Bild und Gleichnis Gottes

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"Wer mich (Jesus Christus) gesehen hat, hat den Vater gesehen (Joh 14,9 EU)[1]

Bild und Gleichnis Gottes, Gottebenbildlichkeit, Abbild oder Ebenbild Gottes und Gottähnlichkeit bedeutet, dass der Mensch im Paradies von Gott dem Schöpfer, ähnlich personhaft wie er selbst (KKK, 2334), erschaffen wurde. Dies sagt das erste Buch der Bibel: Gen 1,26-27 EU: "Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild[2] und nach unserer Ähnlichkeit[3]. Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.“[4]

Der Glaube, dass alle Menschen als Bild und Gleichnis geschaffen sind, ist Triebkraft zu einer universalen Geschwisterlichkeit (vgl. NAe 5). Als Repräsentant Gottes ist er zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung gerufen (vgl.). Papst Johannes Paul II. nennt den Menschen unauslöschliches Ebenbild Gottes (vgl.).

Inhaltsverzeichnis

Was ist mit "Bild und Gleichnis Gottes" gemeint

Die Gottebenbildlichkeit bedeutet, dass der Mensch mit den geistigen[5] Vermögen des erkennenden Verstandes und des freien Willens (die Gott in Fülle besitzt) ausgestattet wurde und deswegen unsterblich ist.[6] Die Gottebenbildlichkeit beinhaltet ein nätürliches Verlangen nach der Gottesschau (vgl. AG, 7), fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben. Von Gott wird der Mensch zum Herrn über alle irdischen Geschöpfe gesetzt, um sie in Verherrlichung Gottes zu beherrschen und sie zu nutzen (GS 12).

Dass der Mensch nach Gottes Gleichnis erschaffen wurde bedeutet, dass er nicht nur wie Gott ähnlich im Sein war, sondern auch ähnlich im Tun, nämlich gerecht, barmherzig[7][8] und liebend.[9]

Heiligkeit und Gerechtigkeit[10] war sein Urzustand im Paradies, ein wenig geringer als Gott selber (vgl. Ps 8,5-9 EU). Weil Gott aber keine Marionetten (die nicht anders können) in der Ewigen Seligkeit haben wollte, prüfte er seine Geistgeschöpfe, ob sie frei zu seinem Willen ja sagen und so die Gottnähe im Himmel oder die Gottferne der Hölle wählen würden.

Die Ursünde im Paradies

Dem Menschen im Paradies, von der Erde genommen, wurde die Erde anvertraut (Gen 1,26 EU). Adam und Eva haben jedoch das Gebot Gottes übertreten,[11] d.h. ihre Freiheit missbraucht (GS 13), indem sie vom Baum des Lebens gegessen (vgl. Gen 3,1-24 EU) haben und dadurch die Gottebenbildlichkeit und das gottähnliche sittliche[12] Handeln verunstaltet (vgl. GS 22), jedoch nicht verlierbar[13] zerstört haben (vgl. Gen 9,6 EU). Der Mensch wurde an Seele und Leib nach, zum Schlechteren gewandelt,[14] aber nicht so sehr geschwächt, als dass ihm ein moralisches Leben unmöglich wäre. Der Verstand des Menschen wurde verdunkelt[15], der Wille geschwächt,[16] seine Handlungsweise wurde gemischt, sowohl gut als auch böse.[17]

Wenn jedoch das Wesen des Menschen selbst ein Abbild Gottes ist, muss auch sein Tun ihm gleichförmig sein.[18]

Die Gottebenbildlichkeit des ersten und zweiten Adam

Aufgrund der Sündenfolgen[19] im Paradies, setzte Gott schon im Alten Bund Ämter ein, die den Menschen von der Ursünde auf den Weg zum Heil in Jesus Christus führen sollten. Entsprechend seiner Sendung, den gefallenen Menschen aus der Sünde zu erlösen, ergeben sich die drei Ämter Christi:

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Christus heilt durch das Tragen des Kreuzes[20] die Verdunkelung des Verstandes (vgl. Kol 3,10 EU) in seiner Lehre, die im Lehramt der Kirche in der Geschichte fortdauert. Den Willen des Menschen leitet er als Hirte, fortdauend im Hirtenamt der Kirche. Den Verlust der Gemeinschaft mit Gott stellt er durch sein Mittleramt zwischen Gott und dem Menschen wieder her. Durch Gleichnisse im Evangelium ruft er dazu auf, in das Reich Gottes einzutreten, den neuen Menschen anzuziehen, der in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit nach dem Bild Gottes geschaffen wurde (Eph 4,24 EU). Die Gleichnisse halten dem Menschen gewissermaßen einen Spiegel vor, der ihn erkennen lässt (KKK 546), um ihn als Gefallenen wieder in seine ursprüngliche Berufung zu versetzten (KKK 518[21]), mit enthülltem[22] Angesicht die Herrlichkeit des Herrn widerzuspiegeln und so in Gottes eigenes Bild verwandelt zu werden.[23] Der zweite Adam soll sich im Handeln des Menschen zeigen, der das Natürliche Sittengesetz durch das christliche Sittengesetz ergänzt: Christus fordert im Letzteren den Menschen auf zu lieben, wie er geliebt hat,[24] den Feinden zu vergeben, für seine Verfolger zu beten, damit der Mensch Kind des Vaters im Himmel wird (Mt 5,43-48 EU). Der Mensch soll Christi Geboten gehorsam sein (vgl. Joh 14,15 EU), wie er dem Vater bis zum Tod am Kreuz gehorsam war (vgl. Phil 2,8 EU).

Der Sohn Gottes Jesus Christus, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt und den Söhnen Adams die (erste)[25] Gottebenbildlichkeit wiedergegeben (GS 22). Als Erlöser erwarb er eine (zweite) Gottebenbildlichkeit,[26] die Gottebenbildlichkeit der Liebe.[27] Die Frucht der Erlösung am Kreuz, stellte nicht nur den Umgang mit Gott[28] wie im Paradies wieder her, sondern ladet den gläubigen Menschen dazu ein, als Freund (Joh 15,15 EU) und Adoptivsohn (Gal 4,5–7 EU; KKK, 1265) am eucharistischen "Tisch" Platz zu nehmen.[29]

Die Vollendung der ganzen Schöpfung in Christus

Jesus Christus, dem zweiten Adam (1 Kor 15,45+47 EU; GS 22), der vom Himmel stammt, wurde durch Auftrag des Vaters Herrscher über die ganze Schöpfung.[30][31] An ihm wird die Gottesebenbildlichkeit in vollkommener Weise erkannt und in ihm realisiert.

"Er ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung (zweite Gottebenbildlichkeit). Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin erschaffen. Er ist vor aller Schöpfung und in ihm hat alles Bestand. Er ist das Haupt, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang. Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles auf ihn hin zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut (Kol 1,15-20 EU).

An Christi "Wesen und Gestalt", soll der Mensch teilhaben (Röm 8,29 EU) d.h. an Seele und Leib[32] gleichgestaltet werden, als Teilhabe an der göttlichen Natur (2 Petr 1,4 EU).

Tabellarischer Überblick

Mensch (1 Kor 15,21f.45.47 EU) aufgrund: Sein und Tun Wo? herrschen / walten
Erster Adam von der Erde (irdisches Lebewesen) Ursünde durch Ungehorsam (Gen 3,1-24 EU): Fluch verdunkelter Verstand - geschwächter Wille - gutes und böses Tun Paradies als Mann und Frau (Gen 1,27 EU) Kosmos (Gen 1,26 EU)
Zweiter Adam vom Himmel (lebendig machender Geist) Sühnetod aus Gehorsam: Segen durch Liebe bis zum Kreuz (Phil 2,8 EU) erhellter Verstand - gestärkter Wille - Gleichnisse: durch das Evangelium Himmlisches Jerusalem - sein wie die Engel (Mt 22,30 EU) Christus und seine Glieder herrschen über die gesamte Schöpfung in alle Ewigkeit (Offb 22,5 EU)

Literatur

Anmerkungen

  1. vgl. auch: Joh 1,14 EU, Hebr 1,3 EU
  2. Hebräische Sprache: צֶלֶם אֱלֹהִים, tzäläm elohim; griech.: εἰκὼν τοῦ θεοῦ, eikōn tou theou; lat.: imago Dei.
  3. griech.: ὁμοίωμα; lat.: similitudo
  4. Nach 1 Kor 11,7b EU ist der Mann "das Abbild und der (Ab)glanz Gottes", während die Frau "der Abglanz des Mannes" ist. Die Begründung dafür gibt der Apostel Paulus von Tarsus in Vers 9f, in der wohl zum Ausdruck kommen soll, dass der Mann als das "Haupt der Frau" (vgl. 11, 3; Eph 5,23 EU), dem sie unterworfen ist (vgl. Kol 3,18 EU; Eph 5,24 EU), am Herrschaftsrecht Gottes mehr teilhat als die Frau. Paulus spricht aber dabei der Frau nicht die Gottebenbildlichkeit ab (vgl. 1 Kor 11,7b EU). - Nach Kol 3,10 EU sollen die Christen "den neuen (Menschen) anziehen, der erneuert wird zur Erkenntnis entsprechend dem Abbild dessen, der ihn erschaffen hat" (Franz Mussner in: Lexikon für Theologie und Kirche 2. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 1089).
  5. vgl. 2 Kor 3,17 EU.
  6. vgl. Paul Lamarche in: Wörterbuch zur biblischen Botschaft, Herausgegeben von Xavier Lèon-Dufour, Herder Verlag Freiburg 1981, Artikel: Ebenbild, S. 113 (ISBN 3-451-1417-4, Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 20. Juli 1964 Der Generalvikar Dr. Föhr).
  7. Dazu zählt die Goldene Regel: "Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" Mt 7,12 EU oder auch das barmherzige Handeln des Samariters Lk 10,25-37 EU
  8. Irenäus von Lyon (haer. V, 16,3) und Tertullian (bapt. 5) beziehen auch die Leiblichkeit des Menschen in die Gottebenbildlichkeit ein (selbst wenn sie dem Geist eminenter zukommt) und fassen sie als ethische Forderung an den Menschen zu dessen Vollendung auf. - Leo Scheffczyk in: Lexikon für Theologie und Kirche 3. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 874.
  9. 1 Joh 4,16 EU; Leiden und Tod Christi sind eine Offenbarung seiner Liebe: Joh 15,13 EU
  10. Konzil von Trient, 5. Sitzung, DH 1511.
  11. Satan fand trotz dieser Wesensähnlichkeit (vgl. Weish 2,23 EU) des Menschen mit Gott einen Anknüpfungspunkt im Menschen, als er sagte: „Ihr werdet sein wie Gott und erkennt Gut und Böse“ (vgl. Gen 3,5 EU). Doch statt so zu werden wie Gott, verlor der Mensch das Gleichnis Gottes, das er vorher hatte, denn er war nicht mehr ohne Sünde. Für alle Nachkommen Adams gilt dasselbe, was auch für Seth, seinen ersten Nachkommen, galt: Sie werden im Gleichnis Adams – als sündige Menschen mit Neigung zum Bösen – geboren (Gen 5,3 EU). : Marco Leßmann: In seinem Bild, nach seinem Gleichnis (02) am 9. Oktober 2016
  12. vgl. Franz Mussner in: Lexikon für Theologie und Kirche 2. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 1091.
  13. Franz Mussner in: Lexikon für Theologie und Kirche 2. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 1091.
  14. Konzil von Trient, 5. Sitzung, DH 1511.
  15. GS 15; Johannes Paul II. Reconciliatio et paenitentia, 16.
  16. Johannes I. 2. Synode von Orange, begonnen am 3. Juli 529, DH 383; Leo XIII. Humanum genus, 20.
  17. Pius XII. Weihnachtsansprache Leva ierusalem#Der Mensch, Abbild des Geistes Gottes, Herr über die Welt durch Erkenntnis, Wollen und Wirken über Christus und die Harmonie des Kosmos vom 22. Dezember 1957.
  18. Pius XII. Weihnachtsansprache Leva ierusalem#Vollkommene Harmonie durch die Gegenwart Christi in der Welt über Christus und die Harmonie des Kosmos vom 22. Dezember 1957.
  19. Die Gottebenbildlickeit lässt gut handeln, so wie Gott gut handelt (Thomas von Aquin: lat.: agere sequitur esse - Das Tun folgt dem Sein (Summa contra gentiles III, 69); das Handeln folgt dem Sein; lat.: Omne agens agit sibi simile (Summa theologica, I, q. 110 a. 2; q. 115 a. 1]). Das die Freiheit missbrauchende Handeln in der Sünde, wird die Gottebenbildlickeit verunstaltet., wird der Mensch Gott abgekehrt.
  20. griech.: σταυρός staurós - Kreuz
  21. „Indem er durch die Inkarnation Mensch wurde, fasste er die lange Entwicklung der Menschen in sich zusammen und gab uns in dieser Zusammenfassung das Heil, damit wir unser Sein nach dem Bilde und Gleichnis Gottes, das wir in Adam verloren hatten, in Christus Jesus wiedererlangen würden“ (Irenäus von Lyon, hær. 3,18,1).
  22. d. h. mit Verständnis und Einsicht: Franz Mussner in: Lexikon für Theologie und Kirche 2. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 1089.
  23. vgl. 2 Kor 3,18 EU, vgl. 2 Kor 4,4 EU).
  24. Joh 13,34-35 EU: "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt."
    Joh 15,12-14 EU: "Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage."
  25. Johannes IV.: Brief »Dominus qui dixit« an Kaiser Konstantin III. im Frühjahr 641 - DH 496.
  26. vgl. Johannes IV.: Brief »Dominus qui dixit« an Kaiser Konstantin III. im Frühjahr 641 - DH 496.
  27. 1 Joh 4,16 EU; Leiden und Tod Christi sind eine Offenbarung seiner Liebe: Joh 15,13 EU
  28. Umgang hat auch ein Knecht oder Sklave mit seinem Herrn (um in den gängigen Begriffen der Bibel zu bleiben).
  29. vgl. Wandlungsworte, Mt 26,26-27 EU, Offb 19,9 EU.
  30. Mt 11,27 EU; Offb 19,6 EU, Hebr 1,2 EU.
  31. Die Gläubigen Menschen werden jedoch (einst) auch mit Christus herrschen in alle Ewigkeit Offb 22,5 EU.
  32. Es geht im Zusammenhang um die Erlösung des Leibes (vgl. Röm 8,23 EU in der Auferweckung von den Toten: Franz Mussner in: Lexikon für Theologie und Kirche 2. Auflage, Band 4, Artikel: Gottebenbildlichkeit, Sp. 1089.
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