Ritus

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Ein Ritus ist die Gesamtheit der einer kirchlichen Gemeinschaft eigenen liturgischen Gebräuche. In diesem Sinne werden verschiedene Riten unterschieden.[1]

Inhaltsverzeichnis

Weitere Bedeutung

Durch den Ritus wird auch die nach kirchlichen Vorschriften (Rubriken) festgelegte Art und Weise bezeichnet, den liturgischen Gottesdienst zu feiern und andere liturgische Funktionen (Sakramentenspendung, Weihen) vorzunehmen.[2] Der Ritus umfasst einerseits heilige Worte und anderseits heilige Gesten. Sie wirken ineinander und miteinander in wunderbarer Harmonie. Die kultische Handlung verlangt nach dem deutenden Gebetswort, und das Wort drückt sich im Gestus aus. Z. B. sagt das Wort „Mea culpa - durch meine Schuld“, während die Hand dasselbe sagt, indem sie an die Brust schlägt.[3]

Ambrosianischer Ritus (Mailändischer Ritus)

Der Ambrosianische Ritus ist ein liturgischer Ritus der Lateinischen Kirche und wird im größten Teil der Kirchenprovinz Mailand, in einigen angrenzenden Gebieten und in ungefähr fünfzig Pfarren des Bistums Lugano (Schweiz) noch neben dem Römischen Ritus verwendet. Dieser Ritus wird in Latein und italienischer Sprache gefeiert.

Geschichte des Ritus:

Der Ambrosianische Ritus wird auf den Heiligen Ambrosius zurückgeführt, mit dem er aber erst im 8. Jahrhundert in Verbindung gebracht wurde. Man nimmt an, dass die meisten Texte von Ambrosius stammen. Insbesondere in der Zeit der Karolinger wurde dieser ältere Ritus dem römischen Typ angepasst, wobei er jedoch zahlreiche Eigenarten behaupten konnte. Das galt auch nach dem Konzil von Trient, als der hl. Karl Borromäus sie förderte. Seine Eigenprägung zeigt sich unter anderem in der Euchologie (zahlreiche Präfationen), im Gesang (Ambrosianischer Gesang), in den Leseordnungen sowie im Textgut und rituellen Besonderheiten, die Mailand unter orientalischem Einfluss oder durch seine Austauschbeziehungen mit Gallien übernommen hat. Der ambrosianische Ritus wurde nach dem II. Vatikanum gleichfalls einer liturgischen Reform unterzogen, wobei jedoch wesentliche Unterschiede beibehalten wurden.

Unterschiede zum römischen Ritus:

  • Die Adventszeit beginnt bereits am ersten Sonntag nach dem Martinstag (11. November), hat demnach also sechs Adventssonntage.
  • Die Fastenzeit beginnt erst am Sonntag nach Aschermittwoch.
    Die liturgische Farbe in der Fastenzeit ist rot, anstatt des im römischen Ritus üblichen Violetts.

Einige Unterschiede in der Messe:

  • Ein Teil der Gabenbereitung findet schon zu Beginn der Messe statt.
  • Beim Kyrie heißt die Anrufung immer "Kyrie eleison", nie "Christe eleison".
  • Es gibt immer 3 Lesungen, auch werktags (wie sonntags in der römischen Liturgie)
  • Vor der Lesung bekommt der Lektor vom zelebrierenden Priester den Segen wie im römischen Liturgie der Diakon vor der Verkündigung des Evangeliums.
  • Der Friedengruß wird nach dem Wortgottesdienst, also zu Beginn der Eucharistiefeier ausgetauscht.
  • Das Credo kommt nach der Gabenbereitung.
  • Die Brotbrechung findet schon vor dem Vaterunser statt.
    Der Gesang zur Brotbrechung, der im römischen Ritus immer das Agnus Dei ist, gehört zum Proprium, hat also für jeden Tag einen anderen Text.
    Das Agnus Dei wird in der Totenmesse (Requiem) gesungen.

Anglikanischer Ritus (Book of Divine Worship / "Anglican Use")

Ehemaligen anglikanischen bzw. episkopalkirchlichen Gemeinden, die zur römisch-katholischen Kirche übergetreten sind, ist unter bestimmten Umständen seit 1980 die Nutzung eines Ritus erlaubt, der auf dem des anglikanischen "Book of Divine Worship" basiert.

Braga (Portugal)

Byzantinischer Ritus

Dominikanischer Ritus

Mozarabischer visigotischen Ritus (Spanien)

Spanischer Ritus aus der Zeit der moslemischen Herrschaft in Spanien, der heute noch vereinzelt gefeiert wird. In der Kathedrale von Toledo wird er in der "Mozarabischen Kapelle" täglich zelebriert.

Praemonstratenser Ritus

Römischer Ritus

Ritus von Zarum (alter englischer Ritus)

Zairischer Ritus

Ein gegen Ende des 20. Jahrhunderts neu erstellter Ritus, der als Inkulturation der Messe in die afrikanische Tradition gedacht ist. Auffällige Unterschiede zum nachkonziliaren römischen Ritus sind, neben dem Friedensgruß vor der Gabenbereitung, die Möglichkeit, die Lesungen aus Büchern der afrikanischen vorchristlichen Tradition zu nehmen und die Anrufung der Heiligen und der afrikanischen Ahnen zu Beginn der Liturgie.

Weblinks

siehe auch: Riten der Katholische Ostkirchen

Anmerkungen

  1. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 224 (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  2. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, S. 224.
  3. Vom Sinn heiliger Riten bei www.alte-messe.de.