Hostie

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Die Gestalten
von Brot und Wein

Hostie (lat.: hostia=Opfergabe, Opfertier; Schlachtopfer; griech.: προσφορά)[1] ist das zum eucharistischen Opfer der Heiligen Messe dienende Brot.[2]

Nach der heiligen Wandlung der Hostie spricht man von der "heiligen Hostie"[3] oder dem "heiligen Brot".

Inhaltsverzeichnis

Wie soll das Brot beschaffen sein?

"Das Brot muss aus reinem Weizenmehl" (CIC 924 § 2)[4] und natürlichem Wasser ohne jeden andern Zusatz gebacken werden.[5][6] Die Materie (des Brotes) muss in der Eucharistiefeier als Speise erkennbar sein.[7] Die Hostien müssen frisch sein, so dass keine Gefahr der Verderbnis besteht" (CIC 924 § 2), also jedenfalls nicht über 4 -6 Wochen (keine 2-3 Monate nach Herstellung).[8] In der lateinischen Kirche ist die Hostie eine dünne, flache, runde ungesäuerte (CIC can 926) Brotscheibe.[9] Für den Priester ist sie größer. Hostien in kleinerer Ausführung, dienen zur die sakramentalen Kommunion der Gläubigen.[10]

Hostien, die überhaupt kein Gluten enthalten (Zöliakie), sind für die Eucharistie ungültige Materie. Hostien, die wenig Gluten enthalten, jedoch so viel, dass die Zubereitung des Brotes möglich ist ohne fremdartige Zusätze und ohne Rückgriff auf Vorgangsweisen, die dem Brot seinen natürlichen Charakter nehmen, sind gültige Materie. Die Ordinarien sind zuständig, einzelnen Gläubigen oder Priestern die Erlaubnis zu gewähren, Brot mit wenig Gluten als Materie für die Eucharistie zu verwenden.[11][12]

Verwendung in der Liturgie

Papst Benedikt XVI. erhebt die große Hostie des Zelebranten, die kleinen Hostien für die Gläubigen befinden sich im sogenannten Speisekelch, links

Bei der Gabenbereitung in der Heiligen Messe, wird das Hostienbrot vom Priester Gott dargebracht. Bei der Heiligen Wandlung vollzieht sich eine Wesensverwandlung, sodass nur mehr die Gestalten der Hostie wahrnehmbar sind, doch das Wesen des Gottmenschen Jesus Christus zugegen ist und bleibt. Nach dem Entzweibrechen der großen Hostie des Priesters in der Eucharistiefeier, wird ein kleines Stück (an einer Kerbe) abgebrochen und in den Kelch "zum Zeichen der Einheit von Leib und Blut Jesu Christi," gesenkt.[13]

"Sehr wünschenswert ist es, dass die Gläubigen, so wie es auch der Priester selbst zu tun hat, den Leib des Herrn von den Hostien empfangen, die in derselben Heiligen Messe konsekriert worden sind. Auf diese Weise soll die Sakramentale Kommunion auch durch die Zeichen klarer als Teilhabe an dem Opfer erscheinen, das gerade gefeiert wird."[14]

Für die Austeilung der Kommunion unter beiden Gestalten durch Eintauchen (Intinctio), sollen die Hostien nicht zu dünn und auch nicht zu klein sein, sondern etwas dicker als gewöhnlich (Brothostien), damit sie, zu einem Teil in das Blut Christi getaucht, leicht ausgeteilt werden können.[15]

Für den Fall, dass der Priester eine Hostie nicht konsumieren kann, sieht die Katholische Kirche vor, diese in einem mit Wasser gefüllten liturgischen Gefäß (vasculum) zu verschließen und abzuwarten, bis sie sich gänzlich auflöst, so dass von einer Gestalt des Brotes nicht mehr die Rede sein kann und folglich auch nicht mehr vom Leib des Herrn.[16] Dieses Wasser wird in das Sakrarium gegossen.

Die gewandelte größere Hostie des Priesters, wird auch für die Aussetzung in der Monstranz verwendet.[17] Die Hostie wird im Ziborium (evtl. mit Lunula) im Tabernakel aufbewahrt.

Herstellung von Hostien

Hostieneisen Roscheider Hof

Ein Eisen (ferrum oblatorium, f. characteratum, molle ferreum) zur Hostienherstellung gab es schon wenigstens zu Ende des 9. Jahrhunderts. Dies war ein eisernes zangenförmiges Instrument, das vorne an der Spitze der beiden Schenkel, dem sogenannten Maul, mit zwei runden oder viereckigen einander deckenden Platten versehen war, zwischen denen die Hostien gebacken wurden. Dies waren dünne münzenartige d. h. Hostien der heutigen Art, größere für die Messen kleinere zur Ausspendung an die Gläubigen.[18] Die Priesterhostien sind heute im Durchmesser ca. 6 cm, die Laienhostien ca. 2 cm und Konzelebrationshostien ungefähr 13 cm.[19] Um 1967 war die Herstellung von Hostien meist Frauenklöstern anvertraut.[20] Heute werden Hostien maschinell hergestellt (siehe Weblink zu Kathtube).

Über die Verzierung der Hostien schreiben die liturgischen Bücher nichts. Die antike Brotkerbe war der Vorläufer eines eingedruckten Kreuzzeichens. Die Ritenkongregation hat 1834, die seit dem 12. Jahrhundert beliebte Einprägung eines Bildes des gekreuzigten autorisiert (n. 2714 vom 26. April). Gestattet sind auch andere traditionelle Symbole: Lamm Gottes, Guter Hirt, Fisch, Brotkorb, Pelikan, Kreuz u.ä. (zur Darstellung des Heiligen Geistes [allein oder mit Vater und Sohn].[21] Papst Pius XII. erwähnt in einer Ansprache, dass eine schneeweiße Hostie selbstverständlich ist,[22] wohl an das reine Opfer Christi denkend, das zur Schlachtbank geführt wurde.

Viele Körner - ein L(a)eib

"Die Gebärde des Brotbrechens, die der Eucharistie in apostolischer Zeit schlechthin den Namen gab, wird die Kraft und Bedeutung des Zeichens der Einheit aller in dem einen Brot klarer zum Ausdruck bringen und die Bedeutung des Zeichens der Liebe dadurch, dass das eine Brot unter Brüdern geteilt wird" (GRM, Nr. 321).

Der Eucharistische Lehrer Johannes Chrysostomos erklärt: „Wir viele sind ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17 EU). Was ist das für ein Brot? Es ist der Leib Christi ! Es sind nicht mehr viele Leiber, sondern ein einziger Leib. Wie viele Weizenkörner sind doch in einem Brot enthalten! Aber wer sieht die Körner? Sie sind ganz im Brot aufgegangen, aber in nichts unterscheiden sie sich voneinander, so sehr sind sie eins geworden."[23]

Und Lumen gentium fährt gleichsam fort: "Zugleich wird durch das Sakrament des eucharistischen Brotes die Einheit der Gläubigen, die einen Leib in Christus bilden, dargestellt und verwirklicht. Alle Menschen werden zu dieser Einheit mit Christus gerufen, der das Licht der Welt ist: Von ihm kommen wir, durch ihn leben wir, zu ihm streben wir hin" (Nr. 3).

Die Hostie als Heiligenattribut

Als Heiligenattribut, das an ein Hostienwunder (z.B. Lanciano, Bolsena) erinnert oder die besondere Verehrung des heiligsten Sakramentes andeuten will, kommt die Hostie, meist mit Kelch, vor bei Barbara, Hyazinth von Oppeln, Juliana, Konrad von Parzham, Bonaventura, Thomas von Aquin, Klara von Assisi, Burchard von Halberstadt, Paschalis Baylon,[24] Antonius Maria Zaccaria oder Imelda Lambertini.

Geschichtliches

Prosphora (gesäuertes Brot nach orthodoxem Brauch)

Jesus verwendete beim Abendmahl wohl das beim Ostermahl übliche ungesäuerte Brot. Von Anfang an wurde auch das von den Gläubigen gebrachte (Naturaloblation) gesäuerte Brot des häuslichen Gebrauchs zur Eucharistiefeier verwendet. Die älteste Form war die eines runden Kuchens (Epiphanius, Ancor. C. 57) wie noch jetzt in den orientalischen Kirchen - zum Brechen mit Kerbe. Im Westen waren es handgroße Scheiben oder Kränze (Ringe - corona, rotula), durch eine Kreuzkerbe geteilte "Semmeln" oder aber dreieckige Brezeln. Früh im 4.- 5. Jahrhundert sind auch schon Brotstempel mit christlichen Motiven nachweisbar. Im Westen war das Brot ungesäuert, im Osten, ausgenommen bei den Syrern (seit 5. Jahrhundert), den Armeniern (seit dem 6. Jahrhundert) und den Maroniten, gesäuert. Im griechischen Ritus gilt ungesäuertes Brot als nichtgültige Materie (materia invalida). Der Übergang zur ausschließlichen Verwendung ungesäuerter Brote, welche weniger bröseln, wurde erstmals im Westen von Hrabanus Maurus 819 (De inst. cler. I, 31) gefordert. Im lateinischen Ritus war das Brot schon im 7. Jahrhundert für gewöhnlich ungesäuert, seit dem 9. Jahrhundert dann stets.[25] Der Übergang geschah auch zugleich mit dem Ausschluss der Volksoblationen von der Eucharistiefeier im 9. - 11. Jahrhundert. Ebenfalls in dieser Zeit, setzte sich die Scheibenform des Brotes durch und wurde begonnen der Name "hostia" für das ausgewählte Opferbrot zu verwenden. Die Herstellung der Hostien geschah im Mittelalter (zuweilen schon ein liturgischen Akt) vielfach durch Priester und Diakone mit größter Sorgfalt bei den Cluniazensern (Albers, Consuet. monast. IV 138), in manchen französischen Diözesen noch bis zur großen Revolution durch die Pfarrer, oder die Priester waren zu strenger Kontrolle der Hostienbäcker verpflichtet (Hartzheim VIII 990; IX 553). In den Riten des Ostens müssen die Hostien am Tage des Gebrauches gebacken werden. Die im 12. Jahrhundert üblich werdende heutige Größe der großen Hostie des Priesters, regte auch die Herstellung fertiger "Partikeln", d. h. kleinerer Hostien für die Gläubigen, an. Durch die Einschränkung der Laienkommunion auf die höchsten Feste erübrigten sich die großen Hostienbrote. Weizenbrot wurde vom Konzil von Florenz 1439 als Materie des Sakraments bezeichnet (DH 1320).[26]

siehe: O salutaris hostia, Azymenstreit

Weblinks

Anmerkungen

  1. lat.: hostia: das Wort geht ursprünglich auf eine lebendiges Wesen-auf das Opfertier, das geschlachtet wurde- zurück; lat. auch: oblata; mittelalterlich auch oblia.
  2. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon. Josef Kösel Verlag & Friedrich Pustet Verlag Komm-Ges. Regensburg 1924, S. 137, Hostie (399 Seiten; Zweite, verbesserte und sehr vermehrte Auflage; Imprimatur Ratisbonae, die 1. Aprilis 1924 Dr. Scheglmann Vic. Gen).
  3. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, S. 117.
  4. CIC 1917 can 815 §1; Manche denken, dass das Brot aus Gerste sein sollte, da das Wunder der Brotvermehrung mit Gerstenbroten (vgl. Joh 6,9 EU) stattfand. Hildegard von Bingen sagt über die innere Einnahme von Gerste: "Und wenn sie als Brot oder als Mehl gegessen wird, schadet sie sowohl Gesunden als Kranken" (Physika, Cap 1-4). Den Weizen, innerlich eingenommen, lobt sie mit den Worten: "Der Weizen ist warm und vollkommene Frucht, so dass in ihm kein Mangel ist. Und wenn man rechtes Mehl aus Weizen macht, dann ist das aus diesem Mehl gemachte Brot gut für Gesunde und Kranke und bereitet rechtes Fleisch und rechtes Blut im Menschen" (Physika, Cap 1-1); NB: Das gilt nicht für das Weizenweißmehl - Type 405!
  5. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 137.
  6. Das Mehl kann von allen Arten von Weizen genommen werden, also auch von Spelt (Dinkel) - aus: Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 328, Weizenbrot.
  7. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, Nr. 321.
  8. SC Sacr. vom 7. Dezember 1918: AAS 11 [1919] 8: aus: Ludwig Eisenhofer: Hostie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage. Band 5, Sp. 156; CIC 1917 can 1272.
  9. Für die katholischen Ostkirchen schreibt c. 707 § 1 CCEO keine konkrete Qualität des eucharistischen Brotes vor, sondern bestimmt, dass in jeder Kirche sui juris eigene Normen bezüglich dieses Gegenstandes aufgestellt werden sollen.
  10. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 117, Hostie (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  11. vgl. genaue Angaben zur Praxis: Materien für die Eucharistie 2003.
  12. In diesem Zusammenhang wird an die Empfehlung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz vom 24. Juni 1996 erinnert: „Nach der Feststellung kompetenter medizinischer Fachleute können Zöliakiekranke Hostien aus Weizenstärke ,Cerestar‘ problemlos kommunizieren. Diese Hostien enthalten nur einen geringen Anteil an Gluten, der auch für besonders empfindliche Kranke keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringt. Die empfohlenen Hostien können bei der Firma HOCH GmbH Oblatenfabrik, Friedensstraße 24, 63927 Bürgstadt bezogen werden.“ aus: bei Liturgie.de
  13. Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch, Nr. 83.
  14. GRM, Nr. 85.
  15. Grundordnung des Römischen Messbuches, Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch [3. Auflage] 12. Juni 2007, Nr. 285 b.
  16. Das eucharistische Wunder von Sokolka Kath.net am 6. Oktober 2011
  17. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 137.
  18. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 137, Hostieneisen.
  19. Die Steyler Missionare betreiben die größte Hostienbäckerei Österreich (seit 1926).
  20. aus: Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie. Ein Überblick für die Praxis. Tyrolia Verlag Innsbruck-Wien-München 1967, S. 141, Hostie (490 Spalten, 2. Auflage; Imprimatur des Bischöfl. Ordinariates Innsbruck Nr. 1693/2 vom 23. Oktober 1966 Mons. Dr. Josef Hammerl, Generalvikar).
  21. vgl. AAS 20 [1928] 103): Walter Dürig: Hostie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage. Band 5, Sp. 496.
  22. Ansprache Grande conforto an Neuvermählte über das Gebetsleben der Eheleute vom 12. Februar 1941
  23. Texte zur Eucharistie aus der Zeit der Kirchenväter ( bis 6. Jh.) Aus einer Predigt des heiligen Johannes Chrysostomos – im 4. Jahrhundert: Homilien zum 1. Korintherbrief 24.
  24. Ludwig Eisenhofer: Hostie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage. Band 5, Sp. 156+157.
  25. Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 328, Weizenbrot.
  26. aus: Gerhard Podhradsky: Lexikon der Liturgie, S. 140-141, Hostie; Joseph Braun: Liturgisches Handlexikon, S. 137; Franz Nikolasch: Brot. II. Liturgisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage. Band 2, Sp. 704; Walter Dürig: Hostie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage. Band 5, Sp. 495-496; Ludwig Eisenhofer: Hostie in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage. Band 5, Sp. 156; Josef Andreas Jungmann: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Zweiter Band, 3. Aufl. Herder Verlag Wien-Freiburg-Basel 1952, S. 40-47.