sichern, sind nicht geringer, sondern nur härter und bedrohlicher geworden. Die ganze Kirche mit allen Völkern verdoppelt ihre Gebete, um das Ende der Leiden zu erlangen, welche die große Menschenfamilie heimsuchen, und doch naht sich noch immer nicht jener gerechte Friede, der so innig ersehnt, erfleht und unter Seufzern begehrt wird und der so notwendig scheint für das Heil aller und auch für das Heil der Seelen. Unter dem lastenden Druck dieser Gedanken blicken viele verwundert auf die heiligen Altäre, vor denen man betet, und sind vielleicht verärgert und verwirrt darüber, dass bei der heiligen Liturgie ständig die Verheißungen des göttlichen Erlösers ins Gedächtnis gerufen und verkündet werden: "Alles, um was ihr vertrauensvoll im Gebete bittet, werdet ihr erhalten" (Mt 21, 22). "Bittet, und ihr werdet empfangen... Wer immer bittet, der empfängt" (Mt 7, 7). "Alles, um was ihr den Vater in meinem Namen bittet, will ich tun… Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bittet, so wird er es euch geben" (Joh 14, 13; 15, 16; 16, 23). Hätten die Verheißungen des Erlösers deutlicher, klarer, feierlicher sein können? Werden nicht vielleicht einige versucht sein, darin etwas wie einen bitteren Spott zu sehen angesichts des Schweigens Gottes gegenüber ihren Gebeten?

Aber Gott lügt nicht und kann nicht lügen; was er versprochen hat, wird er halten, und was er gesagt hat, wird er tun. Richtet auf euren Geist und hört auf das, was der große Lehrer, der heilige Thomas von Aquin lehrt (Contra Gent. 1. 3c. 96), wenn er erklärt, warum die Gebete nicht immer von Gott erhört werden: "Gott erhört die Wünsche des vernünftigen Geschöpfes, wenn es das Gute erstrebt. Aber bisweilen kommt es vor, dass das, um was man bittet, kein wirkliches Gut ist, sondern nur ein scheinbares, ja sogar ein wirkliches Übel. Also kann eine solche Bitte von Gott nicht erhört werden. Drum steht geschrieben: Ihr bittet und erhaltet es nicht, weil ihr schlecht betet (Jak 4, 3). Ihr begehrt und verlangt ein Gut, wie ihr meint. Aber Gott sieht tiefer bei euch in dem, was ihr begehrt. Es kommt bisweilen vor, fügt derselbe heilige Lehrer hinzu, dass einer aus Freundschaft das abschlägt, was der Freund erbittet, weil er weiß, dass es ihm schädlich sein wird, obwohl diesem das Gegenteil vorteilhafter erscheint; so verweigert bisweilen der Arzt dem Kranken das, was dieser wünscht, in der Überzeugung, dass es ihm für die Wiedererlangung der körperlichen Gesundheit nichts nützt. Da nun Gott aus Liebe zu dem vernünftigen Geschöpf die ihm im Gebete vorgetragenen Wünsche erfüllt, so ist es nicht zu verwundern, wenn er zuweilen die Bitte jener, die er in besonderer Weise liebt, nicht erhört, ihnen aber dafür das gibt, was in Wirklichkeit ihnen am meisten nützt. Drum nahm er dem heiligen Paulus nicht "den Stachel im Fleische" (2 Kor 12, 7) - es handelte sich sehr wahrscheinlich um eine lästige körperliche Krankheit -, obwohl dieser dreimal ihn darum gebeten hatte, damit er ihm nützlich würde für die Erhaltung der Demut. So wurde der große Apostel zwar nicht erhört nach seinem Willen, "ad voluntatem", weil er nicht von dem Leiden befreit wurde, das ihn quälte, sondern er wurde erhört "ad salutem" "zu seinem Heile", weil Gott ihn in noch vollkommenerer Weise erhörte, indem er versprach, ihn durch seine Gnade zu stärken, um mit größerem Verdienst das ersehnte Ziel zu erreichen (vgl. S. Augustinus, in Epist. Joannis ad Parthos, tr. VI, n. 6-7 - Migne PL. t. 35, col. 2023).

Wache also auf, gläubiger Mensch, und höre mit wachen Ohren, was der göttliche Meister lehrt: "Wenn ihr erbittet, was ihr wünscht, erbittet es nicht in irgendeiner Weise, sondern in meinem Namen, "in nomine meo". Welches ist denn sein Name? Christus Jesus; Christus bedeutet König, Jesus Heiland. Sicherlich wird uns nicht irgendein König selig machen, sondern der König, der zugleich Heiland ist; daher bitten wir nicht im Namen des Heilandes, was wir erbitten entgegen dem Nutzen des Heiles. Und doch ist Er der Heiland, nicht bloß wenn Er tut, um was wir bitten, sondern auch, wenn Er es nicht tut; denn wenn Er sieht, dass man um etwas bittet, was gegen das Heil ist, dann zeigt Er durch Nichterfüllung sich viel mehr als Heiland. Ist Er nicht der göttliche Arzt des ewigen Heiles? Er weiß ja, was uns nützt oder schadet zum Heile... Er ist nicht bloß Heiland, sondern auch der gute Lehrer. Damit Er tun kann, um was wir bitten, hat Er in dem uns gegebenen Gebete erklärt, um was wir bitten sollen, um uns auch darüber zu unterrichten, dass wir um das nicht im Namen des Lehrers bitten, um was wir bitten gegen Seine Lehrvorschrift. Da Jesus Heiland und Lehrer ist, kennt er die annehmbare Zeit und die Stunde des Heiles; drum tut Er auch dann, wenn wir etwas in Seinem Namen erbitten, es nicht immer zu der Stunde, wenn wir beten, sondern zu Seiner Stunde; was aufgeschoben wird, wird drum nicht abgeschlagen (S. Augustinus, in Joannis Evang. tract. 73, n. 3-4 Migne, PL. t. 35, col. 1825-1826).

Im Namen Jesu wollen wir also unser Gebet an Gott richten; denn es ist kein anderer Name den Menschen auf Erden gegeben, in dem sie selig werden können (ApG 4, 12). Sein Name ist es, der unsere Wünsche bei Gott gültig und wirksam macht und so bewirkt, dass die guten Wünsche die Ursache davon sind, dass Gott in Seiner Vorsehung angeordnet hat, dass wir sie durch Gebet erlangen. Dieses ändert zwar nicht mehr die von Ihm festgesetzte unveränderliche Ordnung, sondern erfüllt sie, insoweit Gott in Seine Vorsehungsordnung die Gewährung unserer Bitten mit dem Gebete, das wir an Ihn richten, aufgenommen hat. Daher sagt auch der heilige Alfons von Liguori (Del gran mezzo della preghiera, am Ende): wer betet, wird gerettet, wer nicht betet, wird verdammt; zu behaupten, man brauche nicht zu beten, um eine Gnade von Gott zu erlangen, weil die Ordnung Seiner Vorsehung unveränderlich ist, würde dasselbe sein - bemerkt der englische Lehrer, der heilige Thomas - wie behaupten, es sei nicht nötig zu gehen, um irgend wohin zu gelangen, noch zu essen, um sich zu ernähren; offenbar alles törichte Dinge (Contra Gent. L, 3, c. 96).

Ihr seht also, geliebte Neuvermählte, wie die Wirksamkeit des Gebetes verknüpft ist mit seiner Notwendigkeit, und dass nicht alle Gebete, die an Gott gerichtet werden, im Namen Unseres Herrn Jesus Christus geschehen und deshalb nicht alle erhört werden. Sprecht also zum Erlöser, indem ihr die Bitte der Apostel erneuert: "Herr, lehre uns beten" - "Domine, doce nos orare" (Lk 11, 1). Zu Ihm steige euer Gebet wie Rauchopfer empor und eure ausgebreiteten Hände wie ein Abendopfer (Ps 141, 2) und auf euch und eure jungen Familien steige herab Seine göttliche Gnade wie der Tau des Hermon, der herabsteigt auf die Sionsberger (Ps 133, 3)!