Te Deum

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Dir rufen alle zu:
Heilig, heilig, heilig

Te Deum (zu Deutsch: Dich Gott loben wir) sind die lateinischen Anfangsworte eines altkirchlichen Lob- und Dankliedes auf die Heiligste Dreifaltigkeit.[1] Es ist ein Prosahymnus, der wegen des parallelen Aufbaus als Zwillingshymnus zu Gloria in excelsis Deo bezeichnet wird.[2]

Inhaltsverzeichnis

Liturgische Verwendung

Das Te Deum wurde vor der Liturgiereform 1970 als Feiergesang im Stundengebet des römischen Ritus verwendet. Nach dem Vorbild des monastischen dürfte es als Abschluss der vigilia, der späteren Matutin, spätestens zur Zeit Gregor dem Großen Aufnahme gefunden haben, nicht gebetet an Ferialtagen - ausgenommen die Ferien der Osterzeit -, an den Vigilien - ausgenommen die Vigilien von Epiphanie, Christi Himmelfahrt und Pfingsten -, an den Quatembertagen - ausgenommen die Pfingstquatember - an den Sonntagen des Advents, der Vorfasten- und Fastenzeit sowie am Feste der Unschuldigen Kinder, wenn dieses auf einen Wochentag fiel.[3]

Heute folgt das Te Deum dem Responsorium der 2. Lesung in der Lesehore der Sonntage außerhalb der Fastenzeit und an (Hoch-)Festen (AES 68). Von der Verbindung mit dem Morgenoffizium leitet sich die Verwendung beim Osterspiel am Ostermorgen ab. Daneben findet sich das Te Deum ab dem Mittelalter in Dankfeiern (noch heute dazu im Graduale Romanum verzeichnet) bei vielen Gelegenheiten z. B. Abts- u. Abtissinnenweihe, Bischofsweihe, Papstwahl oder am Jahresende (Ablass siehe unten).[4]

Geschichtliches

Das Te Deum ist einer der wenigen Überreste des frühchristlichen Hymnenschatzes.[5] Als Bestandteil des Stundengebetes begegnet uns das Te Deum bereits in den Regeln des heiligen Benedikt von Nursia, des heiligen Cäsarius von Arles und des heiligen Aurelian von Arles, also in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts.[6]

Das Te Deum wird "hymnus ss. Ambrosii et Augustini" oder kurz "Ambrosianischer Lobgesang" genannt, weil es nach einer im 9. Jahrhundert auftauchenden Angabe von diesen beiden Heiligen nach der Taufe des letzteren derselben, Vers um Vers abwechselnd verfasst worden sein soll; eine Angabe, die jedoch nicht haltbar ist. Denn es ist nach neueren Forschungen eine Kompilation, deren ältester Teil, der Preis des Dreieinigen, schon im 3. Jahrhundert vorhanden war, während die beiden andern im 4. bzw. 5. Jahrhundert entstanden.[7] Der eigentliche Urheber ist unbekannt (möglicherweise Bischof Niceta von Remesiana, † nach 414).[8]

Bezeugt ist das Te Deum Anfang des 6. Jahrhunderts. Cyprian von Toulon behauptet Mitte des 6. Jahrhunderts die Verbreitung in allen Kirchen des Westens. Den ersten Textbeleg bildet das (irisch-keltische) Antiphonar von Bangor Ende 7. Jahrhunderts.[9]

Aus dem Mittelalter sind marianische Bearbeitungen (z. B. "Te Matrem Dei laudamus") und Parodien bekannt.[10] Älteste bekannte abendländisch-landessprachliche Übersetzung ist die wohl um 800 entstandene alt-alamannische aus Reichenau-Murbach.[11] Seit dem 16. Jahrhundert finden sich Liedparaphrasen. Als Kirchenlied hat sich "Großer Gott, wir loben dich" (Ignaz Franz, Ende 18. Jh.) in allen Konfessionen durchgesetzt; es ist selbst, oft mit politischer Absicht (z. B. im Dritten Reich), umgedichtet worden.[12]

Aufbau

Der in 29 Verse unterteilte Text (in vielen Handschriften ist die Aufforderung "Laudate pueri Dominum" [Ps 112,1] vorgeschaltet, auf die das Te Deum antwortet) gliedert sich in drei Teile: Gotteslob (Vers 1-13), Christuslob (V. 14-23) und angehängte Psalmverse des Bitt- und Lobgebetes (V. 24-29). Das mit dreifachem "te" eingeleitete Gotteslob des ganzen Kosmos ist symmetrisch um das Sanctus angeordnet, es wird von den hierarchisch geordneten Engelchören (Jes 6) angestimmt, von altchristlichen Heiligen-Gruppen (Offb 4) und der ganzen Kirche aufgenommen und mit einer (sekundären) trinitarischen Doxologie abgeschlossen. Das Christuslob greift eine altchristliche Exegese von Ps 24 auf, spannt einen Bogen von der Präexistenz über Inkarnation, Tod und Himmelfahrt Christi bis zur Erwartung der Wiederkunft als Richter und mündet in die Bitte um Bewahrung im Gericht. Inhaltlich schließen die Psalm-Versikel (Ps 27,9; 144,2; 122,3; 32,22; 30,2) daran an; sie gelangen wahrscheinlich im Kontext des Morgengebets ins Te Deum, sind aber in Zahl und Anordnung unterschiedlich überliefert.[13]

Der Text

Der lateinische Text aus dem 4. Jahrhundert[14] Deutsche Übertragung von Romano Guardini 1950[15]

Te Deum laudamus: * te Dóminum confitémur.
Te aetérnum Patrem, * omnis terra venerátur.
Tibi omnes ángeli, * tibi caeli et univérsae potestátes:
tibi cherubim et seraphim * incessábili voce proclámant:
Sanctus, * Sanctus, * Sanctus * Dóminus Deus Sábaoth.
Pleni sunt caeli et terra * maiestátis glóriae tuae.
Te gloriósus * Apostolórum chorus,
te prophetárum * laudábilis númerus,
te mártyrum candidátus * laudat exércitus.
Te per orbem terrárum * sancta confitétur Ecclésia.
Patrem * immébsae maiestáis;
venerádum tuum verum * et únicum Filium;
Sanctum quoque * Paráclitum Spiritum.
Tu rex glóriae Christe.
Tu Patris * sempitérnus es Fíius.
Tu, ad liberándum susceptúrus hóminem, * non horruisti Vírginis úterum.
Tu, devícto mortis acúleo, * aperuisti credéntibus regna caelórum.
Tu ad déxteram Dei sedes, * in glória Patris.
Iudex créderis * esse ventúrus.
Te ergo quaesumus, tuis fámulis súbveni, quos pretióso sánguine redemísti.
Aetérna fac cum sanctis tuis * in gloria numerari.
(Salvum fac pópulum tuum, Dómine, * et benedic hereditáti tuae.
Et rege eos, * et extólle iIlos usque in aetérnum.
Per síngulos dies * benedícimus te;
et laudámus nomen tuum in saeculum, * et in saeculum saeculi.
Dignare, Dómine, die isto * sine peccáto nos custodíre.
Miserére nostri, Dómine, * miserére nostri.
Fiat misericórdia tua, Dómine, super nos, * quemádmodum sperávimus in te.
In te, Dómine, sperávi: * non confúndar in aetérnum.)

Dich, Gott, loben wir, dich, Herr, preisen wir.
Dir, dem ewigen Vater, huldigt das Erdenrund.
Dir rufen die Engel alle, dir Himmel und Mächte insgesamt,
die Kerubim dir und die Serafim, mit niemals endender Stimme zu:
Heilig, heilig, heilig der Herr, der Gott der Scharen!
Voll sind Himmel und Erde von deiner hohen Herrlichkeit.
Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;
Dich der Propheten lobwürdige Zahl;
dich der Märtyrer leuchtendes Heer;
dich preist über das Erdenrund die heilige Kirche;
dich, den Vater unermessbarer Majestät;
deinen wahren und einzigen Sohn;
und den Heiligen Fürsprecher Geist.
Du König der Herrlichkeit, Christus.
Du bist des Vaters allewiger Sohn.
Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht, bist Mensch geworden, den Menschen zu befreien.
Du hast bezwungen des Todes Stachel und denen, die glauben, die Reiche der Himmel aufgetan.
Du sitzest zur Rechten Gottes in deines Vaters Herrlichkeit.
Als Richter, so glauben wir, kehrst du einst wieder.
Dich bitten wir denn, komm deinen Dienern zu Hilfe, die du erlöst mit kostbarem Blut.
In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu.

(Rette dein Volk, o Herr, und segne dein Erbe;
und führe sie und erhebe sie bis in Ewigkeit.
An jedem Tag benedeien wir dich
und loben in Ewigkeit deinen Namen, ja in der ewigen Ewigkeit.
In Gnaden wollest du, Herr, an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.
Erbarme dich unser, o Herr, erbarme dich unser.
Lass über uns dein Erbarmen geschehn, wie wir gehofft auf dich.
Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt. In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.)

Deutsche Übertragung von Ignaz Franz 1768 nach dem Te Deum[16]

1. Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

2. Alles, was dich preisen kann, Kerubim und Serafinen
stimmen dir ein Loblied an, alle Engel, die dir dienen,
rufen dir stets ohne Ruh': Heilig, heilig, heilig! zu.

3. Heilig, Herr Gott Zebaoth, heilig, Herr der Himmelsheere,
starker Helfer in der Not ! Himmel, Erde, Luft und Meere
sind erfüllt von deinem Ruhm; alles ist dein Eigentum.

4. Der Apostel heil'ger Chor, der Propheten hehre Menge,
schickt zu deinem Thron empor neue Lob- und Dankgesänge;
der Blutzeugen lichte Schar lobt und preist dich immerdar.

5. Dich Gott Vater auf dem Thron, loben Große, loben Kleine.
Deinem eingeborenen Sohn singt die heilige Gemeinde,
und sie ehrt den Heil'gen Geist, der uns seinen Trost erweist.

6. Du, des Vaters ew'ger Sohn, hast die Menschheit angenommen,
bist vom hohen Himmelsthron zu uns auf die Welt gekommen,
hast uns Gottes Gnad' gebracht, von der Sünd' uns frei gemacht.

7. Durch dich steht das Himmelstor allen, welche glauben offen.
Du stellst uns dem Vater vor, wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht, wenn der letzte Tag anbricht.

8. Herr steh' deinen Dienern bei, welche dich in Demut bitten.
Kauftest durch dein Blut uns frei, hast den Tod für uns gelitten;
nimm uns nach vollbrachtem Lauf zu dir in den Himmel auf.

9. Sieh dein Volk in Gnaden an, hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit' es auf der rechten Bahn, dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit, nimm es auf in Ewigkeit.

10. Alle Tage wollen wir dich und deinen Namen preisen
und zu allen Zeiten dir Ehre, Lob und Dank erweisen.
Rett' aus Sünden, rett' aus Tod, sei uns gnädig, Herre Gott.

11. Herr, erbarm, erbarme dich; auf uns komme, Herr, dein Segen;
leit' und schütz' uns väterlich, bleib' bei uns auf allen Wegen !
Auf dich hoffen wir allein; lass uns nicht verloren sein.

Musikalisch

Die früheste Notation der einstimmigen Singweise stammt erst aus dem 12. Jahrhundert (eine Neumierung von Vers 15 erscheint bereits im 9. u. 11. Jahrhundert in musiktheoretischer Schreibung). Kennzeichnend ist die zweiteilige psalmodische Rezitationsformel, außer für Vers 21-23 u. 29, die zu einer tiefer liegenden melodischen Wendung gesungen werden. Später stehen in der römischen Kirche vier Melodien zur Verfügung, wobei der "Tonus sollemnis" den ältesten Quellen am nächsten kommt und meist die Grundlage für die mehrstimmigen Bearbeitungen bildet. Der "Tonus simplex" stellt demgegenüber eine Vereinfachung des Spätmittelalterlichen dar. Mehrstimmige Bearbeitungen finden sich im 13. Jahrhundert (Cambridge), danach erst wieder im 15./ 16. Jahrhundert als motettenartige Vertonungen (z. B. J. Walter) von oft nur lokaler Bedeutung. Die versweise Vertonung bleibt erhalten, meist wird nur jeder 2. Vers bearbeitet (Alternatimpraxis; Martin Luther verteilt in "Herr Gott, dich loben wir" den Text auf zwei Chöre). Belegt ist die Begleitung durch Orgel und Instrumente. Selbst bei evangelischen Komponisten bildet der lateinische Text zunächst die Grundlage (anders in England). Eine musikalische Ausgestaltung erhält das Te Deum seit dem Barock: Kompositionen für bestimmte (politische) Anlässe lösen sich von der Choralweise und bilden eine Festmusik mit entsprechender Ausweitung der Klangmittel (Trompeten, Glocken usw.; vg!. M.-A. Charpentier) bis zur opernhaften Riesenwerk (z. B. J.-B. Lully). Im 18. Jh. wird das Te Deum im üblichen konzertanten Stil der Kantaten, Oratorien und Messen komponiert.[17]

Vertonungen (Auswahl)

Wie das Ordinarium der Messliturgie, so ist auch das Te Deum in verschiedenen Jahrhunderten unzählige Male vertont worden.

a Katholische Komponisten

b Protestantische Komponisten

Möglicher vollkommener Ablass

Ein vollkommener Ablass wird (unter den gewöhnlichen Bedingungen) demjenigen Christgläubigen gewährt, der am letzten Tag des Jahres (31. Dezember) in einer Kirche oder öffentlichen Kapelle am feierlichen Gesang oder Gebet des Hymnus "Te Deum" teilnimmt, um Gott Dank zu erweisen für die im Verlauf des ganzen Jahres empfangenen Wohltaten (vgl. Enchiridion indulgentiarum 1999).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 249a, Te Deum (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  2. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306.
  3. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 343b+344a.
  4. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1307; Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, S. 249a.
  5. Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie. Ein Überblick für die Praxis. Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien-München 1967, Sp. 383 (490 Spalten, 2. Auflage; Imprimatur des Bischöfl. Ordinariates Innsbruck Nr. 1693/2 vom 23. Oktober 1966 Mons. Dr. Josef Hammerl, Generalvikar).
  6. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon. Josef Kösel Verlag & Friedrich Pustet Verlag Komm-Ges. Regensburg 1924, S. 343b+344a (399 Seiten; Zweite, verbesserte und sehr vermehrte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 1. Aprilis 1924 Dr. Scheglmann Vic. Gen).
  7. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 343b.
  8. Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie, Sp. 383.
  9. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306.
  10. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306+1307.
  11. Erstausgabe von J. Grimm Hymnorum Veteris Ecclesiae XXVI interpretatio theotisca [Göttingen 1830] Nr. 26 [in 16 Verse abgeteilt], auch in E. Sievers, Die Murbacher Hymnen 1874: Anselm Manser in: LThK 1. Auflage, Band IX, Sp. 1028.
  12. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306+1307.
  13. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1306.
  14. Peter Christoph Düren, Der Ablass in Lehre und Praxis, Die vollkommenen Ablässe der Katholischen Kirche, Stella Maris Verlag Buttenwiesen 2000, S. 185-186 (ISBN 3-934225-04-7; Mit kirchlicher Druckerlaubnis des Ordinariates Augsburg Nr. 1225 vom 30. März 2000 Prälat Konstantin Kohler Generalvikar).
  15. Peter Christoph Düren, Der Ablass in Lehre und Praxis, S. 186-187; Gotteslob 1975, Eigenteil für die Diözesen Freiburg und Rottenburg, Nr. 706.
  16. Gotteslob 2013, Nr. 380; Gotteslob 1975, Nr. 257.
  17. Albert Gerhards/Friedrich Lurz in: LThK 3. Auflage, Band 9, Sp. 1307.
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