Veni Sancte Spiritus

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"Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt." (Apg 2,1-4 EU)

Die Pfingstsequenz Veni, Sancte Spiritus wird zu Pfingsten vor oder nach dem Ruf vor dem Evangelium in der Heiligen Messe gesungen. In der zweiten Pfingstvesper ist der Text als Hymnus angegeben. Es ist freigestellt, ob sie bei der Kirch- und Altarweihe verwendet wird (Pontifikale 4, 203).

Die Sequenz ist eine um 1200 entstandene religiöse Dichtung und wurde im Mittelalter mit dem Ehrenamen "Goldene Sequenz" versehen.[1] Sie ist nach dem Muster AA-BB-CC-DD-EE aufgebaut. Jeder Doppelvers besteht aus einem neuen Melodieteil.

Sequenzen (von lat. sequi "folgen") entwickelte sich aus dem Allelujajubilus als dessen Textierung, eine Spezialform des Tropus. Im ausgehenden Mittelalter bestand eine Vielzahl von Sequenzen. Die Pfingstsequenz gehört zu den Sequenzen (neben Ostern, Fronleichnam sowie in der Totenmesse), die nach dem Konzil von Trient beibehalten wurden. 1727 kam eine Sequenz für die Messfeier am Fest Mariä Schmerzen hinzu. Heute ist sie neben der Ostersequenz Victimae paschali laudes die einzige im römischen Ritus noich vorgeschriebene Sequenz.

Der lateinische Text wird Stephan Langton, Erzbischof von Canterbury, zugeschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Text

lateinisches Original[2] Übertragung im Schott 1962[3] Übertragung (Thurmair/Jenny 1971)[4]
Veni, Sancte Spíritus,
Et emítte cáelitus
Lucis tuae rádium.
Veni, pater páuperum,
Veni, dator múnerum,
Veni, lumen córdium.
Consolátor óptime,
Dulcis hospes ánimae,
Dulce refrigérium.
In labóre réquies,
In aestu tempéries,
In fletu solátium.
O lux beatíssima,
Reple cordis íntima
Tuórum fidélium.
Sine tuo númine,
Nihil est in hómine,
Nihil est innóxium.
Lava quod est sórdidum,
Riga quod est áridum,
Sana quod est sáucium.
Flecte quod est rígidum,
Fove quod est frígidum,
Rege quod est dévium.
Da tuis fidélibus,
In te confidéntibus,
Sacrum septenárium.
Da virtútis méritum,
Da salútis éxitum,
Da perénne gáudium.
Amen. Halleluja.
Komm, o Geist der Heiligkeit!
Aus des Himmels Herrlichkeit
Sende Deines Lichtes Strahl.
Vater aller Armen Du,
Aller Herzen Licht und Ruh,
Komm mit Deiner Gaben Zahll
Tröster in Verlassenheit,
Labsal voll der Lieblichkeit,
Komm, o süßer Seelenfreund!
In Ermüdung schenke Ruh,
In der Glut hauch Kühlung zu,
Tröste den, der Tränen weint.
O Du Licht der Seligkeit,
Mach Dir unser Herz bereit,
Dring in unsre Seelen ein!
Ohne Deinen Gnadenschein
Steht der arme Mensch allein,
Kann nicht gut und sicher sein.
Wasche, was beflecket ist;
Heile, was verwundet ist;
Tränke, was da dürre steht;
Beuge, was verhärtet ist;
Wärme, was erkaltet ist;
Lenke, was da irre gehtl
Heil'ger Geist, wir bitten Dich:
Gib uns allen gnädiglich
Deiner sieben Gaben Kraft I
Gib Verdienst in dieser Zeit
Und dereinst die Seligkeit
Nach vollbrachter Wanderschaft.
Amen. Alleluja.
Komm herab, o Heil'ger Geist,
der die finstre Nacht zerreißt,
strahle Licht in diese Welt.
Komm, der alle Armen liebt,
komm, der gute Gaben gibt,
komm, der jedes Herz erhellt.
Höchster Tröster in der Zeit,
Gast, der Herz und Sinn erfreut,
köstlich Labsal in der Not,
In der Unrast schenkst du Ruh,
hauchst in Hitze Kühlung zu,
spendest Trost in Leid und Tod.
Komm, o du glückselig Licht,
fülle Herz und Angesicht,
dring bis auf der Seele Grund.
Ohne dein lebendig Wehn
kann im Menschen nichts bestehn,
kann nichts heil sein noch gesund.
Was befleckt ist, wasche rein,
Dürrem gieße Leben ein,
heile du, wo Krankheit quält.
Wärme du, was kalt und hart,
löse, was in sich erstarrt,
lenke, was den Weg verfehlt.
Gib dem Volk, das dir vertraut,
das auf deine Hilfe baut,
deine Gaben zum Geleit.
Lass es in der Zeit bestehn,
deines Heils Vollendung sehn
und der Freuden Ewigkeit.
Amen. Halleluja.

("Amen. Halleluja." Wird nur außerhalb der Heiligen Messe gesungen oder in der Messe, falls die Sequenz nach dem Ruf vor dem Evangelium gesungen wird.)


Übertragung von Rosenberg[5] Übertragung von Wolters[6]
Geist du Heilger werde uns,
himmelab zur Erde uns
gieß dein leuchtend Strahlgebreit.
Vater der Geringen, komm,
Schenker schöner Dinge, komm
komm du Herzens-Heiligkeit.
Der den besten Trost du hast,
du der Seele süßer Gast,
und Erquickung süßbereit.
Ausruhn in der Mühelast,
kühlewind im Mittagsglast
Tröstung in der Tränenzeit.
O du überselig Licht
alle Herzen fülle dicht,
die sich glaubend dir geweiht.
Ohne Zuspruch deines Lichts
ist der Mensch ein hohles Nichts,
ist vor Schaden nichts gefeit.
Wasche, was im Kot verdirbt,
netze, was in Dürrnis stirbt,
heile, was in Wunden schreit.
Beuge, was sich starr gemacht,
wärme, was im Frost erschwacht,
lenke, was sich bog zurseit.
Gib deinen Erkornen,
dir zu traun Verschworenen,
deiner Gnaden Siebenheit.
Gib der Tugend Lohnesteil,
gib zum End ein selig heil,
Gib der Wonnen Ewigkeit. Amen.
Komm o Heiliger Geist und mild
Send vom himmlischen Gefild
Deines Lichtes Strahlenkranz.
Komm der Armen Vater du
Komm der Gaben Schenker du
Komm du aller Herzen Glanz.
Bester Helfer dem, der irrt,
Unsrer Seele süsser Wirt,
Süsser kühler Uufluchtsort:
In der Mühsal Ruhebank,
In der Glut lindernder Trank,
In der Sorge Trost und Hort.
O beseligendes Licht,
Dring, dass alles Dunkel bricht,
In der Gläubigen Herzen ein.
Ohne deiner Gnade kraft
Nichts im Menschen wirkt und schafft,
Nichts ist schuldlos, nichts ist rein.
Wasche was verachtet ist,
Netze was verschmachtet ist,
Heile was in Wunden ist.
Beuge was in Trotz verharrt,
Hege was im Frost erstarrt,
Lenk was ungebunden ist.
Gib den gläubig Schauenden,
Den auf dich vertrauenden
Siebenfache Heiligkeit.
Gib den Lohn der Tugend ganz,
Gib' des Heiles vollen Glanz,
Gib die ewige Seligkeit.

Literatur

  • Nikolaus Gihr: Die Sequenzen des römischen Messbuches dogmatisch und aszetisch erklärt, nebst einer Abhandlung über die Schmerzen Mariä Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1887 (1. Aufl.; 548 Seiten; 2. Auflage 1900 - 310 Seiten).
    • Neubearbeitete Einzelausgabe: II. Veni Sancte Spiritus Die Sequenz der Pfingstwoche für fromme Lesung und Betrachtung dogmatisch-asketisch erklärt 1924 (3.+4. Auflage, 106 Seiten).

siehe auch: Veni creator Spiritus

Weblinks

Anmerkungen

  1. Stefan Langenbahn in: LThK 3. Auflage, Band 10, Sp. 593.
  2. aus: Das vollständige Römische Meßbuch. Lateinisch und deutsch mit allgemeinen und besonderen Einführungen im Anschluß an das Meßbuch von Anselm Schott OSB. Herausgegeben von den Benediktinern der Erzabtei Beuron. Herder Verlag Freiburg, Basel, Wien, 1961 - Nachdruck des Schott-Messbuches der Priesterbruderschaft St. Petrus 2006, S. 569+560, Sequenz am Pfingstsonntag (ISBN 978-3-00-018582-3; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 27. Januar 1961 Der Generalvikar Föhr); oder Gotteslob 1975 Nr. 243; Gotteslob 2013, Nr. 343.
  3. aus: Das vollständige Römische Meßbuch. Lateinisch und deutsch mit allgemeinen und besonderen Einführungen im Anschluß an das Meßbuch von Anselm Schott OSB. Herausgegeben von den Benediktinern der Erzabtei Beuron. Herder Verlag Freiburg, Basel, Wien, 1961 - Nachdruck des Schott-Messbuches der Priesterbruderschaft St. Petrus 2006, S. 569+560, Sequenz am Pfingstsonntag (ISBN 978-3-00-018582-3; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 27. Januar 1961 Der Generalvikar Föhr).
  4. Maria Luise Thurmair und Markus Jenny: Gotteslob 1975, Nr. 244 - Gotteslob 2013, Nr. 344 (behalten die originelle Melodie bei); Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres C, Herder Verlag Freiburg-Basel-Wien 2002, S. 306+307, Sequenz am Pfingsten am Tag (Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 17. März 1982 Der Generalvikar Dr. Schlund).
  5. aus: Ecclesia orans, Die Hymnen des Breviers in Urform und neuen deutschen Nachdichtungen von Dr. Hans Rosenberg Herder & Co. G.M.B.H. Verlagsbuchandlung 1923, Zweite Abteilung, S. 205+207+209: Sequenz am Pfingstfest, Imprimatur Friburgi Brisgoviae, die 7 Augusti 1923 Dr. Mutz, Vic. Gen.
  6. aus: Friedrich Wolters (Hrsg): Hymnen und Sequenzen. Übertragungen aus den Lateinischen Dichtern der Kirche vom IV. bis XV: Jahrhundert. Georg Bondi Verlag Berlin 1922, S. 195+197 (2. Ausgabe; 175 Seiten). Dieses Bändchen ist das zweite Büchlein von drei: siehe Geistliches Lied, Literatur).
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