Zweites Vatikanisches Konzil

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Die ökumenischen Konzilien
  1. I. Konzil von Nizäa (325)
  2. I. Konzil von Konstantinopel (381)
  3. Konzil von Ephesos (431)
  4. Konzil von Chalcedon (451)
  5. II. Konzil von Konstantinopel (553)
  6. III. Konzil von Konstantinopel (680-681)
  7. II. Konzil von Nizäa (787)
  8. IV. Konzil von Konstantinopel (869-870)
  9. I. Laterankonzil (1123)
  10. II. Laterankonzil (1139)
  11. III. Laterankonzil (1179)
  12. IV. Laterankonzil (1215)
  13. I. Konzil von Lyon (1245)
  14. II. Konzil von Lyon (1274)
  15. Konzil von Vienne (1311-1312)
  16. Konzil von Konstanz (1414-1418)
  17. Konzil von Basel-Ferrara-Florenz (1431-1449)
  18. V. Laterankonzil (1512-1517)
  19. Konzil von Trient (1545-1563)
  20. I. Vatikanisches Konzil (1869-1870)
  21. II. Vatikanisches Konzil (1962-1965)
II. Vatikanum

Das Zweite Vatikanische Konzil war das bisher letzte der 21 ökumenischen Konzilien der Katholischen Kirche und begann am damaligen Hochfest der Gottesmutter Maria den 11. Oktober 1962 in St. Peter der Vatikanstadt in Rom. Der selige Papst Johannes XXIII. rief es ein. Bereits nach der ersten Periode war Papst Johannes XXIII. heimgegangen. Papst Paul VI. führte sein Werk fort und schloss das Konzil am 8. Dezember 1965. Es war ein pastorales Konzil, das das Evangelium in der heutigen Zeit zu verwirklichen suchte und die Akzentuierungen dafür setzte. Es war vor allem von ökumenischem Einheitsstreben geprägt.

Das Innere des Petersdoms ist zu einer Konzilsaula umgebaut. Das Hauptschiff als Sitzungssaal hat 3200 Sitzplätze. Er hat die Form eines Rechtecks mit abgeschnittenen Ecken, hundert Meter lang und 25 Meter breit. Die ansteigenden Sitzgruppen unterteilten sich in 40 Blöcke mit je 80 Plätzen, von denen aus debattiert wird. Die Redner konnten ihre Beiträge aus unmittelbarer Nähe ihres Sitzes verlesen, denn in den Gängen sind zahlreiche Mikrophone aufgestellt. Das Konzil hatte 136. Generalkongregationen. Es gab 640 Konzilsredner und gab 33 Abstimmungen. In insgesamt vier Sitzungsperioden wurden 16 Dekrete und Konstitutionen veröffentlicht. Die selige Jungfrau Maria und der heilige Joseph sind die himmlischen Patrone der Versammlungen des Zweiten Vatikanischen Konzils (Vgl. Paul VI. Mater ecclesiae). Es waren ökumenische Beobachter eingeladen.

Das Zweite Vatikanische Konzil verstand sich als verbindliches Konzil mit pastoraler Zielsetzung: Die Glaubenswahrheit sollte Anwendung finden im Denken und Leben der heutigen Menschen. Das Dogma als solches sollte keineswegs aufgegeben werden, sondern im Gegenteil verdeutlicht. Der theologisch konservative Papst Johannes XXIII. verwendete dafür den Begriff "Aggiornamento", der sich im Deutschen ungefähr mit "Verheutigung" oder "Vergegenwärtigung" wiedergeben lässt. Das Konzilsprogramm kam, mit Billigung des Papstes, insbesondere in zwei Ansprachen zum Ausdruck, die Kardinal Suenens, und, deren Wirkung erst bestärkend, Kardinal Montini im Dez. 1962 vortrugen (vgl. Acta synodalia, Bd. I/4, 222-27, 291-94). In der o.g. Eröffnungsansprache des Konzils traf der Papst die Unterscheidung zwischen dem wesentlichen Inhalt des wahren Glaubens und der jeweiligen Ausdrucksweise der Zeit. Diese anspruchvolle Unterscheidung setzt allerdings ein starkes kirchliches Amt voraus, das die jeweilige Abgrenzung trifft. Das zunächst eher ökumenische Konzilsziel (vor allem ggü. der Ostkirche) weitete sich dann zur Begegnung von Kirche und Welt insgesamt.

Im Hinblick auf den lehramtlichen Charakter der Dokumente gilt für katholische Christen jedoch: Alles, was das Konzil vorgelegt hat, "müssen alle und jeder der Christgläubigen als Lehre des obersten kirchlichen Lehramtes annehmen und festhalten entsprechend der Absicht der Heiligen Synode selbst, wie sie nach den Grundsätzen der theologischen Interpretation aus dem behandelten Gegenstand oder aus der Aussageweise sich ergibt" (Bekanntmachung des Generalsekretärs des Konzils Pericle Felici in der 123. Generalkongregation am 16. November 1964).

Werdegang zum Zweiten Vatikanischen Konzils

Papst Pius XI. schreibt in seiner ersten Enzyklika Ubi arcano dei consilio vom 23. Dezember 1922, Nr. 51: „Wir wagen es jedoch nicht, sofort die Wiederaufnahme des ökumenischen Konzils anzuordnen, das, wie Uns noch aus Unserer Kindheit erinnerlich ist, durch den seligen Papst Pius IX. eröffnet wurde, aber nur einen, wenn auch bedeutenden, Teil seines Programms erledigt hat. Wir möchten lieber noch zuwarten und, wie der berühmte Führer der Israeliten, beten, dass der gütige und barmherzige Gott Uns seinen Willen klarer zu erkennen gebe" (vgl. Ri 6,17).

Papst Johannes XXIII. hatte mit dem II. Vatikanischen Konzil die Absicht: „zur Anpassung des kirchlichen Rechtsbuches an die heutigen Erfordernisse und der Herausgabe eines neuen Rechtsbuches für die Kirche des orientalischen Ritus ... (zu) heilsamer Erneuerung christlicher Sitten und zur Wiederherstellung der Einheit, der Eintracht und des Friedens ..." (Antrittsenzyklika, Ad petri cathedram vom 29. Juni 1959). Er entschied bewusst, dass das II. Vatikanum als eigenes Konzil zu gelten habe.

Die Entstehung des Konzilsgedankens

Während einer Audienz Anfang Mai 1962, die er Pilgern aus seinem früheren Bistum Venedig gewährte, erzählte wie er zu dem Entschluss kam, ein Konzil einzuberufen:

„Im Ablauf eines Gespräches mit Kardinalstaatssekretär Tardini ergab sich eine Frage, der die Feststellung folgte: die Welt von heute versinkt immer mehr in Angst und Unsicherheit; zwar bekennt man sich immer wieder lautstark zu Frieden und Verständigung, aber dabei kommt es doch immer wieder nur zu verschärften Gegensätzen und verstärkten Drohungen. Was soll da die Kirche tun? Soll sich das geheimnisvolle Schifflein Christi von den Wogen auf und ab treiben lassen? Erwartet man von der Kirche nicht mehr als ein bloßes Wort der Mahnung? Erwartet man nicht vielmehr das Licht eines großen Beispiels? Was könnte das aber sein? Dieser Frage folgte ein langes, ehrfürchtiges inneres Aufhorchen. Mit einem Mal ging Uns innerlich das Licht der großen Idee auf; sie wahrnehmen und - mit einem unbeschreiblichen Vertrauen auf den göttlichen Meister - aufgreifen, war eins. Auf Unsere Lippen drängte sich, feierlich und verpflichtend zugleich, das Wort, und Unsere Zunge sprach es zum erstenmal aus: ein Konzil! Ehrlich gesagt, es regte sich in Uns auch sofort die Furcht, etwas Bestürzendes und Schockierendes gesagt zu haben. Sicher würden Wir nun eine Aufzählung ernst zu nehmender Einwände anhören müssen, schon deshalb, weil zu erwarten war, dass diese überraschende Ankündigung natürlich eine lange, gründlich überlegte Stellungnahme auslösen müsste. Die Antwort ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Das Antlitz des Kardinals war sichtlich bewegt, als er unmittelbar danach begeistert zustimmte. Das war für Uns ein erstes, sicheres Zeichen für den Willen des Herrn! Wer wüsste nicht, mit wie viel, zweifellos notwendiger und begreiflicher Umsicht die Römische Kurie alle großen und kleinen Fragen, mit denen sie zu tun hat, prüft. Hier aber entsprach dem Ecce adsum des Papstes das unmittelbare Echo seines engsten Mitarbeiters."

Der Papst erzählte dann weiter, wie es ihm kurz darauf ähnlich erging, als er sein Vorhaben in der Basilika St. Paul vor den Mauern den Kardinälen ankündigte: Erst schwiegen sie bestürzt und überrascht, dann kamen sie einer nach dem andern und versicherten ihm ihre Bereitschaft zur Mitarbeit. (Quelle: Die Welt aber soll erkennen, Herausgegeben von Bertram Otto, Verlag des Borromäusvereins Bonn 1963, S. 22.)

Niemand rechnete mit einem Konzil. Zwar hatten sowohl Papst Pius XI. als auch Papst Pius XII. daran gedacht, das unvollendete I. Vatikanische Konzil abzuschließen, es aufgrund der Unreife des Augenblicks nicht taten. Johannes XXIII. wollte aber nicht das I. vatikanische Konzil weiterführen, sondern ein eigenes Konzil, es sollte als ein pastorales, ein seelsorgliches Konzil gefeiert werden.

Vorbereitung zum Zweiten Vatikanischen Konzils

Am 25. Januar 1959 kündigte Papst Johannes XXIII. in der Basilika St. Paul vor den Mauern vor einer Gruppe von Kardinälen die Einberufung eines Konzils an und am 29. Januar teilte der Kardinalstaatssekretär‚in einem Schreiben allen Kardinälen die Erklärung des Papstes vom 25. Januar mit. An Pfingsten 17 Mai 1959 ruft Johannes XXIII. die Commissio antepraeparatoria zur entfernteren Vorbereitung des kommenden Konzils ein. In seiner Ersten Enzyklika Ad petri cathedram vom 29. Juni 1959 (Nr. 2) bekräftigt er die Ankündigung eines Konzils. In der Enzyklika Grata recordatio vom 26. September 1959 bittet er dann, um Gebet als Vorbereitung auf das Ökumenische Konzil. An Pfingsten (5. Juni 1960) werden im Motu proprio Superno dei nutu zehn Vorbereitungskommissionen und zwei Sekretariate eingesetzt. Im Apostolische Brief Le voci vom 19. März 1961 wird der Heilige Josef zum Patron des Zweiten Vatikanischen Konzils erwählt. Die Zentralkommission, welche die erarbeiteten Schemata der Vorbereitungskommissionen koordinierte, tagte zum ersten Mal am 12. Juni 1961. In der Enzyklika Aeterna dei sapientia vom 11. November 1961 zum 1500 Jahrestag des Heimganges Leo I., des Großen gibt Johannes XXIII. zu verstehen, dass die Wiederherstellung der christlichen Einheit auch die Anerkennung des päpstlichen Primates seitens der nichtrömischen Bekenntnisse im Blick haben müsse. Er teilt darin mit, dass das Konzil 1962 im Petersdom stattfinde. Am 25. Dezember 1961 legt der Papst in der Apostolischen Humanae salutis das Jahr 1962 als Beginn des Konzils fest. Um erneutes Gebet für das Konzil, bittet er im Apostolisches Mahnschreiben Sacrae laudis am 6. Januar 1962. Mit dem Motu proprio Consilium vom 2. Februar 1962, wird der genaue Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils am 11. Oktober 1962 bestimmt. Im Frühjahr 1962 legen die Vorbereitungskommissionen Entwürfe zu den unterschiedlichsten Themen vor. Zum Rosenkranzgebet ruft er im Apostolischen Schreiben Oecumenicum concilium vom 28. April.1962 auf. In der Enzyklika Paenitentiam agere vom 1. Juli 1962 lädt der Papst zur Buße für einen guten Ausgang des Konzils ein. Mit dem Motu proprio Approquinquante concilio vom 6. August 1962, legt er die Geschäftsordnung für das Zweite Vatikanische Konzil fest. Im August 1962 erhalten die Konzilsväter in aller Welt die umfangreichen 72 Konzilsschemata. Im Oktober 1962 werden die Vorbereitungskommissionen durch Konzilskommissionen abgelöst.

Beginn und Aufgabe des Konzils

In einer großen Prozession ziehen 2 540 Konzilsväter (aus 133 Ländern) den Hymnus Ave maris stella singend in den Petersdom ein. Johannes XXIII. stimmt den Hymnus Veni creator Spiritus an, alle erheben sich und stimmen in den Gesang unter den mächtigen Klängen der Orgel ein. Es nehmen offizielle Delegationen aus 86 Staaten bei der Eröffnung teil. Es begann eine Messfeier. Danach hielt Papst Johannes XXIII. die lateinische programmatische Eröffnungsansprache Gaudet mater ecclesia. In Nr. 11 nennt er die Hauptaufgabe:
Die Hauptaufgabe des Konzils besteht darin, das unveräußerliche Überlieferungsgut der christlichen Lehre wirksamer zu bewahren und zu lehren... Nr. 14: Aus dem bisher Gesagten wird deutlich, was vom Konzil für die Verkündigung der Lehre erwartet werden soll: Das 21. Ökumenische Konzil, das sich einen effizienten und bedeutsamen Reichtum an Erfahrungen im Bereich des Rechts, der Liturgie, der Pastoral und der Administration zu Nutze machen kann, will die Glaubenslehre rein und unvermindert, ohne Abschwächung und Entstellung weitergeben, wie sie im Verlaufe von zwanzig Jahrhunderten nicht ohne Schwierigkeiten und Kontroversen zum gemeinsamen Erbe der Menschen wurde; ein Erbe, das nicht von allen wohlwollend angenommen wurde, aber ein Reichtum, der immer allen Menschen guten Willens erreichbar war. Unsere Aufgabe ist es nicht nur, diesen kostbaren Schatz zu bewahren, als ob wir uns nur um Altertümer kümmern würden. Sondern wir wollen uns mit Eifer und ohne Furcht der Aufgabe widmen, die unsere Zeit fordert. So setzen wir den Weg fort, den die Kirche im Verlaufe von zwanzig Jahrhunderten gegangen ist... Nr. 15: Der springende Punkt für dieses Konzil ist es also nicht, den einen oder den andern der grundlegenden Glaubensartikel zu diskutieren, wobei die Lehrmeinungen der Kirchenväter, der klassischen und zeitgenössischen Theologen ausführlich dargelegt würden. Es wird vorausgesetzt, dass all dies hier wohl bekannt und vertraut ist. Dafür braucht es kein Konzil. Aber von einer wiedergewonnenen, nüchternen und gelassenen Zustimmung zur umfassenden Lehrtradition der Kirche, wie sie in der Gesamttendenz und in ihren Akzentsetzungen in den Akten des Trienter Konzils und auch des Ersten Vatikanischen Konzils erkennbar ist, erwarten jene, die sich auf der ganzen Welt zum christlichen, katholischen und apostolischen Glauben bekennen, einen Sprung nach vorwärts, der einem vertieften Glaubensverständnis und der Gewissensbildung zugute kommt. Dies soll zu je größerer Übereinstimmung mit dem authentischen Glaubensgut führen, indem es mit wissenschaftlichen Methoden erforscht und mit den sprachlichen Ausdrucksformen des modernen Denkens dargelegt wird. Denn eines ist die Substanz der tradierten Lehre, d.h. des Depositum fidei; etwas anderes ist die Formulierung, in der sie dargelegt wird. Darauf ist - allenfalls braucht es Geduld - großes Gewicht zu legen, indem alles im Rahmen und mit den Mitteln eines Lehramtes von vorrangig pastoralem Charakter geprüft wird.

Das Konzil hat die Aufgabe, ein neues Pfingsten des Glaubens, des Apostolats und der außerordentlichen Gnaden herabzurufen, zum Wohl der Menschen und für den Frieden der ganzen Welt. Maria, die Mutter Jesu und allzeit auch unsere milde Mutter, befand sich gemeinsam mit den Apostel im pfingstlichen Abendmahlsaal. Kommen wir ihr doch - durch den Rosenkranz - immer näher! Dann werden unsere Gebete, vereint mit dem ihren, das alte Wunder erneuern, dann wird ein neuer Tag aufsteigen, ein lebendiges Morgenrot der Katholischen Kirche, der heiligen und immer heiligeren, der katholischen und immer katholischeren Kirche unserer Zeit. (Johannes XXIII., Das Rosenkranzgebet – drittes Gesätz des glorreichen Rosenkranzes)

Ziel des Konzils

Papst Johannes XXIII. schreibt in seinem Brief an den venezianischen Klerus vom 24. April 1959: Bitten und hoffen wir, dass das Konzil vor allem das Schauspiel der nach der Himmelfahrt Christi in Jerusalem vereinigten Apostel erneuert: vereint in Gedanken und Gebet mit Petrus... eine Darbringung von Energien, die neue Kraft gewinnen, sich erneuern in der Suche nach dem, was den heutigen Erfordernissen des Apostolats am besten entspricht.

Und in seiner Erste Enzyklika Ad Petri Cathedram sagt Johannes XXIII. In Nr. 33: Lebhaft angeregt von dieser trauten Hoffnung haben Wir öffentlich die Absicht ausgesprochen, ein Ökumenisches Konzil einzuberufen, an dem die Bischöfe des ganzen katholischen Erdkreises teilnehmen werden, um die schwierigen Probleme der Religion zu behandeln. Hauptziel dieses Konzils wird sein, das Wachstum des katholischen Glaubens und die heilsame Erneuerung der Sitten des christlichen Volkes zu fördern, sowie die kirchliche Disziplin den Notwendigkeiten unserer Zeit anzupassen. Das wird ohne Zweifel ein wunderbares Schauspiel der Wahrheit der Einheit, der Wahrheit und der Liebe sein, ein Schauspiel, das auch in der Sicht jener, die von diesem Apostolischen Stuhl getrennt sind, eine sanfte Einladung sein wird, wie Wir hoffen, jene Einheit zu suchen und zu erlangen, die Jesus Christus in solch glühenden Gebeten vom Himmlischen Vater erflehte.

Papst Paul VI., zeigt das Ziel des Konzils in der EnzyklikaEcclesiam Suam“ in Nr. 44 ... um neue geistliche Kraft in den Mystischen Leib Christi als eine sichtbare Gesellschaft einzubringen, durch die Reinigung von den Fehlern vieler ihrer Glieder und die Anregung neuer Tugenden.

Im Motu proprio Sanctitas clarior sagt Papst Paul VI. „Ja, diese nachdrückliche Einladung zur Heiligkeit ist ein besonderer Zug der Lehre gerade dieses Konzils und gleichsam seine letzte Zielsetzung.

Abhängigkeit des guten Ausgangs des Konzils

„Der gute Ausgang des künftigen Ökumenischen Konzils hängt tatsächlich mehr als von der menschlichen Mühe und sorgfältigem Fleiß von den glühenden Gebeten ab, die gewissermaßen in heiligem Wettstreit gemeinsam empor gesandt werden. (Johannes XXIII. Ad petri cathedram in Nr. 46). Und in der Enzyklika Paenitentiam agere lädt der Papst darum zur Buße für einen guten Ausgang des Konzils ein.

Zeittafel

Erste Session

  • 11. Oktober bis 8. Dezember 1962 (ohne Ergebnisse; vgl. 1. Generalkongregation)
  • 3. Jun. 1963 Tod des Papstes Johannes
  • 21. Jun. 1963 Wahl des Kardinals Montini zum Papst (Paul VI.)

Zweite Session

  • 29. September bis 4. Dezember 1963
  • 4. Dez. 1963 Konstitution über die Hl. Liturgie, Dekret über die Sozialen Kommunikationsmittel
  • 4.-6. Jan. 1964 Pilgerreise des Papstes in das Heilige Land, Begegnung mit Patriarch Athenagoras

Dritte Session

  • 14. September bis 21. November 1964
  • 21. Nov. 1964 Konstitution über die Kirche, Ökumenismus-Dekret, Dekret über orientalische Kirchen
  • 2.-5. Dez. 1964 Reise des Papstes nach Bombay (Indien)

Vierte Session

  • 14. September bis 8. Dezember 1965
  • 4. Okt. 1965 Rede des Papstes vor den Vereinten Nationen in New York
  • 28. Okt. 1965 Dekrete über die Aufgaben der Bischöfe, Ordensleben, Priesterbildung, Erklärungen über christliche Erziehung und das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen
  • 18. Nov. 1965 Konstitution über die Offenbarung, Dekret über das Laienapostolat
  • 7. Dez. 1965 Pastoralkonstitution, Missionsdekret, Dekret über das Leben und den Stand der Priester, Erklärung zur Religionsfreiheit
  • 8. Dez. 1965 Feierlicher Abschluss, Botschaften des Konzils

Der Schlussakt des Konzils ist dokumentiert in AAS 58 (1966), S. 18 f.; das Schlusswort des Papstes lautete: In nomine Domini Nostri Iesu Christi: Ite in pace. (Ebd., S. 19.)

Die verabschiedeten Texte

Das Konzil, Relief

Konstitutionen

Erklärungen

Verordnungen

Botschaften des Konzils

Am 8. Dezember 1965 ließ Papst Paul VI. im Namen des II. Vatikanischen Konzils kurzgefasste, appellative Botschaften (I grandi messaggi del Concilio) auf Französisch verlesen und überreichte sie, u.a. an Regierende, Wissenschaftler, Künstler, Frauen, Arbeiter und die Jugend und überreichte die Texte an ausgewählte Repräsentanten der angesprochenen Gruppen. Diese Botschaften markierten den feierlichen Abschluss der allgemeinen Kirchenversammlung.

Vgl.: Insegnamenti di Paolo VI, Bd. III (1965), S. 748-762; AAS 58 (1966), S. 10-18.

Genannt werden (ebd., S. 748) auch die ausgewählten Empfänger. Die Botschaft an die Intellektuellen (S. 753 f.) erhielten z.B. Jacques Maritain und die Konzilsauditoren Jean Guitton und Stefan Swiezawski, ein polnischer Philosoph. Für die Frauen waren zugegen (vgl. S. 756 f.) die Gattin des ehem. ital. Staatspräsidenten Laura Segni und die Auditorinnen Marie-Louise Monnet (Frankreich) und Luz Maria Alvarez-Icaza (Mexiko), für die Arbeiter (S. 758 f.) Patrick Keegan (Großbritannien), August Vanistendael (Belgien, beide Auditoren) sowie der ACLI-Vertreter Armando Cagno aus Mailand, für die Jugend traten die argentinischen Laien-Auditoren Dr. Juan Vasquez und Margarita Moyano auf sowie der Auditor Eusebio Adjakpley aus Togo (Afrika).

Aus der Botschaft an die Jugend (ebd., S. 761 f.):

Die Kirche hat vier Jahre daran gearbeitet, ihr Gesicht zu verjüngen, um besser den Absichten ihres Gründers Christus zu entsprechen, der ewig jung und lebendig ist. Am Ende dieser eindrucksvollen revision de vie wendet sie sich an Euch. Besonders für Euch, die Jugend, hat die Kirche mit ihrem Konzil ein Licht entflammt, ein Licht, das die Zukunft erhellen soll, Eure Zukunft. (Orig. frz.)

Auslegung des Konzils

In der bisherigen Wirkungsgeschichte konkurrieren vornehmlich zwei Deutungsrichtungen: In eher konservativer Weise betrachtet, bezweckt diese Begegnung, dem "Sauerteig des Evangeliums" den Weg in die Herzen der Menschen zu bereiten. Eine eher liberale Deutung interpretiert das Konzil vor allem als Selbstkorrektur der katholischen Tradition (vgl. Nachkonziliare Krise)*.

Papst Paul VI. schreibt an Kardinal Pizzardo anlässlich des Internationalen Kongresses über die Theologie des II. Vatikanums am 21. September 1966: „Man möge in der Einschätzung und Auslegung der gesamten Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils sich davor hüten, diese Lehre vom übrigen Schatz der kirchlichen Lehre abzutrennen, als ob zwischen der überlieferten Lehre und der Lehre des Konzils irgendein Unterschied oder Widerspruch sein könnte“. Und Benedikt XVI. sagt zur Auslegung: So ist Pius XII. nach der Heiligen Schrift die häufigst zitierte Quelle in den Dokumenten des II. Vatikanischen Konzils. Sie sind nicht nur einfache Quellenangaben, sondern müssten als Interpretationsschlüssel verstanden werden. <ref>So Papst Benedikt XVI. vor einem historischen Symposium „Das Erbe Pius’ XII. und sein Einfluss auf das II. Vatikanische Konzil” vom 6. bis 8. November 2008. Vgl. kath.net: Papst bricht Lanze für Pius XII., Meldung vom 9. November 2008.</ref>

Schließlich muss man das Konzil in Kontinuität mit der langen Tradition der Kirche verstehen, bemerkt die (Bischofssynode im Schlussdokument 1985 Exeunte coetu saeculo I, 3). „Die Aussagen der Päpste verlangen, dass das Zweite Vatikanische Konzil nicht als Bruch mit der Tradition, sondern als pastorale Akzentuierung ausgelegt werden muss, welche die Tradition des Depositum fidei nicht verkehrt, sondern fördert.“

„Das Zweite Vatikanische Konzil stellt keinen Bruch mit der überlieferten Lehre und Disziplin dar, die ihm vorausging, als wäre es eine Neuigkeit, zu vergleichen mit einer umstürzenden Entdeckung, mit einer subjektiven Emanzipation, welche die Loslösung, fast eine Pseudobefreiung, von alledem berechtigen würde, was bis gestern von der Kirche bindend gelehrt und bekannt wurde, welche deshalb erlauben würde, neue und willkürliche Auslegungen des katholischen Glaubens vorzuschlagen... Das Konzil gilt insoweit, als es das Leben der Kirche fortsetzt, das Konzil unterbricht es nicht, verformt es nicht, erfindet es nicht, sondern bestätigt es, entwickelt es, vervollständigt es, hält es auf dem laufenden“. (Papst Paul VI.: Aus der Ansprache an die Klosterfrauen am 8. Dezember 1966).

In der Konstitution Regimini ecclesiae zur Kurienreform vom 15. August 1967 heisst es: "So haben Wir ja bei der Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils am 29. September 1963 erklärt: „Die vom Konzil erstrebte Neuerung darf weder für Umsturz (Revolution) im heutigen kirchlichen Leben gehalten werden, noch darf sie die Traditionen der Kirche in dem, was wichtig und ehrwürdig ist, unterbrechen; sie soll vielmehr diese Traditionen in Ehren halten, sie nach Beseitigung fehlerhafter und hinfälliger Formen wahrheitsentsprechend und fruchtbar gestalte."

Papst Paul VI.: „Jeder der im Konzil eine Auflockerung der früheren verpflichtenden Bindungen (engagements) der Kirche gegenüber ihrem Glauben erblicken würde, gegenüber ihrer Tradition, ihrer Askese, ihrer Caritas, ihrer Opfergesinnung und ihrer Anhänglichkeit an das Wort und das Kreuz Christi, oder gar eine nachsichtige Konzession an die gebrechliche und schwankende, relativistische Mentalität einer Welt ohne Prinzipien und ohne transzendentes Ziel, an eine Art angenehmeres und weniger forderndes Christentum, würde sich im Irrtum befinden." <ref>Zitat in: Dietrich von Hildebrand: Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes, zitiert aus: Michel de Saint Pierre, Sainte Colère, Editions de la Table Ronde, Paris.</ref>

„Man muss vermeiden, die Gläubigen zu verleiten, anders darüber zu denken, so als wären nach dem Konzil heute einige Verhaltensweisen erlaubt, die die Kirche früher für sich in sich schlecht erklärt hatte. Wer sieht nicht, dass daraus ein bedauerlicher sittlicher Relativismus entstehen würde, der leicht das ganze Erbe der Lehre der Kirche in Frage stellen könnte?“ Papst Paul VI: im September 1967).

Joseph Ratzinger schrieb in seinem Buch "Zur Lage des Glaubens" (1985) zu Kontinuität des Konzils: „Es ist ebenso unmöglich sich für Trient und Vatikanum I, aber gegen das Vatikanum II zu entscheiden. Wer das Vaticanum II verneint, negiert die Autorität, die die beiden anderen Konzilien trägt und hebt sie damit von ihrem Prinzip her auf."

Papst Benedikt XVI. verlangt im Jahre 2010 eine Hermeneutik der Kontinuität des Zweiten Vatikanischen Konzils und nicht des Bruches. Diese ist nur möglich, sofern, das Zweite Vatikanische Konzil im Lichte der Tradition ausgelegt wird, nicht umgekehrt. Wie oben Papst Paul VI. sagt, gilt das Konzil insoweit, als es das Leben der Kirche fortsetzt, es entwickelt und vervollständigt. Wenn bedacht wird, dass in Europa in den 60er und 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Missionare in die ganze Welt geschickt wurden und in diesen Ländern die Priester- und Ordensberufungen aussterben, muss geschlossen werden, dass es das Leben der Kirche zu wenig fortsetzt wird. Korrekturen wären z.B.: In der Praxis der Heiligen Messe kann nicht die protestantische Transsignifikationslehre katechetisch gestikuliert werden und theoretisch die Transsubstantiationslehre vertreten werden. Auch wird der Irrtum über den Heiligen Rock die Korrektur des Dekretes Unitatis redintegratio notwendig machen.

Papst Benedikt sagt im Dezember 2005 zur Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils: Die Frage taucht auf, warum die Rezeption des Konzils in einem großen Teil der Kirche so schwierig gewesen ist. Nun ja, alles hängt ab von einer korrekten Auslegung des Konzils oder – wie wir heute sagen würden – von einer korrekten Hermeneutik, von seiner korrekten Deutung und Umsetzung. Die Probleme der Rezeption entsprangen der Tatsache, daß zwei gegensätzliche Hermeneutiken miteinander konfrontiert wurden und im Streit lagen. Die eine hat Verwirrung gestiftet, die andere hat Früchte getragen, was in der Stille geschah, aber immer deutlicher sichtbar wurde, und sie trägt auch weiterhin Früchte. Auf der einen Seite gibt es eine Auslegung, die ich »Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches« nennen möchte; sie hat sich nicht selten das Wohlwollen der Massenmedien und auch eines Teiles der modernen Theologie zunutze machen können. Auf der anderen Seite gibt es die »Hermeneutik der Reform«, der Erneuerung des einen Subjekts Kirche, die der Herr uns geschenkt hat, unter Wahrung der Kontinuität; die Kirche ist ein Subjekt, das mit der Zeit wächst und sich weiterentwickelt, dabei aber immer sie selbst bleibt, das Gottesvolk als das eine Subjekt auf seinem Weg. Die Hermeneutik der Diskontinuität birgt das Risiko eines Bruches zwischen vorkonziliarer und nachkonziliarer Kirche in sich. <ref> ANSPRACHE VON BENEDIKT XVI. AN DAS KARDINALSKOLLEGIUM UND DIE MITGLIEDER DER RÖMISCHEN KURIE BEIM WEIHNACHTSEMPFANG am 22. Dezember 2005 </ref>

Päpstliche Worte zur Geschichtsschreibung des Konzils

Auf der hinteren Umschlagsseite des Buches "Rhein fließt in den Tiber" des Historikers Ralph Wiltgen werden die Worte Papst Paul VI. vom 31. Januar 1966 zitiert: "Es ist klar, dass die Geschichte dieses Konzils wird geschrieben werden müssen nach den besten Regeln für Historiker, wie sie von den klassischen Autoren aufgestellt wurden. Die erste dieser Regel ist: `Wage es nicht, etwas Falsches zu sagen und ebenso: Wage es nicht, die Wahrheit zurückzuhalten. Indem was Du schreibst, sei nichts, was den Verdacht auf Parteilichkeit oder Feindseligkeit aufkommen lässt.´(Cicero, Or. 11,15) "

Literatur

Literatur

  • Peter Christoph Düren, Kleines ABC des Zweiten Vatikanischen Konzils, Dominus-Verlag 2009 (160 Seiten)
  • P. Ralph Wiltgen SVD, Der Rhein fließt in den Tiber, Eine Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (Die vier Konzilsperioden) Lins Verlag (2. Auflage; 320 Seiten).
  • Rudolf Graber: Kirche nach dem Konzil. Veritas Verlag Wien-Linz-Passau 1967 (DIN A 5; 32 Seiten; Kirchliche Druckerlaubnis: BO Linz, Zl. 376.68).
  • Alexandra von Teuffenbach: Aus Liebe und Treue zur Kirche (Schilderung entscheidender Personen) Morus Verlag Berlin 2004 (150 Seiten; ISBN 3-87554-398-X).
  • Roberto de Mattei: “Das Zweite Vatikanische Konzil, eine nie geschriebene Geschichte”. Lindau (600 Seiten).
  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2008 (ISBN 978-3-506-76388-4)
  • Michael Bredeck: Das Zweite Vatikanum als Konzil des Aggiornamento. Zur hermeneutischen Grundlegung einer theologischen Konzilsinterpretation (Paderborner theologische Studien, 48), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2007 (ISBN 978-3-506-76317-4)
  • Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, hrsg. von Peter Hünermann, Freiburg: Herder 2005, 40., aktualisierte Auflage, ISBN 3-451-28520-7
  • Knut Wenzel: Kleine Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils, Herder Freiburg 2005 (ISBN 3-451-28612-2)
  • Kleines Konzilskompendium, hrsg. von Karl Rahner und Herbert Vorgrimler, Herder, Freiburg, 2002, 32. Auflage, ISBN 3451277352 (Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 3. Oktober 1966)
  • Otto Hermann Pesch: Das Zweite Vatikanische Konzil: Vorgeschichte - Verlauf - Ergebnisse - Nachgeschichte, Echter Verlag Würzburg 2001 (ISBN 3-7867-8393-4)
  • Werner Schmid (Hrsg.): Das verschwiegene Konzil. Was das Zweite Vatikanische Konzil wirklich gelehrt hat, Vorwort von Kurt Krenn, St. Josef Verlag (ISBN 3-901853-03-0).
  • Bruno Kresing (Hrsg.): Die Botschaft des Konzils, Paderborn 1966.
  • Romano Amerio: Iota Unum. Eine Studie über die Veränderungen in der Katholischen Kirche im XX. Jahrhundert.
  • Jose Orlandis: Stürmische Zeiten. Die katholische Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. MM Verlag Aachen 1999 (307 Seiten; ISBN: 3-928272-07-1).
  • Nikolaus Lobkowicz: Was brachte uns das Konzil? Johann Wilhelm Naumann Verlag 1986 (141 S.)
  • Joseph Overath: Erst Deformation dann Reformation? zwischen Kircheneinheit und Glaubensspaltung, Schmitt Verlag Siegburg 2003 (1. Auflage).
  • Georg May: Echte und unechte Reform Mediatrix Verlag 1978 (199 Seiten).
  • Georges Huber: Das missverstandene Konzil (in vier Sprachen erschienen)
  • Florian Kolfhaus: Pastorale Lehrverkündigung – Grundmotiv des Zweiten Vatikanischen Konzils, Untersuchungen zu „Unitatis redintegratio“, „Dignitatis humanae“ und „Nostra aetate“, Theologia mundi ex urbe, Bd. 2, (256 Seiten; geb.).

Casette

siehe auch: Liste von Konzilstheologen

Weblinks

Anmerkungen

<references />