Einsiedler

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Einsiedler, Holzschnitt von Wolf Traut, 1513

Ein Einsiedler (Mhd. einsidelære, einsam siedeln; griech.: ἐρημίτης Eremit, aus ἔρημος „Wüste“ oder Anachoret von: ἀναχωρέω - „sich zurückziehen“) ist ein gläubiger Mann oder eine Frau, welche in der inneren und äußeren Loslösung von der Welt, im Schweigen, in der Stille der Einsamkeit, mit beständigem Gebet, Fasten und Buße ihr Leben dem Lob Gottes und dem Heil der Welt weihen.[1] Sie geloben die drei evangelischen Räte nicht immer öffentlich.[2]

Einsiedler sind Männer und Frauen, die alten Orden oder neuen Instituten angehören oder auch unmittelbar vom Bischof abhängig sind.[3] Der Eremit wird "als im geweihten Leben Gott hingegeben" von der Kirche anerkannt, wenn er, bekräftigt durch ein Gelübde oder durch eine andere heilige Bindung, sich auf die drei evangelischen Räte öffentlich in die Hand des Diözesanbischofs verpflichtet hat und unter seiner Leitung die ihm eigentümliche Lebensweise wahrt.[4][5]

Es gibt Einsiedler und Eremiten, die in ständiger, wenn auch nicht gänzlich ununterbrochener Klausur und Einsamkeit ein mehr beschauliches als tätiges Leben führen, einem Mönchs- oder Regulatoren angehören, wie die Trappisten, Kamaldulenser und Kartäuser. Es gibt solche, die gemeinsam oder einzeln unter Leitung von Oberen und nach bestimmten Regeln, doch ohne Verpflichtung zur Klausur leben.[6]

Inhaltsverzeichnis

Sinn des Einsiedlerlebens

Die Einsiedler suchten die Wüste, in deren Gott den Menschen Verborgenes offenbarte; Stätten,[7] an denen sich Himmel und Erde begegnen, an denen durch Christi Gegenwart die Welt aus ausgedörrter Erde wieder zum Paradies wird (vgl. Mk 1, 13 EU).[8] Die Eremiten zeigen jedem das Innere des Mysteriums der Kirche auf: die persönliche Vertrautheit mit Christus. Den Augen der Menschen verborgen, ist das Leben des Eremiten eine stille Predigt Christi. Der Einsiedler hat sein Leben ganz Christus übergeben, weil dieser für ihn alles ist. Es ist eine besondere Berufung, in der Wüste, im geistlichen Kampf die Herrlichkeit des Gekreuzigten zu finden (KKK 921). Denn der Weg zur Vollkommenheit führt über das Kreuz. Es gibt keine Heiligkeit ohne Entsagung und geistigen Kampf (Vgl. 2 Tim 4,7 EU). Der geistliche Fortschritt verlangt Askese und Abtötung, die stufenweise dazu führen, im Frieden und in der Freude der Seligpreisungen zu leben (KKK 2015). Außerdem zeigt der Einsiedler, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt, sondern vom Wort Gottes (vgl. Mt 4,4 EU). Ein solches Leben "in der Wüste" ist eine Aufforderung an den Nächsten und zugleich an die kirchliche Gemeinschaft, niemals die höchste Berufung aus den Augen zu verlieren, nämlich immer beim Herrn zu sein.[9]

Geschichtliches

Die christlichen Wüstenväter (Anachoreten) des späten dritten bis fünften Jahrhunderts, lebten in der ägyptischen Wüste unter Schriftmeditation, Gebet und Arbeit einzeln oder in Gruppen. In Gottsuche und Askese erfahren, weckten sie als Geistträger durch Wort und Tat geistliches Leben in ihren Jüngern und wurden so deren geistliche Väter/Mütter (Apophthegmata Patrum). Im Rückgriff auf die Bibel ehrte man sie mit dem abba/amma-Titel (Abt) und bezeichnete sie gemäß ihrem Lebensraum als Wüstenväter. Ihre Lehre war stets aktuell.[10] Seit dieser Zeit widmen Einsiedler, Mönche und Nonnen ihr Leben dem Lobpreis Gottes und der Fürbitte für sein Volk.[11] Später empfahl der heilige Benedikt von Nursia, dass seine Mönche in Gemeinschaften wohnen und dabei das Gebet und das Studium mit der manuellen Arbeit verbinden sollten („ora et labora“).[12] So löste die benediktinische Mönchsregel die besondern Normen der Eremiten und ihre einzelnen Vorschriften ab, die bis dahin nicht fest umschrieben waren und oft von der Willkür der Zönobitenvorsteher abhingen.[13]

Eremitengruppen

Bekannte Eremiten

Akedí­a, Philokalie, Inclusen

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt vom 25. März 1996, Nr. 7; Kongregation für die Bischöfe Apostolorum successores für den Hirtendienst der Bischöfe vom 22. Februar 2004, Nr. 106; CIC 603 § 1.
  2. KKK 920.
  3. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt vom 25. März 1996, Nr. 7.
  4. CIC 603 § 2.
  5. Mit besonderer Seelsorge muss der Bischof die Eremiten begleiten, besonders jene, die als solche vom Recht anerkannt sind, weil sie öffentlich die drei evangelischen Räte in seine Hände versprechen oder weil sie durch Gelübde oder eine andere heilige Bindung als solche bestätigt wurden. Unter seiner Leitung sollen sie die ihnen eigene Lebensform beachten und ihre Existenz dem Lob Gottes und dem Heil der Menschheit hingeben, in der Loslösung von der Welt, im Schweigen, in der Einsamkeit, mit beständigem Gebet und mit der Buße. Der Bischof muss auch wachsam sein, um möglichen Missbräuchen und Unannehmlichkeiten zuvor zu kommen Vgl. c. 603 §§ 1–2 CIC; Kongregation für die Bischöfe Apostolorum successores für den Hirtendienst der Bischöfe vom 22. Februar 2004, Nr. 106.
  6. Pius XI. Apostolische Konstitution Apostolico muneri Gewährung von Ablässen an Ordensfrauen usw. mit Vollmachten zu Lossprechungen und Änderungen von Gelübden im Hinblick auf das allgemeine Jubiläum des Heiligen Jahres 1925 vom 30. Juli 1924; Pius XI. Apostolische Konstitution Servatoris Iesu Christi über die Ausdehnung des im Jahre des Herrn 1925 zu Rom gefeierten allgemeinen Jubiläums auf den ganzen katholischen Erdkreis vom 25. Dezember 1925.
  7. vgl. die Wüsten- und die Bergeinsamkeit: Gen 32,25-31 EU; Ex 3 EU; 24,1-8 EU; 34,5-9 EU; 1 Kön 19,8-13 EU; Lk 2,7-9 EU; Mt 17,1-8 EU).
  8. Kongregation für die Ordensleute und Säkularinstitute: Instruktion Venite seorsum über das beschauliche Leben und die Klausur der Nonnenklöster vom 15. August 1969, III..
  9. Nachsynodales Apostolisches Schreiben Vita consecrata über das geweihte Leben und seine Sendung in Kirche und Welt vom 25. März 1996, Nr. 7.
  10. Johannes Hofmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band 10. Sp. 1337; Kongregation für die Glaubenslehre: Schreiben Orationis formas über einige Aspekte der christlichen Meditation vom 15. Oktober 1989, Nr. 16.
  11. KKK 2687.
  12. Franziskus: (Sozial)-Enzyklika Laudato si’, mi’ Signore über die Sorge für das gemeinsame Haus vom 24. Mai 2015, Nr. 126.
  13. Pius XII. Enzyklika Fulgens radiatur zum 1400. Jahrestag des Heimganges des heiligen Benedikt von Nursia, Nr. 14.
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