Totenerweckung

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Totenerweckung bedeutet, die Wiederbelebung einzelner Toter, die "Rückkehr in das irdische Leben" (KKK 646). Diese Wunder geschahen, damit die Menschen auch an die Auferstehung der Toten zum ewigen Leben glauben.[1]

Unter den Zeichen für die beginnende Gottesherrschaft weist Christus die Gesandtschaft Johannes des Täufers darauf hin: Tote werden auferweckt (Mt 11,5 EU). Nach Mt 10,7f EU sandte Christus die Apostel aus mit den Worten: "Verkündet: Nahe ist das Himmelreich! Heilt Kranke, erweckt Tote, macht Aussätzige rein, vertreibt böse Geister !"[2]

Inhaltsverzeichnis

Schlaf, Tod und Erweckung

Tot ist der Mensch, dem eine spontane und auch eine durch die Kunst der Ärzte oder überhaupt durch die Hilfe anderer vermittelte Rückkehr zu Lebensäußerungen nicht mehr möglich ist. Vom Tode auferweckt werden bedeutet, dass die Seele sich wirklich von ihrem Leibe getrennt hatte. Dies besagt aber durchaus nicht, dass sie schon in ihre jenseitige, unwiderrufliche Bestimmung, den Besitz Gottes oder in den Stand der Verwerfung, eingegangen war, und wohl auch nicht in die jenseitige Läuterung. Es dürfte theologisch beweisbar sein, dass niemand aus seiner endgültigen Bestimmung in der Ewigkeit zu einem neuen irdischen Leben zurückgerufen werden kann. Wenn jemand vom Tode auferweckt wird, kann er in sein ewiges Schicksal, für das er sich im Leben und Sterben entschieden hat, noch nicht eingegangen sein. In diesem Sinne könnte man sagen: Der Tote war noch nicht "theologisch" gestorben, wenn ihn auch keine Macht der Welt zu Lebensäußerungen zurückrufen konnte. Diesen "theologischen" Tod meinen manchmal Heilige, wenn sie, um das Wunder zu verbergen, erklärten: Dieser Mensch war nicht tot, er schlief nur. Es stand ihnen da, nach ihrer traditionellen Exegese, für ihr ausweichendes Antworten Christus als Vorbild vor Augen, der (Mk 5,39 EU u. ParalI.) über die Jairustochter "nicht eine ärztliche Diagnose auf Scheintod" geben wollte, "vielmehr diesen Tod, der sofort durch ein Wunder aufgehoben wird, als etwas nicht Dauerndes, als einen kurzen Schlaf, auf den ein baldiges Erwachen folgt", bezeichnete. So hatte Christus auch gesagt: Unser Freund Lazarus schläft, aber ich gehe, ihn aufzuwecken (Joh 11,11 EU). Und erst als die Jünger meinten, er rede von der Ruhe des Schlafes, sagte ihnen Jesus offen: Lazarus ist gestorben (Joh 11,14 f EU).[3]

Totenerweckungen in der Bibel

Altes Testament

Dass Jahwe über das Totenreich verfügt und die Toten wieder lebendig machen kann, ist für den israelitischen Glauben eine geläufige Vorstellung (vgl. Dtn 32,39 EU; 1 Sam 2,6 EU; Am 9,2 EU; Ps 139,8 EU). Daraus wird in der fortschreitenden Offenbarungsentwicklung die Hoffnung auf die Auferstehung der Toten geboren (Jes 26, 19 EU; Ez 37,1-14 EU).

Im Alten Testament berichten folgende Texte von Totenerweckungen:

  • 1 Kön 17,17-24 EU: der Sohn der Witwe von Sarepta durch Elias,
  • 2 Kön 4,18-37 EU: der Sohn der Sunnamitin durch Elisäus,
  • 2 Kön 13,20 f EU: der Mann, der mit den Gebeinen des Elisäus in Berührung kam.

Formal gleichen sich 1 Kön 17 und 2 Kön 4 beachtlich in ihren Einzelelementen; nur sind sie 2 Kön 4 viel breiter entfaltet. Im Bericht 1 Kön 17 lässt sich nicht sicher ermitteln, ob der Tod medizinisch schon eingetreten ist; er wird jedoch unterstellt. Ein Zweifaches ist bei dem Erweckungshandeln durch Elias (1 Kön 17) und Elisäus (2 Kön 4) zu unterscheiden: 1. ruft der Prophet zu Jahwe und erfleht die Erweckung; 2. streckt er sich über den Knaben hin (vgl. Apg 20, 10). Durch diesen Gestus will er vom anderen Körper Besitz ergreifen und mit ihm eins werden, seine eigene Lebenskraft soll auf ihn überströmen. Entscheidend ist dabei jedoch, dass durch das Flehgebet jedes magische Moment dieser alten Praxis ausgeschaltet und das Wunder ausschließlich Gott zugeschrieben wird. Die Wiederbelebung durchläuft nach 2 Kön 4 EU drei Stadien: Warmwerden, Niesen, Augenöffnen des Toten, der dann seiner Mutter übergeben wird (vgl. Lk 7,11-17 EU). - Nach 2 Kön 13,21 EU kommt ein Leichnam wieder zum Leben durch Berührung mit den Gebeinen des Elisäus (vgl. Wunder).[4]

Neues Testament

Von der Totenerweckung, die nach dem Neuen Testament dem Beginn des kommenden Äons vorangeht (Auferstehung des Fleisches), sind die Erweckungen einzelner Toter zu unterscheiden, die dadurch in das irdische Leben zurückgerufen werden, aber noch nicht in das "Ewige Leben" eingehen.

Im Neuen Testament wurde von folgenden Totenerweckungen berichtet:

  • Die Tochter des Jairus (Mk 5,21-43 EU; Lk 8,40-56 EU; Mt 9,18-26 EU) durch Christus; die meisten Erklärer nehmen eine Erweckung von den Toten an, andere betrachten das Mädchen wegen der Worte Jesu (Mk 5,39 EU): "Das Mädchen ist nicht tot, sondern schläft", als scheintot.
  • der Jüngling von Naim (Lk 7,11-17 EU) durch Christus.
  • Lazarus, der schon vier Tage im Grabe lag (Joh 11,1-45 EU) durch Christus.
  • Erweckung der Tabitha durch Petrus (9,36-42 EU)
  • Apg 20,7-12 EU) Eutychus, der aus dem Fenster gestürzt war durch Paulus. Dass es sich hier um eine Totenerweckung gehandelt hat, ist wahrscheinlich, lässt sich aber nicht mit Sicherheit ausmachen.

Um den Sinn der Totenerweckung Jesu recht zu verstehen, müssen sie mit den Heilungswundern und Dämonenaustreibungen zusammen gesehen werden. Wenn in Jesu Wirken die Gottesherrschaft angebrochen (Mt 12,28 EU; Lk 11,20 EU) und es seine Aufgabe ist, die Werke Satans zu vernichten (1 Joh 3,8 EU), dann fallen sie aus dem Gesamtrahmen des Wunderberichts der Evangelien nicht heraus, und "dadurch sind sie geschützt gegen den Verdacht, aus den Motiven der Wundersucht oder der Steigerung und Ausschmückung von Berichten über schwächere Wunder entstanden zu sein", wohl aber weisen sie hin auf seine Aufgabe, den Tod zunichte zu machen (2 Tim 1,10 EU) in der eschatologischen Auferweckung aller Toten. Durch die Art, wie Jesus diese Taten vollbringt - er erringt nicht erst in einem Gebetskampf wie Elias und Elisäus die göttliche Hilfe, sondern handelt mit Gewissheit -, wird ausgeschlossen, dass in diesen Berichten nur Nachahmungen alttestamentlicher Vorbilder vorliegen, und der Zusammenhang, in dem seine Totenerweckung mit seiner messianischen Sendung stehen, unterscheidet sie auch von den Mirakeln der hellenistischen Wundergeschichten und den massenhaften ähnlichen Geschichten der christlichen Legende. Rätselhaft bleibt Mt 27,52 f EU.[5]

In der weiteren Geschichte

Es soll in dieser Zusammenstellung aus Heiligsprechungsprozessen von Wilhelm Schamoni aufgezählt werden, dass Christus auch in unserm Jahrtausend nicht aufgehört hat, Tote aufzuerwecken. In den Kanonisationsakten wird jede Einzelheit unter Eid (Gerichtsprotokolle unbescholtener Augenzeugen) ausgesagt von Menschen, denen der Eid wirklich heilig ist.[6]

  • St. Stephanus (Erstlingsmartyrer) in Uzalis (PL 41,833-854, dort Sp. 842, Kap. 15 und Augustinus von Hippo, der in Sermo 324 in: PL 38, 1447).
  • Sulpitius Severus schreibt in seinem Martinsleben (Kap. 7 und 8), das wohl etwa zwei Jahre vor Martins Tod verfasst wurde, von der Erweckung eines nach kurzer Krankheit verstorbenen Katechumenen und eines Mannes, der sich aufgehängt hatte, und in den Dialogen (11, 4) um 404 von der eines Kindes bei Chartres, worauf sich sehr viele Heiden bekehrten (BKV Bd. 20, S. 28-30 und 108 f).
  • Drei Totenerweckungen des hl. Martin von Tours. Beim Offizium nach der ersten Lesung wird gebetet: "Martin ist der von Gott erwählte Bischof, dem der Herr nächst den Aposteln diese große Gnade zu gewähren sich würdigte, dass er in der Kraft der göttlichen Dreifaltigkeit der herrliche Erwecker dreier Toten zu werden verdiente."
  • Paulinus, der ehemalige Sekretär des hl. Ambrosius von Mailand, berichtet in seinem "Leben des hl. Ambrosius" um 422 von der Erweckung des nach plötzlicher Krankheit verstorbenen Kindes Pansophius (Migne PL 14, 36 f, nr. 28).
  • Augustinus von Hippo schreibt sehr kurz im letzten Buch des "Gottesstaates", das aus dem Jahre 426 stammt, über fünf Totenerweckungen, die in und bei seiner Bischofsstadt seit dem Jahre 424 auf die Fürbitte des hl. Erzmartyrers Stephanus geschahen.
  • Gregor der Große, "Dialoge über das Leben und die Wunder italienischer Väter". Darin spricht Gregor von mehreren Totenerweckungen (I, 2; 10; 12. II, 11; 32. III, 17).
  • Vom Hl. Benedikt von Nursia berichteten Erweckungen: die eines Mönches, der von einer Mauer erschlagen war, und die eines Knaben (II, 11 und 32).
  • Hl. Franziskus Solanus: Auferweckung der fünf jährigen Beatrix de Monroi, die vom Dach eines fünfstöckigen Hauses gestürzt war und das eiserne Gitter mit sich gerissen hatte. Ihr Kopf war in zwei Teile zerbrochen, ein Auge herausgerissen, und sie war dann verstorben. Als an ihren Kopf ein Bild des Dieners Gottes Franz Solanus gebracht war, ward ihr das Leben wiedergegeben, das Auge kehrte hinter die Lider zurück und der zerrissene Scheitel war auf der Stelle wieder heil (Pariser Kanonisationsakten).
  • Erweckung eines totgeborenen Kindes auf die Fürbitte des hl. Petrus Fourier.
  • Eine Auferweckung Don Boscos.
  • Elisabeth von Thüringen Auferweckung eines im Brunnen ertrunkenen Knaben.
  • Hedwig Ein unter dem Mühlrad ertrunkener Knabe.
  • Thomas von Hereford Auferweckung eines fünf jährigen ertrunkenen Mädchens.
  • Ivo Hélory Auferweckung eines fünf jährigen Knaben.
  • Petrus von Luxemburg Auferweckung eines jungen Mannes.
  • Dorothea von Montau Erweckung eines totgeborenen Knaben.
  • Petrus Regalatus Auferweckung eines dreijährigen Knaben.
  • Franz Xaver Auferweckung eines Knaben, dem Opfer einer Seuche und eines im Brunnen ertrunkenen Knaben.
  • Stanislaus Kostka Auferweckung eines siebenjährigen Knaben.
  • Philipp Neri Auferweckung des Paul Massimo.
  • Andreas Avellino Auferweckung eines abgestürzten Knaben.
  • Bernharden Realino Auferweckung eines Säuglings.
  • Franz von Sales Bewahrung vor dem Tode oder Erweckung vom Tode eines abgestürzten Mannes; Auferweckung der Schwester Franziska Angelika de la Pesse und die Auferweckung des Hieronymus Genin.
  • Petrus Fourier Auferweckung zweier erdrückter Knaben.
  • Marco von Aviano Erweckung eines totgeborenen Knaben nach 14 Tagen.

Literatur

  • Auferweckungen vom Tode, Aus den Heilungssprechungsakten übersetzt von Wilhelm Schamoni, Im Selbstverlag des Verfassers 1968 (Imprimatur Paderbornae, d. 23 m. octobris 1967 Nr. A 66990/67 Vicarius Generalsi: Dr. Droste; Christiana Verlag, 128 Seiten, 2. Auflage).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Catechismus Romanus, I. Teil: Vom Glaubensbekenntnis, Zwölftes Kapitel: Elfter Glaubensartikel »Auferstehung des Fleisches«, 3.
  2. siehe Literatur: Auferweckungen vom Tode, übersetzt von Wilhelm Schamoni, S. 110.
  3. Wilhelm Schamoni: Auferweckungen vom Tode, S. 126.
  4. Heinrich Groß in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 10, Sp. 269-270.
  5. Josef Schmid in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 10, Sp. 269-270.
  6. Wilhelm Schamoni: Auferweckungen vom Tode, S. 5.
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