Summa contra gentiles

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Der Verfasser Thomas von Aquin, der Meister der katholischen Priesterausbildung

Summa contra gentiles (Summe gegen die Heiden; auch bekannt unter dem Untertitel Über die Wahrheit des katholischen Glaubens [Liber de veritate catholicae fidei contra errores infidelium]) ist der lateinische Titel des vollendeten literarischen Hauptwerkes des Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Das Werk wurde zwischen den Jahren 1258–1263 geschrieben und ist in Aufbau und Stil systematisch und eigenständig.[1]

Die Summa contra gentiles ist ein Werke, deren Abfassung nicht von einer unmittelbaren Vorlesungstätigkeit abhängig ist. Das heißt nicht, dass ihre Machart und ihr Stil aus der "scholastischen" Form herausfallen. Es finden sich dieselben Verfahrensweisen, dieselbe Knappheit, dieselbe Sprache, mag auch der Gedankengang sich außerhalb des Rahmens einer Argumentation in der Form von Quästionen und Artikeln sich entwickeln.

Die "Heiden" meint die arabischen Philosophen mit ihren Irrtümern, aber auch ihren Reichtum, eine Gesamtheit von "Errantes": Heiden, Moslems, Juden und ,häretischer' christlicher Sekten -, die in dieser apologetischen Theologie geprüft und kritisiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Grund zur Verfassung der Summe

Eine lange Tradition will wissen, dass Thomas sein Werk auf Bitten des Raimund von Peñafort verfasst hat. Dieser, ein katalanischer Dominikaner und ehemaliger Generalmeister der Predigerbrüder, war beunruhigt durch die Anwesenheit der Mauren auf spanischem Boden (in Südfrankreich und Nordafrika), und ihn trieb neue Hoffnung, die Moslems bekehren zu können. Daher habe er seinen jungen Mitbruder gebeten, die Missionare im Sinne eines apologetischen Gespräches mit den nötigen intellektuellen Waffen auszustatten. Intellektuell, auf dem Gebiet der arabischen Zivilisation, die das Kapital der griechischen Wissenschaft und Philosophie weitervermittelte, spielen Bedrohung und Anreiz zusammen, so wie gerade die Entdeckung und die Übersetzung der arabischen Literatur Fortschritte machte. In diesen fünfziger Jahren sieht also das 13. Jahrhundert die große Strategie der Christenheit in Umwandlung begriffen: Missionarischer Geist und die Krise der hohen Kultur treffen sich in derselben Problematik. In dieser Überschneidung steht die Summa contra Gentiles: Auf der einen Seite entwickelt sich die missionarische Bewegung im Sinn eines neuen Typus, da sich der Islam nicht mehr nur als eine gewaltige militärische Bedrohung erweist, sondern dazu als eine Kultur von überlegenem Reichtum. Auf der anderen Seite eröffnete das Eindringen des Aristoteles dank dem Islam den Christen eine wissenschaftliche Schau des Universums unabhängig von der religiösen Bildwelt der Bibel. Im Schnittpunkt dieser Probleme der Christenheit steht auch Thomas von Aquin.[2]

Summe gegen den Irrtum

Im Nachwort des IV. Bandes schreibt Markus H. Wörner, dass die Ausführung jedoch zeige, wie wenig es Thomas um ein apologetisches Handbuch im heutigen Sinne ging; vielmehr ist er auf eine umsichtige und sachliche Auseinandersetzung mit Andersdenkenden auf dem höchsten damals bekannten Argumentationsniveau bedacht. Nicht zuletzt hat sie die Erörterung averroistischer Thesen an der Pariser Artistenfakultät zum Inhalt. Die eigentümliche Methodik der Auseinandersetzung zeigt die Haltung des Thomas zu dem, was er als Wahrheit begreift. Sie zeigt zudem seine Haltung zu Andersdenkenden. Sie enthält Wegweisungen des Umganges mit ihnen, die bis heute nicht an Bedeutung verloren haben. Sowohl der Anlaß, die Situation religiös-kulturellen Dialogs mit dem Islam, dem Judentum und unterschiedlichen christlichen Kirchen als auch die Methodik einer der Wahrheitssuche angemessenen Verständigungskunst, haben nichts an Aktualität eingebüßt. Sie sind notwendiger Bestandteil heutiger praktischer wie theoretischer Theologie der Religionen. Die fundamentale Stufe bildet die Ebene der ,natürlichen Vernunft' (naturalis ratio), die Thomas vor allem im Werk des Aristoteles und seiner Kommentatoren manifestiert sieht. Zeichen natürlicher Vernunft ist, dass ihr alle beizustimmen gezwungen sind, sofern nicht einmal konsistent zu denken möglich ist, sie sei falsch. Diese grundsätzliche Zustimmung gilt auch unter dem Vorbehalt, dass sie "in bezug auf die göttlichen Dinge mangelhaft ist" (ScG I 2; S. 567-568).

Inhalt der Bände der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft Darmstadt 1990-1996

Thomas entfaltet in den ersten drei Büchern die Lehre über Gott, seiner Schöpfung, vom Ziel und Weg des Menschen mit Argumenten der Vernunft im vierten Buch auch biblischer Inspiration und kirchlicher Tradition.[3]

  • I. Lehre über Gott: In der Auseinandersetzung mit Aristoteles werden die ontologischen Grundentscheidungen entwickelt, die eine zugleich negative und affirmative Theologie ermöglichen und eine Kritik (Bestimmung von Grenze und grenzüberschreitender Tenden) der Vernunft implizieren (Herausgegeben und übersetzt von Karl Albert und Paulus Engelhardt unter Mitarbeit von Leo Dümpelmann).
  • II. Lehre vom Hervorgang der Geschöpfe von Gott. Seinsart und Struktur der Welt geben den Menschen seinen Ort an der Grenze und als Einheit von Materie und Geist. Eigenstand menschlicher Vernünftigkeit und Freiheit werden gegen die arabischen Aristotelesausleger verteidigt (Herausgegeben und übersetzt von Karl Albert und Paulus Engelhardt).
  • III/1. Die Lehre von der Hinwendung des Menschen zu Gott. Nur in der Betrachtung, die Gott erkennt, wie er ist, liegt die vollkommene Glückseligkeit. Er aber, der alles lenkt, hat doch der menschlichen Willensfreiheit Raum gelassen. Wieder bildet der Hintergrund die Auseinandersetzung mit nichtchristlichen Philosophen, darunter Averroes, Avempace und Alexander von Aphrodisias (Herausgegeben und übersetzt von Karl Allgaier, Lateinischer Text besorgt und mit Anmerkungen versehen von Leo Gerken).
  • III/2. Im Vordergrund steht die Möglichkeit des Menschen frei zu handeln. Er unterliegt vielen Einflüssen und vor allem der Lenkung durch die Vorsehung. Und doch entzieht Gott ihm keineswegs die Verantwortung und lässt ihm die Freiheit, sich abzuwenden und zu sündigen. Im Guten zu verharren ist aber ohne Gnade nicht möglich. Die Lehre, die Thomas hier ausbreitet, wird immer wieder abgesetzt gegen die Irrtümer der Häretiker, die nur zu oft den Menschen seine Freiheit bestreiten (Herausgegeben und übersetzt von Karl Allgaier).
  • IV. Die Lehre von der Trinität, der Inkarnation, den Sakramenten und der Auferstehung. Das auf Offenbarung beruhende Glaubensgut der Katholischen Kirche soll argumentativ ausgelegt werden. Auf Wunsch Papst Urbans IV. schaltet sich Thomas in diesem IV. Buch in die Auseinandersetzungen mit den schismatischen Christen des Ostens ein, um hernach in seiner Summe das Belegmaterial benutz, das diese Auseinandersetzungen in Umlauf gebracht hatten und damit seine Gedanken über Trinität, Inkarnation, Sakramente zur Reife führt.[4] (Herausgegeben und übersetzt von Markus H. Wörner).

Der lateinische Text

Der lateinische Text liegt zu großen Teilen in der Originalhandschrift des heiligen Thomas vor. Die "Editio Leonina" veröffentlichte einen lateinischen Text.

Deutsche bzw. lateinisch-deutsche Ausgabe

Die erste deutsche Übersetzung erschien 1935 bis 1937 durch Hans Nachod und Paul Stern im Verlag Jacob Hegner unter dem Titel "Die Summe wider die Heiden". Diese Übersetzung wurde durch eine Gruppe von Dominikanern der Philosophisch-theologischen Hochschule Walberberg gründlich überarbeitet. 1974 gab die Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt in der Reihe "Texte zur Forschung" die erste lateinisch-deutsche Ausgabe in fast völliger Neugestaltung heraus.[5] Eine Übersetzung von Helmut Fahsel erschien im Fraumünster Verlag Zürich 1942-1960 in sechs Bänden unter dem Titel: "Summa contra gentiles oder Die Verteidigung der höchsten Wahrheiten".

Literatur

Summa Theologica, Theodizee

Weblinks

Anmerkungen

  1. Aus dem Vorwort zur 3. Auflage, Band 1, Walberberg am 4. April 1974.
  2. Marie-Dominique Chenu: Das Werk des Hl. Thomas von Aquin, 2. Ergänzungsband von: Die deutsche Thomas -Ausgabe der Summa theologica, Gemeinschaftsverlag Kerle Heidelberg und Styria Verlag Graz-Wien-Köln 1960, 10. Kapitel: S. 325-327 (1. Auflage; 451 Seiten; mit Druckerlaubnis des bischöflichen Seckauer Ordinariates Graz vom 6. Februar 1960, Zl, 452.
  3. Dieser Abschnitt stammt aus den Abdrucken auf den hinteren Deckeln der Bände der Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1974-1996.
  4. Marie-Dominique Chenu: Das Werk des Hl. Thomas von Aquin, S. 330.
  5. Aus dem Vorwort zur 3. Auflage, Band 1.
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