Karl Lehmann

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Karl Lehmann (2015)
Das Wappen des Kardinals

Karl Kardinal Lehmann (* 16. Mai 1936 in Sigmaringen) war von 1983-2016 Bischof von Mainz[1] und von 1987 bis 2008 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Akademische Laufbahn

Karl Lehmann wurde am 16. Mai 1936 in Sigmaringen geboren. Von 1956 bis 1964 studierte er an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg i. Br. und am Collegium Germanicum et Hungaricum in Rom Philosophie und Theologie. In Rom wurde Lehmann auch 1962 an der päpstlichen Universität Gregoriana zum Doktor der Philosophie promoviert, mit einer viel beachteten Arbeit über Martin Heidegger.

Im Jahr 1963 wurde er von Julius Kardinal Döpfner zum Priester geweiht.

Während des Zweiten Vatikanischen Konzils war Lehmann als mithelfender Berater des Theologen Karl Rahner tätig, dessen wissenschaftlicher Assistent er später wurde. Nach dem Konzil promovierte Lehmann 1967 zum Doktor der Theologie (mit einer Arbeit über das biblische Zeugnis der Auferstehung Jesu), 1968 wurde er ohne Habilitation zum Professor für Dogmatik an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz berufen; 1971 wechselte er nach Freiburg wo er neben dem Lehrstuhl für Dogmatik auch den Lehrstuhl für Ökumenische Theologie innehatte. Zu seinen früheren Doktoranden zählen die beiden Kurienkardinäle Paul Josef Cordes und Gerhard Ludwig Müller. Er war Mitglied der Internationalen Theologischen Kommission von 1. August 1974 bis 1979.

Bischof von Mainz, Kardinal

Das Mainzer Domkapitel wählte Lehmann am 21. Juni 1983 zum Nachfolger von Hermann Kardinal Volk. Am 2. Oktober wurde er von diesem im Mainzer Dom zum Bischof geweiht. Sein Wahlspruch lautet: State in Fide - Steht fest im Glauben!.

1987 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt und in diesem Amt zuletzt im Jahr 2005 bestätigt. Am 28. Januar 2001 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Kardinal mit der Titelkirche San Leone I. Der persönlich moderat-konservative Lehmann hat in einer ganzen Reihe von problematischen Fragen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz mit Erfolg eine Linie der Vermittlung und Integration divergierender Auffassungen vertreten. Leitmotiv seines Wirkens war es dabei, die Funktion der Kirche im öffentlichen Raum der Bundesrepublik Deutschland kraftvoll zu erhalten und zu fördern. Kritiker sahen in diesem Kurs zu wenig "Zeugnis" gegenüber der Welt, während andere, wie Hans Küng, dem Kardinal vorwarfen, dem römischen Amt keinen Widerstand entgegen zu setzen.

Am 18. Februar 2008 trat Lehmann, gesundheitlich angegriffen, als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz zurück. Papst Franziskus nahm sein Rücktrittsgesuch vom Bischofsstuhl in Mainz am 16. Mai 2016 an.

Ehrungen

Karl Lehmann ist Träger zahlreicher Ehrendoktorwürden und Honorarprofessor der Universitäten in Mainz und Freiburg. Nach seiner Erhebung zum Kardinal wurde er außerdem Ehrenbürger der Stadt Mainz. Anlässlich des 70. Geburtstags erschien 2006 eine Festschrift, in der zahlreiche Persönlichkeiten des bundesdeutschen öffentlichen Lebens ihre Glück- und Segenswünsche zum Ausdruck brachten, u.a. auch Altbundeskanzler Helmut Kohl.

Für Aufsehen und Kritik sorgte Bischof Lehmann im Mai 2009, als bekannt wurde, dass er sich weigerte, gemeinsam mit dem islamischen Schriftsteller und Religionswissenschaftler Navid Kermani den Hessischen Kulturpreis für Verdienste im interreligiösen Dialog entgegenzunehmen.

Lehmann bekam am 31. Oktober 2016 die "Luther-Medaille der Evangelischen Kirche Deutschlands".[2]

Positionen

  • Kardinal Lehmann forderte angesichts von Enttäuschungen und Skandalen in der Kirche im Oktober 2010 auf, der Kirche treu zu bleiben, nicht nur weil sie als Glaubensgemeinschaft eine geistige Heimat sei, sondern „weil diese nicht nur eine menschliche Institution, sondern die Kirche Gottes, des Herrn, ist. [...] Wir haben die Kirche zu sehr als unsere Unternehmung gesehen, auf die wir stolz sind oder derer wir uns schämen. Weil wir fast alles machen und produzieren können, betrachten wir auch die Kirche weitaus in den Perspektiven ihrer menschlichen Herstellbarkeit. Nein, sie ist zuerst die geschichtliche Stätte, wo Gottes unergründliche Liebe zum Menschen auf dem Antlitz Jesu Christi aufleuchtet.“ Und weiter: „Eintreten für das ungeschmälerte Evangelium und gehorsam-geduldiges Bleiben in der konkreten Kirche – das gehört zum christlichen Auftrag. Es ist die gekreuzigte Liebe zur Kirche, und an ihr erkennt man die Früchte.“[3]
  • Nach den Missbrauchskandalen im Jahre 2010 trat Bischof Lehmann dafür ein, jetzt die Empfängnisverhütung, die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt, die Stellung geschiedener Wiederverheirateter und die Zulassung nichtkatholischer Christen zur Eucharistie endlich „mit Mut anzugehen“.[4]
  • Der Kardinal machte bei seinem Rücktritt deutlich, dass er nichts von „Riesengemeinden XXL“ hält und dass es aus seiner Sicht einen Ständigen Diakonat der Frau geben sollte. Er spricht sich außerdem für eine Priesterweihe von in Ehe und Beruf bewährten Männern (viri probati) und für eine engere Zusammenarbeit von Priestern und Laien aus.[5]

Zitate

Peter Hünermann lässt in einem Band über das Konzil und die Zeichen der Zeit (von 2006) Karl Lehmann u.a. so zu Wort kommen:

  • "Wir lassen uns durch die Besinnung auf das Konzil an ein geistiges und geistliches Erbe erinnern, das wir der Vergesslichkeit unserer schnelllebigen Gesellschaft entreißen und in Dankbarkeit neu annehmen wollen. Solche Erinnerung führt uns durch Verkrustungen aller Art wieder zurück zu den unverbrauchten Quellen christlichen Lebens, vor allem zum Wort Gottes. So kann die Erinnerung neue schöpferische Kräfte entbinden, die faszinierender und wagemutiger sind als die neuesten Moden des Zeitgeistes, die morgen schon wieder von gestern sind. In diesem Sinne ist das Gedächtnis des Konzils ein herausforderndes Abenteuer, das die Wachheit und Bereitschaft, die Umkehrfähigkeit und die Sensibilität unseres Glaubens auf die Probe stellt."
  • "Es ist viel besser, wir sind eine schlagkräftige Minderheit, als dass wir eine lahme Mehrheit sind (Radio Vatikan, 27. April 2008).
  • "Er ist einer der gebildetsten Menschen, die in Deutschland herumlaufen, um es einmal salopp zu sagen" (Bundeskanzler Helmut Kohl).

Werke

  • Gegenwart des Glaubens. Mainz 1974
  • Mit Wolfhart Pannenberg: Lehrverurteilungen – kirchentrennend? Rechtfertigung, Sakramente und Amt im Zeitalter der Reformation und heute. Vandenhoeck & Ruprecht, Herder 1986
  • Frei vor Gott. Glauben in öffentlicher Verantwortung. Freiburg i. Br. 2003
  • Zuversicht aus dem Glauben (= Eröffnungsreferate* zu den Herbstvollversammlungen der dt. Bischofskonferenz 1988-2004), Freiburg 2006. [*Darin das Referat von 1993 zu Humanae vitae.]
  • Albertus Magnus und die Theologie (= Lectio Albertina Nr. 8, Münster 2006), Regensburg 2008 (16 S.).

Literatur

  • Daniel Deckers: Der Kardinal. Karl Lehmann. Eine Biographie. Pattloch Verlag, München 2002, (Taschenbuchausgabe: Knaur, München 2004)

Weblinks


Vorgänger
Hermann Kardinal Volk
† Bischof von Mainz
1983 -2016
Nachfolger
---
Vorgänger
Joseph Kardinal Höffner
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
1987 - 2008
Nachfolger
Robert Zollitsch

Anmerkungen

  1. Mainz: Rücktritt von Kardinal Lehmann von Papst angenommen Kath.net am 16. Mai 2016
  2. Kardinal Lehmann erhält Luther-Medaille Radio Vatikan am 1. November 2016
  3. Referat zum Auftakt der zweitägigen Beratungen der Diözesanversammlung im Bistum Mainz am 8. Oktober 2010: „In welcher Kirche leben wir? Unsere Erfahrungen und unser Bild von Kirche heute“ [1]
  4. Von der Heiligkeit des Mutes 16. Oktober 2010
  5. Papst nimmt Kardinal Lehmanns Rücktritt an Radio Vatikan am 16. Mai 2016
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