Apostolorum limina (Wortlaut)

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Verkündigungsbulle
Apostolorum limina

Paulus
Diener der Diener Gottes
an alle Gläubigen der katholischen Welt
zur Proklamation des Heiligen Jahres 1975
23. Mai 1974

(Offizieller lateinischer Text: AAS LXVI [1974] 289-307)

(Quelle: Reihe: Wort und Weisung Libreria Editrice Vaticana 1974, S. 494-511)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Gruß und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

Die apostolischen Gedenkstätten, die heiligen Orte Roms, wo die Gräber der Apostel Petrus und Paulus gehütet und verehrt werden, jener "heiligen Väter", derentwegen diese Stadt nicht nur "Schülerin der Wahrheit,[1] sondern auch deren Lehrmeisterin sowie Mittelpunkt der katholischen Einheit ist, stehen kurz vor Beginn des Jubiläumsjahres, das hier von der ganzen Kirche gefeiert wird, den Gläubigen als leuchtendes Ziel vor Augen.

Diese Gedenkstätten waren dem christlichen Volk im Lauf der Jahrhunderte immer Anlass zur Bekundung des Glaubens und zur Bezeugung der kirchlichen Einheit. Die Kirche findet ihr Wesen und den Grund ihrer Einheit in dem "Fundament", das Christus gelegt hat, in den Aposteln.[2] Schon vom 2. Jahrhundert an kamen die Gläubigen nach Rom, um die "Siegeszeichen" der beiden Apostel Petrus und Paulus an Ort und Stelle, dort, wo sie gehütet wurden,[3] mit eigenen Augen zu sehen und zu verehren. Man pilgerte zur Kirche von Rom, um seine "königliche Würde"[4] zu schauen und zu erleben. Im 4. Jahrhundert nimmt im Abendland die Pilgerfahrt nach Rom den hervorragendsten Platz ein unter den verschiedensten Wallfahrten, ähnlich und im selben religiösen Geist unternommen wie im Orient die Pilgerfahrten nach Jerusalem, wo man das Grab des Herrn hütete.[5] Im frühen Mittelalter ist Rom das Ziel frommer Pilger aus den verschiedensten Gegenden Europas, weil sie sich "der Kathedra des Petrus verbunden"[6] wissen. Auch aus dem Orient kommen Pilger, besonders Mönche, um über dem Grab des Apostels den wahren Glauben zu bezeugen.[7]

Dieser Gedanke der Pilgerfahrt entfaltet sich im 12. und 13. Jahrhundert weiter. Hinzu kommen neue Motive der Spiritualität und der Volksfrömmigkeit, die in ganz Europa Verbreitung finden. Dadurch erhielt der alte Gedanke der Pilgerfahrt, den die Kirche aus der Überlieferung aufgriff und mit anderen Religionen als "Pilgern aus Liebe zu Gott"[8] gemeinsam hat, einen noch tieferen Inhalt. So entsteht, gleichsam als Frucht biblisch-theologischer Studien,[9] das "Jubiläumsjahr", das zum ersten Mal im Jahr 1220 öffentlich gefeiert wird auf Anordnung unseres Vorgängers Honorius' III. aus Anlaß einer Pilgerfahrt zum Grab des heiligen Thomas Becket.[10] Danach wurde bekanntlich im Zuge der großen Volksbewegung der Büßer Rom mit den Basiliken der heiligen Petrus und Paulus zum Mittelpunkt von Pilgerfahrten, und zwar unter ausdrücklicher Bestätigung durch unseren Vorgänger Papst Bonifaz VIII.[11] im Jahre 1300. Man sehnte sich danach, von Gott die Verzeihung der Sünden zu erlangen und für die Menschen den Frieden wiederzugewinnen. Das tiefere Ziel dieser Bewegung lag darin, "Gott die Ehre zu geben und den Glauben zu bekräftigen".[12]

Das im Jahre 1300 in Rom gefeierte Jubiläumsjahr wurde Anfang und Vorbild für die nun folgenden Jubiläumsjahre (seit dem 15. Jahrhundert alle 25 Jahre, wenn es nicht unter dem Zwang äußerer Verhältnisse ausfiel). Die beständige Weiterführung und die lebensvolle Kraft dieser Einrichtung der Jubiläumsjahre sind ein Zeugnis dafür, dass sie für jede Zeit von Segen sind.

Auch in der jüngsten Vergangenheit haben sich die Jubiläumsjahre als besonders anregend und fruchtbar erwiesen. Sie stärkten die Einheit der Kirche, förderten ihre Erneuerung und waren ein Aufruf an alle Menschen, sich als Brüder anzuerkennen und die Wege des Friedens zu gehen. Dieses Anliegen wird schon gleich zu Beginn unseres Jahrhunderts deutlich, nämlich bei dem für das Jahr 1900 von unserem Vorgänger Leo XIII. angeordneten Heiligen Jahr. Die gleichen Erwartungen der Menschheitsfamilie zeigen sich 25 Jahre später angesichts ernster Gefahren und Spannungen. Nicht anders lauteten die Vorschläge für das außerordentliche Heilige Jahr 1933, das im Gedenken an die Erlösung des Menschengeschlechts vor 1900 Jahren gefeiert wurde. Und ähnlich waren die großen Hoffnungen auf Gerechtigkeit und Frieden für die menschliche Gemeinschaft, wie sie unser Vorgänger Pius XII. für das letzte Heilige Jahr 1950 aussprach.

I.

In diesem Heiligen Jahr, so will uns scheinen, sind nun die grundlegenden Leitmotive der bisherigen Jubiläumsjahre insgesamt aufgegriffen und gleichsam zur Synthese gebracht, nämlich in den beiden Themen, die wir gleich bei der ersten Ankündigung des Heiligen Jahres in unserer Ansprache vom 9. Mai 1973 nannten: Erneuerung und Versöhnung,[13] Die Thematik legten wir damals den Hirten und Gläubigen vor allem für die Feier des Heiligen Jahres in den Ortskirchen vor, von uns ständig begleitet durch Worte der Mahnung und der katechetischen Erläuterung. Doch die Bestrebungen und hohen Ziele, die in beiden Themen zum Ausdruck kommen, sollen noch mehr konkrete Wirklichkeit werden durch die Feier des Heiligen Jahres in Rom, wo die Pilger an den Gräbern der hll. Apostel Petrus und Paulus sowie an den Gedenkstätten anderer Blutzeugen unmittelbarer mit den Ursprüngen des Glaubens und des Lebens der Kirche in Verbindung kommen, damit sie so durch Buße umkehren zu Gott, in der Liebe erstarken und mit der Gnade unseres Herrn ihre Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern noch enger gestalten.

Diese Erneuerung und Versöhnung muss vor allem im Innern des Menschen Platz greifen, denn von dort geht alles Gute und leider auch alles Böse aus. Dort also, tief im Innern des Menschen, muss sich die Umkehr, die metanoia, vollziehen, die Änderung der Richtung unseres Lebens, unserer geistigen Einstellung, unserer Entscheidungen und unserer Lebensgestaltung.

Aber auch im Hinblick auf die ganze Kirche scheint uns zehn Jahre nach Beendigung des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils mit dem Heiligen Jahr ein Zeitpunkt gesetzt zu sein, der die Phase der Besinnung und der Reform abschließt und einen neuen Zeitabschnitt einleitet, eine Phase des Aufbaus in theologischer, geistlicher und pastoraler Hinsicht. Dieses Werk muss auf den Fundamenten aufbauen, die in den vergangenen Jahren unter großen Anstrengungen gelegt und fest verankert wurden, wobei man sich immer ausgerichtet hat an den Forderungen des neuen Lebens in Christus und der Gemeinschaft aller in ihm, der uns durch sein Blut mit dem Vater versöhnt hat.[14]

Wenn wir schließlich auf die ganze Welt blicken, so stellen wir fest, dass diese Mahnung zur Erneuerung und Versöhnung in Einklang steht mit dem, wonach sich die Menschen, wo immer sie sich der bedrängendsten Fragen bewußt werden und unter den schrecklichen Folgen von Auseinandersetzungen und Bruderkriegen leiden, zutiefst sehnen, nämlich nach Freiheit, Gerechtigkeit, Einheit und Frieden. Durch die Ankündigung des Heiligen Jahres möchte die Kirche alle Menschen guten Willens auf eine Lebensgestaltung hinweisen, die nach oben, nach Höherem ausgerichtet ist. Dadurch werden alle menschliche Sehnsucht und Erfahrung auf etwas Absolutes und wirklich Universales bezogen. Ohne dieses Absolute wäre die Hoffnung der Menschheit vergeblich, Punkte der Einigung untereinander und eine Sicherung der echten Freiheit zu finden. Trotz des Säkularisierungsprozesses, der heute für viele Bereiche der Welt kennzeichnend ist, möchte die Kirche dennoch, ohne die Grenzen ihrer Zuständigkeit zu überschreiten, die Menschen zur Einsicht führen, dass es notwendig ist, umzukehren zu Gott, der allein notwendig ist,[15] und ihr ganzes Handeln von der Furcht vor Gott und von der Liebe zu ihm bestimmen zu lassen. Der Glaube an Gott ist nämlich der wirksamste Schutz für das Gewissen des Menschen und eine sichere Grundlage für gerechte und brüderliche Beziehungen, wie sie die Welt ersehnt.

Wenn also Hirten und Gläubige als Vertreter ihrer Ortskirchen in aller Welt nach Rom pilgern, wird das ein Zeichen sein für eine neue Bewegung der Umkehr und der brüderlichen Versöhnung unter den Christen.

Angesichts dieser inneren Einstellung der Pilger sowie der geistlichen Erneuerungsbewegung im christlichen Volk, die durch die Pilger stellvertretend bekundet wird, gewähren wir, soweit es in unserer Macht steht, als Verwalter des Wortes und der Gnade der Versöhnung allen, die nach Rom pilgern, sowie denen, die nur in ihren Gedanken mitgehen, weil sie an der Reise selbst gehindert sind, die Gabe des Jubiläumsablasses.

II.

Nach uralter Überlieferung in der Kirche ist der Ablass bekanntlich eine Gabe, die verschiedenste Werke christlicher Buße voraussetzt und insbesondere bei Pilgerfahrten zu jenen Orten gewährt wird, die durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Christi sowie durch das Glaubenszeugnis der Apostel geheiligt sind. Dieser ehrwürdigen Überlieferung wollen wir auch heute folgen, und zwar entsprechend den Grundsätzen und Normen, wie wir sie in der Apostolischen Konstitution Indulgentiarum doctrina festgelegt haben.[16] Diese Anweisungen möchten wir hier kurz in Erinnerung rufen.

Da Christus unsere "Gerechtigkeit" und, wie man richtig gesehen hat, unsere "Verzeihung" im Ablass ist, möchten wir als Diener unseres Erlösers Jesus Christus in Übereinstimmung mit der Überlieferung der Kirche all jene dieser Verzeihung teilhaftig werden lassen, die innerlich umkehren zu Gott und durch Werke der Buße, der Frömmigkeit und der brüderlichen Solidarität ehrlich und glaubwürdig bezeugen, dass sie in Liebe mit Gott und den Brüdern verbunden bleiben, ja darin noch weiter voranschreiten wollen.[17] Diese Teilhabe wird ermöglicht durch die Fülle der Heilsgüter, die allem voran in unserem Erlöser Jesus Christus selbst gegeben ist, "in dem allein Wert und Wirksamkeit aller Genugtuung und Verdienste seines Erlösungswerkes gründen".[18] Dieser Reichtum Christi, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben,[19] kommt sehr deutlich zum Ausdruck in der "von den frühesten Anfängen her überlieferten Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen, wonach das Leben der einzelnen Kinder Gottes in Christus und durch Christus auf wunderbare Weise mit dem Leben aller anderen christlichen Brüder verbunden ist zur übernatürlichen Einheit des mystischen Leibes Christi, der gleichsam eine einzige mystische Person ist".[20]

Denn "auf Grund eines geheimnisvollen Ratschlusses des göttlichen Erbarmens sind die Menschen durch ein übernatürliches Band miteinander verknüpft. Wie darum die Sünde des einen auch dem anderen schadet, so gereicht auch die Heiligkeit des einen dem anderen zum Segen".[21] Gestützt auf die Vollmacht, Dienerin der von unserem Herrn Jesus Christus vollbrachten Erlösung zu sein, läßt die Kirche ihre Gläubigen durch den Ablass Anteil haben an dieser Fülle Christi in der Gemeinschaft der Heiligen,[22] wobei sie ihnen viele Möglichkeiten anbietet, das Heil zu erlangen.

So wendet sich die Kirche mit mütterlicher Zuneigung und Hilfe ihren schwachen und kranken Kindern zu, die Kraft schöpfen können aus dem mystischen Leib Christi, der als ganzes durch Liebe, Beispiel und Fürbitte mitwirkt an ihrer Umkehr zu Gott. Auf diese Weise wird dem Gläubigen, der in dieser besonderen Form kirchlicher Liebe Buße tut, wirksam geholfen, den alten Menschen abzulegen und den neuen anzuziehen. Gerade darum geht es bei der Umkehr und Erneuerung.[23] Das Ziel nämlich, welches die Kirche bei der Gewährung von Ablässen verfolgt, liegt darin, den Gläubigen nicht nur bei der Tilgung der verdienten Strafen zu helfen, sondern sie auch anzueifern zu Werken der Frömmigkeit, Buße und Liebe sowie insbesondere zu solchen Werken, die das Wachstum des Glaubens und des allgemeinen Wohls fördern.[24]

III,

Als Ausdruck der mütterlichen Liebe der Kirche gewähren wir daher allen Gläubigen, die in entsprechender Weise vorbereitet sind und nach Empfang der Sakramente der Buße und des Altares nach Meinung des Papstes und des Bischofskollegiums beten, die Gabe des vollkommenen Ablasses:

1. wenn sie eine Wallfahrt zu einer der Patriarchalbasiliken (St. Peter im Vatikan, St. Paul, Lateranbasilika und St. Maria Maggiore) oder zu einer anderen Kirche oder heiligen Stätte in Rom machen, die von der zuständigen kirchlichen Obrigkeit bezeichnet wurde, und dort an einer liturgischen Feier, vor allem an der Eucharistiefeier, oder einer Andacht teilnehmen (z. B. Kreuzweg, Rosenkranzgebet) ;

2. wenn sie als Gruppe oder einzeln wenigstens eine der vier Patriarchalbasiliken besuchen, dort während einer angemessenen Zeit in andächtiger Betrachtung verweilen und diese dann mit dem Vaterunser, mit einer anerkannten Form des Glaubensbekenntnisses und mit der Anrufung der seligen Jungfrau Maria abschließen;

3. wenn sie, durch Krankheit oder einen anderen schwerwiegenden Grund daran gehindert, von ihrem Wohnort aus an einer Wallfahrt nach Rom teilzunehmen, sich dieser im Geiste anschließen und Gott ihre Gebete und Leiden aufopfern;

4. wenn sie in Rom infolge Krankheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund verhindert sind, an den unter Nr. 1-2 erwähnten liturgischen Feiern, Andachten oder Kirchenbesuchen ihrer Gemeinschaft (Gemeinde, Familie, Gruppe) teilzunehmen, sich aber im Geiste anschließen und Gott ihre Gebete und Leiden aufopfern.

Im Verlauf des Jubiläumsjahres bleiben überdies die anderen gewährten Ablässe in Kraft, ebenso die Regelung, dass ein vollkommener Ablass nur einmal am Tag gewonnen werden kann.[25] Alle Ablässe können jedoch immer den Verstorbenen fürbittend zugewendet werden.[26]

Aus dem gleichen Grund, um nämlich den Gläubigen weitgehend die Heilsmittel zugänglich zu machen und um den Seelsorgern und insbesondere den Beichtvätern entgegenzukommen, ordnen wir an, dass die Beichtväter, die an der Jubiläumswallfahrt teilnehmen, aufgrund der Vollmachten, die sie in ihrer eigenen Diözese haben,[27] während der Reise und in der Stadt Rom die Beichten der Gläubigen hören können, die mit ihnen die Wallfahrt machen, und auch von anderen Personen, die sich an sie wenden. Wenn sie aber in den Patriarchalbasiliken Beichte hören wollen, so sind die Beichtstühle ausgenommen, die den Pönitentiaren reserviert sind; diesen werden nämlich von der Apostolischen Pönitentiarie besondere Vollmachten erteilt.[28]

IV.

Wie bereits gesagt, hat das Heilige Jahr zwei Hauptziele: die geistliche Erneuerung in Christus und die Versöhnung mit Gott. Diese beiden Zielsetzungen betreffen nicht nur das innere Leben eines jeden einzelnen, sondern auch die gesamte Kirche und in gewissem Sinne die ganze menschliche Gemeinschaft. Darum rufen wir alle, die es angeht, eindringlich auf, diese Zielsetzungen zu überdenken, entsprechende Initiativen zu ergreifen und sich gegenseitig zu helfen, damit durch das Heilige Jahr wirkliche Fortschritte in der Erneuerung der Kirche erreicht werden, auch im Hinblick auf einige Ziele, an denen uns, entsprechend dem Geist des an die Zukunft denkenden Zweiten Vatikanischen Konzils, in besonderer Weise gelegen ist: die Buße, die Läuterung der Herzen und die Bekehrung zu Gott müssen sich ganz konsequent in einem verstärkten apostolischen Einsatz der Kirche auswirken.

Während des Heiligen Jahres sollen daher hochherzige Anstrengungen zur Förderung der Verkündigung unternommen werden, die ohne Zweifel als vorrangige Aufgabe anzusehen ist. Denn zu den Völkern von Gott gesandt, soll die Kirche "das allumfassende Sakrament des Heiles sein",[29] und als pilgernde Kirche ist sie "ihrem Wesen nach missionarisch".[30] Auf ihrem Weg durch die Geschichte wird sich die Kirche in dem Maße erneuern, als sie bereit ist, das Evangelium Christi, des Sohnes Gottes, anzunehmen, im Glauben tiefer zu erfassen und seine Heilsbotschaft durch das Wort und das Zeugnis des Lebens zu verkünden.

Die Bischofssynode übrigens, die demnächst zusammentritt, hängt mit dem Heiligen Jahr nicht nur äußerlich und zufällig zusammen - im Gegenteil, wie wir bereits betont haben, "muss man sehr darauf hinarbeiten, dass die beiden kirchlichen Ereignisse in der rechten Weise aufeinander abgestimmt und eng miteinander verbunden werden".[31] Die Synode wird den Oberhirten, die sich um den Stellvertreter Christi versammeln, Richtlinien und Anregungen unterbreiten, damit sie im Licht des Glaubens über die "Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute" eingehend beraten und, geleitet von der Liebe Christi, die Wünsche der gesamten Kirche und die dringenden Bedürfnisse unserer Zeit ins Auge fassen.

Das gläubige Anhören des Wortes Gottes zusammen mit der katechetischen Unterweisung, die den Gläubigen jeden Standes und jeden Alters zu erteilen ist, möge gerade die Christen zur Läuterung ihres sittlichen Lebens und zur tieferen Erkenntnis der Glaubenswahrheiten hinführen, soll den Zweifelnden Licht bringen und die Gleichgültigen bewegen, die Botschaft des Evangeliums mit Freude in ihrem Leben zu verwirklichen; überdies soll sie alle zum bewußten und fruchtbaren Empfang der Sakramente anhalten; endlich möge sie die Gemeinschaften wie die einzelnen dazu führen, ihren Glauben in echter und wirksamer Weise durch ihr Leben zu bezeugen, damit so der Welt Rechenschaft gegeben werde über die Hoffnung, die in uns ist.[32]

Wir halten es für sehr angemessen, dass nach zehn Jahren, seit durch das Zweite Vatikanische Konzil das große und sesegensreiche Werk der Erneuerung auf dem Gebiet der Seelsorge, der Bußpraxis und der Liturgie begonnen worden ist, dieses Werk erneut überprüft und weiter ausgebaut werde, und zwar so, dass auf der Grundlage der klaren Entscheidungen der kirchlichen Autorität unter den vielen und verschiedenen Versuchen, die überall unternommen worden sind, das erkannt und ausgesucht werden kann, was tatsächlich als wertvoll und richtig anzusehen ist. Dies soll dann mit besonderem Eifer durchgeführt werden entsprechend den Richtlinien und Formen, wie sie von der seelsorglichen Klugheit und der wahren Frömmigkeit empfohlen werden.

Das Zusammentreffen so vieler Pilger - der Seelsorger wie der Gläubigen - aus den christlichen Gemeinschaften des ganzen Erdkreises, die sich in brüderlicher Verbundenheit nach Rom begeben, um die wahren Güter der Gnade und der Liebe Christi zu erlangen, wird ohne Zweifel ausgezeichnete Möglichkeiten bieten, die verschiedenartigen Erfahrungen und Auffassungen vorzutragen, auszutauschen, zu vergleichen und zu bewerten. Das wird zumal dann der Fall sein, wenn Kongresse und Versammlungen von seiten der verschiedenen Stände der kirchlichen Gemeinschaft und Fachgruppen abgehalten werden, bei denen das Gebet und der feste Wille zum apostolischen Einsatz sich eng verbinden.

In besonderer Weise möchten wir hier an die Notwendigkeit erinnern, zu einer angemessenen Ausgewogenheit zu kommen, so wie es in der Liturgie in hervorragender Weise bereits geschehen ist, und zwar unter den verschiedenen Forderungen des heutigen seelsorglichen Dienstes, nämlich zwischen der Überlieferung und den Bemühungen um eine Erneuerung, zwischen dem wesentlich religiösen Charakter des christlichen Apostolates und seinen effektiven Auswirkungen in allen Teilen des sozialen Lebens, zwischen den spontanen, von einigen gern charismatisch genannten Initiativen in diesem Apostolat und der Treue zu den Gesetzen, die sich auf das Gebot Christi und der Hirten der Kirche stützen. Diese Gesetze, die von der Kirche erlassen und den verschiedenen Zeitverhältnissen ständig angepaßt worden sind, ermöglichen es, dass die einzelnen Versuche innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft so aufgenommen werden, dass sie dem Aufbau des Leibes Christi, der die Kirche ist, zum Segen gereichen, keineswegs aber zum Schaden.[33]

Ferner möchten wir betonen, dass es immer dringlicher wird, das sogenannte Apostolat des Milieus und der Gruppe zu fördern. Ohne die überlieferten notwendigen Strukturen der Kirche, d. h. die Diözesen und die Pfarreien zu beeinträchtigen, wird man Zugang suchen und den Sauerteig des Evangeliums in jene Kreise des heutigen sozialen Lebens hineintragen - vor allem in die Welt der Arbeiter, der Gebildeten und der Jugend -, die oft verschieden sind von den Formen des kirchlichen Lebens, wie sie von den Vorfahren überliefert wurden, und der Gemeinschaft fremd scheinen, in der die Gläubigen im Gebet, Glauben und in der Liebe vereint sich versammeln.

Auch die Art und Weise der Erteilung der Katechese und der Verkündigung des Gotteswortes, die den Bedürfnissen unserer Zeit entsprechen sollen, wird man aufmerksam prüfen müssen mit dem Ziel, in dieser Frage zu wirksamen Beschlüssen zu kommen, auch im Hinblick darauf, dass die Instrumente der sozialen Kommunikation dem menschlichen und christlichen Fortschritt sowohl der einzelnen wie der Gemeinschaften dienen.

Es handelt sich um Fragen von schwerwiegender Bedeutung und Tragweite, die wir behandeln müssen und für deren glückliche Lösung die Gnade des Heiligen Jahres in inständigem, demütigem Gebet zu erflehen ist.

V.

Wie allgemein bekannt, hat sich die Kirche in den letzten Jahren mit größtem Eifer darum bemüht, überall eine Botschaft der Liebe, der sozialen Gesinnung und des Friedens zu verkünden und, soweit es in ihren Kräften steht, Werke der Gerechtigkeit und der Solidarität zum Wohl aller Hilfsbedürftigen, Verstoßenen, Vertriebenen und Unterdrückten zu fördern. Zum Wohl aller, sagten wir, seien es einzelne Menschen, soziale Gruppen oder ganze Völker. Wir wünschen deshalb sehr, dass das Heilige Jahr durch die Werke der Nächstenliebe, die es den Gläubigen empfiehlt und von ihnen fordert, auch eine fruchtbare Zeit für eine Stärkung und Festigung des sittlichen Bewusstseins bei allen Gläubigen und in der ganzen Menschheitsfamilie werde, zu der die Botschaft der Kirche bei entsprechender Anstrengung zu gelangen vermag.

Der antike Ursprung des Jubiläumsjahres im Gesetz und in den Institutionen Israels bezeugt, dass ihm diese soziale Dimension von seiner Natur her innewohnt. Wie wir nämlich im Buche Levitikus[34] lesen, war das Jubiläumsjahr, gerade weil es in besonderer Weise Gott geweiht war, Anlass dazu, all die Dinge neu zu ordnen, die man als Gottes Eigentum anerkannte. So die Ländereien, die brach liegen geblieben waren und den früheren Eigentümern wieder zurückgegeben wurden, die wirtschaftlichen Güter, bei denen die Schulden erlassen wurden, und der Mensch, dessen Würde und Freiheit durch die Freilassung der Sklaven bekräftigt wurden. Das Jahr Gottes war somit auch ein Jahr des Menschen, ein Jahr der Erde, ein Jahr der Armen. In dieser umfassenden Sicht der Dinge und des Menschen strahlte ein neues Licht auf, dessen Quelle darin lag, dass man die absolute Herrschaft Gottes über alle Geschöpfe anerkannte.

Es scheint uns, dass auch in der Welt von heute die Probleme, die die Menschheit gegenwärtig am meisten bewegen und bedrängen - die wirtschaftlichen und sozialen Probleme, die Fragen der Umwelt, der Energie, vor allem der Befreiung der Unterdrückten und der Förderung aller Menschen zu einem menschenwürdigen Leben -, durch die Botschaft des Heiligen Jahres erhellt werden sollten.

Wir möchten alle Glieder der Kirche und insbesondere die Pilger, die nach Rom kommen, dazu aufrufen, sich für die Verwirklichung einiger konkreter Aufgaben einzusetzen, die wir als Nachfolger des hl. Petrus und Oberhaupt der Kirche, die "in der Gemeinschaft der Liebe den Vorsitz führt",[35] aufzeigen und empfehlen möchten. Es geht darum, zum Wohle unserer eigenen hilfsbedürftigen Brüder hier in Rom und in allen Kirchen der Welt Werke der Liebe und des Glaubens zu vollbringen. Es werden keine groß angelegten Werke sein, obwohl auch diese in keiner Weise auszuschließen sind. In den meisten Fällen werden Aktionen in kleinem Rahmen, wie man heute zu sagen pflegt, genügen, die aber dem Geist der Liebe im Evangelium sehr entsprechen. Es kann nämlich geschehen, dass sich die Kirche in diesem Bereich von Tag zu Tag mehr bescheiden muss und den Menschen nicht mehr als das Scherflein der Witwe[36] anbieten kann, da die ihr zur Verfügung stehenden Mittel so gering sind. Sie weiß jedoch gut und lehrt, dass die Gabe, die am meisten zählt, jene ist, die auf bescheidenen und oft unbekannten Wegen den kleinen Nöten zu Hilfe kommt und kleine Wunden heilt, die meistens in den umfassenden Plänen der Sozialreformen keine Beachtung finden.

Die Kirche erachtet es jedoch für notwendig, auch diese großen Anstrengungen, die zur Förderung der Gerechtigkeit und des Fortschritts der Völker unternommen werden, zu ermutigen. Sie erneuert daher ihren Aufruf an all diejenigen, die die Möglichkeit und den Auftrag haben, in der Welt eine bessere Ordnung in den menschlichen und sozialen Beziehungen herbeizuführen, ihre Bemühungen nicht wegen augenblicklicher Schwierigkeiten aufzugeben noch sich von den Interessen einzelner Gruppen bestimmen zu lassen. Besonders eindringlich möchten wir noch einmal unsere Stimme zugunsten der Entwicklungsländer und jener Völker erheben, die noch immer von Hunger und Krieg heimgesucht werden. Sie sollen sich in verstärktem Maße der vielfältigen Nöte annehmen, durch die die Menschen dieser Zeit oft bedrängt werden, und dies als ein Werk betrachten, das Aufgabe derer ist, die für die Lebensbedürfnisse Sorge zu tragen haben. Ihre Sorge gelte vor allem den Wohnungen, die viele noch entbehren, den Schulen, denen auf vielfache Weise geholfen werden muss, der Sozialhilfe und dem Gesundheitswesen. Ferner sollen sie es auch nicht unterlassen, die öffentliche Sittlichkeit zu fördern und zu schützen.

Schließlich möchten wir noch in bescheidener und aufrichtiger Weise unserem Wunsche Ausdruck geben, dass auch in diesem Heiligen Jahr, so wie es in den voraufgegangenen geschehen ist, die zuständigen Behörden der verschiedenen Länder überlegen, ob es nach ihrem klugen Urteil nicht möglich ist, dass sie gleichsam als Beweis der Milde und der Gerechtigkeit insbesondere jenen Gefangenen einen Strafnachlass gewähren, die ihre sittliche und gesellschaftliche Rehabilitierung hinreichend unter Beweis gestellt haben oder die Opfer von Situationen politischer und sozialer Unordnung geworden sind, die für sie so überwältigend waren, dass man sie selbst nicht für voll verantwortlich ansehen kann.

Schon jetzt möchten wir all denen danken und ihnen vom Herrn reichen Segen erflehen, die sich dafür einsetzen, dass diese Botschaft der Liebe, der sozialen Gesinnung und der Freiheit, die die Kirche - in der Hoffnung, verstanden und gehört zu werden - an alle richtet, bereitwillig angenommen und in die politische und soziale Wirklichkeit umgesetzt wird. Indem wir dies sagen und wünschen, sind wir davon überzeugt, dass wir dadurch eine erhabene Tradition fortsetzen, die mit dem Gesetz des israelitischen Volkes beginnt und in unserem Herrn Jesus Christus ihren höchsten Ausdruck findet, der vom Beginn seiner Sendung an von sich gesagt hat, dass in ihm die alten Prophezeiungen und Vorbilder, die mit dem Jubiläumsjahr in Verbindung standen, erfüllt seien: "Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft zu bringen, zu heilen, die gebrochenen Herzens sind, den Gefangenen die Befreiung und den Blinden das Augenlicht zu künden, Bedrückte in Freiheit zu setzen und das Gnadenjahr des Herrn auszurufen".[37]

VI.

Wenn es einen geistlichen Nutzen gibt, den wir in ganz besonderer Weise von der Feier des Heiligen Jahres erhoffen, so ist es die Zunahme der Zahl derer, die durch einen besonderen Lebensauftrag der Kirche dienen, vor allem der Priester und Ordensleute. Damit nämlich die Gnadenwege und Heilsmittel, die das Heilige Jahr allen Gläubigen aufzeigt und anbietet, richtig dargestellt und angewandt werden, bedarf es stets der Priester und der Zeugen der Frohbotschaft Christi, die ihren Brüdern, d. h. den Menschen von heute und morgen, in der vollkommenen Nachfolge des Herrn den Weg der Buße und der Heiligkeit zeigen.

Es ist deshalb sorgfältig auf die Stimme Gottes zu hören, die niemals aufhört, Menschen zu erwählen und einzuladen, dass sie sich als Priester und treue Zeugen des Ordenslebens dem Dienst der Kirche und der ganzen Menschheitsfamilie weihen. Die einen werden von Gott eingeladen, sich selbst durch den Gehorsam und die Übernahme des Zölibates als Opfer anzubieten und als Priester Christi zu lehren und das gläubige Volk in der ganzen Welt zu heiligen und zu führen. Andere, Männer wie Frauen verschiedenen Alters und verschiedener Herkunft, werden zum Ordensleben geführt, damit sie durch vollkommenere Erfüllung ihres Taufversprechens ganz im Heiligen Geist leben und sowohl der Kirche als auch der menschlichen Gesellschaft zum Segen gereichen. Wir wünschen deshalb von Herzen, dass die Zahl dieser auserwählten Christgläubigen mehr und mehr wachse und sich entfalte, damit sie durch ihr Priestertum und ihr religiöses Leben die Frohbotschaft Christi bis zu den Enden der Erde verkünden und alle dem himmlischen Vater die Ehre erweisen.

VII.

Schließlich wollen wir mit Nachdruck darauf hinweisen, dass die Versöhnung zwischen den Christen eines der Hauptanliegen des Heiligen Jahres ist. Bevor nämlich alle Menschen einmal in die Gnade Gottes "unseres Vaters" zurückgeführt und darin wieder vollkommen hergestellt werden, muss die Gemeinschaft unter denen vollkommen verwirklicht werden, die im Glauben Jesus Christus schon als den Herrn der Barmherzigkeit anerkannt und aufgenommen haben, der die Menschen befreit und im Geist der Liebe und Wahrheit untereinander vereint. Auf diese Weise kann das Jubiläumsjahr, das sich die Katholische Kirche als einen Bestandteil ihrer Tradition zu eigen gemacht hat, eine sehr geeignete Zeit der geistigen Erneuerung darstellen und auch die Einheit der Christen fördern.

Wir erinnern außerdem daran, dass das II. Vatikanische Konzil lehrt, dass alles Bemühen und Wirken für diese Versöhnung der Christen wie auch jeder wahre Ökumenismus notwendigerweise aus einer inneren Bekehrung hervorgehen muss, weil schon der Wunsch nach der christlichen Gemeinschaft aus der Erneuerung des Geistes, aus der Selbstverleugnung, aus der vollen Verwirklichung der Liebe und der Treue zur geoffenbarten Wahrheit entspringt und heranreift.[38]

Darin vor allem vollzieht und verwirklicht sich auf authentische Weise die ganze ökumenische Bewegung, an der die Katholische Kirche sich soweit wie möglich mitbeteiligt und durch die die Kirchen und Gemeinschaften, die mit dem Apostolischen Stuhl noch nicht in voller Gemeinschaft leben, jene vollkommene Einheit suchen und erstreben, die Christus selbst gewollt hat. Denn es ist die Aufgabe und die Pflicht der ganzen Kirche, diese Einheit in der vollen Gemeinschaft der Kirchen wiederherzustellen.[39] Das "Jahr der Gnade" ist daher in diesem Sinn eine besondere Gelegenheit zur Buße angesichts der Spaltung der Christen, eine Zeit der Erneuerung zur tieferen Erfahrung eines in Christus geheiligten Lebens und ein Schritt auf die ersehnte Versöhnung hin durch die Intensivierung des Dialogs und der konkreten Zusammenarbeit der Christen für das Heil der Welt: "Auch sie sollen in uns eins sein, damit die Welt glaube".[40]

SCHLUSS

Wir haben noch einmal zum Ausdruck gebracht, welches unsere Anliegen und Wünsche zur Feier des Heiligen Jahres in Rom sind. Wir laden nun unsere Brüder im Bischofsamt und alle Seelsorger und Gläubigen der Kirchen in der ganzen Welt, auch diejenigen, die mit der Kirche von Rom noch nicht in vollkommener Einheit leben, und darüber hinaus alle, die an Gott glauben, dazu ein, dass sie zumindest im Geiste gläubig an diesem Tisch der Gnade und der Erlösung teilnehmen, auf dem Christus sich selbst als Lehrer des Lebens darbietet. Zusammen mit den Gläubigen, die zu den Gräbern der Apostel und der alten Märtyrer pilgern, möchten wir den Glauben an Gott, den allmächtigen und barmherzigen Vater, und an Jesus Christus, unseren Erlöser, bekennen.

Was uns betrifft, so wünschten wir, dass alle, die nach Rom kommen, um Petrus zu sehen,[41] im Heiligen Jahr durch uns noch offenkundiger erfahren, was der hl. Leo geschrieben hat: "In der ganzen Kirche wiederholt es Petrus täglich: ,Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes', und jede Zunge, die den Herrn bekennt, ist geleitet von der Lehre dieser Stimme".[42]

Wir wünschen ferner, dass eine große Anzahl von Gläubigen durch unseren Dienst und den unserer Brüder im Priesteramt zu den Quellen des Erlösers[43] herantrete. Die Heilige Pforte, die wir an der Vigil von Weihnachten öffnen werden, soll ein Zeichen für diesen neuen Zutritt zu Christus sein, der allein der Weg[44] und gleichzeitig die Pforte[45] ist, ein Zeichen aber auch für jenes väterliche Wohlwollen, mit dem wir voll Liebe und in Sehnsucht nach Frieden allen unser Herz öffnen.

Wir bitten die selige Jungfrau, die erhabene Mutter des Erlösers und der Kirche, die Mutter der Gnade und der Barmherzigkeit, die Dienerin der Versöhnung, das leuchtende Vorbild des neuen Lebens, dass sie durch ihre Fürsprache allen unseren Brüdern, Söhnen und Töchtern von ihrem Sohne die Gnade dieses Heiligen Jahres erflehe, die sie erneuern und erretten möge. Ihren Händen und ihrem Herzen empfehlen wir den Beginn, den Verlauf und den erfolgreichen Abschluss dieser großen Feier.

Wir wollen, dass dieses unser Schreiben jetzt und für die Zukunft voll wirksam werde, seine Ausführungen und Bestimmungen also von allen, die es betrifft, gewissenhaft beobachtet und so Wirklichkeit werden. Gegenteilige Bestimmungen sind außer Kraft gesetzt. Wenn aber einer bewußt oder unbewußt anders handelt, als wir angeordnet haben, so erklären wir dieses für ungültig und nichtig.

Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter,

am 23. Mai, dem Fest Christi Himmelfahrt des Jahres 1974,
dem elften unseres Pontifikates
Ich, Paulus,

Bischof der Katholischen Kirche

Anmerkungen

  1. Vgl. Hl. Leo der Große, Sermo LXXXII: PL 54, 422.
  2. Vgl. Offb 21,14 EU.
  3. Vgl. das Zeugnis des Priesters Gaius, der zur Zeit des Papstes Zephyrinus gelebt hat, bei Eusebius, Historia Ecclesiastica, II, 25, 7.
  4. Vgl. die Inschrift des Aberkios, Bischofs von Hieropolis in Phrygien (2. Jhdt.): M. GUARDUCCI, L'!scrizione di Abercio, "Ancient Society" 2, 1971, S. 176-177.
  5. Vgl. HL. Maximus von Turin, Homilia 72: PL 57, 405 B.
  6. Diese Worte finden sich in einem Brief des hl. Kolumban an Papst Bonifatius IV. vom Jahre 613: Saneti Columbani opera, ed. G.S.M. Walker, DubIin 1957, S. 48.
  7. Zu diesem Brauch vgl. F. M. MIGNANTI, Istoria delta saerosancta Basiliea Vaticana ... , Rom-Turin 1867, S. 180.
  8. Vgl. allgemein B. KÖTTING, Peregrinatio religiosa, Wallfahrten in der Antike und das Pilgerwesen in der alten Kirche, Regensburg 1950.
  9. R. FOREVILLE, L'ldée de Jubilé ehz les théologiens et les canonistes (XII-XIII s.) avant l'institution du Jubilif romain (1300): "Revue d'Histoire Ecclésiastique" LVI, 1961, S. 401-423.
  10. P. PRESSUTI, Regesta Honorii III, Rom 1888-95, 1840; Text bei R. FOREVILLE, Le Jubilé de Saint Thomas Beeket du XIII au XV siecle (1220-1470). Etudes et documents, Paris 1958, S. 163- 164.
  11. Bulle Antiquorum habet fida relatio, 22. Febr. 1300: Extravagantes, comm. V, IX, I.
  12. Vgl. Glossa des Kardinals Johannes Monaco zu dieser Bulle.
  13. Vgl. Paul VI., Ansprache, mit der er vor den in St. Peter versammelten Gläubigen das Jubiläumsjahr 1975 angekündigt hat, 9. Mai 1973: AAS 65, 1973, S. 322-325.
  14. Vgl. 2 Kor 5,18-20 EU; Röm 5,10 EU.
  15. Vgl. Lk 10,42 EU; Mt 6,33 EU.
  16. Indulgentiarum doctrina: AAS 59, 1967, S. 5-24.
  17. Vgl. Paul VI., Brief an Kardinal Maximilien de Furstenberg anläßlich der Ankündigung des Jubiläumsjahres 1975, Iniziandosi uffieialmente, 31. Mai 1973: AAS 65, 1973, S. 357-360.
  18. Indulgentiarum doctrina, Nr. 5: AAS 59, 1967, S. 11.
  19. Vgl. Joh 1,16 EU.
  20. Indulgentiarum doctrina, Nr. 5: AAS 59,1967, S. 10-11; vgl. Hl. Thomas, Summa Theologiae, III, q. 48, a. 2 ad I und q. 49, a. I.
  21. Indulgentiarum doctrina, Nr. 4: AAS 59, 1967, S. 9.
  22. Indulgentiarum doctrina, Nr. 8: AAS 59, 1967, S. 16.
  23. Paul VI., Brief an den Generalobern des Franziskanerordens, Costantino Koser, anläßlich des 700jährigen Gedenktages des von Papst Honorius III. dem hl. Franziskus gewährten "Portiunkula-Ablasses", Saneto Francisco concessa, Sacrosaneta portiuneulae ecclesia, 14. Juli 1966: AAS 58, 1966, S. 631-634.
  24. Indulgentiarum doctrina, Nr. 8: AAS 59, 1967, S. 17.
  25. Vgl. Enchiridion indulgentiarum, norma Nr. 24, § I.
  26. Vgl. Enchiridion indulgentiarum, norma Nr. 4.
  27. Paul VI., Pastorale munus, I, Nr. 14: AAS 56, 1964, S. 8.
  28. Vgl. Primus Synodus Romana, 1960, Art. 63.
  29. Ad gentes divinitus, Nr. I: AAS 58, 1966, S. 947.
  30. Ad gentes divinitus, Nr. 2: AAS 58, 1966, S. 948.
  31. Paul VI., Ansprache an die Mitglieder des Sekretariates der Allgemeinen Bischofssynode: L'Osservatore Romano, 6. April 1974, S. 4.
  32. Vgl. 1 Petr 3,15 EU.
  33. Vgl. Röm 15,2 EU: 1 Kor 14,3 EU; Eph 4,12 EU.
  34. Lev 25,8 f EU.
  35. Vgl. Hl. Ignatius von Antiochien, Epist. ad Romanos, Funk 1, 252.
  36. Vgl. Lk 21,2 EU; Mk 12,42 EU.
  37. Lk 4,18-19 EU.
  38. Unitatis redintegratio, Nr. 7: AAS 57, 1965, S. 97.
  39. Unitatis redintegratio, Nr. 5: AAS 57, 1965, S. 96.
  40. Joh 17,21 EU.
  41. Vgl. Gal 1,18 EU.
  42. Sermo III: PL 54, 146.
  43. Vgl. Jes 12,3 EU.
  44. Joh 14,6 EU.
  45. Joh 10,7 9.
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