In questo tempo

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Apostolisches Schreiben
In questo tempo

von Papst
Johannes Paul II.
zum 100. Jahrestag des Werkes vom Heiligen Apostel Petrus
Den einheimischen Klerus fördern
1. Oktober 1989

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1989, S. 1083-1087)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Verehrte Mitbrüder, liebe Söhne und Töchter,
Gruß und Apostolischen Segen!

1. Zu dieser Zeit, da in den jungen Kirchen vermehrt junge Männer auf den Anruf des Herrn antworten und sich bereiten, das Priesteramt zu empfangen, ist es recht, dass das ganze Volk mit Freude und Danksagung den hundertsten Jahrestag der Gründung des Apostel-Petrus-Werks zur Förderung des einheimischen Klerus und zur Entwicklung der Seminare in den Ortskirchen der Missionsgebiete begeht. Denn dank der Mitarbeit zahlloser, für dieses Werk mobilisierter Brüder und Schwestern konnte eine große Zahl der in den jungen Kirchen gesäten Berufen keimen und Früchte der Gnade und des Heils bringen. Knaben- und Priesterseminare wurden gebaut und ausgestattet, Häuser der Ausbildung zum Ordensleben wurden geschaffen, um auf den Wunsch jener zu antworten, die ihr Leben radikal der Verkündigung des Evangeliums weihen wollen.

Was für schöne Seiten der Geschichte der Kirche wurden in den verschiedenen Kontinenten durch die Mitglieder des Apostel-Petrus-Werks geschrieben! Wie viele Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen hatten durch dieses Werk Gelegenheit, ihre Berufung zu verwirklichen! Während meiner Pastoralbesuche bei den Ortskirchen ist es für mich eine Freude, den Priestern und Seminaristen, den Ordensmännern und Ordensfrauen zu begegnen, die aus diesen Gemeinschaften hervorgegangen sind.

2. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Empfinden der Kirche vor dieser ermutigenden Realität gut zum Ausdruck gebracht, in dem Dokument, das die wesentlichen Richtlinien gibt für alle, die sich an der Missionstätigkeit beteiligen: "Mit großer Freude dankt die Kirche für das unschätzbare Geschenk des Priesterberufes, das Gott so vielen jungen Menschen austeilt unter Völkern, die sich erst zu Christus bekehrt haben; denn die Kirche schlägt in einer menschlichen Gemeinschaft tiefe Wurzeln, wenn die verschiedenen Gemeinden der Gläubigen aus ihren Reihen ihre eigenen Diener des Heiles erhalten, die als Bischöfe, Priester und Diakone ihren Brüdern dienen" (Ad gentes, Nr. 16).

Damit das Volk Gottes vor der gesamten Menschheit Zeugnis geben kann vom Heil in Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist für die vielen, ist es notwendig, dass die Glieder seines Leibes in aller Menschen Länder mit ihrem Haupt vereint sind durch das Amt der Bischöfe und der Priester. Diese, "zum Dienst für Christus, den Lehrer, Priester und König bestellt", "nehmen teil an dessen Amt, durch das die Kirche hier auf Erden ununterbrochen zum Volk Gottes, zum Leib Christi und zum Tempel des Heiligen Geistes auferbaut wird" (Presbyterorum ordinis, Nr. 1).

Die Jahrhundertfeier, die wir begehen, lenkt von neuem unsere Aufmerksamkeit auf die unersetzliche Rolle der Priester. Dank ihrem Amt gründet die gesamte Gemeinschaft ihren Zusammenhalt auf der Teilhabe am Erlösungsopfer in der Eucharistie, werden die erbarmenden Gaben der Vergebung und der Versöhnung im Sakrament der Buße zugeteilt, wird die Versammlung der Gläubigen durch die Verwalter der Geheimnisse Gottes, vereint mit den Bischöfen, in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri geleitet.

In der Verschiedenheit der Kulturen und der grundlegenden Einheit der ganzen Kirche kann das Priesteramt nunmehr in der Weise ausgeübt werden, die dem Geist eines jeden Volkes am besten entspricht. Der Weg ist noch lang, bis die Gesamtheit der Diözesen über einheimische Priester in genügender Zahl verfügen kann, und die Anwesenheit von auswärtigen Missionaren bleibt nach wie vor unerläßlich. Doch ich weiß, dass diese aktiv die Bildung eines einheimischen Klerus fordern. Dessen Entwicklung ist ja die beste Vergeltung ihres apostolischen Bemühens.

Ein anderes ermutigendes Zeichen, das ich hier unterstreichen möchte, ist die große Bereitschaft mancher jungen Kirchen, nicht nur ihr eigenes Gemeindeleben in die Hand zu nehmen, dank der aus ihren Söhnen berufenen Priester, sondern dass sie auch ihrerseits sich am Auftrag der Evangelisierung auswärts beteiligen, indem sie nicht zögern, einige der einheimischen Priester und Ordensmänner oder Ordensfrauen der ersten Generationen in die Ferne zu senden.

Es muss hier der vom Apostel-Petrus-Werk zu dieser Entwicklung geleistete Beitrag unterstrichen werden. Denn seit dem letzten Jahrhundert setzt es sich wirksam dafür ein, dass alle Kirchen Nutzen ziehen können aus dem Dienst derjenigen ihrer Söhne, die der Herr ruft. Durch die geistige und materielle Unterstützung der Pioniere des lokalen Klerus hat es dank der großherzigen Beteiligung unzähliger Gläubigen eine Rolle ersten Ranges gespielt.

3. Wie soll man in diesem Zusammenhang die Gestalten der beiden Gründerinnen des Werks unerwähnt lassen, Jeanne Bigard und ihre Mutter Stephanie, hochherzige Frauen, die der Heilige Geist klar die Notwendigkeit eines einheimischen Klerus für die Einpflanzung der Kirche sehen ließ? Sie haben den Ruf Gottes vernommen, ihre Mittel, ihre Energie, ihr ganzes Leben der Förderung des Evangeliums durch Ausbildung von Priestern und gottgeweihten Männern und Frauen zu widmen. Mit Begeisterung und Beharrlichkeit haben sie es verstanden, ein geeignetes Instrument für die Verwirklichung dieses edlen Zieles zu schaffen.

Jeanne Bigard insbesondere, die sich ganz dem Willen Gottes überließ, hat im Lauf der Jahre das Geheimnis des Kreuzes erfahren, das sie vorausgeahnt hatte: "Ich werde viel leiden, schrieb sie 1903, doch wenn um diesen Preis das kleine Senfkorn keimen und wachsen soll, würde ich schuldig, wenn ich mich verweigerte." Ihr hochherziges Opfer war gewiß fruchtbar. Das Apostel-Petrus-Werk verdankt ihr viel, denn sie hat es verstanden, ihre Rolle zu erfüllen und wirklich zum Wachsen der Berufe in den jungen Kirchen beizutragen.

Es gefällt mir, hier die Verbundenheit der Damen Bigard zum Apostolischen Stuhl zu unterstreichen. Schon der Titel, den sie für das entstehende Werk wählten, macht ihre Treue zur Kirche Christi offenbar. Seit Leo XIII. haben meine Vorgänger nicht an Ermutigungen gespart, und gerne gewährten sie den Gründerinnen und allen Mitgliedern ihren Segen, denn sie wussten in dieser Initiative einen kostbaren Beitrag für ihre pastorale Aufgabe der Evangelisierung zu schätzen.

4. Papst Pius XI., dem man den Titel "Missionspapst" gegeben hat, wollte das geistige Fundament der Gründung noch stärken, indem er dieser eine besondere Patronin zuteilte: zur beständigen Schutzherrin des Apostel-Petrus-Werks proklamierte er am 23. Juli 1925 die hl. Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz, im gleichen Jahr ihrer Heiligsprechung und zwei Jahre bevor er sie als Hauptpatronin der Missionen des ganzen Universums neben dem hl. Franz Xaver einsetzte.

Die Intuition war zutiefst richtig: durch ihr Zeugnis und ihre Fürsprache kann Theresia dieses Werk anregen und unterstützen, das von großer Bedeutung ist für die Entwicklung der neugegründeten Kirchen.

Über den Sinn ihrer Berufung nachdenkend, schreibt die junge Karmelitin von Lisieux:

"Trotz meiner Kleinheit möchte ich die Seelen erleuchten ... ich habe die Berufung, Apostel zu sein ... ich möchte Missionarin sein ... bis zur Vollendung der Jahrhunderte" (Manuscrits autobiographiques, B, folio 3). Die Heilige, für die "die Liebe alle Berufungen einscWoß" (ebd. folio 3), bittet unablässig um die Gnade, Gott zu lieben, damit er geliebt werde. Einem geistigen Bruder und zukünftigen Missionar vertraut sie mit Einfachheit ihr Gebet und ihren tiefsten Wunsch an: "Ich bete für alle Seelen, die euch anvertraut werden ... Ich wünschte im Himmel das gleiche wie auf Erden : Jesus lieben und machen, dass er geliebt werde" (Correspondance Generale, lettre a l'Abbe Belliere, n. 220, s. 952). Theresia konnte nicht in die Ferne aufbrechen, ihren missionarischen Traum zu erfüllen, doch in der Einsamkeit des Karmels "liebt" sie "für ihre Brüder, die kämpfen" Manuscrits autobiographiques, B, folio 4) ; sie fleht zum Herrn, "dass all jene, die gar nicht von der leuchtenden Flamme des Glaubens erhellt sind, sie schließlich leuchten sehen" (ebd. C, folio 6). Daher möchte sie, dass ihr Opfer total sei, sie "akzeptiert, ... das Brot des Schmerzes ... zu essen" (ebd.).

Am Tag, da die Kirche die hl. Theresia vom Kinde Jesus feiert, in diesem hundertsten Gründungsjahr des Apostel-Petrus-Werks, möchte ich all jene ermutigen, die sich vereinigen, um die missionarische Spiritualität ihrer heiligen Patronin zu meditieren und sie zahlreichen Brüdern und Schwestern bekannt zu machen, deren Großherzigkeit nötig ist, um die Aufgabe fortzusetzen.

Sie werden so auf die wesentliche Ausrichtung antworten, die das Zweite Vatikanische Konzil in der Einleitung des Dekrets über die Missionstätigkeit der Kirche gibt: "Diese Heilige Synode ... will ... die Grundsätze der missionarischen Tätigkeit umreißen und die Kräfte aller Gläubigen sammeln, damit das Volk Gottes, auf dem schmalen Weg des Kreuzes voranschreitend, die Herrschaft Christi des Herrn, vor dessen Augen die Jahrhunderte stehen (vgl. Sir 36,19), ausbreite und seiner Ankunft den Weg banne" (Ad gentes, Nr. 1)

5. Hundert Jahre nach seiner Gründung ist das Apostel-Petrus-Werk weit entfernt davon, seine Aufgabe erfüllt zu haben. Wenn auch die jungen Kirchen die Zahl der aus ihrem Schoß hervorgegangenen Priester- und Ordensberufe glücklicherweise wachsen sehen, so hört doch der Ruf, den der Apostel Paulus vernahm: "Komm herüber nach Mazedonien, und hilf uns !" (Apg 16,9) nicht auf, sich an Diener des Evangeliums in allen Teilen der Welt zu wenden in einer Zeit, in der die Zahl der Getauften nicht mit demselben Rhythmus wächst wie die Bevölkerung des Erdballs.

Die Einladung Christi betrifft uns alle und befragt uns mit Nachdruck. Das II. Vatikanum hat den gemeinschaftlichen Charakter der Aufgabe besonders unterstrichen, die Christus uns gestellt hat: "Die Einzelgemeinde darf darum nicht nur die Sorge für die eigenen Gläubigen fordern, sondern muss, von missionarischem Eifer durchdrungen, allen Menschen den Weg zu Christus ebnen" (Presbyterorum ordinis, Nr. 6).

Mit Rücksicht auf die Weite der Aufgaben, die auf die Priester und auf die Ordensleute in der heutigen Welt zukommen, und in Anbetracht der vielfachen Schwierigkeiten, denen das Apostolat begegnet, müssen die gottgegebenen Berufungen besonders gepflegt, gefestigt und geformt werden. Und das ist hauptsächlich die Aufgabe der Knaben- und der Priesterseminare. Diese Einrichtungen bedürfen der großherzigen Mitarbeit aller Gläubigen, um den Priesteramtskandidaten die ihnen nötige ausgewogene Bildung geben zu können. Das Wachsen des einheimischen Klerus könnte wegen des Mangels an verfügbaren Mitteln aufgehalten werden. Nach dem Zeugnis zahlreicher Bischöfe der Missionsländer könnte selbst heute mehr als eine Diözese ihre Hoffnung auf einen einheimischen Klerus zunichte gemacht sehen ohne die vom Apostel-Petrus-Werk geleistete Hilfe. Verschließen wir nicht unser Herz: was wir von seiner Güte erhalten haben, geben wir es unsererseits mit Freude!

6. Ich hoffe, dass sich geeignete Initiativen entwickeln werden, die Aufmerksamkeit und das Interesse des Volkes Gottes für die Gabe des Glaubens neu zu beleben, die in der Kirche durch die Gnade Gottes und das Zeugnis der Gläubigen von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Hier ist es angebracht, die zahlreichen Frauen allen Standes zu erwähnen und ihnen die geschuldete Ehre zu erweisen, die - seien sie Ledige, Familienmütter, Witwen oder Großmütter nicht nur für die Weitergabe des Glaubens eine grundlegende Rolle spielen, sondern auch für das Fortbestehen des Werkes heute, denn sie sind dessen hauptsächliche Mitarbeiterinnen, und sehr oft ist es ihnen zu verdanken, dass der Sinn für die missionarische Kirche in den christlichen Familien weiterlebt.

Ihrerseits werden die Jugendlichen aller Regionen der Welt den Beitrag ihres Sinnes für Solidarität und Gemeinschaft einbringen, sie, die leicht Grenzen überwinden und es verstehen, brüderlich zu sein: mögen sie entdecken und ihre Altersgenossen neu entdecken lassen, was die Vitalität der Kirche in jedem Volk den Priestern verdankt.

Das Jahrhundert des Apostel-Petrus-Werks soll ein Aufruf an die ganze Kirche sein, die Größe des Priester- und Ordensberufes zu erkennen, und auch die dringende Notwendigkeit von Dienern Gottes, die bereit sind, ihr ganzes Leben der Verkündigung des Evangeliums hinzugeben, mit dem Glauben und der Bereitschaft der Jungfrau Maria, "Leitstern der Evangelisierung", ist sie doch die "Magd des Herrn". Von seinen Anfängen an gebot das Apostel-Petrus-Werk seinen Mitgliedern, die Jungfrau jeden Tag unter dem Titel "Maria, Königin der Apostel" anzurufen. In diesem neuen Advent der Kirche, die sich auf den Weg ins dritte Jahrtausend macht, lasst uns wie die hl. Theresia vom Kinde Jesus zu Maria beten, damit sie in der Kirche zahlreiche Apostel und Jünger für ihren Sohn Jesus berufe.

Möge der Segen Gottes allen Mitgliedern des Apostel-Petrus-Werks und all jenen, deren Berufung es fördert, Vergeltung sein!

Aus dem Vatikan, am 1. Oktober 1989,

Fest der hl. Theresia vom Kinde Jesus und vom Heiligen Antlitz,
im elften Jahr meines Pontifikats.

Joannes Paulus PP. II

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