Johannes Paul I.

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Johannes Paul I, mit bürgerlichem Namen Albino Luciani (* 17. Oktober 1912 in Forno di Canale; † 28. September 1978 im Vatikan).

Papst Johannes Paul I. (1978)

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Papst Johannes Paul I. hatte eines der kürzesten Pontifikate der Kirchengeschichte, nämlich nur 33 Tage. Auch wurde er im (mit Pius XII.) wohl kürzesten Konklave der jüngeren Kirchengeschichte gewählt, nämlich (so Andreotti, Meine sieben Päpste, S. 199) von 98 [oder 101?] der 111 Wähler am zweiten Tag, dem 26. August 1978, im 4. Wahlgang. Sein bürgerlicher Name war Albino Luciani. Er ist auch als der lächelnde Papst bekannt.

Aber es gelang ihm in nur wenigen Tagen seines Pontifikates, die Sympathie der ganzen Welt zu gewinnen (Zitat aus: "Ihr ergebener Albino Luciani", S. XY).

Das Pontifikat hat gerade wegen seiner tragisch kurzen Dauer den Kardinälen den Mut vermittelt, bei der Wahl des Nachfolgers Wojtyla mit der über 400-jährigen Tradition nur italienischer Päpste zu brechen. Auf die Frage, warum er dem Namen bereits die Ordinalzahl I. ("der Erste") hinzugefügt habe, obwohl das traditionell erst üblich ist, wenn ein zweiter Namensträger auftritt, soll der Papst gesagt haben: "Der Zweite kommt bald" (Vgl. Hesemann, s.u., S. 256).

Nach Meinung seines Bruders Eduardo Luciani habe Sr. Lucia, die Seherin von Fatima, Luciani das kurze Pontifikat vorhergesagt. Dieser Auffassung hat jedoch der frühere Privatsekretär des Papstes widersprochen (vgl. 30giorni, 01/2007, S. 72).

Biografie

mit Paul VI. (1972)
Papst Johannes Paul I. wurde im norditalienischen Forno di Canale (heute Canale d'Agordo, bei Belluno) im Jahr 1912 geboren und stammte aus armen Verhältnissen. Im Alter von elf Jahren trat er 1923 in das Knabenseminar in Feltre ein, ein Internat, in dem Jungen auf den Lebensweg als Priester vorbereitet wurden.

Er war (mit 27 Jahren) vermutlich der jüngste Professor für Theologie im 20. Jahrhundert. Keiner vor ihm bzw. nach ihm war jünger, auch nicht Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger), der mit 32 Jahren Professor in Bonn wurde.

Nachdem er von 1928 bis 1935 das Priesterseminar „Seminario Gregoriano“ in Belluno besucht hatte, wurde er am 7. Juli 1935 zum Priester geweiht. Danach war er zwei Jahre als Kaplan in seinem Heimatort tätig, ehe er 1937 zum Vizerektor des „Gregoriano“ ernannt wurde, eine Stellung, die er bis 1947 innehatte. Am 23. November 1946 stellte sich Luciani der Disputation seiner Doktorarbeit über Antonio Rosmini, erhielt ein magna cum laude und war Doktor der Theologie. In der Folgezeit versah er weitere diözesane Ämter und wurde schließlich Generalvikar in Belluno.

Am 27. Dezember 1958 wurde er im Zuge der ersten Bischofsweihen des neuen Papstes Johannes XXIII. Bischof von Vittorio Veneto. Er wählte als Bischofsmotto dasselbe wie Carlo Borromeo: humilitas. Papst Paul VI. ernannte ihn schließlich zum Patriarch von Venedig (15. Dezember 1969) und am 5. März 1973 zum Kardinal (Titelkirche: S. Marco). Nach seinem Vorvorgänger, dem weltweit geliebten "guten Papst" Johannes XXIII., wurde mit Kardinal Luciani also wieder ein Patriarch von Venedig auf die Kathedra Petri erhoben.

Er ist auch, wie Paul VI., einer der Päpste mit einer kurzen Kardinalszeit, nämlich nur 5 Jahre; Pius XI. und Benedikt XV. sind allerdings jeweils erst im letzten Konsistorium des Vorgängers zu Kardinälen erhoben worden.

Pontifikat

Johannes Paul I. mit Kardinal Wojtyla
Papst Johannes Paul I. verzichtete bei seiner Amteinführung am 3. September 1978 auf die Krönung mit der Tiara und ließ sich nur das Pallium umlegen. Das akzeptierten seine Nachfolger als normative Reform. Der päpstliche Doppelname, der die Leistung beider Vorgänger würdigte, war gleichfalls eine überraschende Neuerung. Manche erinnerten angesichts der Namenswahl auch an die Basilika S. Giovanni e Paolo (Johannes und Paulus, 'Zannipolo'), das "Pantheon" der Dogen von Venedig. Er verzichtete auch auf eine feierliche Inthronisation und wollte nur mit einer heiligen Messe in sein Amt eingeführt werden. Den Papstthron Pius' XI. benutzte er als erster Papst ebenfalls nicht mehr. Er blieb auch als Papst ein sehr bescheidener Mensch, so wie er dies vor seiner Papstwahl war.

ls langjähriger Direktor des katechetischen Büros von Belluno veröffentlichte er das Werk Catechesi in bricciole, gefolgt von weiteren Büchern, insbesondere Illustrissimi, seine berühmten fiktiven Briefe an etliche Persönlichkeiten (dt.: Ihr ergebener..).

Ein deutscher Kardinal meinte noch einen Tag vor dem Todesfall: "Man sieht dem Papst die Freude in seinen Augen an, das Evangelium zu verkünden." Der Papst aber sagte unmittelbar nach seiner Papstwahl: Der Herr möge euch vergeben, was ihr mir angetan habt. Diese Aussage wurde zwar von ihm alsbald als Anspielung auf Bernhard von Clairvaux abgeschwächt, der sich bei der Wahl eines seiner Schüler zum Papst (Eugen III.) ähnlich geäußert hatte (um ihm dann De consideratione zu widmen). Die Kardinäle aber erinnerten sich dann doch schmerzhaft an diese milde Kritik.

Da sich Johannes Paul I. bereits im September 1978 vor amerikanischen Bischöfen voll und ganz zum Pontifikat Pauls VI. bekannte ("His teaching is ours"), sind sämtliche Spekulationen über eine bevorstehende 'Liberalisierung', etwa der Doktrin von Humanae Vitae, aus der Luft gegriffen. Allerdings war der Vorgänger, obwohl er massive Vereinfachungen des päpstlichen Hauses durchführte, doch noch Gefangener des zeremoniellen Pontifikalstils, den erst Johannes Paul I. preisgab, womit der Start für seinen Nachfolger sehr erleichtert wurde.

Ein Satz Papst Johannes Pauls I. aus seiner Angelus-Ansprache am 10. September 1978 gilt als wegweisend: Er wies darauf hin, dass Gott unser Vater ist, „aber noch mehr ist er Mutter“ (E' papà; più ancora è madre).[1]

Über Johannes Paul I.

"Was sein umfangreiches Programm für sein Pontifikat betrifft, so war es klar umrissen. Sein Doppelname brachte es demutsvoll und doch kühn zum Ausdruck: Er wollte die beiden Konzilspäpste verbinden. Wie sollte das geschehen? In Worten und Zitaten, denen er seinen unnachahmlichen Stempel aufprägen würde. Armut, Großherzigkeit, Unschuld, Einfachheit, Güte, Liebe, Humor, aber auch tiefe Frömmigkeit, eine Bindung an die Gottesliebe im Geist jenes hl. Franz von Sales, den er von allen spirituellen Schriftstellern am meisten liebte."

Jean Guitton, OSSERVATORE ROMANO, 1. Oktober 1978

Wichtige Entscheidung

3. September 1978: Abschaffung der Papstkrönung.

Seligsprechungsprozess

Im November 2003 wurde vom Bistum Belluno-Feltri, dem Heimatbistum Lucianis, das Seligsprechungsverfahren auf diözesaner Ebene eingeleitet. 2006 wurden nach Zeugenbefragungen die Akten bei der Heiligsprechungskongegration im Vatikan eingereicht. Im Juli 2008 erklärte die Kongregation den gültigen Verlauf des Diözesanverfahrens und begann mit der Prüfung des heroischen Tugendgrades von Johannes Paul I.

Literatur

  • Johannes Paul I.: Ihr ergebener Albino Luciani. Briefe an Persönlichkeiten Verlag Neue Stadt 1997 (272 Seiten; ISBN: 978-3-87996-362-1; ISBN 3879963622).
  • John Cornwell: Wie ein Dieb in der Nacht, München 1991.
  • Michael Hesemann: Im Namen Gottes? In: Ders. Die Dunkelmänner. Mythen, Lügen und Legenden um die Kirchengeschichte, Augsburg 2007, S. 244-258.
  • Regina Kummer: Papst Johannes Paul I. begegnen,Sankt Ulrich Verlag 2008. (176 Seiten; ISBN 978-3-86744-047-9 ).
  • Andrea Lazzarini: Johannes Paul I. Der Papst eines neuen Morgens, Herder Verlag 1978.
  • Georges Huber: Johannes Paul I. Gottes strahlender Meteor. Christiana Verlag 1979 ( 152 S ; 1. Aufl.; ISBN 3717107623).
  • Victor J. Willi: 'Im Namen des Teufels? ' Antwort auf Yallops Bestseller 'Im Namen Gottes? ' Der mysteriöse Tod des 33-Tage-Papstes Johannes Paul I. Christiana Verlag 1988 (2., erweiterte Auflage 172 Seiten; ISBN 3717109022; ISBN-13: 9783717109020; 4 Auflage 1993).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Johannes Paul I., Angelus-Ansprache, 10. September 1978; Homepage des Vatikans, italienisch, englisch, abgerufen am 18. September 2014
Vorgänger
Paul VI.
Papst
1978 - 1978
Nachfolger
Johannes Paul II.