Theologe

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Ein Theologe (griechisch θεόλογος theólogos, von θεός theós ‚Gott‘ und λογία logía 'Wissenschaft') ist jemand, der eine theologische Ausbildung hat und sich als Lehrer, Forscher oder Schriftsteller der Durchdringung und Vermittlung der Theologie als "gläubiger und zugleich vernünftiger bzw. wissenschaftlicher 'Rede von Gott'"[1] widmet.

Inhaltsverzeichnis

Beruf und Stellung des Theologen

Mit dem Studium der Theologie ist unmittelbar keine Weihe und kein kirchliches Amt verbunden. Ein Theologe gehört als solcher nicht zu Hierarchie der Kirche.[2] Jedoch ist für die Erteilung der Priesterweihe ein vorangegangenes Theologiestudium erforderlich, das die Hochschulreife, also Abitur oder Matura, zur Voraussetzung hat.[3] Theologen im nicht priesterlichen Dienst können als Pastoral- oder Gemeindereferenten, in der theologischen Forschung und Lehre, in den Planungs- und Verwaltungsabteilungen der Diözesen, im kirchlichen Bildungswesen, aber z.B. auch in der Publizistik oder im Bibliothekswesen tätig sein.

Das Theologiestudium kann erfolgen an einer Philosophisch-Theologischen Hochschule, einer Katholischen Hochschule oder einer Katholisch-Theologischen Fakultät an einer Universität. Studienabschlüsse sind Bachelor, Magister oder Diplom, für eine wissenschaftliche Laufbahn Promotion, Lizenziat und Habilitation.

"In der Ausbildung der Theologiestudenten, insbesondere der Priesteramtskandidaten kommt wegen der engen Verbindung von Glaube, theologischer Erkenntnis und christlicher Lebenspraxis der Lehrtätigkeit und der Persönlichkeit der Theologiedozenten eine überragende Bedeutung zu." Die wissenschaftlich-theologische Ausbildung von Priesteramtskandidaten soll in der Regel in den theologischen Fächern durch theologische Lehrer erfolgen, die selbst Priester sind. Jedoch ist seit den 1970er-Jahren auch eine Habilitation und Berufung von Nichtpriestern an den Katholischen Theologischen Fakultäten und Philosophisch-Theologischen Hochschulen möglich und seitdem vielfach erfolgt. Wenn solche Dozenten in der Priesterausbildung tätig werden, ist das Nihil obstat des zuständigen Diözesanbischofs an besondere Voraussetzungen geknüpft wie die Übereinstimmung der Lehre des zu Habilitierenden mit der ganzen Glaubens- und Sittenlehre der Katholischen Kirche, ein Leben aus dem Glauben, das die Erfüllung der Pflichten eines Katholiken einschließt, sowie mehrjährige hauptamtliche praktische Tätigkeit in pastoralen Diensten, vor allem außerhalb der Hochschule.[4]

Theologische Forschung und Lehre

Päpstliche Stellungnahmen von 1950 bis 1990

Die Instruktion Donum veritatis der Kongregation für die Glaubenslehre bestimmte die Aufgabe eines Lehrers der Theologie, etwa als Professor, darin, eine Lehrtätigkeit im Auftrag der Kirche (mit missio canonica) auszuüben und wissenschaftliche Forschungen über den Glauben zu betreiben. Der Theologe bemüht "sich um das Verständnis des Glaubens in Antwort auf die Stimme der sie ansprechenden Wahrheit" und "hilft dem Volk Gottes, gemäß dem Auftrag des Apostels (vgl. 1 Petr 3,15 EU) dem, der nach seiner Hoffnung fragt, Rede und Antwort zu stehen".[5] Theologen forschen nach dem „Grund des Glaubens“, sie "leisten ihren Beitrag dazu, dass der Glaube mitteilbar wird und der Verstand jener Menschen, die Christus noch nicht kennen, den Glauben suchen und finden kann" (vgl. Donum veritatis, Nr. 7).

Den Theologen kommt es kraft ihres eigenen Charismas zu, auch ihrerseits an der Erbauung des Leibes Christi in Einheit und Wahrheit mitzuwirken, und ihr Beitrag ist für eine Evangelisierung der Welt, die die Kräfte des ganzen Gottesvolkes erfordert, zu leisten.[6] Da der Theologe nie vergessen wird, dass auch er ein Glied des Volkes Gottes ist, muss er dies achten und sich bemühen, ihm eine Lehre vorzutragen, die in keiner Weise der Glaubenslehre Schaden zufügt (Donum veritatis, Nr. 11).

Die der theologischen Forschung eigene Freiheit gilt innerhalb des Glaubens der Kirche. Daher kann die Kühnheit, die sich dem Bewusstsein des Theologen oft nahelegt, keine Früchte bringen und „erbauen“, wenn sie nicht von der Geduld des Reifenlassens begleitet ist. Die neuen Vorschläge zum Verständnis des Glaubens „sind nur ein Angebot für die ganze Kirche. Vieles muss im brüderlichen Gespräch korrigiert und erweitert werden, bis die ganze Kirche es annehmen kann. Theologie ist zutiefst ein sehr selbstloser Dienst an der Gemeinschaft der Gläubigen. Darum gehören die sachliche Disputation, das brüderliche Gespräch, Offenheit und Bereitschaft zur Veränderung der eigenen Meinungen wesentlich zu ihr“ (Donum veritatis, Nr. 11).[7]

Die der Theologie eigene Aufgabe erfordert (Donum veritatis, Nr. 10) es, "den Sinn der Offenbarung zu verstehen, die Verwendung philosophischer Errungenschaften, die 'ein gründliches und zusammenhängendes Wissen über Mensch, Welt und Gott' (Optatam totius 15: [8]) liefern", zu verwenden. "Notwendig für die Studien des Theologen sind ebenfalls die historischen Wissenschaften, an erster Stelle wegen des historischen Charakters der Offenbarung, die uns innerhalb einer «Heilsgeschichte« übermittelt worden ist. Endlich soll der Theologe auch auf die Humanwissenschaften zurückgreifen, um die geoffenbarte Wahrheit über den Menschen und die moralischen Normen seines Tuns durch Einbringen der gültigen Ergebnisse dieser Wissenschaften besser zu erfassen. In dieser Hinsicht gehört es zur Aufgabe des Theologen, in seiner eigenen Kultur Elemente zu finden, mit denen er den einen oder anderen Aspekt der Geheimnisse des Glaubens erhellen kann. Eine solche Aufgabe ist gewiß schwer und nicht ohne Gefahren, doch bleibt sie in sich selber berechtigt und soll ermuntert werden. Hier ist zu betonen: Wenn die Theologie begriffliche Elemente und Methoden, die von der Philosophie oder anderen Wissenschaften herstammen, verwendet, muss sie zu unterscheiden wissen, wobei sie das letzte normgebende Prinzip in der geoffenbarten Lehre findet. Diese muss ihr die Kriterien für die Beurteilung dieser begrifflichen Elemente und Methoden an die Hand geben und nicht umgekehrt." [9]

Theologielehrer haben, so die Enzyklika Humani generis 1950, immer wieder auf die "Quellen der göttlichen Offenbarung zurückzugehen: ist es doch ihre Aufgabe zu zeigen, inwiefern das, was das lebendige Lehramt verkündet, in der Heiligen Schrift und in der göttlichen Überlieferung, sei es ausdrücklich, sei es einschließlich, enthalten ist. Es kommt hinzu, dass beide Quellen der von Gott geoffenbarten Lehre so reiche und so bedeutsame Schätze der Wahrheit bergen, dass sie in der Tat nie ganz ausgeschöpft werden können. Daher erfahren die theologischen Wissenschaften durch das Studium der heiligen Quellen immer wieder eine Verjüngung, wogegen eine Spekulation, die das beständige Zurückgreifen auf die Glaubenshinterlage vernachlässigt, erfahrungsgemäß unfruchtbar wird." Dabei wird aus Klarem Unklares erklärt.[10]

Zweites Vatikanisches Konzil

Pastorale Konstitution Gaudium et spes über die Kirche in der Welt von heute

"Es ist jedoch Aufgabe des ganzen Gottesvolkes, vor allem auch der Seelsorger und Theologen, unter dem Beistand des Heiligen Geistes auf die verschiedenen Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfaßt, besser verstanden und passender verkündet werden kann." (Gaudium et spes, Nr. 44)

"Die neuen Forschungen und Ergebnisse der Naturwissenschaften, aber auch der Geschichtswissenschaft und Philosophie stellen neue Fragen, die sogar für das Leben Konsequenzen haben und auch von den Theologen neue Untersuchungen verlangen. Außerdem sehen sich die Theologen veranlasst, immer unter Wahrung der der Theologie eigenen Methoden und Erfordernisse nach einer geeigneteren Weise zu suchen, die Lehre des Glaubens den Menschen ihrer Zeit zu vermitteln. Denn die Glaubenshinterlage selbst, das heißt die Glaubenswahrheiten, darf nicht verwechselt werden mit ihrer Aussageweise, auch wenn diese immer den selben Sinn und Inhalt meint."
[...] "Die Vertreter der theologischen Disziplinen an den Seminarien und Universitäten sollen mit hervorragenden Vertretern anderer Wissenschaften in gemeinsamer Bemühung und Planung zusammenzuarbeiten suchen. Die theologische Forschung soll sich zugleich um eine tiefe Erkenntnis der geoffenbarten Wahrheit bemühen und die Verbindung mit der eigenen Zeit nicht vernachlässigen, um den in so verschiedenen Wissenszweigen gebildeten Menschen zu einem umfassenderen Glaubensverständnis verhelfen zu können. Dieses gemeinsame Bemühen wird auch für die Ausbildung der Seelsorger von größtem Nutzen sein, damit diese imstande sind, die Lehre der Kirche über Gott, den Menschen und die Welt den Menschen unserer Zeit in geeigneter Weise darzulegen, und so das Wort der Kirche von diesen auch bereitwilliger angenommen wird.
Es ist sogar wünschenswert, dass einer großen Zahl von Laien eine hinreichende Bildung in der Theologie vermittelt werde und recht viele von ihnen die Theologie auch zum Hauptstudium machen und selber weiter fördern. Zur Ausführung dieser Aufgabe muss aber den Gläubigen, Klerikern wie Laien, die entsprechende Freiheit des Forschens, des Denkens sowie demütiger und entschiedener Meinungsäußerung zuerkannt werden in allen Bereichen ihrer Zuständigkeit." (Gaudium et spes, Nr. 62)

Dekret Unitatis redintegratio über den Ökumenismus

"Beim ökumenischen Dialog [müssen] die katholischen Theologen, wenn sie in Treue zur Lehre der Kirche in gemeinsamer Forschungsarbeit mit den getrennten Brüdern die göttlichen Geheimnisse zu ergründen suchen, mit Wahrheitsliebe, mit Liebe und Demut vorgehen. Beim Vergleich der Lehren miteinander soll man nicht vergessen, dass es eine Rangordnung oder 'Hierarchie' der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens. So wird der Weg bereitet werden, auf dem alle in diesem brüderlichen Wettbewerb zur tieferen Erkenntnis und deutlicheren Darstellung der unerforschlichen Reichtümer Christi angeregt werden (Eph 3,8 EU)." (Unitatis redintegratio, Nr. 11).

Das Glaubensleben des Theologen

Betende Hände-Dürer.jpg

"Da das Objekt der Theologie die Wahrheit ist, nämlich der lebendige Gott und sein in Jesus Christus geoffenbarter Heilsplan, muss der Theologe sein Glaubensleben vertiefen sowie wissenschaftliches Forschen und Gebet immer vereinen. Er wird auf diese Weise für den „übernatürlichen Glaubenssinn“ aufgeschlossener, von dem er abhängt und der ihm als sichere Regel gelten wird, die seine Reflexion leitet und die Richtigkeit seiner Ergebnisse messen lässt" (Donum veritatis, Nr. 8).

Die Theologie soll eng mit der Spiritualität verbunden sein, um Tiefgang und Wirksamkeit zu besitzen. Sie vermindert nicht den wissenschaftlichen Gehalt, sondern vermittelt den theologischen Studien die Methode, durch die sie zu einer konsequenten Interpretation gelangen kann. "Die Theologie war, solange sie eine Theologie der Heiligen war, eine betende, eine kniende Theologie. Darum ist ihr Gebetsertrag, ihre Fruchtbarkeit für das Gebet, so unabsehbar gewesen."[11]

Lehramt und Lehrer der Theologie

Die Glaubenshinterlage hat der göttliche Erlöser nicht den einzelnen Gläubigen und selbst nicht den Theologen, sondern ausschließlich dem kirchlichen Lehramt zur authentischen Erklärung anvertraut.[12] Das Lehramt der Nachfolger der Apostel besitzt authentische Lehrautorität und erfreut sich des Beistandes des Heiligen Geistes. Die Theologiedozenten hingegen besitzen keine authentische Lehrautorität, sind jedoch Diener des kirchlichen Lehramtes und gelten insofern als Zeugen der Lehre desselben.[13]

Wenn das Lehramt der Kirche unfehlbar und feierlich ausspricht, eine Lehre sei in der Offenbarung enthalten, ist die Zustimmung mit theologalem Glauben gefordert. Diese Zustimmung erstreckt sich auch auf die Unterweisung des ordentlichen und universalen Lehramtes, wenn es eine Glaubenslehre als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt (Donum veritatis, Nr. 23; Humani generis, Nr. 19-21). Der Wille, einem Spruch des Lehramts bei an sich reformablen Dingen loyal zuzustimmen, muss auch bei Theologen die Regel sein, denn dazu ist jeder Gläubige aufgrund seines Glaubensgehorsams verpflichtet.[14] Das Lehramt besitzt das charisma veritatis certum, "das sichere Charisma der Wahrheit" (vgl. DV Nr. 8); daher ist der katholische Theologe ihm gegenüber zum Gehorsam verpflichtet. Der Theologe hat den "Glauben der Kirche" zu lehrten und nicht die Meinungen irgendwelcher theologischer Schulen.[15] Sofern Lehrer der katholischen Theologie vom Lehramt abweichende Auffassungen vertreten, sind sie nicht geeignet und zu lehren befähigt.[16]

Die Bischöfe mögen die schöpferische Arbeit der Theologen anregen.[17]

Gegenseitige Zusammenarbeit - Einheit

Will der Theologe, der auch seinerseits der Wahrheit dient, seiner Aufgabe treu bleiben, muss er die dem Lehramt eigene Sendung beachten und mit ihm zusammenarbeiten (Donum veritatis, Nr. 20). Lehramt und Theologen müssen "sich gegenseitig durchdringen und für den Dienst am Volk Gottes einander bereichern (Donum veritatis, Nr. 40). Die Mitglieder des Lehramtes der Kirche (Papst und Bischöfe) sowie alle ihre Berater und Helfer, sollen mit den Theologen ein enges Verhältnis haben, sodass die gelehrten Sätze nicht im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehen.[18] Das päpstliche Lehramt lässt den Theologen in gewissen Fragen im allgemeinen die Freiheit, die von bedeutenden Gottesgelehrten so oder anders verstanden werden. Die Geschichte lehrt jedoch auch, dass wenn die Päpste in Ihren amtlichen Kundgebungen zu einer bisher strittigen Frage mit Absicht Stellung nehmen, so ist allen klar, dass diese Sache nach Meinung und Wille eben dieser Päpste nicht mehr als Gegenstand freier Meinungsäußerung unter den Theologen betrachtet werden kann.[19]

Für den Dialog zwischen Lehramt und Theologen aber müssen zwei Regeln gelten: Dort, wo die Gemeinschaft im Glauben auf dem Spiele steht, gilt der Grundsatz der „unitas veritatis“ (Einheit der Wahrheit); wo Gegensätze bleiben, die diese Gemeinschaft nicht in Frage stellen, wird man die „unitas caritatis“ (Einheit der Liebe) wahren müssen (Donum veritatis, Nr. 26, 40).[20] Eine Uneinigkeit könnte nicht gerechtfertigt sein, wenn sie sich allein auf die Tatsache gründete, die Gültigkeit der Lehre sei nicht offenkundig oder auf die Meinung, die gegenteilige Position sei wahrscheinlicher. Ebensowenig ist das Urteil des eigenen subjektiven Gewissens des Theologen ausreichend, weil dieses keine autonome und exklusive Instanz ist, um über die Wahrheit einer Lehre zu urteilen (Donum veritatis, Nr. 28).

Auch wenn die Glaubenslehre nicht gefährdet ist, wird der Theologe seine abweichenden Meinungen oder Hypothesen nicht so vortragen, als ob es um undiskutable Schlussfolgerungen ginge. Diese Rücksicht wird von dem Respekt vor der Wahrheit ebenso gefordert wie von der Hochachtung vor dem Volk Gottes (vgl. Röm 14,1-15 EU; 1 Kor 8 EU; 1 Kor 10,23-33 EU). Aus den gleichen Gründen wird er ihre vorzeitige Veröffentlichung vermeiden (Donum veritatis, Nr. 27).

Öffentliche Oppositionshaltungen von Theologen und ein „paralleles Lehramt“

Der Dissens zwischen Lehramt und Theologen kann verschiedene Formen annehmen. In seiner radikalsten Ausprägung möchte er die Kirche umwandeln und dabei einem Modell des Protestes folgen, wie es in der politischen Gesellschaft verwendet wird. Häufiger wird die Meinung vertreten, der Theologe sei nur dem unfehlbaren Lehramt zu folgen gehalten, während nach Art eines gewissen theologischen Positivismus die ohne Inanspruchnahme des Charismas der Unfehlbarkeit vorgelegten Lehren keinerlei verpflichtenden Charakter hätten, wobei dem einzelnen volle Freiheit gelassen würde, ihnen anzuhängen oder nicht. So sei der Theologe völlig frei, nicht unfehlbare Lehren des Magisteriums, zumal bei Einzelnormen der Moral in Zweifel zu ziehen oder abzulehnen, und durch eine derartige kritische Opposition könne er sogar zum Fortschritt der Lehre beitragen (Donum veritatis, Nr. 33).

Zur Rechtfertigung des Dissenses greift man gewöhnlich auf verschiedene Argumente zurück, von denen zwei grundlegendere Bedeutung haben. Das erste ist hermeneutischer Art: Die Dokumente des Lehramtes, so sagt man, seien nichts anderes als der Reflex einer Theologie, über die man diskutieren könne. Das zweite beruft sich auf den theologischen Pluralismus, der zuweilen bis zum Relativismus, der die Integrität des Glaubens bedroht, vorangetrieben wird: Die Äußerungen des Lehramtes entstammten einer Theologie unter mehreren anderen, und keine einzelne Theologie kann den Anspruch universaler Gültigkeit erheben. Im Gegensatz zum authentischen Lehramt und in Konkurrenz zu ihm entsteht damit eine Art „paralleles Lehramt“ der Theologen. Das „parallele Lehramt“ kann großen geistlichen Schaden stiften, wenn es sich dem Lehramt der Hirten widersetzt. Gelingt es dem Dissens nämlich, seinen Einfluss bis in die öffentliche Meinung hinein auszudehnen, um zur Regel für das Handeln zu werden, kann das dem Volk Gottes nur schweren Schaden zufügen und zur Missachtung der wirklichen Autorität führen (Donum veritatis, Nr. 34).

Der Dissens zieht ferner zuweilen eine soziologische Argumentation heran, nach der die Meinung einer großen Zahl von Christen direkter und angemessener Ausdruck des „übernatürlichen Glaubenssinns“ wäre. Tatsächlich können die Meinungen der Gläubigen nicht schlicht und einfach mit dem „Sensus fidei“ gleichgesetzt werden. Dieser ist nämlich eine Eigenart des theologalen Glaubens, der als Gabe Gottes, die das persönliche Ja zur Wahrheit schenkt, nicht irren kann. Dieser persönliche Glaube ist zugleich Glaube der Kirche, denn Gott hat der Kirche die Hut des Wortes anvertraut, und was deswegen der Gläubige glaubt, ist das, was die Kirche glaubt. Daher schließt der „sensus fidei“ seiner Natur nach die tiefe Übereinstimmung von Geist und Herz mit der Kirche, das „sentire cum Ecclesia“, ein. ... Auch wenn es den Anschein haben kann, dass sie die Freiheit der Theologen beeinträchtigten, so richten sie durch die Treue zum überlieferten Glauben eine tiefer reichende Freiheit auf, die nur von der Einheit in der Wahrheit herkommen kann (Donum veritatis, Nr. 35).

Außerdem darf man in der Kirche "nicht schlicht und einfach Verhältnismaßstäbe anwenden, die ihren Seinsgrund in der Natur der bürgerlichen Gesellschaft oder in den Regeln haben, nach denen eine Demokratie funktioniert. Noch weniger darf man die Beziehungen im Inneren der Kirche nach der Mentalität der Welt, die sie umgibt, beurteilen (vgl. Röm 12,2 EU). Von der mehrheitlichen Meinung das, was man zu denken und zu tun hat, ableiten wollen, gegen das Lehramt den Druck der öffentlichen Meinung einsetzen, den „Konsens“ der Theologen zum Hauptmaßstab machen[21] oder den Anspruch erheben, der Theologe sei der prophetische Wortführer einer „Basis“ oder autonomen Gemeinschaft, die damit die einzige Quelle der Wahrheit wäre, all das zeigt einen schwerwiegenden Verlust des Sinns für die Wahrheit und des Sinns für die Kirche" (Donum veritatis, Nr. 39).

Zitat des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre

"Ich bewundere da immer wieder die Gewandtheit von Theologen, denen es gelingt, genau das Gegenteil von dem zu vertreten, was in klaren Dokumenten des Lehramtes geschrieben steht, um dann doch diese Umkehrung mit geschickten dialektischen Kunstgriffen als die 'wahre' Bedeutung des betreffenden Dokuments hinzustellen." (Joseph Kardinal Ratzinger: Zur Lage des Glaubens 1985)

Päpstliche Schreiben

Pius XI.

Pius XII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

Theologische Disziplinen

Im Studium müssen neben der Philosophie alle theologischen Disziplinen behandelt werden. In der theologischen Forschung und Lehre spzeialisieren sich dann die Dozenten und Forscher wie folgt:[22]

"Kleinere" Fächer vertreten Missionswissenschaftler (siehe Kategorie:Missionswissenschaftler und Missionswissenschaft/Mission), Caritaswissenschaftler, Vertreterinnen der Theologischen Frauenforschung, Kirchenmusiker (siehe Kategorie:Kirchenmusiker und Kirchenmusik) und andere.

Siehe auch: Professio fidei, Internationale Theologenkommission, Theologie, Priesterausbildung.

Theologische Zeitschriften

Theologisches, Theologie und Glaube, Paderborner Theologische Studien, Theologisches, Forum Katholische Theologie, Communio, Theologische Quartalschrift, Münchener Theologische Zeitschrift, Concilium, Zeitschrift für katholische Theologie, ferner Fachzeitschriften für einzelne theologische Disziplinen.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 9, Sp. 1435
  2. vgl. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 250, Theologe (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  3. CIC/1983 Deutsch c. 234 § 2; c. 252
  4. Habilitation oder die Berufung von Nichtpriestern, 20. April 1972, unter Verweis auf die Ratio fundamentalis institutionis Sacerdotalis vom 6. Januar 1970
  5. Kongregation für die Glaubenslehre Instruktion Donum veritatis über die kirchliche Berufung des Theologen vom 24. Mai 1990, Nr. 6).
  6. Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre Instruktion Donum veritatis über die kirchliche Berufung des Theologen vom 24. Mai 1990, Nr. 40; Johannes Paul II., Apost. Schreiben Christifideles laici, Nr. 32-35.
  7. Johannes Paul II., Ansprache an die Theologen in Altötting, 18. November 1980: AAS 73 (1981) 104; vgl. ferner Paul VI., Ansprache an die Mitglieder der Internationalen Theologenkommission, 11. Oktober 1972: AAS 64 (1972) 682-683; Johannes Paul II., Ansprache an die Mitglieder der Internationalen Theologenkommission, 26. Oktober 1979: AAS 71 (1979) 1428-1433.
  8. "Die philosophischen Disziplinen sollen so dargeboten werden, dass die Alumnen vor allem zu einem gründlichen und zusammenhängenden Wissen über Mensch, Welt und Gott hingeführt werden. Sie sollen sich dabei auf das stets gültige philosophische Erbe stützen.
    Bereits Papst Pius XII. hatte in der Ansprache Sollemnis conventus an die Kleriker von Rom am 24. Juni 1939 in Nr. 4 gesagt: "Ferner ist die wohlweisliche Vorschrift (vgl. CIC 1917 can. 1366 § 2) genau zu befolgen, die besagt: «Die Professoren der Philosophie und der Theologie sollen bei ihren Forschungen und Vorlesungen die Methode, die Lehre und die Grundsätze des heiligen Thomas befolgen und sich gewissenhaft daran halten». Darin besteht ja das Merkmal der Philosophie des Aquinaten, dass sie die menschlichen Vernunftwahrheiten ins hellste Licht rückt und deren harmonische Beziehungen mit Geschick aufzeigt, dass sie ferner im höchsten Maße geeignet ist zur Darlegung und Verteidigung der Glaubensdogmen und schließlich eine wirksame Waffe bietet zur Widerlegung der Grundirrtümer aller Zeiten und zu ihrer erfolgreichen Überwindung."
  9. vgl. Papst Pius X.: Enzyklika Pascendi dominici gregis, Nr. 17: „Einige unter Euch, vom Geist der Eitelkeit wie ein Schlauch aufgebläht, streben die von den Vätern gesetzten Grenzsteine in profaner Neuerung, zu verrücken, sie unterwerfen das Verständnis der himmlischen Dinge der philosophisch-rationalen Erkenntnis, nur um mit der Wissenschaft zu prunken, nicht zu irgendeiner Förderung ihrer Hörer. Verführt durch allerlei fremde Lehren, setzen sie den Kopf an den Schwanz und lassen die Magd Königin sein" (An die Magister der Theologie zu Paris 7. Juli 1228.)
  10. vgl. Enzyklika Humani generis, vom 12. August 1950, über einige falsche Ansichten, die die Grundlagender katholischen Lehre zu untergraben drohen, Falscher Begriff vom Lehramt der Kirche, Nr. 21.
  11. 'Betende und kniende Theologie' Kath.net am 6. Februar 2006 von Heinz Josef Algermissen
  12. vgl. Enzyklika Humani generis, vom 12. August 1950, Falscher Begriff vom Lehramt der Kirche, Nr. 21.
  13. vgl. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, Herder & Co., Freiburg im Breisgau 1926, S. 286: Theologen-Lehrautorität, (Imprimatur Friburgi, die 17. Iulii 1926 Dr. Sester, Vic. Gen.).
  14. vgl. Donum veritatis, Nr. 23, 29; Vgl. Dogm. Konst. Lumen gentium, Nr. 25 § 1; Ad salutem humani, Nr. 16+17: Schlagwort: "Rom hat gesprochen, die Sache ist erledigt".
  15. Ansprache Niemals ein Kompromiss mit dem Irrtum vom 10. April 1986.
  16. 25. Juli 1986 Kongregation für die Glaubenslehre: Als Theologe nicht geeignet, wer vom Lehramt abweicht.
  17. Apostolische Konstitution Ex corde ecclesiae vom 15. August 1990 über die Katholischen Universitäten, Nr. 29.
  18. vgl. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 286: Theologen-Lehrautorität.
  19. vgl. Enzyklika Humani generis vom 12. August 1950, Falscher Begriff vom Lehramt der Kirche, Nr. 19, 20.
  20. vgl. In dubiis libertas, in necessariis unitas, in omnibus caritas - im Zweifel Freiheit, im Wesentlichen Einheit, in allem Liebe. : Reconciliatio et paenitentia, Nr. 9.
  21. vgl. Beispiel: Erklärung Theologen-Memorandum 2011, mit welcher sich Theologieprofessoren des deutschsprachigen Raumes zu Anfang Februar 2011 zu Wort gemeldet haben. Zu den Forderungen gehören unter anderem: demokratischere Strukturen ("Aufbruch"), verheiratete Priester und Frauen im kirchlichen Amt. Außerdem sollen gleichgeschlechtliche Partnerschaften toleriert werden. Bereits vor 1989 gab es ähnliche Erklärungen wie z.B. die "Kölner Erklärung". Ohne jeden Nachweis wird das II. Vatikanum als Autorität dafür zitiert, dass die Kirche von der modernen Gesellschaft "lernen" müsse.
  22. Mit Änderungen entnommen aus dem Artikel Theologe der Wikipedia