Liber Usualis

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Liber Usualis, Titelblatt, Imprimatur 1934.
Liber Usualis

Der Liber Usualis, lateinisch liber = Buch und spätlateinisch usualis = üblich, gebräuchlich, ein Buch für den praktischen Gebrauch, ist ein lateinisches Singebuch von allgemein gebräuchlichen Musikstücken des gregorianischen Gesangs. Die Notenschrift ist die Spätmittelalterliche Quadratnotation. Das etwa 2000 Seiten umfassende Buch enthält alle Gesänge des Ordinariums und die Proprien der Heiligen Messe aller Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, sowie Gesänge für die Tagzeitenliturgie.

Geschichte

Der Liber Usualis wurde 1896 von den Benediktiner-Mönchen der französischen Abtei Saint-Pierre de Solesmes herausgegeben und erschien bis 1964 in regelmäßig veränderten oder erweiterten Auflagen.

Die Herausgabe des Liber Usualis fällt in die erste Phase der Restitution des Gregorianischen Chorals, die ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in französischen Klöstern einsetzte, zu einer intensiven Forschertätigkeit führte und in dem Motu Proprio Tra le sollecitudini Papst Pius’ X. vom 22. November 1903 gipfelte, das den Gregorianischen Choral als ureigenste musikalische Ausdrucksform der Kirche und ihrer Liturgie bezeichnete und ihm einen bevorzugten Rang in der Kirchenmusik einräumte.

Der von Dom André Mocquereau (1849–1930) herausgegebene Liber Usualis litt von Beginn an unter dessen fehlerhaftem Rhythmusverständnis, nach dem jeder Ton des Chorals gleich lang zu singen sei.

Der Liber Usualis gilt heute teilweise als überholt, da er zum einen die liturgischen Reformen, die sich in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils ergeben haben, nicht berücksichtigt, und zum anderen, weil die gregorianische Semiologie in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte bei der Entschlüsselung der Neumenhandschriften vollzogen hat, die insbesondere differenziertere Erkenntnisse über die rhythmische Dimension der Noten erlauben. Der Liber Usualis ist heute in der Praxis durch andere Choralbücher wie das Graduale Romanum für die Gesangstextes der Heiligen Messe und das Antiphonale für das Stundengebet, abgelöst worden. Wegen der Vollständigkeit der Sammlung ist der Liber Usualis auch heute noch ein wichtiges Choral-Buch.

Literatur

  • Liber usualis missae et officii pro dominicis et festis cum cantu Gregoriano ex editione Vaticana adamussim excerpto a Solesmensibus Monachis. Desclée, Paris/Tournai 1896 (Erstausgabe).
  • Liber usualis. With introduction and rubrics in English. Reprint der Ausgabe Tounai 1953. St. Bonaventure Publ., Great Falls, MT, 1997 (Reprint).

Weblinks

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