Betrachtung

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Betrachtung (von lat. "meditari", contemplari: „betrachten, erwägen“) ist der spirituelle Gegenbegriff zur Aktion ("Tat").

Das lateinische Wort "meditari" bedeutete ursprünglich (wie auch in seinem griechischen Äquivalent: meléte) einfach "Übung". Im geistigen Bereich "übt" man etwas, indem man es sich durch Wiederholung einprägt und innerlich aneignet. Daher ist mit dem auch in der lateinischen Bibel gebräuchlichen Terminus das Memorieren von Worten verbunden. Wer "meditiert", der "bewegt" mit seinen Lippen - oder später nur mehr "im Herzen" (Maria: Lk 2,51 EU) - die Worte der Heiligen Schrift: "Der Mund des Gerechten bewegt Worte der Weisheit" - "os iusti meditabitur sapientiam" (Ps 37,30 EU). Die meditatio wächst aus dem Hören bzw. Lesen des Gotteswortes (lectio divina) und hat zum Ziel, dessen ganze Wahrheit zu erfassen und tiefer damit vertraut zu werden: Das Wort Gottes, die Taten Jesu sollen im Herzen des Gläubigen einwurzeln und präsent sein, so dass sie das Leben formen. "Betrachtung" - als "Nachsinnen", oder auch als "schauendes Verweilen mit liebendem Blick" (contemplatio) - bedeutet nicht einfach das Kennenlernen von Einzelheiten. [1]

Schon die heidnischen römischen Priester sagten die Zukunft voraus, indem sie in einem bestimmten vorher definierten Bereich des Himmels, dem templum ("Tempel", Bereich, übersetzt auch Beobachtungsraum), den Vogelflug beobachteten und deuteten. Analog dazu war auf der Erde ein bestimmter heiliger Bezirk abgesteckt, der nur der Gottheit geweiht war, ebenfalls templum genannt. Beim contemplativen Betrachten sah man auf die "himmlischen" und die "irdischen" Bereiche (Plural templa) zugleich.

In christlicher Bedeutung ist die Kontemplation auch eine irdische Vorwegnahme der himmlischen visio beatifica ("selige Anschauung Gottes"), zumindest partiell. Durch die gesamte Geschichte christlicher Mystik hindurch haben sich vielfältige Erscheinungsformen der Kontemplation entwickelt. In moderner Zeit wurde das Ideal des in actione contemplativus (vgl. Ignatius von Loyola) beinahe vorherrschender Typus. Thomas von Aquin fasst die Kontemplation selbst als "höchste Tätigkeit" auf. Andere Mystikerinnen und Mystiker betonten die Liebesintensität des kontemplativen Menschen (z.B. Mechthild von Magdeburg). Vorstellungen vom Aufstieg zum Licht unterscheiden die via purgativa von der via illuminativa zur via unitiva (Reinigung, Erleuchtung, Einung). Johannes vom Kreuz erkannte in der dunklen Nacht des Glaubens die Kontemplation des Hl. Kreuzes. Das Barock wandte sich verstärkt der meditatio mortis, der Betrachtung des Todes zu. Zur Kontemplation im weiteren Sinne gehören auch Askese (Loslösung, "Gelassenheit") und geistliche Armut.

Unter den Orden werden die kontemplativ genannt, die einem Leben in betrachtetender Anbetung Gottes (Vita contemplativa) den Vorrang vor einem tätigen Leben (Vita activa) geben. Völlige Untätigkeit ist in der christlichen Spiritualität jedoch nicht vorgesehen, so dass auch die am strengsten kontemplativen Mönche (etwa die Kartäuser und Trappisten) in ihren Klöstern Arbeitszeiten haben; das benediktinische Ordensideal kennt Ora et labora!, "Bete und arbeite!"

Literatur

  • Göttliche Anrufe, Aufgezeichnet von Marie Sevray auf Veranlassung ihres Seelenführers Parvis-Verlag 2004 (160 Seiten; Mit kirchlicher Druckerlaubnis; ISBN 9783907523216). Gott der Vater: «Durch dich will ich Großes wirken mit der Verbreitung dieser 'Göttlichen Anrufe', die meinen Willen und meine Absichten für die Seelen enthalten und das innerliche Leben aufzeigen, zu welchem ich alle Seelen aufrufe.

Anmerkungen

  1. Baum des Lebens. Geistliche Betrachtungen, herausgegeben (deutsch), übersetzt und kommentiert von Marianne Schlosser, EOS Verlag St. Ottilien 2012, Hinführung S. 11-12 (97 Seiten; ISBN 978-3-8306-7535-8).
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