Robert Bellarmin: Kleiner Katechismus

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dottrina christiana breve

(Kurze christliche Lehre, zum Auswendiglernen geeignet)

heißt das italienische Original des Kleine Katechismus' des Kirchenlehrers Robert Bellarmin
aus dem Jahre 1597, als katechetisches Handbuch für Kinder und das einfache Volk in Gesprächsform verfasst. → Dichiarazione christiana più copiosa della dottrina christiana

Quelle: Robert Bellarmin: Katechismen - Glaubensbekenntnis - Vater unser, übersetzt und herausgegeben von Andreas Wollbold, Echter Verlag Würzburg 2008, S. 37-63 (304 Seiten, ISBN 978-3-429-03046-9; Copyright: am 17. November 2020 für Kathpedia vom Verlag genehmigt. Jede weitere Verwendung ist untersagt). Text übersetzt nach: Robertus Bellarminus, Opera omnia. Hg. von Justin Fèvre. 12 Bde., Paris 1874, XII, 256-282 (= OO). - Diese Ausgabe enthält auch verschiedene Gebete und Gesänge sowie eine Anleitung zum Ministrieren, die hier nicht übersetzt sind und die wohl insgesamt oder teilweise erst aus späterer Zeit stammen.

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Hintergrund: Papst Clemens VIII. erteilte Robert Bellarmin den Auftrag zu einem päpstlich genehmigten Katechismus für die ganze Christenheit zu schreiben, den er allen Pfarrern in der ganzen Welt anordnete. Die Reformkongregation approbiere den Kleinen und Großen nun am 15. Juli 1598. Urban VIII. erneuerte das Geheiß in einem Breve vom 22. Februar 1633. Benedikt XIII. 1725 und Clemens' XII. am 26. Mai 1736 befahlen ihn unter Ausschluss anderer Katechismen im Welschland („französischsprachige Schweiz“, Romandie) zu gebrauchen. Benedikt XIV. (1740 - 1758) erinnerte in einer eigenen Konstitution Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe an die Worte Clemens VIII.. Beide Katechismen wurden in 62 Sprachen und Dialekte übersetzt und bewahrten ihre Popularität bis in die Zeiten des I. Vatikanischen Konzils, worin Papst Pius IX. den Vorschlag machte, einen neuen, in der ganzen Welt zu gebrauchenden Katechismus zu haben, nach dem Modell der Dottrina christiana breve.

Inhaltsverzeichnis

Vergleich der beiden Katechismen

Kleiner Katechismus Großer Katechismus, Kap.
Erste Stunde: Kreuzzeichen 1: Sinn und Aufbau der christlichen Lehre
2: Kreuzzeichen
Erklärung des Glaubensbekenntnisses 3: Glaubensbekenntnis (in 12 Artikeln)
Zweite Stunde: Erklärung des Vater Unser und des "Gegrüßet seist du, Maria" 4: Vater Unser
5: "Gegrüßet seist du, Maria"
Dritte Stunde: Die Gebote Gottes 6: Zehn Gebote
Die Kirchengebote und die Räte 7: Kirchengebote
8: Evangelische Räte
Die Sakramente 9: Sakramente
Vierte Stunde: Die göttlichen Tugenden und Die Kardinaltugenden 10: Tugenden im allgemeinen
11: Göttliche Tugenden
12: Kardinaltugenden
Die Gaben des Heiligen Geistes 13: Die sieben Gaben des Heiligen Geistes
14: Seligpreisungen
Die Werke der Barmherzigkeit 15: Leibliche- und geistliche Werke der Barmherzigkeit
16: Laster und Sünden im allgemeinen
17: Erbsünde
18: Todsünde und lässliche Sünde
Die Sünden 19: Die sieben Hauptsünden
20: Die Sünden gegen den Heiligen Geist
21: Die himmelschreienden Sünden
Die vier letzten Dinge und der Rosenkranz 22: Die vier letzten Dinge
Unterricht: Für den, der gefirmt werden soll, und was er dafür wissen soll
Unterricht über die Sakramente:

Die Beichte
Die Eucharistie

Einleitung

Beim Unterricht in der christlichen Lehre für einfache Menschen muss man auf zweierlei achten, die Notwendigkeit und die Fassungskraft. Aufgrund der Notwendigkeit muss man wenigstens vier Punkte in den Unterricht einbeziehen: Zunächst das Glaubensbekenntnis, um das zu wissen, was man glauben muss. Sodann das Vater Unser mit dem Englischen Gruß, um das zu wissen, was man hoffen muss und zu wem man Zuflucht nehmen muss, um es zu erlangen. Allerdings soll dadurch der Brauch nicht verworfen werden, die Kinder zuerst das Vater Unser mit dem "Gegrüßet seist du, Maria" vor dem Glaubensbekenntnis zu lehren, weil dieses schwierig und länger ist. Drittens die zehn Gebote Gottes zusammen mit den Kirchengeboten, die alle angehen, um das zu kennen, was man entsprechend der Liebe zu Gott und dem Nächsten tun muss. Schließlich die sieben Sakramente, die die Werkzeuge darstellen, die Gott dazu eingesetzt hat, die Gnade und die himmlischen Gaben zu erwerben, zu bewahren und wachsen zu lassen, insbesondere die göttlichen Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe zusammen mit der Vergebung der Sünden. Deshalb ist der Katechismus, der auf Anordnung des heiligen Konzils von Trient verfertigt wurde, zweifellos der authentischste. Dennoch ist es wohl nützlich, einiges (allerdings Weniges und Einfaches) hinzuzufügen, so die hauptsächlichen Tugenden, die die Quelle jedes guten Werkes darstellen, und die sieben Hauptsünden, die die Quelle aller Sünden sind; des weiteren die Werke der Barmherzigkeit, die Gott überaus wohlgefällig sind, und die Sünden, die ihm zuhöchst missfallen und über die die Schrift sagt, dass sie im Himmel nach Rache schreien; die evangelischen Räte; die vier letzten Dinge; die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes.

Die anderen Punkte kann man vielleicht übergehen. Denn sie sind entweder zu schwierig, so etwa die elf Leidenschaften und ähnliches. Oder sie sind zu bekannt und daher überflüssig, so die fünf Sinne des Leibes, die drei Seelenkräfte usw. Oder sie sind von nur geringem Nutzen, belasten bloß das Gedächtnis, und selbst Gelehrte kennen sie nicht in ihrer richtigen Reihenfolge, etwa die zwölf Früchte des Heiligen Geistes, die acht Seligkeiten usw. Oder das, was Kinder und einfache Menschen auswendig lernen sollen, ist etwas anderes als das, was die wissen sollten, die die christliche Lehre solcherart ungebildeten Leuten erläutern sollen. Aus diesen Gründen schreiben wir jetzt zuerst all das nieder, was man mit einer kurzen Erläuterung auswendig lernen soll, danach eine umfangreichere Erläuterung für die, welche die christliche Lehre unterrichten. Letztere soll jedoch der Fassungskraft der einfachen Menschen angemessen sein.

Gebet zu Beginn der Unterrichtsstunde in der christlichen Lehre

"Actiones nostras, quaesumus, Domine, aspirando praeveni, et adjuvando prosequere, ut cuncta nostra oratio, et operatio a te semper incipiat, et per te coepta finiatur. Per Christum Dominum nostrum. R.: Amen."

"Komm unserem Beten und Arbeiten mit deiner Gnade zuvor, Herr, und begleite es mit deiner Hilfe, damit alles, was wir beten und tun, bei dir seinen Anfang nehme und durch dich vollendet werde. Durch Christus, unseren Herrn. (Alle:) Amen."

Zum Schluss

"Agimus tibi gratias, omnipotens Deus, pro universis beneficiis tuis, qui vivis, et regnas in saecula saeculorum. R. Amen."

"Wir sagen dir Dank, allmächtiger Gott, für alle deine Gaben, der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. (Alle:) Amen."

Das Ziel des Christen und das heilige Kreuzzeichen

Erste Stunde

Lehrer (L): Seid ihr ein Christ?

Schüler (S): Ja, mit der Gnade Gottes.

L: Was bedeutet "ein Christ"?

S: Einer, der den Glauben und das Gebot Christi bekennt.

L: Worin besteht der Glaube Christi hauptsächlich?

S: In zwei Grundgeheimnissen, die im heiligen † Kreuzzeichen enthalten sind:

die Dreieinigkeit Gottes sowie die Menschwerdung und der Tod unseres Heilandes.

L: Was bedeutet die Dreieinigkeit Gottes?

S: Dass es in Gott eine einzige Gottheit gibt.

Wir sprechen dabei auch von einem göttlichen Wesen oder einer Natur. Die Gottheit ist aber in drei Personen, Vater, Sohn und Heiliger Geist mit Namen.

L: Warum sind es drei Personen?

S: Weil der Vater keinen Ursprung hat und aus keiner anderen Person hervorgeht, weil der Sohn aus dem Vater hervorgeht und weil der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht.

L: Warum sind diese drei Personen ein einziger Gott?

S: Weil sie dasselbe Wesen, dieselbe Macht, dieselbe Weisheit und dieselbe Güte haben.

L: Was bedeutet die Menschwerdung und der Tod unseres Heilandes?

S: Dass der Sohn Gottes, also die zweite Person der allerseligsten Dreifaltigkeit, Mensch geworden ist und am Kreuz zu unserer Erlösung gestorben ist.

L: Wie sind diese beiden Geheimnisse im heiligen † Kreuzzeichen enthalten?

S: Weil man das heilige Kreuzzeichen so macht: Zuerst führt man die rechte Hand zur Stirn und sagt: "Im Namen des Vaters", dann an die Brust mit den Worten "und des Sohnes", schließlich von der linken zur rechten Seite mit den Worten "und des Heiligen Geistes. Amen."

L: Wie zeigt sich darin also das erste Geheimnis, das der allerseligsten Dreifaltigkeit?

S: Weil das Wort "im Namen" die Einheit bedeutet und die übrigen Worte die Dreifaltigkeit.

L:Zeigt ihr jetzt auch das zweite Geheimnis?

S: Das Aussehen des † Kreuzzeichens stellt den Tod des Heilands vor Augen. Er wurde Mensch, zeigte mit Lehren, Beispielen und Wundern den Weg zum Heil und starb schließlich am heiligen Holz des Kreuzes.

Erklärung des Glaubensbekenntnisses

L: Worin besteht die Regel des Glaubens?

S: Im Apostolischen Glaubensbekenntnis, einfacher auch "Credo" genannt.

L:Sagt das Credo auf!

S: 1. Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

2. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn.

3. Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.

4. Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.

5. Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten.

6. Aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters.

7. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

8. Ich glaube an den Heiligen Geist.

9. Die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen.

10. Vergebung der Sünden.

11. Auferstehung der Toten.

12. Und das ewige Leben. Amen.

L: Wer hat das Credo verfasst?

S: Die zwölf Apostel. Deshalb sind es auch zwölf Artikel.

L: Was enthalten diese zwölf Artikel insgesamt?

S: Alles, was man hauptsächlich und ausdrücklich von Gott und von der Kirche, seiner Braut, zu glauben hat. Denn die ersten acht Artikel beziehen sich auf Gott, die vier letzten auf die Kirche.

L:Erklärt ihr den ersten Artikel?

S: Ich glaube fest an einen einzigen Gott. Er ist seiner Natur nach Vater seines eingeborenen Sohnes und zudem aus Gnade Vater aller guten Christen, denn sie heißen seine angenommenen Söhne. Drittens ist er durch die Schöpfung Vater aller übrigen Dinge. Dieser Gott nun ist allmächtig, weil er alles tun kann, was er will und weil er Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen hat zusammen mit allem, was sich in ihnen findet, also das gesamte Weltall.

L:Erklärt ihr den zweiten Artikel?

S: Ich glaube ebenso an Jesus Christus, den eingeborenen Sohn Gottes, des Vaters, denn er ist in Ewigkeit aus dem Vater gezeugt worden und ist selbst wie der Vater ewig, unendlich, allmächtig, Schöpfer, unser Herr und der Herr aller Dinge.

L:Erklärt ihr den dritten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus nicht nur wahrer Gott ist, sondern auch wahrer Mensch. Denn er hat durch die Kraft des Heiligen Geistes aus der unbefleckten Jungfrau Maria Fleisch angenommen. Auf diese Weise wurde er auf Erden von einer Mutter ohne Vater geboren, so wie im Himmel von einem Vater ohne Mutter.

L:Erklärt ihr den vierten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus die Welt mit seinem kostbaren Blut erlösen wollte und dafür unter Pontius Pilatus, dem Herrscher über Judäa, gelitten hat. Dabei wurde er gegeißelt, mit Dornen gekrönt und ans Kreuz geschlagen. Daran starb er, von ihm wurde er abgenommen und in einem neuen Grab beigesetzt.

L:Erklärt ihr den fünften Artikel?

S: lch glaube, dass Jesus Christus im gleichen Augenblick, als er gestorben war, mit seiner Seele in das Totenreich der heiligen Vorväter ging und am dritten Tag, dem Sonntag, glorreich und siegreich auferstand.

L:Erklärt ihr den sechsten Artikel?

S: Ich glaube, dass Jesus Christus 40 Tage mit den heiligen Aposteln zusammen war, um durch viele Erscheinungen seine wahrhafte Auferstehung zu beweisen. Danach fuhr er in den höchsten Himmel auf. Dort sitzt er als Herrscher und Lenker aller Geschöpfe über allen Engeln zur Rechten des Vaters in einer Herrlichkeit, die dem Vater gleich ist.

L:Erklärt ihr den siebten Artikel?

S: Ich glaube, dass unser Herr am Ende der Welt vom Himmel in größter Macht und Herrlichkeit kommen wird. Er wird alle Menschen richten und dabei jedem den Lohn oder die Strafe geben, die er verdient hat.

L:Erklärt ihr den achten Artikel?

S: Ich glaube an den Heiligen Geist. Er ist die dritte Person der allerseligsten Dreifaltigkeit und geht vom Vater und vom Sohn aus. Er ist in allem dem Vater und dem Sohn gleich, und so ist er ewiger, unendlicher, allmächtiger Gott, Schöpfer und Herr aller Dinge wie der Vater und der Sohn.

L:Erklärt ihr den neunten Artikel?

S: Ich glaube ebenso, dass es eine einzige Kirche gibt. Sie ist die Versammlung aller Christgläubigen, die getauft sind, den Glauben an Christus, unseren Herrn, annehmen und bekennen und den Papst in Rom als Stellvertreter Christi auf Erden anerkennen.

L: Warum nennt diese Kirche sich heilig und katholisch?

S: Heilig, weil sie den heiligen Christus zum Haupt hat, weil sie viele heilige Glieder besitzt sowie den heiligen Glauben, das heilige Gesetz und die heiligen Sakramente. Sie heißt katholisch, sie ist nämlich überall.

L: Was bedeutet "Gemeinschaft der Heiligen"?

S: Sie meint die Zuwendung der Gebete und der guten Werke, die in dieser Kirche verrichtet werden, ganz wie am Gut eines einzelnen Gliedes im menschlichen Leib alle übrigen Glieder Anteil haben.

L:Erklärt ihr den zehnten Artikel?

S: Ich glaube, dass es in der heiligen Kirche eine wirkliche Vergebung der Sünden durch die heiligen Sakramente gibt und dass die Menschen in ihr aus Kindern des Teufels, die zur Hölle verurteilt sind, zu Kindern Gottes und Erben des Paradieses werden.

L:Erklärt ihr den elften Artikel?

S: Ich glaube, dass am Ende der Welt alle Menschen auferstehen sollen. Dabei werden sie dieselben Leiber annehmen, die sie zuvor gehabt haben. Das geschieht in der Kraft Gottes, dem kein Ding unmöglich ist.

L:Erklärt ihr den zwölften Artikel?

S: Ich glaube, dass es für die guten Christen ein ewiges Leben voll Glück jeder Art und frei von jeglichem Übel gibt. Ebenso gibt es umgekehrt für die Ungläubigen und für die bösen Christen den ewigen Tod voll von Elend jeder Art und ohne irgendein Gut.

L: Was bedeutet "Amen"?

S: Es bedeutet: So ist es wirklich.

Zweite Stunde

Erklärung des Vater Unser und des "Gegrüßet seist du, Maria"

L: Wir haben schon von dem gesprochen, was man glauben muss. Nun wollen wir schauen, ob ihr das wisst, was man hoffen muss und von wem man es erhoffen muss. Könnt ihr das Vater Unser?

S: Ich kann es sehr gut, denn es ist das erste, was ich gelernt habe. Ich spreche es jeden Morgen und jeden Abend zusammen mit dem "Gegrüßet seist du, Maria" und dem Glaubensbekenntnis.

L:Dann sagt jetzt das Vater Unser auf!

S: Vater unser im Himmel.

1. Geheiligt werde dein Name.

2. Dein Reich komme.

3. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

4. Unser tägliches Brot gib uns heute.

5. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

6. Und führe uns nicht in Versuchung.

7. Sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.

L: Wer hat dieses Gebet verfasst?

S: Unser Herr Jesus Christus. Deshalb ist es das vorzüglichste von allen.

L: Was enthält dieses Gebet insgesamt?

S: Alles, was man von Gott erbitten und erhoffen kann. Deshalb sind es sieben Bitten. In den ersten vier bittet man darum, dass er uns etwas Gutes gibt, in den weiteren drei, dass er uns vom Bösen befreit. Beim Guten bittet man zuerst um die Ehre Gottes, dann um unser höchstes Gut, drittens um den Erwerb der Gnade und viertens um das Mittel, diese Gnade zu erhalten und zu bewahren. Beim Bösen bittet man, dass er uns vom Bösen befreit, zuerst von dem in der Vergangenheit, dann von dem in der Zukunft und schließlich von dem in der Gegenwart und auf diese Weise von jedem Bösen.

L:Erklärt die Worte vor der ersten Bitte: "Vater unser im Himmel"!

S: Das ist ein kurzes Vorwort, das den Mut erklärt, einen so großen Herrn anzusprechen, und die Hoffnung, von ihm erhört zu werden. Darin wird gesagt, dass Gott durch die Schöpfung und durch die Annahme als seine Kinder unser Vater ist. Deshalb nehmen wir als seine Kinder unsere Zuflucht bei ihm. Dann fügt man hinzu "im Himmel", um darin den Herrn der Welt anzusprechen. Daraus wissen wir, dass er uns erhören kann, wenn er will, so wie wir hoffen, dass er es will, weil er Vater ist.

L:Erklärt die zweite Bitte!

S: In der zweiten Bitte erbitten wir, dass sein Reich, das er uns versprochen hat, bald kommt. Wenn also einmal unsere Kämpfe mit dem Teufel, mit der Welt und mit dem Fleisch beendet sein werden, werden wir zur ewigen Seligkeit gelangen, wo wir ohne jedes Hindernis mit Gott herrschen werden.

L:Erklärt die dritte Bitte!

S: In der dritten Bitte erbitten wir die Ehre Gottes, womit wir seinen heiligen Geboten in vollkommener Weise gehorchen, so wie die Engel im Himmel ihm allezeit gehorchen. Denn die Leiter zum Aufstieg in das Himmelreich ist der Gehorsam gegenüber den Geboten.

L:Erklärt die vierte Bitte!

S: In der vierten Bitte erbitten wir das tägliche Brot. Es ist das geistliche Brot, nämlich das Wort Gottes und die Sakramente, und ebenso das leibliche Brot, nämlich Nahrung und Kleidung. Denn das Wort Gottes, das die Prediger verkündigen und das wir selbst in den geistlichen Büchern lesen, und die heiligen Sakramente, ganz besonders Beichte und Kommunion, sind von sich aus äußerst wirksame Mittel, um die Gnade Gottes zu erwerben und zu behalten (das heißt, wenn von uns aus nichts dazu fehlt). Von dieser Gnade haben wir in der vorherigen Bitte ja bereits gesprochen. Nahrung und Kleidung sind für uns nötig, um uns dieses Leben im Dienst Gottes zu erhalten.

L:Erklärt die fünfte Bitte!

S: In der fünften Bitte erbitten wir, dass Gott uns vom früheren Bösen, also den schon begangenen Sünden, befreit. Dazu soll er die Schuld und die Strafe für diese Sünden vergeben. Dabei folgt aber noch der Satz: "Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern", das heißt wie wir unseren Feinden ihr Unrecht an uns vergeben. Es ist nämlich ein Widerspruch, wenn Gott uns die Sünden vergibt, die doch ganz schweres Unrecht gegen ihn darstellen, wir aber die an uns geschehenen Fehler nicht vergeben wollen, die doch ein Unrecht von geringem Gewicht darstellen.

L:Erklärt die sechste Bitte!

S: In der sechsten Bitte erbitten wir, dass Gott uns von den Versuchungen befreit, also den künftigen Übeln. Dazu soll er entweder nicht zulassen, dass wir versucht werden, oder uns die Gnade geben, von ihnen nicht besiegt zu werden.

L:Erklärt die siebte Bitte!

S: In der siebten Bitte erbitten wir, vom gegenwärtigen Bösen befreit zu werden, von jedem Kummer und Elend und auch von jedem leeren Wohlstand und irdischer Größe, wenn er sieht, dass sie dem Seelenheil schaden.

L:Sagt das "Gegrüßet seist du, Maria" auf!

S: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

L:Vom wem stammen diese Worte?

S: Zum Teil vom Erzengel Gabriel, zum Teil von der heiligen Elisabeth und zum Teil von der Kirche.

L: Wozu sprecht ihr das "Gegrüßet seist du, Maria" nach dem Vater Unser?

S: Damit es auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau das, was ich von Gott erbitte, leichter erreicht. Denn sie ist die Fürsprecherin der Sünder und voll Barmherzigkeit. Gleichzeitig hat sie ihren Platz im Himmel über allen Chören der Engel und ist Gott ganz und gar wohlgefällig.

L: Wendet ihr euch auch an die anderen Heiligen um Hilfe?

S: Ich wende mich an alle Heiligen, besonders an meinen Namenspatron und an meinen Schutzengel.

Dritte Stunde

Die Gebote Gottes

L:Jetzt kommen wir zu dem, was man tun muss, um Gott und den Nächsten zu lieben. Sagt die zehn Gebote auf!

S: 1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst mir keinen anderen Gott vorziehen.

2. Du sollst den Namen Gottes nicht ohne Grund nennen.

3. Denke daran, die Feste zu heiligen.

4. Ehre den Vater und die Mutter.

5. Nicht töten.

6. Keinen Ehebruch begehen.

7. Nicht stehlen.

8. Kein falsches Zeugnis gegen deinen Nächsten geben.

9. Die Frau eines anderen nicht begehren.

10. Das Eigentum eines anderen nicht begehren.

L: Wer hat diese Gebote gegeben?

S: Gott selbst im Gesetz des Alten Testamentes, und später hat Christus, unser Herr, sie im Neuen Testament bestätigt.

L: Was enthalten diese Gebote insgesamt?

S: Alles, was man tun muss, um Gott und den Nächsten zu lieben. Denn die ersten drei Gebote lehren, wie wir uns gegenüber Gott im Herzen, mit dem Mund und mit den Werken verhalten sollen. Die anderen sieben Gebote leiten uns an, dem Nächsten Gutes zu tun, ihm nicht als Person, in seiner Ehre oder in seinem Besitz zu schaden, und zwar weder in Taten noch in Worten oder in Gedanken. So besteht das Ziel aller Gebote im Gebot der Liebe, das gebietet, Gott über alles zu lieben und den Nächsten wie uns selbst.

L:Erklärt das erste Gebot!

S: Am Anfang weist uns Gott darauf hin, dass er unser wahrer und höchster Herr ist. Deshalb ist es unsere Pflicht, ihm ganz sorgfältig zu gehorchen. Er gebietet ausdrücklich, dass wir niemand anderes als Gott ansehen dürfen. Darin besteht die Sünde der Heiden, die die Geschöpfe anstelle des Schöpfers verehren, und auch der Zauberer und Hexer, die den Teufel für ihren Gott halten.

L:Erklärt das zweite Gebot!

S: Das zweite Gebot verbietet die Flüche, was sehr große Sünden sind, die falschen oder nicht notwendigen Eide, die mangelnde Erfüllung eines Gelübdes und jede andere Art von Verunehrung, die man Gott in Worten zufügen kann.

L:Erklärt das dritte Gebot!

S: Das dritte Gebot gebietet die Einhaltung der Festtage. Sie besteht in der Enthaltung von knechtischen Arbeiten, um Zeit für die Betrachtung der göttlichen Wohltaten zu haben, Kirchen zu besuchen, zu beten, geistliche Bücher zu lesen, am Gottesdienst und an Gebeten teilzunehmen und andere geistliche und heilige Werke dieser Art zu verrichten.

L:Erklärt das vierte Gebot!

S: Das vierte Gebot befiehlt, dass man Vater und Mutter nicht nur mit ehrenden Worten Achtung erweist und die Mütze vor ihnen zieht, sondern ihnen auch in ihren Bedürfnissen Hilfe und Unterstützung gewährt. Was hier von Vater und Mutter gesagt wurde, daran muss man sich auch gegenüber den anderen Nächsten halten, auch wenn hier nicht die gleiche Pflicht besteht wie beim Vater und bei der Mutter, die uns das Dasein geschenkt haben und uns mit viel Mühe aufgezogen haben.

L:Erklärt das fünfte Gebot!

S: Im fünften Gebot ist uns geboten, niemanden unrecht umzubringen oder ihm persönlich ein anderes Übel zuzufügen. Unrecht heißt es hier, weil die Richter, die die Übeltäter zum Tod verurteilen, und die Diener der Gerechtigkeit, die sie hinrichten, ebenso wie die Soldaten in einem gerechten Krieg nicht sündigen, wenn sie verwunden oder töten.

L:Erklärt das sechste Gebot!

S: Das sechste Gebot gebietet, dass man keinen Ehebruch begeht, das heißt Sünden mit der Frau eines anderen. Es heißt auch, dass man keine Unzucht oder eine andere Fleischessünde begeht.

L:Erklärt das siebte Gebot!

S: Das siebte Gebot gebietet, dass niemand das Eigentum eines anderen stiehlt, weder insgeheim (das ist ein Diebstahl) noch offen (das ist Raub). Auch darf er nicht beim Verkauf und Kauf Betrug anwenden und dementsprechende Verträge schließen. Schließlich darf er den Nächsten nicht an seinen Sachen schädigen.

L:Erklärt das achte Gebot!

S: Im achten Gebot wird das falsche Zeugnis verboten, das Murren, Herabsetzen, Schmeicheln, Lügen anwenden und andere Arten der Schädigung, die man dem Nächsten mit der Zunge zufügt.

L:Erklärt die beiden letzten Gebote!

S: Gott gebietet in den zwei letzten Geboten, dass niemand die Frau und das Eigentum eines anderes begehrt. Denn er, der in die Herzen schaut, will uns heilig und rein, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, so dass wir ganz gerecht sind.

Die Kirchengebote und die Räte

L:Nehmt nun zu den Geboten Gottes die wenigen hinzu, die ihnen die heilige Kirche angehängt hat!

S: Es gibt sechs Kirchengebote:

1. Die Messe an allen Sonntagen und an den anderen gebotenen Festtagen zu besuchen.

2. In der Fastenzeit, an den gebotenen Vigiltagen und den Quatembertagen zu fasten und an Freitagen und Samstagen kein Fleisch zu essen.

3. Mindestens einmal im Jahr zu beichten.

4. An Ostern die Kommunion zu empfangen.

5. Den Zehnt zu bezahlen.

6. Nicht in den geschlossenen Zeiten Hochzeit zu feiern, das heißt vom ersten Adventssonntag bis Dreikönig und vom Aschermittwoch bis zum Weißen Sonntag.

L:Zu diesen Geboten sind wir alle verpflichtet. Gibt es darüber hinaus auch noch einige Räte zur Vollkommenheit?

S: Es gibt drei Räte, die unser Herr Jesus Christus denen gegeben hat, die zur Vollkommenheit gelangen wollen.

L: Was sind diese Räte?

S: Freiwillige Armut, lebenslange Keuschheit und Gehorsam in allem, was keine Sünde ist.

Die Sakramente

L: Wir haben schon all das behandelt, was man glauben, hoffen und tun muss. Nun bleibt uns noch, dass wir die heiligen Sakramente behandeln, durch die man die Gnade Gottes erlangt. So sagt, wieviele Sakramente gibt es?

S: Es gibt sieben. 1. Taufe. 2. Firmung. 3. Eucharistie. 4. Buße. 5. Heilige Ölung. 6. Weihe. 7. Ehe.

L: Wer hat sie eingesetzt?

S: Jesus Christus, unser Herr.

L: Welche Wirkung hat die Taufe?

S: Sie macht einen Menschen zu einem Kind Gottes und zum Erben des Paradieses, sie tilgt alle Sünden und erfüllt die Seele mit Gnade und mit geistlichen Gaben.

L: Welche Wirkung hat die Firmung?

S: Sie stärkt den Menschen, damit er keine Furcht hat, den Glauben an Christus, unseren Herrn, zu bekennen. So macht sie uns zu wahren Soldaten des Erlösers.

L: Welche Wirkung hat die Eucharistie?

S: Sie nährt die Liebe, das Leben der Seele, und lässt sie Tag für Tag mehr wachsen. Auch wenn sie unter der Gestalt von Brot gereicht wird, ist sie in Wirklichkeit kein Brot, sondern der wahre Leib des Herrn. Ebenso ist das im Kelch kein Wein, auch wenn es Wein zu sein scheint, sondern unter der Gestalt von Wein ist es das wahre Blut Christi, unseres Herrn, selbst.

L: Welche Wirkung hat die Beichte?

S: Sie vergibt die Sünden, die man nach der Taufe begangen hat, und lässt den zur Freundschaft Gottes zurückkehren, der durch die Sünde sein Feind geworden ist.

L: Was muss man tun, um dieses Sakrament zu empfangen?

S: Zuerst muss man über seine Sünden Reue zeigen und sich vornehmen, sie nie mehr zu begehen. Dann muss man alle Sünden dem Priester beichten, der von den Oberen dafür zugelassen ist. Schließlich muss man die Buße verrichten, die der Priester jemanden auferlegen wird.

L: Welche Wirkung hat die heilige Ölung?

S: Sie tilgt die Überbleibsel der Sünden, sie gibt der Seele Freude und Stärke, um in dieser letzten Stunde mit dem Teufel zu kämpfen, und sie hilft, die Gesundheit des Leibes wiederzuerlangen, wenn sie dem Heil der Seele von Nutzen ist.

L: Welche Wirkung hat das Sakrament der Weihe?

S: Es gibt den Priestern Vollmacht und Gnade und den übrigen Dienern der Kirche die Fähigkeit, ihre Aufgaben gut zu erfüllen.

L: Welche Wirkung hat das Sakrament der Ehe?

S: Es gibt denen, die sich in erlaubter Weise miteinander zum gemeinsamen Leben in der Ehe verbinden, Kraft und Gnade. Weiterhin gibt sie ihnen Frieden und Liebe, damit sie Kinder in heiliger Gottesfurcht zeugen und aufziehen. So sollen sie daraus Freude in diesem und im jenseitigen Leben erhalten.

Vierte Stunde

Die göttlichen Tugenden und die Kardinaltugenden

L: Wir haben eben die vier Hauptteile der Lehre abgeschlossen, das Glaubensbekenntnis, das Gebet des Herrn, die Gebote und die Sakramente. Jetzt möchte ich, dass wir von den Tugenden und Lastern und von einigen anderen Gegenständen sprechen, die viel dazu beitragen, entsprechend dem Willen Gottes zu leben. So sagt, wieviele Haupttugenden gibt es?

S: Sieben. Drei göttliche Tugenden und vier Kardinaltugenden.

L: Was sind die göttlichen Tugenden?

S: Glaube, Hoffnung und Liebe.

L: Warum heißen sie göttlich?

S: Weil das Wort "göttlich" etwas meint, das sich auf Gott bezieht oder ihm gehört.

L: Wie gehört dann der Glaube zu Gott?

S: Weil er bewirkt, dass wir alles glauben, was Gott der heiligen Kirche geoffenbart hat.

L: Warum gehört die Hoffnung zu Gott?

S: Weil sie bewirkt, dass wir unser Vertrauen auf Gott setzen und von ihm das ewige Leben erhoffen. Dies geschieht durch die Gnade Gottes und durch unsere Verdienste, die aber auch aus seiner Gnade entspringen.

L: Warum gehört die Liebe zu Gott?

S: Weil sie bewirkt, dass wir Gott über alles und den Nächsten aus Liebe zu Gott wie uns selbst lieben.

L: Was sind die Kardinaltugenden?

S: Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit.

L: Warum heißen sie Kardinaltugenden?

S: Weil sie die hauptsächlichen Tugenden sind und wie Quellen für gute Werke.

L:Erklärt ihr die Aufgabe dieser Tugenden?

S: Die Klugheit macht uns bei allem bedächtig und behutsam, damit wir nicht betrogen werden und niemanden anderes betrügen. Die Gerechtigkeit macht, dass wir anderen das Ihre geben. Die Mäßigkeit macht, dass wir Unordnung zügeln. Die Tapferkeit macht, dass wir für den Dienst Gottes keine Gefahr fürchten, noch nicht einmal den Tod.

Die Gaben des Heiligen Geistes

L: Wieviele Gaben des Heiligen Geistes gibt es?

S: Sieben: 1. Weisheit. 2. Erkenntnis. 3. Rat. 4. Stärke. 5. Wissenschaft. 6. Frömmigkeit. 7. Gottesfurcht.

L: Wozu dienen diese Gaben?

S: Sie dienen der Unterstützung der Tugenden und um uns auf dem Weg Gottes vollkommen zu machen. Denn durch die Furcht halten wir uns von den Sünden fern. Durch die Frömmigkeit sind wir andächtig und Gott gehorsam. Durch die Wissenschaft werden wir gelehrt, den Willen Gottes zu kennen. Durch die Stärke erhalten wir die Hilfe, ihn auch auszuführen. Durch den Rat werden wir auf die Betrügereien des Teufels aufmerksam. Durch die Erkenntnis werden wir dazu erhoben, die Glaubensgeheimnisse zu ergründen. Durch die Weisheit werden wir vollkommen, indem wir unser ganzes Leben und unsere Taten auf die Ehre Gottes ausrichten. Denn der Weise kennt stets das letzte Ziel und richtet alles darauf aus.

Die Werke der Barmherzigkeit

L: Wieviele Werke der Barmherzigkeit gibt es, über die von uns am Tag des Gerichtes im einzelnen Rechenschaft verlangt wird?

S: Es gibt vierzehn, sieben leibliche und sieben geistliche Werke.

L:Sagt ihr die leiblichen auf?

S: 1. Die Hungrigen speisen.

2. Die Dürstenden tränken.

3. Die Nackten bekleiden.

4. Die Pilger beherbergen.

5. Die Kranken besuchen.

6. Die Gefangenen besuchen.

7. Die Toten begraben.

L:Sagt jetzt die geistlichen Werke auf!

S: 1. Den Zweifelnden raten.

2. Die Unwissenden lehren.

3. Die Sünder ermahnen.

4. Die Traurigen trösten.

5. Die Beleidigungen vergeben.

6. Die lästigen Leute geduldig ertragen.

7. Für die Lebenden und die Toten beten.

Die Sünden

L:Jetzt kommen wir zu den Sünden.

Welche Arten von Sünden gibt es?

S: Zwei, die Erbsünde und die Tatsünde.

Die Tatsünde unterteilt sich in Todsünde und lässliche Sünde.

L: Was ist die Erbsünde?

S: Sie ist das, womit wir alle geboren werden und was wir von unserem Stammvater Adam als Erbe haben.

L: Wie wird sie bei uns ausgelöscht?

S: Mit der heiligen Taufe. Wer deshalb ohne Taufe stirbt, kommt in den Limbus und ist in Ewigkeit der Herrlichkeit des Paradieses beraubt.

L: Was ist die Todsünde?

S: Sie ist das, was man gegen die Liebe zu Gott und zum Nächsten begeht. Sie heißt Todsünde, weil sie der Seele ihr geistliches Leben wegnimmt, das heißt die Gnade Gottes.

L: Wie wird sie uns vergeben?

S: Mit der heiligen Taufe, wenn jemand in einem Alter, in dem er schon Tatsünden begangen hat, getauft wird, oder mit dem Bußsakrament, wie es schon gesagt wurde. Wer aber in der Todsünde stirbt, kommt in die Qualen der Hölle.

L: Was ist die lässliche Sünde?

S: Sie ist das, was sich nicht gegen die Liebe richtet, die Seele nicht der Gnade beraubt und sie nicht in die Qualen der Hölle kommen lässt. Dennoch missfällt sie Gott, weil sie nicht seinem Willen entspricht und die Glut der Liebe verringert. Aus diesem Grund muss man sich von ihr in dieser Welt oder im Fegfeuer, also im anderen Leben, reinigen.

L: Wieviele Hauptsünden gibt es, die wie Quellen für alle Sünden sind?

S: Es gibt sieben, und ihr Gegenteil ist jeweils eine entsprechende Tugend.

1. Stolz, das Gegenteil der Demut.

2. Habgier gegen Großmut.

3. Unkeuschheit gegen Keuschheit.

4. Zorn gegen Geduld.

5. Völlerei gegen Enthaltsamkeit.

6. Neid gegen Bruderliebe.

7. Trägheit gegen Eifer.

L: Wieviele Sünden gegen den Heiligen Geist gibt es?

S: Sechs.

1. Verzweiflung am Heil.

2. Anmaßung, ohne Verdienste gerettet zu werden.

3. Bekämpfung der einmal erkannten Wahrheit.

4. Neid auf die Gnaden anderer.

5. Verstockung in den Sünden.

6. Unbußfertigkeit bis zuletzt.

L: Wieviele himmelschreiende Sünden gibt es, die vor dem Angesicht Gottes nach Rache schreien?

S: Vier.

1. Vorsätzliche Tötung.

2. Widernatürliche fleischliche Sünde.

3. Unterdrückung der Armen.

4. Den Arbeitern den Lohn vorzuenthalten.

Die vier letzten Dinge und der Rosenkranz

L: Wieviele letzten Dinge des Menschen gibt es, die die Schrift die jüngsten nennt und die uns von den Sünden abhalten, wenn man sie recht bedenkt?

S: Vier. 1. Der Tod. 2. Das Gericht. 3. Die Hölle. 4. Das Paradies.

L: Welche Übung habt ihr, die die Andacht erhält?

S: Ich bete den Rosenkranz zur Muttergottes und betrachte dabei die 15 Geheimnisse dieses Rosenkranzes, in denen das Leben unseres Herrn Jesus Christus enthalten ist.

L: Was sind die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes?

S: Zuerst die fünf freudenreichen:

1. Die Verkündigung durch den Engel.

2. Der Besuch bei Elisabeth.

3. Die Geburt des Herrn.

4. Die Darstellung im Tempel.

5. Das Gespräch des jungen Jesus mit den Gelehrten.

Fünf weitere sind die schmerzhaften Geheimnisse:

1. Das Gebet im Garten.

2. Die Geißelung an der Säule.

3. Die Dornenkrönung.

4. Das Tragen des Kreuzes.

5. Die Kreuzigung und der Tod des Heilands.

Die fünf letzten sind die glorreichen:

1. Die Auferstehung des Herrn.

2. Seine Himmelfahrt.

3. Das Kommen des Heiligen Geistes.

4. Die Aufnahme Mariens in den Himmel.

5. Ihre Krönung und Erhebung über alle Chöre der Engel.

Tugendakte

Man soll sie aus ganzem Herzen sprechen. Sie sind für das Heil notwendig.

Akt des Glaubens

Ich glaube fest, weil der unfehlbare Gott die Wahrheit so der heiligen Kirche und durch sie auch uns geoffenbart hat: Es gibt einen einzigen Gott in drei einander gleichen und voneinander verschiedenen Personen. Sie heißen Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Sohn wurde Mensch und hat dafür im Schoß der allerreinsten Jungfrau Maria Fleisch und eine menschliche Seele angenommen durch das Wirken des Heiligen Geistes. Er starb für uns am Kreuz, erstand vom Grab, fuhr zum Himmel auf, von wo er kommen wird am Ende der Welt, zu richten alle Lebenden und Toten, um den Guten für immer das Paradies, den Bösen aber die Hölle zu geben. Aus demselben Grund glaube ich außerdem alles, was dieselbe katholische, apostolische und römische Kirche glaubt.

Akt der Hoffnung

Mein Gott, weil Ihr vollkommen treu, allmächtig und unendlich gut und barmherzig seid, hoffe ich, dass Ihr mir kraft des Leidens und Todes Jesu Christi, unseres Heilandes, das ewige Leben geben werdet, das Ihr jedem verheißen habt, der die Werke eines guten Christen vollbringt. Das nehme auch ich mir vor, es mit Ihrem heiligen Beistand zu tun.

Akt der Liebe

Mein Gott, weil Ihr das höchste und vollkommenste Gut seid, liebe ich Euch von ganzem Herzen und über alles. Bevor ich Euch beleidige, bin ich bereit, alles zu verlieren. Aus Liebe zu Euch will ich meinen Nächsten lieben wie mich selbst.

Akt der Reue

Mein Gott, ich bereue meine Sünden. Sie tun mir von ganzem Herzen leid, nicht nur wegen der Hölle, die ich verdient habe, und wegen des Paradieses, das ich verloren habe, sondern ich bereue sie noch viel mehr, weil ich im Sündigen einen unendlich guten Gott verachtet habe. Lieber wäre ich zuvor gestorben, als Euch beleidigt zu haben. In Zukunft will ich lieber eher sterben, als Euch noch einmal zu beleidigen, und will auch jede nächste Gelegenheit zur Sünde meiden.

Unterricht

Für den, der gefirmt werden soll, und was er dafür wissen soll

1. Das Vater Unser, das "Gegrüßtet seist du, Maria" und das Glaubensbekenntnis.

2. Die zehn Gebote des Herrn und die fünf Gebote der heiligen Kirche.

3. Die Hauptsünden, die man meiden muss.

4. Die Sakramente der heiligen Kirche.

5· Wieviele Personen der allerheiligsten Dreifaltigkeit es gibt und wer sie sind.

6. Wer die Person ist, die für uns Fleisch angenommen und uns mit ihrem Tod erlöst hat.

Darüber hinaus muss man wissen, was die Firmung ist, die man empfangen soll, welche Wirkung sie in der Seele des Firmlings hervorruft und um welche Disposition man sich für ihren Empfang bemühen muss.

L:Auf welche Weise wird das Sakrament der Firmung gespendet?

S: Der Bischof legt die Hände auf den Kopf dessen, der gefirmt wird. Dann salbt er die Stirn mit dem heiligen Chrisam.

L:Ich möchte wissen, was das Chrisam ist.

S: Das Chrisam enthält eine Mischung aus Öl und Balsam und ist mit einer feierlichen Weihe des Bischofs bereitet worden.

L: Was bedeutet das Öl?

S: Es bedeutet den Glanz eines guten Gewissens.

L:Und was bedeutet das Balsam?

S: Es bedeutet den Wohlgeruch eines guten Lebens.

L: Würdest du mit bitte erklären, welche Wirkung dieses Sakrament für die Seele hat?

S: Es vermehrt die Gnade und stärkt den Menschen, damit er unbeugsam den Glauben an Christus bekennt. Denn es heißt ursprünglich auch Konfirmation, also Stärkung.

L:Ich möchte wissen, ob die Firmung auch eine andere Wirkung besitzt.

S: Sie prägt einen Charakter ein, das heißt ein unauslöschliches Zeichen in der Seele. Deshalb kann man sie jemandem auch nur einmal erteilen.

L: Warum werden bei diesem Sakrament wie bei der Taufe Paten benötigt?

S: Wie ein Soldat nicht ohne einen Hauptmann auf das Schlachtfeld geht, so benötigt der gefirmte Christ, der doch ein wahrer Soldat Jesu Christi ist, einen Führer im geistlichen Kampf, und dies ist der Pate.

L: Warum wird die Stirn in Form eines Kreuzes gesalbt?

S: Damit der Gefirmte sich nicht schämt, den Namen Christi zu bekennen, und damit er den Einflüsterungen des teuflischen Feindes widerstehen kann.

L: Warum gibt der Bischof dem Firmling einen Backenstreich?

S: Damit der Gefirmte sich daran erinnert, dieses Sakrament empfangen zu haben, das man kein zweites Mal empfangen kann. Genauer gesagt, damit er sich daran erinnert, ein tapferer Soldat Christi zu sein, dazu bereit, für den heiligen Glauben jede Art von Unrecht zu erdulden.

L:Ich möchte gerne wissen, was der Friedensgruß bedeutet, der am Ende ausgetauscht wird.

S: Der Friedensgruß bedeutet die Fülle der himmlischen Gnade.

L:Legt mir dar, welche Disposition in der Seele eines Firmlings gefordert ist!

S: Es ist erforderlich, sich im Gnadenstand zu befinden, denn dieses Sakrament verleiht Wachstum in der Gnade. Deshalb müsste ein Firmling vorher beichten, wenn er sich im Zustand der Todsünde befinden sollte.

L: Welche Disposition ist im Blick auf den Leib erforderlich?

S: Es ist überaus angemessen, dass der Firmling nüchtern ist, in einfacher Kleidung, mit gewaschenem Gesicht und mit Haaren, die die Stirn freilassen.

Unterricht über die Sakramente

Die Beichte

L: Wie reinigt man die Seele von der Todsünde?

S: Mit einer guten Beichte.

L: Worum muss man sich für eine gute Beichte bemühen?

S: Um fünf Dinge.

1. Man muss sein Gewissen gut erforschen.

2. Reue darüber haben, dass man Gott beleidigt hat.

3. Einen festen Vorsatz fassen, ihn von jetzt an nie mehr zu beleidigen und die Gelegenheit, ihn zu beleidigen, zu vermeiden.

4. All seine Sünden dem Beichtvater bekennen und erklären.

5. Gott mit der auferlegten Buße Genugtuung leisten und, wenn es nötig ist, auch dem Nächsten mit der Wiedergutmachung.

L: Was muss man tun, um sein Gewissen gut zu erforschen?

S: Zweierlei. Erstens Gott um Erleuchtung bitten, seine Sünden zu erkennen. Zweitens sich für eine genaue Nachforschung über die Sünden, die man in Gedanken, Worten, Werken und Unterlassungen begangen hat, etwas Zeit nehmen.

L:Muss man dem Beichtvater unbedingt genau die Zahl sagen, wie oft man gesündigt hat?

S: Bei den Todsünden ist es unbedingt nötig, genau die Zahl sagen, wie oft man gesündigt hat. Wenn man diese Zahl aber nicht mehr genau kennt, muss man die Zahl sagen, die man dafür am wahrscheinlichsten hält.

L:Aber ist es dann nicht besser, in der Beichte eine größere Zahl dafür, was man falsch gemacht hat, zu nennen?

S: Es ist überhaupt nicht besser. Denn dann würde man ja dem Beichtvater in einer schwerwiegenden Sache eine Lüge sagen.

L: Wie soll derjenige aber die Zahl der Sünden nennen, der sich noch nicht einmal in etwa erinnern kann, wie oft er gefallen ist?

S: In diesem Fall muss er sagen, für einen wie langen Zeitraum er gesündigt hat und wie oft er dabei normalerweise jede Woche oder jeden Monat gesündigt hat.

L: Welcher verschiedenen Art kann die Reue sein, die man bei der Beichte haben muss?

S: Zweierlei Art, nämlich die unvollkommene und die vollkommene Reue.

L: Was ist die unvollkommene Reue?

S: Die unvollkommene Reue ist die Reue, mit der man die Sünde insgesamt verabscheut. Das geschieht entweder aus Furcht vor der Hölle oder für den Verlust des Paradieses oder für die Hässlichkeit der Sünde selbst. Sie nennt sich Furchtreue.

L: Wie macht man einen Akt der Furchtreue?

S: Mein Gott, ich habe mit meinen Sünden die Hölle verdient und das Paradies verloren. Deshalb bereue ich, und es schmerzt mich von ganzem Herzen, dich beleidigt zu haben. Mit deiner allerheiligsten Gnade nehme ich mir fest vor, dich nie mehr zu beleidigen.

L: Was ist die vollkommene Reue?

S: Die vollkommene Reue ist die Reue, mit der man die Sünde mehr als alles Übel aus Liebe zu Gott, dem höchsten Gut, verabscheut. Sie nennt sich Liebesreue.

L: Wie können wir eine solche Reue erwerben?

S: Zunächst dadurch, dass wir sie vom Herrn erbitten, denn sie ist seine Gabe. Dann dadurch, dass wir aufmerksam daran denken, dass die Todsünde eine höchste Beleidigung für Gott darstellt. Dabei verdient er es doch für seine unendliche Vollkommenheit, über alles geliebt zu werden und dass alle Geschöpfe ihm mit all ihren Kräften dienen.

L: Wie macht man also einen Akt der Liebesreue?

S: Man spricht mit aufrichtigem Herzen zum Herrn: Mein Gott, du bist die unendliche Güte und würdig, über alles geliebt zu werden. Darum liebe ich dich aus ganzem Herzen und über alles. Deshalb bereue ich und es schmerzt mich von ganzem Herzen, dich beleidigt zu haben. Mit deiner allerheiligsten Gnade nehme ich mir fest vor, dich nie mehr zu beleidigen.

L: Welchen größeren Wert hat diese vollkommene Reue im Vergleich zur unvollkommenen Reue?

S: Wer einen Akt der vollkommenen Reue macht, dem ist die Sünde sofort vergeben, auch wenn er noch verpflichtet ist, sie zu gegebener Zeit zu beichten. Wer dagegen einen Akt der unvollkommenen Reue macht, dem ist sie noch nicht vergeben, bis er die Lossprechung vom Priester erhält.

L: Wenn sich jemand ohne Beichte in Todesgefahr befindet, wie kann er sich dann von der Sünde befreien?

S: Er könnte sich mit einem Akt vollkommener Reue befreien. Man muss sich jedoch daran gewöhnen, ihn häufig zu sprechen, um ihn im Notfall auch sofort zu können.

L: Wenn jemand ohne Reue und ohne Vorsatz beichten würde, erhielte er dann die Vergebung seiner Sünden?

S: Er würde sie nicht erhalten, und wenn er in diesem Zustand ohne Reue sterben würde, würde er wie gesagt für immer verloren gehen.

L: Wenn jemand in einer Beichte eine Todsünde ausgelassen hätte, wäre die Beichte dann gültig?

S: Wenn er sie auslässt, weil er sich nicht daran erinnert hat, ist die Beichte gültig. Wenn er sich aber wieder daran erinnert, muss er sie auch beichten. Wenn er sie aber aus Schlechtigkeit oder aus Scham oder wegen einer ungenügenden Gewissenserforschung auslässt, ist die Beichte ungültig, und er beginge ein Sakrileg. Die Sünden wären ihm nicht vergeben.

L: Was muss jemand demnach tun, der in dieser Art und Weise schlecht gebeichtet hat?

S: Drei Dinge muss er tun.

Erstens muss er die Sünde bekennen, die er nicht gebeichtet hat, und dabei ausdrücklich sagen, dass er sie absichtlich ausgelassen hat, nämlich aus Schlechtigkeit, aus Scham oder wegen einer ungenügenden Gewissenserforschung.

Zweitens muss er noch einmal alle Sünden, die er bei dieser Beichte bekannt hat, von neuem sagen.

Drittens muss er sagen, wie oft er gebeichtet oder die Kommunion empfangen hat, seitdem er diese Sünde bei der Beichte ausgelassen hat.

L:Erläutere uns jetzt, wie man das Bekenntnis unserer Sünden vor dem Beichtvater machen soll!

S: Es soll folgendermaßen vor sich gehen.

Erstens vollständig mit allen Sünden: Dabei sagt man die Zahl, die Art und die Umstände, die die Art verändern.

Zweitens demütig, ohne sich zu entschuldigen, sondern indem man sich anklagt und bereitwillig den Tadel des Beichtvaters entgegennimmt.

Drittens aufrichtig, indem man auf die Fragen des Beichtvaters die Wahrheit sagt.

Außerdem rasch, indem man nichts Überflüssiges sagt, die Sünden anderer aufzählt oder diejenigen nennt, die bei der Sünde mitgewirkt haben.

L: Wann soll man die Buße, die der Beichtvater einem auferlegt hat, verrichten?

S: Sobald wie möglich. Man soll sie auch fromm, demütig und in der Weise, wie sie der Beichtvater auferlegt hat, verrichten.

L:Kann der Priester jemals die Sünden, die er in der Beichte vernommen hat, einem anderen preisgeben?

S: Er kann sie in keinem Fall preisgeben, noch nicht einmal, wenn er sonst sein Leben verlieren müsste oder die ganze Welt zugrunde ginge. Ebenso wäre jemand in der Nähe, der eine Sünde von jemandem in der Beichte mithören würde, dazu mit ähnlicher Strenge verpflichtet, sie für immer geheim zu halten.

L: Wann soll man beichten?

S: Das Gebot verpflichtet dazu einmal im Jahr. Ein guter Rat leitet dazu an, zur Beichte zu gehen, bevor man wieder in die Sünde fällt oder zumindest sofort danach. Es ist ja schrecklich, auch nur einen Augenblick in der Todsünde zu leben, wenn der Sünder doch jederzeit sterben könnte und dann verloren ginge.

L: Welches große Gut verschafft eine so verrichtete Beichte der Seele?

S: Sie verschafft sieben Güter.

1. Sie tilgt die Todsünde.

2. Sie versetzt uns wieder in die Freundschaft Gottes.

3. Sie verwandelt die ewige Strafe der Hölle in eine zeitliche Strafe in dieser Welt oder im Fegfeuer.

4. Sie macht den Verdienst der guten Werke wieder lebendig, die man vor der Sünde getan hat oder die die Sünde hat sterben lassen.

5. Sie verschafft das Recht auf das Erbe des Paradieses.

6. Sie gibt die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen und ihnen nicht von neuem zu erliegen.

7. Für gewöhnlich bringt sie auch einen großen Frieden mit sich, ein ruhiges Gewissen in unserem Herzen.

Die Eucharistie

L: Was sind die Sakramente, die ein Christ häufiger empfangen muss?

S: Die allerheiligste Eucharistie und die Beichte.

L: Was ist das Sakrament der Eucharistie?

S: Es ist ein Sakrament, das den Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit Jesu Christi unter der Gestalt von Brot in der Hostie und von Wein im Kelch in sich birgt.

L: Was ist demnach die Hostie, bevor sie gewandelt ist?

S: Ein wenig Brot.

L:Ist sie nach der Wandlung immer noch Brot?

S: Nein, sie ist nicht mehr Brot, sondern der wahre Leib Jesu Christi. Weil aber der Leib lebendig ist und mit der Person des Sohnes Gottes vereint ist, ist darin mit dem Leib auch das Blut und mit dem Blut auch die Seele und die Gottheit zugegen.

L:Und was ist der Wein im Kelch vor der Wandlung?

S: Er ist einfach Wein mit ein wenig Wasser.

L:Und was ist er nach der Wandlung?

S: Er ist das wahre Blut Jesu Christi. Weil aber nun das Blut mit dem Leib Christi vereint ist, ist darin mit dem Blut auch der Leib, und mit dem Leib ist die Seele und die Gottheit des Heilands zugegen.

L:Ist denn nicht gleichzeitig noch die Substanz des Brotes in der Hostie und die des Weins.im Kelch?

S: Ganz und gar nicht mehr, denn durch die Wandlung hat sie sich ganz in die Substanz des Leibes und Blutes des Herrn verändert. Es bleiben nur die Gestalten von Brot und Wein.

L: Was versteht man unter den Gestalten des Brotes und des Weines, die in der Hostie und im Kelch bleiben?

S: Das, was als solches den Sinnen erscheint: Farbe, Geschmack, Geruch und andere ähnliche Eigenschaften.

L:Empfängt der, der eine halbe gewandelte Hostie empfängt, den ganzen Herrn?

S: Er empfängt ihn ganz, denn Jesus Christus befindet sich in der ganzen Hostie ganz so wie in jedem Teil dieser Hostie.

L: Wenn der Priester die Hostie bricht, bricht er dann auch den Leib Jesu Christi?

S: Nein, denn er bricht nur die Gestalten und die äußere Erscheinungsweise des Brotes.

L: Wenn er diesen Leib nicht bricht, in welchem Teil bleibt dann der Herr?

S: Er bleibt ganz in jedem der Teile.

L: Wie bleibt er darin, lebendig oder tot?

S: Er bleibt darin lebendig und so schön, groß und herrlich, wie er im Paradies ist.

L: Wenn der Herr in die Hostie kommt, verlässt er dann das Paradies?

S: Er verlässt es nicht, sondern zur gleichen Zeit, da er im Himmel zur Rechten des Vaters sitzt, befindet er sich im allerheiligsten Sakrament.

L: Welche Haltung an Leib und Seele muss jemand aufbringen, um würdig zu kommunizieren?

S: Der Leib muss von Mitternacht an nüchtern sein, es sei denn, er empfängt die Kommunion als Wegzehrung. Die Seele muss von jeder Todsünde gereinigt sein.

L: Wenn sich jemand nach der Beichte vor der Kommunion an eine Todsünde erinnert, was soll er tun?

S: Wenn er sich daran erst an der Kommunionbank erinnert, soll er den Herrn um Verzeihung bitten und die Kommunion empfangen. Später soll er dann zu gegebener Zeit beichten. Wenn er sich dagegen daran erinnert, bevor er dazu hingetreten ist, soll er zum Beichtvater zurückkehren.

L:Muss jemand in der Nacht vor der Kommunion wenigstens eine gewisse Zeit lang geschlafen haben?

S: Nein, mein Herr, wenn er nur überhaupt geschlafen hat und dann aufgestanden ist, kann er kommunizieren.

L: Wie lange muss er die heilige Hostie im Mund behalten, nachdem er sie empfangen hat?

S: Er soll sie sofort hinunterschlucken.

L: Wenn ihm die Hostie aber am Gaumen kleben bleibt, was kann er da machen?

S: Er soll sie mit der Zunge loslösen, nicht mit einem Finger. Wenn das nicht hilft, soll er etwas Wasser oder Wein trinken und sie zusammen mit der Hostie hinunterschlucken.

L: Was sollte jemand vor der Kommunion tun, um von ihr Frucht zu haben?

S: Er sollte seine Seele schmücken, indem er die Größe des Herrn betrachtet, die er empfängt und sich aneignet.

L:Und was sollte er nach der Kommunion tun?

S: Wenigstens eine Viertelstunde lang sollte er die Seele damit beschäftigen, den Herrn anzubeten, ihm zu danken, von ihm Vergebung zu erbitten und von ihm Gnaden erflehen, nicht so wie viele Leute, die gleich nach der Kommunion aus der Kirche gehen und zu reden anfangen.

L: Wie lange sollte man nach der Kommunion nicht auf die Erde spucken?

S: Etwa eine Viertelstunde. Wenn es aber ganz dringend erscheint, soll man zum Ausdruck von Ehrfurcht dazu ein Taschentuch verwenden.

L:Besteht eine gute Frömmigkeit darin, häufig zu kommunizieren?

S: Würdig zu kommunizieren ist die beste aller Frömmigkeitsformen und ist für die Seele die nützlichste von allen. Denn in der Kommunion empfängt man nicht nur die Gnade, sondern den Urheber der Gnade und die Quelle jedes unserer Güter, nämlich Jesus Christus. Deshalb sollte jeder gute Christ wenigstens einmal im Monat kommunizieren.

L: Wer die Kommunion im Zustand der Todsünde empfangen würde, würde er den Herrn empfangen?

S: Ja, aber er würde ein übergroßes Sakrileg begehen, weil er die Kommunion dann wie Judas empfangen würde.

(In der der Übersetzung zugrundeliegenden Fassung folgt noch eine Sammlung von Gebeten und Liedern sowie eine Anleitung zum Ministrieren)

Meine Werkzeuge