Limbus

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Die letzen Dinge

des einzelnen Menschen
der gesamten Schöpfung

Limbus (pl. Limbi) kommt aus dem lateinischen und bedeutet Rand oder Saum. In der katholischen Theologie bezieht sich dieser Begriff auf einen "Bereich" der Hölle, als dem Bereich der Gottferne, und wird von der Hölle der Verdammten unterschieden. In der Bibel wird es "Scheol genannt. Als Christus nach seinem Tod abgestiegen ist zur "Reich des Todes" (Hölle), hat er die dort wartenden Gerechten erlöst.

Inhaltsverzeichnis

"Vorhölle"

Der Limbus bezeichnet ganz allgemein einen 'Ort' an dem die Anschauung Gottes mangels heiligmachender Gnade nicht möglich ist. In diesem Sinn wird auch der Begriff Vorhölle für die Idee eines 'Limbus' verwendet. Es ist ein Zustand des Ausschlusses von der Gottesschau, aber kein Ort der Qual und nach Ansicht der meisten Theologen, die den Limbus vertraten, ein Ort wahrer, wenn auch nur natürlicher Glückseligkeit. Überzeugt von der Barmherzigkeit Gottes, sieht sich die Kirche außerstande, ungetauften Kindern ewige Verdammnis in demselben Sinne wie bewussten Sündern zuzuordnen. Die Lehre vom Limbus zielte somit bereits auf eine Milderung der Vorstellung von der Verdammnis der Ungetauften. Diese Aussagen stehen allesamt unter dem Vorbehalt, dass es in geschichtlich-zeitlicher Sprache gefasste Aussagen sind über letzte Dinge; und das Vertrauen darauf voraussetzen, dass die Kirche hinreichend präzise davon sprechen kann.

Stellen aus Bibel und Tradition

1. "JESUS aber sendte viele Seelen aus der Vorhölle hinauf in ihre Leiber, die Unbußfertigen zu schrecken und zu mahnen und ein Zeugnis von ihm zu geben." (Anna Katharina Emmerick, Das bittere Leiden unseres Herrn JESUS CHRISTUS)

2. „Die Lehre, die jenen Ort in der Unterwelt (den Gläubigen allenthalben als 'Limbus der Kinder' bezeichnet), in dem die Seelen der nur mit der Urschuld Verscheidenden mit der Strafe der Verdammung ohne die Feuerstrafe bestraft werden, als pelagiantisches Märchen verwirft, so als ob die, welche die Feuerstrafe beseitigen, dadurch jenen Ort und mittleren Zustand ohne Schuld und Starge zwischen dem Reich GOTTES und der ewigen Verdammnis einführten, von dem die Pelagianer fabelten, falsch, leichtfertig, und gegenüber deb katholischen Schulen ungerecht." (Papst Pius VI)

a) "Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein." (Lk 23,43)

b) "Als der Arme nun starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen." (Lk 16,22)

Zwei verschiedene Limbi

Der Limbus ist zu unterteilen in einem Limbus der Väter (limbus patrum) und einen Limbus der ungetauften Kinder (limbus infantium vel puerorum). Die beiden Zustände teilen eine Bezeichnung, weil sie sich trotz der Unterschiede, grundsätzlich ähnlich sind. Die zwei Limbi sind theologische Antworten auf die zwei Fragen:

  1. Was geschah mit den Menschen, die vor Jesus gerecht lebten und starben?
  2. Was geschieht mit jenen verstorbenen Menschen, welche die Taufe oder eines ihrer Ersatzmittel (Begierdetaufe, Bluttaufe) nicht empfangen haben?

Der limbus patrum

Anastasis-Fresko aus der orthodoxen Heilig-Kreuz Kirche (Dordogne, Frankreich)

Die Gerechten vor Christus gelangten in den Limbus (biblisch: Abrahams Schoß) weil sie zwar gut gelebt hatten, aber der Himmel bis zur Auferstehung Christi, "historisch" gesehen, niemandem offen stand. Dort haben die Seelen der Gerechten und der Patriarchen gewartet, bis Christus sie bei seinem Abstieg in das Reich des Todes (Vgl. Credo: hinabgestiegen in das Reich des Todes) von dort in den Himmel überführte. Die Auflösung des Limbus der Väter hat einen bekannten künstlerischen Ausdruck in den Auferstehungs (Anastasis-) Ikonen des Ostens gefunden.

Der limbus puerorum vel infantium

Kinder, die vor der Taufe sterben, haben keine persönlichen Sünden begangen. Sie leiden lediglich an dem Zustandsmangel, der Erbsünde genannt wird - also am Zustand des Mangels heiligmachender Gnade. Diese Gnade wird in der Taufe erlangt.

Bei ungetauften Erwachsenen kann die Wassertaufe durch die Begierdetaufe (ob explizit oder implizit) oder das Martyrium ersetzt werden. Also steht auch dem erwachsenen Nichtchristen, der gerecht lebt und Gott ehrlich sucht, eine Heilsmöglichkeit offen. Dem ungetauft sterbenden Kind kann nun die Gnade nicht durch die Wassertaufe oder die gewöhnliche Begierdetaufe - es fehlt dem Kind dazu der Gebrauch der Vernunft - zuteil werden. Ein Martyrium liegt vermutlich nur in seltensten Fällen vor.

Also was geschieht mit dem Kind? In keinem Fall kann es der Hölle der Verdammten zugewiesen werden, da es keine persönliche Schuld trägt. Doch die Gnade, die notwendig ist, um Gott zu schauen, fehlt ihm, also wird ein Ort, frei von Qual, mit natürlicher Glückseligkeit als möglicher Aufenthaltsort angegeben - der Limbus der Kinder. Der Limbus der Kinder ist im Unterschied zum limbus patrum kein (aufgelöster) 'Warteraum', sondern ein Endzustand.

Darin liegt das spekulative Problem. Es gibt daher in der Moderne neue Versuche, eine Form der Begierdetaufe (etwa eine Erleuchtung im letzten Moment) oder der Bluttaufe (z.B. der Tod als Quasi-Sakrament, "im Tod wartet Christus als Liebe auf uns") theologisch für die Kinder zu begründen. Damit wäre das Postulat eines limbus infantium nicht mehr notwendig. Die Taufe der Kinder bleibt aber jedenfalls sinnvoll, da sich die Gnade Gottes dort den Menschen voraussetzungslos zuwenden kann, wo die kirchliche Gemeinschaft die Gewähr übernimmt, den heranwachsenden Christen zugleich ein Wachstum im Leben aus dem Glauben zu eröffnen.

Im Katechismus der Katholischen Kirche wird die Hoffnung ausgedrückt, dass die Barmherzigkeit Gottes ihre Wege findet, dass auch die ungetauften Kinder Gott schauen dürfen.

Entstanden ist die Vorstellung, dass Säuglinge, die ungetauft sterben, in den Limbus kommen, da man die Taufe als unverzichtbar für das Seelenheil (und damit die Erlösung) hält. Jüngst beschäftigte sich die päpstliche Internationale Theologenkommission mit diesem Thema. Es wird nun über die Formel nachgedacht, dass ungetauft sterbende Säuglinge „in der Erwartung auf universelle Erlösung durch Gott“ sterben. Da nach Ansicht der Kirche Gott alle Menschen erlösen will, könne man darauf vertrauen, dass auch die Seelen ungetauft verstorbener Kinder "irgendwie" in den Himmel kommen.

Papst Benedikt soll den Verzicht auf die explizite Lehre vom limbus puerorum bereits vor seiner Wahl zum Papst im Sinn gehabt haben; die britische Tageszeitung Times zitiert seinen Bericht zur Lage des Glaubens von 1985: „Ich persönlich würde es aufgeben, da es immer nur eine Hypothese war.“

Am 20. April 2007 genehmigte Benedikt XVI. die Ergebnisse der Internationalen Theologenkommission und ermöglichte damit, wie vermutet, die Abwertung der Lehre von limbus puerorum zu einer älteren theologischen Meinung, die nicht mehr seitens des kirchlichen Lehramts unterstützt wird. Die weitere Entwicklung bleibt aber wohl vermutlich der theologischen Wissenschaft selbst überlassen.

Kirchliche Verlautbarungen

Internationale Theologische Kommission: "Die Hoffnung auf Rettung ungetauft verstorbener Kinder"(2007-Auszug):

"Es ist bekannt, dass die traditionelle Lehre zu diesem Thema sich der Theorie des Limbus bedient hat, verstanden als Zustand, in dem die Seelen der ohne Taufe sterbenden Kinder aufgrund der Ursünde nicht den Lohn der glückseligen Gottesschau verdienen, jedoch keinerlei Bestrafung unterworfen sind, weil sie keine persönlichen Sünden begangen haben. Diese Theorie, die von Theologen seit dem Mittelalter ausgearbeitet wurde, hat niemals in die dogmatischen Definitionen des Lehramts Eingang gefunden, auch wenn dasselbe Lehramt sie in seiner ordentlichen Lehre bis zum II. Vatikanischen Konzil erwähnt hat. Sie bleibt daher eine mögliche theologische Hypothese. Im Katechismus der Katholischen Kirche (1992) wird die Theorie des Limbus jedoch nicht erwähnt."

"Diese Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es theologische und liturgische Gründe zur Hoffnung gibt, dass ungetauft sterbende Kinder gerettet und zur ewigen Seligkeit geführt werden können, auch wenn sich zu dieser Frage keine ausdrückliche Lehre in der Offenbarung findet. Keine der vorgetragenen Überlegungen, mit denen der Text einen neuen Zugang zu der Frage anregen will, darf jedoch dazu verwendet werden, die Notwendigkeit der Taufe zu negieren oder die Spendung des Sakraments aufzuschieben. Eher gibt es Gründe zu hoffen, dass Gott diese Kinder genau deshalb retten wird, weil es nicht möglich war, für sie zu tun, was höchst wünschenswert gewesen wäre: Sie im Glauben der Kirche zu taufen und sichtbar in den Leib Christi einzugliedern."

Literatur

  • Johannes Maria Schwarz: Zwischen Limbus und Gottesschau. Das Schicksal ungetauft sterbender Kinder in der theologischen Diskussion des 20. Jahrhunderts. Ein theologiegeschichtliches Panorama, Fe-Medienverlag Kisslegg 2006, (353 Seiten) [1]

Weblinks

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