Benedictus

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Der Erzengel Gabriel erscheint dem Zacharias

Das Benedictus ist einerseits der "Lobgesang des Zacharias", ein bekanntes Canticum aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 1,68-79 EU), anderseits der Schlussteil des Sanctusgebetes in der Heiligen Messe (siehe unten).

Inhaltsverzeichnis

Der Text mit Gloria Patri

Lateinisch nach der Neo-Vulgata Deutsch nach der Einheitsübersetzung

Benedictus Dominus Deus Israel,
quia visitavit, et fecit redemptionem plebis suae:

Et erexit cornu salutis nobis
in domo David pueri sui.

Sicut locutus est per os sanctorum,
qui a saeculo sunt, prophetarum eius:

Salutem ex inimicis nostris,
et de manu omnium qui oderunt nos

Ad faciendam misericordiam cum patribus nostris:
et memorari testamenti sui sancti:

Iusiurandum, quod iuravit ad Abraham patrem nostrum,
daturum se nobis;

Ut sine timore, de manu inimicorum nostrorum liberati,
serviamus illi.

In sanctitate et iustitia coram ipso,
omnibus diebus nostris.

Et tu puer, propheta Altissimi vocaberis:
praeibis enim ante faciem Domini parare vias eius:

Ad dandam scientiam salutis plebi eius:
in remissionem peccatorum eorum:

Per viscera misericordiae Dei nostri:
in quibus visitabit nos, oriens ex alto:

Illuminare his qui in tenebris et in umbra mortis sedent:
ad dirigendos pedes nostros in viam pacis.
———————————————————————
Gloria Patri et Filio
et Spiritui Sancto,

sicut erat in principio et nunc et semper
et in saecula saeculorum. Amen.

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!
Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen;

Er hat uns einen starken Retter erweckt
im Hause seines Knechtes David.

So hat er verheißen von alters her
durch den Mund seiner heiligen Propheten.

Er hat uns errettet vor unsern Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen;

er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet
und an seinen heiligen Bund gedacht,
an den Eid, den er unserm Vater Abraham
geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit,
ihm furchtlos dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit
vor seinem Angesicht all unsere Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen;
denn du wirst dem Herrn vorangehn
und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken
in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes
wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes,
und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.
———————————————————————
Ehre sei dem Vater und dem Sohn
und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit
und in Ewigkeit. Amen.

Das Benedictus in der Bibel

Das Benedictus ist der Lobgesang, den Zacharias nach Wiedereriangung der Sprache bei der Beschneidung seines Sohnes, des heiligen Johannes des Täufers. Es ist eine Prophetie im weiteren Sinn, schließt sich eng an die alttestamentliche Prophetie an, mit vielen Anklängen an die Psalmen und an Isaias, zeigt aber zudem eine große Ähnlichkeit mit dem alten Beschneidungsgebet der Juden (Hinweis auf den Bund mit Abraham und Anrede an das Kind) und verwendet den Inhalt des Segensspruches, den der Priester nach dem Räucheropfer über das Volk sprach (Nm 6,23 -26; vgl. Theodor Innitzer, Johannes der Täufer [1908] 108 ff). In alttestamentlichen Bildern gehalten, betont es die geistigen Güter des Messias und zum Schluss auch die Universalität des Heiles. Der Lobgesang besteht aus sieben Doppelversen (H. Grimme, Die Oden Salomos [1911] 142 f). Der l. Teil (V. 67-75, 4 Strophen) setzt den Inhalt des Magnificat fort und preist den Messias: Erschienen ist der starke Helfer, der dem Volke Gottes Befreiung aus Feindeshand und die Möglichkeit beständigen Lebens in Heiligkeit und Gerechtigkeit bringt. Der 2. Teil (V. 76-79, 3 Strophen) wendet sich begeistert an den Täufer und preist ihn als Propheten, Vorläufer und Wegbereiter des Messias, dessen Aufgabe die Vermittlung der Erkenntnis des Heiles ist, das besteht in Sündenvergebung, in gnädiger Heimführung durch den Messias, des Lichtes zur Erleuchtung der Völker auf dem Wege des Friedens.[1]

Das Benedictus in der Liturgie

Das Benedictus im Stundengebet

Das Benedictus ist ein Teil der Laudes im kirchlichen Stundengebet. Es hat dort, wie die Psalmen, eine Antiphon entsprechend der Liturgie des Tages und wird mit dem Gloria Patri beschlossen. Wie bei allen Cantica aus den Evangelien wird während des ersten Satzes das Kreuzzeichen gemacht, beim Gloria Patri eine Verneigung. Beim in Gemeinschaft vollzogenen Stundengebet, wird es stehend gebetet oder gesungen.

Das Benedictus der Heiligen Messe

Ebenfalls als Benedictus bezeichnet, wird der Schlussteil des Sanctusgebetes im Ordinarium missae. Er lautet auf lateinisch "Benedictus qui venit in nomine Domini. Hosanna in excelsis", auf Deutsch "Hochgelobt sei der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe." Es ist ein messianischer Jubel- und Huldigungszuruf des Volkes an Jesus, als er in Jerusalem feierlich einzog (Mt 21, 9; Mk11,10; Lk 19, 38; Joh 12,13), nach Ps 117, 26 (in Ps 113 bis 118 bildete das Hallel).[2]

Geschichtliches

Das Benedictus qui venit… wird von Caesarius von ArIes († 540) als erstes in Gallien bezeugt (Sermo 73, 3). Für Rom findet man es erstmals in den Kanon-Handschriften des 7. Jahrhundert (vgl. B. Botte, Le Canon de la Messe Romaine [Mont-Cesar 1935] 3 [Apparat]).[3]

Das Benedictus war (um 1930) Bestandteil nicht nur der Laudes, sondern auch des priesterlichen Reisegebetes (Itinerarium) und des kirchlichen Einsegnungsgebetes am Grabe (DictBible Suppl. 1956/62).[4]

Weblinks

Anmerkungen

  1. Theodor Innitzer in: LThK 1. Auflage, Band 2, Sp. 137; Joseph Reuss in: LThK 2. Auflage, Band 2, Sp. 171.
  2. Theodor Innitzer in: LThK 1. Auflage, Band 2, Sp. 137+138.
  3. Urbanus Bomm in: LThK 2. Auflage, Band 2, Sp. 173.
  4. Theodor Innitzer in: LThK 1. Auflage, Band 2, Sp. 137.
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